«Eigenheiten werden nicht mehr toleriert»

Liebe Leserinnen und Leser

Hat ein Kind in der Schule Probleme, kommt schnell einmal der Schulpsychologe ins Spiel. Unsere Autorin Jeanette Kuster unterhielt sich mit Hans-Peter Schmidlin über die häufigsten Schwierigkeiten – und darüber, wie Kinder die Schuljahre möglichst problemlos meistern. Herr Schmidlin wird heute ab 13.30 Uhr während einer Stunde auf Ihre Kommentare reagieren. Sie können gerne auch Fragen in den Kommentaren schreiben. Herr Schmidlin wird darauf antworten. Themenwoche Schule, Teil 2.

Ein Junge in einer Primarklasse in Graubünden. (Foto: Keystone/Gaetan Bally)

Für Normabweichungen ist heute wenig Platz in der Schule: Ein Junge kaut an einem Bleistift herum. (Foto: Keystone/Gaetan Bally)

Hans-Peter Schmidlin, spricht man mit anderen Eltern, hat man das Gefühl, dass je länger desto mehr Kinder in der Schule überfordert sind und deshalb therapiert oder zumindest abgeklärt werden. Stimmt dieser Eindruck?
Ich glaube nicht, dass wir eine grosse Zunahme verzeichnen. Aber man kann sicher sagen, dass sich die Zahl der abgeklärten Kinder auf einem hohen Level eingependelt hat.

Warum gibt es so viele Kinder mit Schulproblemen?
Eigenheiten werden heute nicht mehr im gleichen Masse toleriert wie früher. Und man hat das Gefühl, dass man sofort intervenieren muss, wenn ein Kind über eine bestimmte Zeitspanne nicht mehr die gewünschte Leistung bringt – damit es sich die Zukunft nicht verbaut.

Ist es nicht traurig, wenn den Kindern schon in der ersten Klasse ihre Eigenheiten ausgetrieben, sie in ein Schema gepresst werden?
Der heutige Schulunterricht ist anspruchsvoller und temporeicher als noch vor fünfzig Jahren. Deshalb hat eine Normabweichung wie zum Beispiel eine gewisse Verträumtheit einfach keinen Platz mehr. Vielfach sind es aber die Eltern, die wollen, dass ihr Kind den Normen entspricht. So habe ich zum Beispiel schon den Satz gehört: «Wir wollen nur das Beste für unser Kind und das ist das Gymnasium.»

Die Eltern setzen ihre Kinder also (unbewusst) auch unter Druck.
Ja, indem sie immer noch an den Mythos glauben, dass man nur mit einer höheren Ausbildung Erfolg haben kann. Sie unterschätzen die Möglichkeit des lebenslangen Lernens. Auch mit ihrer eigenen Haltung der Schule gegenüber.

Können Sie das erläutern?
Viele Eltern reden vom «Ernst des Lebens», der mit Schuleintritt beginnt. Das sendet falsche Signale aus. Viel besser wäre es doch, dem Kind zu erzählen, dass nun eine spannende Zeit beginnt, während der es ganz viel lernen, neue Freunde kennenlernen und Spass haben wird. Zudem: Ist die Schule wirklich «der Ernst des Lebens», oder nicht eher ein Lebensabschnitt? Meiner Meinung nach beginnt der Ernst des Lebens mit der Geburt.

Was sind die häufigsten Probleme, die in Ihrer Beratung auftauchen?
Probleme mit der Leistung und Verhaltensprobleme wie Unkonzentriertheit oder Stören im Unterricht. Die Gründe können sowohl eine Unter-, wie auch eine Überforderung sein, das gilt es abzuklären.

Wie reagieren die betroffenen Schüler, wenn sie zum Schulpsychologen müssen?
Einige empfinden es als entlastend, zu hören, dass sie sehr wohl etwas können, wenn zum Beispiel die Lernumgebung besser auf sie abgestimmt ist. Andere sind wenig einsichtig, da wird es schweriger mit der Motivation.

Und was ist mit den Eltern: Haben die Mühe, zu akzeptieren, dass ihr Kind  überfordert ist?
Das kommt durchaus vor. Manche schalten dann auf Abwehr und geben der Schule die Schuld. Sie wollen nicht wahrhaben, dass ihrem Kind ein gewisses Potenzial fehlt oder es gar an einer Lernbehinderung leidet.

Was tun Sie in solchen Fällen? Sie können die Familie ja nicht zur Therapie zwingen.
Nein, aber wenn eine echte Behinderung vorliegt, empfehlen wir der Schulpflege die Versetzung in eine Sonderschule, falls die integrative Schulung zu wenig greift. Es darf nicht sein, dass einem Kind aus elterlichem Stolz die adäquate Schulbildung verweigert wird.

Zum Schluss noch die Bitte nach einem praktischen Tipp: Was können wir Eltern vorsorglich tun, damit unsere Kinder die Schuljahre möglichst problemlos meistern?
Sie müssen dem Kind Ihr Vertrauen schenken und ihm Hilfe anbieten, wenn es diese benötigt. Und kritisieren Sie bei Schwiergkeiten nicht einfach den Lehrer, sondern suchen Sie vielmehr gemeinsam mit ihm nach einer Lösung. Denn eins darf nicht vergessen gehen: Das Kind steht bei solchen Eltern-Schule-Konflikten mittendrin und kommt womöglich in einen Loyalitätskonflikt, weil es den Lehrer gut mag und sich auf keine Seite schlagen möchte. Und das ist dann wahrlich kein gutes Lernklima.

schmidlin150x150Hans-Peter Schmidlin ist Kinder- und Jugendpsychologe und Leiter des Schulpsychologischen Dienstes des Kantons Aargau.

154 Kommentare zu ««Eigenheiten werden nicht mehr toleriert»»

  • gabi sagt:

    Ist hier eigentlich so eine Art Themenmonat oder fällt der Autorin einfach nichts Anderes auf oder ein, als über die achsounterdrückte indiviuelle Entwicklung des Kindes zu klagen?

    Bin schon gespannt, in welchem neuen Kostüm das ausgelutschte Thema beim nächsten Mal wieder erscheint.

  • May sagt:

    Die Eltern setzen ihre Kinder also (unbewusst) auch unter Druck.
    Ja, indem sie immer noch an den Mythos glauben, dass man nur mit einer höheren Ausbildung Erfolg haben kann.

    Es ist immer wieder erstaunlich wie Leute welche offenbar nicht in dieser Wirtschaft arbeiten, uns glauben machen wollen die Wirtschaft vermittle ein anderes Bild als:

    höhere Ausbildung = Erfolg
    Denn wenn man eine höhere Ausbildung hat, dann zählt auch z.B. Erfahrung, wenn du aber kein höheres Fachdip. hast dann zählt auch deine Erfahrung nichts.

  • Erich Meier sagt:

    Das Ganze ist wohl auch eine politische Angelegenheit: Der Staat will nur brave, genormte, loyale Bürger, die zu allem ja sagen. Darum soll die Massregelung künftiger Abweichler schon im Schulalter beginnen. Überall ist der Überwachungs- und Reglementiererstaat im Vormarsch. Auch Menschen mit unkonventionellem Verhalten bereichern die Gesellschaft. Es geht nicht an, jeder Abweichung von der „Norm“ mit einer „Therapie“ entgegenzuwirken.

    • Sportpapi sagt:

      Der Staat? Sie meinen der, der sich sorgt, weil zunehmend mehr Jugendliche aufgrund schlechter Schulnoten/Sozialverhalten keine Lehrstelle mehr finden und nur mit viel Aufwand, wenn überhaupt, in die Arbeitswelt integriert werden können? Bö ser Staat!

      • Erich Meier sagt:

        Wenn „unser“ Staat tatsächlich glaubt, durch künstlich geförderten Import von Lehrlingen aus Südeuropa die Situation der hiesigen Jugendlichen zu verbessern, dann handelt er nur im Interesse der EU und nicht in dem unserer Jugend.

      • Sportpapi sagt:

        Sie weichen aus, Herr Meier. Das sind offene Lehrstellen, die im Interesse der Wirtschaft besetzt werden sollten. Und da sind Jugendliche, denen offenbar die nötigen Fähigkeiten fehlen für diese Lehrstellen.

      • gabi sagt:

        Das ständige Loblied auf die „Menschen mit unkonventionellem Verhalten“ welche angeblich die Gesellschaft berreichern, geht mir langsam auf den Wecker.

        Ich nehme vor allem immer mehr Menschen wahr, die gar nicht fähig sind „konventionelles Verhalten“ an den Tag zu legen. Hab grad gestern einem guten Gespräch über die Situation von Buchhandlungen in Wien gelauscht und konnte mir rege vorstellen, was die freundliche Ladenbesitzerin meinte, als sie erklärte, dass immer mehr Menschen gar nicht mehr mit einem echten Laden „umgehen“ können, weil ihnen die Basics fehlen:

      • gabi sagt:

        Das Grüssen, die Art, wie man freundlich fragen kann, ein „Danke“, ein „Bitte“… Überfordert offenbar immer mehr Zeitgenossen. Aufge- und erzogen (oder nicht einmal das) von Menschen, die ihr Kind gewiss nicht durch allzu restriktive Normen einengen wollten… Die´s ganz toll fanden, wenn das Kind „unkonventionell“ werde.

        Dieser unangenehme 68-er Nachgeschmack hat heute längst nichts mehr mit einem „Überwinden“ zu tun. Es ist zur blossen Unfähigkeit verkommen.

        Etwas eigentlich zu beherrschen, aber dennoch nicht anzuwenden, ist etwas vollkommen anderes als schlichtes Unvermögen!

      • Erich Meier sagt:

        Weiss schon ! Weil unsere Jugendlichen zu dumm sind, müssen sie rechtzeitig unter die Umerziehungsknute genommen werden. Nur Ausländer sind besser ! Der Ostblock lässt grüssen ! Vielleicht wird unser Schulsystem zuletzt auch Spitzenathleten wie seinerzeit die DDR produzieren ?

      • Sportpapi sagt:

        @Meier: Bringen Sie doch mal eine kluge Alternative dazu, unsere Kinder zu befähigen, ein erfolgreiches Berufsleben zu führen. Mit einer guten Ausbildung.

      • Erich Meier sagt:

        Früher ist aus den weitaus meisten Schulkindern auch etwas Rechtes geworden, ohne dass wegen jeder kleinen Verhaltensauffälligkeit ein Psychiater bemüht werden musste. Heute gibt es einfach zuviele Schulbürokraten, für die (mit Steuergeldern !) künstlich eine Pfründe geschaffen werden muss. Dasselbe Problem wie mit den vielen Ärzten und den deshalb stetig steigenden Krankenkassenprämien.

  • Paul Moser sagt:

    Nach meinen Erfahrungen sind es vielmehr die zunehmenden „Eigenheiten“ der Eltern, die der Schule und den Lehrpersonen vermehrt Mühe bereiten und nicht diejenige der Schüler.

  • André Dünner sagt:

    Vielen Dank für die rege Teilnahme an dieser Publikation meinerseits an alle Mitwirkenden

    Bin ich mir da in etwas nicht mehr ganz bewusst geworden? Jedes Individuum hat doch seine Spezifikationen. Stimmt dies nun oder nicht? Wenn dem so ist. Wieso müssen alle nach jeder Vorgabe gleich ticken? Wenn jemand ausserordentliche Spezies will, dann soll er/sie sich diese selber züchten. Es geht nicht an, dass ein Staat dies diktiert. Das entspricht nicht einer Demokratie, noch ist es natürlich. Und letzteres wird immer knapper. Das eine synthetische Gesellschaft entsteht ist fatal.

  • will williamson sagt:

    @Brunhild Steiner:
    Die Kooperation der Eltern läuft heute oft gegen die Lehrer und die Schule. Dass diese ein Thema war, erinnere ich mich nicht. Wenn einer was angestellt hatte, kriegte er zuhause oft auch noch den „Hintern versohlt“. Vorbereitung auf das Zusammenleben mit andern gabs auch nicht. Man lebte einfach mit Ihnen zusammen, mit einigen lieber, mit andern weniger gern. Ich find es ja auch gut, dass das heute nicht mehr so läuft, aber man kann es natürlich auch auf die andere Seite übertreiben. Evtl. brauchen wir bald noch Berater für Schulpsychologen.

  • Peche sagt:

    mein Sohn haben die ach mal abgeklärt, da hat es geheissen :EK. Was nicht beachtet wordenist : mein Sohn hat sich gelangweilt ohne Ende. Jetzt, gerade 12, im Ausland lebend, spricht er perfekt Spanish, Catala, English. Noten in sein Zeugniss : perfekt, nur Perfekt. Wieso, weil er ein Lehrer hat die ihm verstanden hat, extra Aufgaben gegeben und weg war die Langeweile.
    Alles was nicht in eine Schublade passt wird ausgegrenzt (in CH) tja….

  • will williamson sagt:

    Als ich zur Schule ging, hatte man noch nicht die geringste Ahnung von Schulpsychologen. Die meisten von uns haben die Schule trotzdem mit gutem Erfolg bestanden. Irgend etwas muss in den letzten Jahren entgleist sein. Möglicherweise gibt es jetzt einfach zunehmend „abklärungsbedürftige“ Kinder weil es eine zunehmende Zahl von Schulpsychologen gibt, die schliesslich auch etwas zu tun haben müssen.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @will williamson:
      wann genau war das denn als Sie zur Schule gingen?
      Stadt oder Landgebiet?
      Sprachregion?
      Durchmischung der Klasse?
      Kooperation (resp Vorbereitung der Kinder aufs Zusammenleben mit anderen in einer Klasse etc)
      der Eltern?

      Da hat sich eben tatsächlich einiges geändert, und ein paar Sachen sind entgleist.

      • will williamson sagt:

        Es ist schon sehr lange her, dass ich zur Schule gegangen bin. Auf dem Land in der Deutschschweiz. Die erste Woche in eine Schule auf dem Hill. Da gab es neun Klassen und einen Lehrer. Heute sind die Lehrer mit einer Klasse schon mehr oder weniger überfordert. Drum brauchen die dann „Lehrerberater“. Nach einer Woche zogen wir um und ich kam in eine Dorfschule. Da hatten die Lehrer jeweils zwei aufeinanderfolgende Klassen im gleichen Klassenzimmer. Auch das funktionierte gut. Ein Lehrer war da, bei dem kam bei „Auffälligkeiten“ nicht der Schulpsychologe, sondern der Rohrstock (Tatzenpsychologie

    • marusca sagt:

      Nein, es gibt vielmehr eine (grosse) Anzahl von durchgeknallten, ultraüberspannten Eltern, die „zunehmend abklärungsbedürftig“ wären. Die sind es nämlich, die in den letzten Jahren zunehmend entgleist sind, nicht die Kinder.

    • alam sagt:

      @will williamson: Sie sagen, die „meisten“ hätten die Schule mit gutem Erfolg bestanden. Und die anderen? Was ist aus denen geworden, die nicht mit gutem Erfolg bestanden haben? Heute haben diese ein Recht darauf, dass man ihnen hilft, wenn man kann.

  • Nadine sagt:

    @philippe m.r

    Und den Namen tanzen, oder?

    Das sind doch total veraltete Sprüche
    Und total überflüssig.

  • Nicole sagt:

    vor ca 25 Jahren musste ich zur Abklärung, weil man eine Rechenschwäche vermutete, sprich Dyskalkulie. Die Dyskalkulie wurde diagnostiziert, bis heute hasse ich Rechnen, weil mir immer wieder gesagt wurde, du kannst es halt nicht (auch von den Eltern) ich hatte dann in der Oberstufe einen super Lehrer, der mich motivierte. Und siehe da, plötzlich hatte ich eine 6 in Algebra. Und oh wunder, ich konnte sogar von der Sek in die Bezirksschule wechseln (Kt. Aargau) Trotzdem mag ich Rechnen einfach nicht, da ist immer noch diese Blockade. Zweifle aber echt an dieser Diagnose, bis heute!

    • Rolf Bombach sagt:

      Willkommen im Club. Klares Zeichen von ungeeignetem Lehrer. Gauss sagte mal: „Der Mangel an mathematischer Bildung gibt sich durch nichts so auffallend zu erkennen, wie durch maßlose Schärfe im Zahlenrechnen.“ Die Mathematiker haben also die Mathematik erfunden, da sie nicht rechnen wollten oder konnten. Die Primarlehrer zu jener Zeit, wenn ich an meinen denke, waren nicht die hellsten, mussten aber ein Urteil über die Gym-tautlichkeit abgeben. Und da war „kann nicht Kopfrechnen“ ein beliebtes Urteil. Auch mich hat dann der Oberstufenlehrer dann motiviert.

  • Sibylle Dapp sagt:

    Die Schule möchte keine Talente sondern Schafe züchten.

    • Nadine sagt:

      Genau, deshalb gehen meine in die Rudolf Steiner Schule. Nach einem Jahr Staatsschule hat es meinem Sohn inkl. der ganzen Fam. total abgelöscht.
      Jetzt sind wir glücklich und dürfen auch noch ein bisschen verträumt bleiben 🙂

      • Philipp M. Rittermann sagt:

        toll. dann lernen sie wenigsten singen und klatschen…

      • elena sagt:

        @philippe m.r: Und die eidg. Matura machen die Steinerschülerinnen und -schüler im Klatschen, Singen – alle in rosa Gewändern, fliegend über Efeu berankten Bühnen. Und diejenigen, welche die hoch gelobte Matura nicht absolvieren an dieser Schule, die landen wohl im Nirgendwo, singend und klatschend immer noch. ‚Glücklicherweise‘ haben meine drei Töchter die Matura dort geschafft, studieren an der ETH oder Uni und ja, eine tanzt. Professionell. Im Staatsballett. Manchmal rosa, selten klatschend. Keine brauchte einen Schlulpsychologen. Nur Glück gehabt. Egal wo. Ein Hoch auf Ihre Vorurteile.

      • Philipp M. Rittermann sagt:

        🙂

      • marusca sagt:

        Fragt sich nur, wie gut Ihre Kinder nach der RStSch zurechtkommen. Da draussen, auf der freien Wildbahn, weht nämlich ein ganz anderer, rauer Wind.

  • Sportpapi sagt:

    @Schmidlin: Meine Erfahrung mit Psychologen, (Psychomotorik-) Therapeuten, Schulsozialarbeitern etc. ist ja, dass ihr Pensum ständig aufgestockt wird, mit jeder neuen Anstellung mehr Bedürfnisse geweckt bzw. Kinder therapiert werden. Offensichtlich gibt es da keine klaren Grenzwerte. Was meinen Sie dazu?

    • schmidlin sagt:

      @Sportpapi: Paradisische Zustände beschreiben sie. Es ist nicht so, dass wir ständig die Pensen aufstocken können. Es ist so, dass die Schulpsychologinnen und -psychologen in der Regel eine zeitlich sehr hohe Auslastung ausweisen. Durch Qualitässsicherung, auch mittels Kundenbefragung, verbessern wir unsere Angebote und passen sie der Nachfrage an.

      • Sportpapi sagt:

        @Schmidlin. Die zeitlich hohe Auslastung zweifle ich keineswegs an. Mein Punkt, meine Erfahrung ist aber, dass eine Erweiterung, eine neue Anstellung hier eben meist keine Abhilfe schafft, sondern umgehend auch die neue Person wieder völlig überlastet ist. Mein Verdacht ist, dass die „Therapieschwelle“ hier eben nicht so fix ist, und mehr Leute in den „Genuss“ einer Behandlung kommen. Ausserdem – und das ist jetzt die Erfahrung mit Psychomotorik – werden die Kinder lange nicht mehr „entlassen“, auch weil es „ihnen gut tut“, auch wenn gar kein eigentliches Therapieziel mehr verfolgt wird.

      • xyxyxy sagt:

        @schmidlin
        ich schliesse mich hier sportpapi an. Kürzlich sprach ich eine befreundete Lehrerin an, da sagte sie mir eine Kollegin aus dem therapeutischen Bereich habe sie auch schon gefragt: „hast du noch jemanden aus der Klasse…?“

        Machen wir uns nichts vor: es herrscht Angebot und Nachfrage. Stellenprozente werden geschaffen oder gestrichen, nach Bedarf. Der Therapeut hat ein Interesse daran, dass es möglichst viel Bedarf gibt. Das ist legitim. Ich in meinem Beruf habe das auch. Um so höher der Bedarf, desto sicherer mein Job, bzw. besser die Entlöhnung.

      • Sportpapi sagt:

        @xyxyxy: Ich sehe das nicht so zynisch. Ich glaube, die Therapeuten arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen und ohne auf die eigene Anstellung zu schielen. Aber es gibt halt immer viel zu tun, wenn man nur genau genug hinschaut. Und da gibt es eben die Frage nach einer gewissen Objektivität.

      • xyxyxy sagt:

        SP – ich meinte das überhaupt nicht zynisch. Darum erwähnte ich mich selbst, als Beispiel. Ich habe in verschiedenen Berufen gearbeitet. Und immer entwickelte ich ein Auge für die absolute Wichtigkeit meines Berufes.
        Positiv daran ist die Selbstmotivation und die Hingabe, die das weckt.
        Objektivierend betrachtet: steht dahinter aber auch dass man sich selbst einen Sinn gibt, sich unverzichtbar macht etc.

        Ich denke, wir sollten in jeder Diskussion diesen objektiven Blickwinkel mit erfassen. Das ist nicht zynisch, sondern realistisch.
        Aber schade, dass schmidlin dazu nichts sagt.

      • Sportpapi sagt:

        Diese „Diskussionsstunde“ war überhaupt sehr enttäuschend. Ganz wenige Stellungnahmen und oberflächliche „politische“?Antworten, wie schon im Interview. Schade!

      • xyxyxy sagt:

        eben gerade das ist nicht vertrauensfördernd
        (und ich vertraue ja Prinzipiell dem System, den Lehrern und den Förderern)
        aber dieses „nicht Wahrnehmen von berechtigter Kritik“ ist dann etwa so glaubwürdig, wie wenn ein Extremleistungssportler sagt, in seiner Disziplin gäbe es ganz bestimmt kein Doping

  • Johanna sagt:

    Herr Schmidlin, kann es sein, dass meine 2 Töchter (2.5 und 4) aufgrund meines 60%Pensums an einer Bindungsstörung leiden? Sie gehen sehr offen mit neuen Menschen um, umarmen schon mal eine Frau, mit der ich vielleicht 2-3 Mal gesprochen habe und sagen ihr: „Du bist lieb!“. Ein adoptiertes Kind aus der Nachbarschaft ist extrem anhänglich zu ALLEN aber auch sonst verhaltensauffällig und leidet an RAD. Nicht zu vergleichen mit meinen Töchtern. Trotzdem: muss ich mir bei meinen Töchtern Sorgen machen oder sind sie einfach äusserst herzlich zu Menschen? Kommt dies bei Kleinkindern öfter vor?

  • Johanna sagt:

    Herr Schmidlin, die Frage zeigt wohl den paranoiden Charakter der heutigen Mamis auf! Meine Töchter (2.5 und 4)können sehr offen sein mit freundlichen Leuten, denen sie begegnen. Bei Verwandten, aber auch anderen Müttern, mit welchen ich z.B. in der Krippe vielleicht 2-3 Mal gesprochen habe, können sie auch schon mal anhänglich werden und ihnen auf den Schoss sitzen und sagen, dass sie sie gern haben. Ein adoptiertes Kind aus der Nachbarschaft geht ebenfalls undiskriminiert offen mit fremden Personen um, fast unheimlich! Leiden meine Töchter wegen meines 60%Pensums an einer Bindungsstörung?!

  • Leo01 sagt:

    Ich sehe auch ein Problem darin, dass so viele Kinder aus zerstörten, geschiedenen, bestenfalls halbwegs funktionierenden Familien kommen. Keine Mutter, kein Vater hat genügend Zeit, Musse und Nerven, sich dem EIGENEN Kind voll zu widmen – wie das noch unsere Eltern taten. Ich und meine bekannten Schulkollegen und Kolleginnen konnten jederzeit mit Problemen und auch Freuden nach Hause, die beim gemeinsamen Mittagessen, Abendessen, zwischendurch miteinander abarbeiten.
    Als erstes wurde uns Unterstützung beim „Ufzgi mache“ geboten und dann oft mit uns gespielt. Romantisch aber positiv wirksam.

  • Widerspenstige sagt:

    Herr Schmidlin, diese Aussage finde ich bedenklich wegen dem Verträumten insbesondere: ‚Der heutige Schulunterricht ist anspruchsvoller und temporeicher als noch vor fünfzig Jahren. Deshalb hat eine Normabweichung wie zum Beispiel eine gewisse Verträumtheit einfach keinen Platz mehr…‘.

    Die heutigen Kinder wachsen mehrheitlich in einer Multimediawelt auf. Sie sind es demnach gewohnt, dass ständig irgendwo ein elektronisches Gerät Laute von sich gibt und Bildli aussendet. Kinder sind permanent diesem Druck ausgesetzt und haben wohl mehr Mühe mit dem zu langsamen Vorgehen des Lehrstoffes?!

    • Brunhild Steiner sagt:

      … ehrlich gesagt hab ich ja auch nicht unbedingt das Gefühl, dass es die verträumten Kinder sind, welche durch ihr auffälliges Verhalten die Gesamtklasse durcheinanderbringen….

    • schmidlin sagt:

      Eben gerade wegen dieser hohen Reizüberflutung müssen wir mehr den effektiven kindlichen Bedürfnissen nach träumen und verspilelt sein gerecht werden. Diese kindliche Eigenheit muss unbedingt in der Schule Platz finen und nicht als Dessinteresse oder Unkonzentriertheit diagnostiziert werden.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @schmidlin:
        aber mal abgesehen von Verträumtheit und gymifokussierten Eltern gibt es doch noch ganz andere „Auffälligkeiten“ welche dann wirklich auf die Gesamtklasse lähmende Auswirkungen haben, existieren dazu Zahlen bezüglich Verteilung etc (siehe auch meine Fragen weiter oben), und wie hoch ist da die Verteilung von kooperativen Eltern versus nicht-Interessierte? Mich beschleicht gerade bezüglich dem Desinteresse ein ohnmächtiges Gefühl.

      • alam sagt:

        Aber Herr Schmidlin, genau deshalb gibt es doch die Abklärungen um „nur“ verträumte und verspielte Kinder von solchen mit ADS zu unterscheiden. Dafür brauchen wir Fachleute wie Sie und Lehrer, die Ihre Entscheidungen akzeptieren. Da sind Sie mit Ihrem Appell an uns Eltern eigentlich an der komplett falschen Stelle.

      • Sportpapi sagt:

        Ich glaube, die Stunde ist schon längst wieder vorbei…

    • Widerspenstige sagt:

      Aber Herr Schmidlin, ich verstehe immer noch nicht Ihren Satz ‚..Deshalb hat eine Normabweichung wie zum Beispiel eine gewisse Verträumtheit einfach keinen Platz mehr..‘ Ein Widerspruch in sich zu Ihrer Antwort darauf? Wie können Sie das ‚richtige Verträumtsein‘ diagnostizieren und nicht das Desinteresse am zB zu langsamen Stoffvermittlungsverfahren des Lehrkörpers oder zuviele lernresistente MitschülerInnen im selben Klassenzimmer? Ein Wiederkauen von bereits Begriffenem wirkt einfach abtörnend auf Wissensdurstige und Schnelllerner. Diese beginnen zu Träumen und/oder stören den Unterricht.

      • schmidlin sagt:

        Mein Appell: Normabweichungen müssen Platz haben. Aber leider ist es so, dass sehr oft eine Eigenheit wie langsames Lernen oder tagträumen nicht toleriert wird. Andrerseits muss natürlich auch Kindern mit einer schnellen Auffassungsgabe ebenfalls entspreochen werden können. Kurzum individuallisierter Unterricht ist wo möglich das Zauberwort.

      • Sportpapi sagt:

        „Kurzum individuallisierter Unterricht ist wo möglich das Zauberwort.“ Oder Schlagwort. Ich für meinen Teil verstehe jeweils nicht, wie das eigentlich gehen soll. Die Unterrichtsdauer ist gegeben (zumindest, wenn man keine Klasse überspringt). Die Lernziele auch. Wenn also ein Kind nach zwei Stunden erarbeitet hat, wofür andere den ganzen Tag brauchen. Darf es dann einen Schritt weiter gehen? Oder mehr in die Breite? Nimmt man das ernst, müssten doch nach 9 Schuljahren riesige Unterschiede zwischen den Schülern bezüglich gelerntem Stoff und -niveau herrschen.

      • Widerspenstige sagt:

        Danke Herr Schmidlin! Genau das wollte ich von Ihnen als Fachmann hier lesen. Es hätte meinen drei Kindern während ihrer Leidenszeit in einer provinziellen Grundschule sehr gut getan, in einem individualisierten Unterricht zu sein. Jetzt sind sie draussen und die beiden Älteren gedeihen trotzdem prächtig, nur der Jüngste ist seiner Hochbegabung und entsprechendem Tagträumen erlegen. Er hat bis heute nicht gelernt, wie richtiges Lernen funktioniert, da er den Lernstoff einfach mit Links begriff. Jetzt an der ETH hat er seine liebe Mühe, weil er richtig Lernen und ‚püffeln‘ sollte…

      • Widerspenstige sagt:

        Sportpapi, in die Breite lernen wäre wohl wünschenswert, wenn der Lernstoff begriffen ist. Das hätte ich mir gewünscht vorallem für die beiden Söhne, welche sich zu schnell langweilten während den abtörnenden Wiederholungen von Aufgaben. Kein Autofahrer möchte ständig gemassregelt werden während dem Autofahren, wie er zu fahren hat, aber ein Schüler muss sich diese Tortur täglich anhören (gilt nur für Schnelllerner). Wieso nicht ein Thema vertieft recherchieren lassen via Internet oder Befragungen auf der Strasse oder eine Handskizze erstellen lassen etc.?

  • Das Problem sind nicht die Kinder sondern die Erzieher: Eltern und Lehrer/innen!

    • alam sagt:

      Nein, das Problem sind in diesem Fall die Medien, die Einzelfälle aufbauschen. Die meisten Eltern und Lehrer funktionieren gut zusammen.

  • azazu sagt:

    Als Lehrerin kann ich nur sagen, dass es immer wieder tragische Fälle von Kindern und Jugendlichen gibt, bei denen man viel zu spät erst merkte, dass sie gravierende Probleme hatten. Hätte man früer eingreifen können, so wären diesen manche leidvolle Jahre erspart geblieben. Deswegen klärt man lieber mehrmals zu viel als einmal zu wenig ab.

    Liebe Eltern, nehmt das Ablärungsverfahren doch als zusätzlichen Service an, es geht schliesslich immer nur um das Wohl des Kindes!

    • alam sagt:

      Das tun wir Eltern in der Regel ja auch! Arbeiten bei Ihnen die Eltern nicht mit Ihnen zusammen? Nur weil Einzelfälle an die grosse Glocke gehängt werden, entsteht der Eindruck, dass die Eltern durchgehend entweder unnötige Abklärungen verlangen oder notwendige Abklärungen boykottieren. Im realen Leben ist es doch meistens so, dass wir Eltern und Lehrer gut zusammenarbeiten.

  • Urs sagt:

    „Ja, indem sie immer noch an den Mythos glauben, dass man nur mit einer höheren Ausbildung Erfolg haben kann. Sie unterschätzen die Möglichkeit des lebenslangen Lernens. Auch mit ihrer eigenen Haltung der Schule gegenüber.“

    Also solange die ganze Wirtschaft an diesen „Mythos“ glaubt, ist es ziemlich irrelevant was ich als Arbeitnehmer dazu meine. Bewerben Sie sich mal und schauen Sie zu, wieviele Optionen Ihnen in der papierligeilen Schweiz ohne Universitäts-/ oder FH-Abschluss bleiben.

    • xyxyxy sagt:

      kennen Sie Länder, die weniger „Papiergeil“ sind?
      ich kenne allerdings mehrere Leute, in der Schweiz, die mit einer blossen Handwerkerlehre, heute das Doppelte verdienen, als viele mit Uni-Abschluss. Es ist schon möglich. Aber nicht für jeden.
      Andererseits, werden viele auch mit Uni nicht einen Top-Job kriegen. Im europ. Ausland sind Uni-Abgänger sogar häufig arbeitslos oder sitzen im Supermarkt an der Kasse…
      Das sollte man vielleicht im Hinterkopf behalten.

      • Urs sagt:

        Ich spiele auf den Angelsächsischen Raum an, wo die Personalabteilungen nach Try&Hire Leute einstellen, und nicht unter dem Gesichtspunkt der Risikominimierung, welche nur Streamline-Dossers eine Chance gibt, und es Quereinsteigern sehr schwer macht.
        In allen anderen Punkten gebe ich Ihnen natürlich recht, im Gegensatz zum Angestelltenverhältnis kann man es in der Selbstständigkeit unabhängig von der Ausbildung zu etwas bringen.

  • alam sagt:

    Wir Eltern und Lehrer haben es satt, gegeneinander ausgespielt zu werden. Die meisten von uns machen ihren Job gut, und zwar viel besser als die Eltern und Lehrer vor 30 Jahren. Wir nehmen beispielsweise nicht mehr hin, dass aus jeder Klasse 1-2 Kinder ein Leben lang unter einem Sprachfehler leiden müssen. Solche „Eigenheiten“ müssen nun mal einfach nicht mehr sein!

    • soswald sagt:

      Kann ich voll und ganz zustimmen. Real existierende „Eigenheiten“, welche für das betroffene Kind aber auch für dessen Umfeld (Eltern, Geschwister, Lehrpersonen, Mitschüler, Trainer, Mannschaftskollegen) eine Belastung sind, gilt es seriös abzuklären. Nur auf Grund einer guten Zustandsanalyse und allfälliger Diagnose können zielorientierte Lösungen erarbeitet werden, um die Situation für alle zu verbessern.

  • Andy sagt:

    Ja die Wirtschaft wird es freuen. Gerade in einer Gesellschaft in welcher das uniforme und oberflächliche immer mehr an Gewicht gewinnt, müssen doch die Kinder von Grund auf so „abgerichtet“ werden. Individualität wird praktisch nur noch bestraft, und sogar das Alternative ist Mainstream. Wir werden den Preis für diese Haltung bezahlen, bis mal ein grundsätzliches Umdenken statt findet, wird es noch sehr viel schlimmer werden. Aber es fängt zu Hause an. Warum muss man unbedingt Kinder haben und gleichzeitig noch Karriere machen? Wenn man Kinder hat, sollte man sich wenigstens zu Hause (Vater UND Mutter) entsprechend darum kümmern, statt immer den 5-er und das Weggli zu Wollen und diese Erziehungsaufgaben (darum hat man doch Kinder?) möglichst schnell an Kindertagesstätte und Bildungseinrichtungen outzusourcen.

    • xyxyxy sagt:

      hmmm…. unsere Gesellschaft ist zweifelsohne die individualistischste seit…. ?
      Abweichler wurden früher (und in anderen Gesellschaften immer noch) durch das Dorf getrieben, oder gar hingerichtet.
      Bei uns gibt es für Abweichler immer noch zahlreiche Nischen. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist relativ gross.
      Allerdings sind unser aller Ansprüche gestiegen. Heute wollen alle Reichtum und Wohlstand, und wer das will, muss natürlich so funktionieren können, dass er das Anforderungsprofil zum Geldverdienen erfüllen kann.
      Sie bezahlen ja auch niemanden nur „dass er so sein kann wie er ist“. Oder?

    • Muttis Liebling sagt:

      Karriere machen vielleicht 2-3% der in Arbeit befindlichen Menschen. Der Rest arbeitet lediglich, für den Lebensunterhalt und/ oder das Selbstwertgefühl. Ohne tägliche fremdbestimmte Arbeit würde ich mich sehr unwohl fühlen. Kinder sind dafür kein Ersatz und werden in der Gemeinschaftseinrichtung im Regelfall auch sehr viel besser erzogen, als zu Hause.
      Familie, Kinder und 100% Berufstätigkeit sollte der Normallfall sein. Kinder aus diesen Konstellationen gedeihen dann nachweislich auch am besten. Die häusliche Erziehung ist eher die schlechte Notlösung.

      • Sportpapi sagt:

        Nachweislich? Auf diese Nachweise wäre ich sehr gespannt.

      • xyxyxy sagt:

        SP – nachweislich ist es weil ML es so findet
        Deshalb ist unsere freiheitliche Gesellschaft auch „ent-individualisierter“ als z.B. im „Kommunismus“ oder unter der „Scharia“ in welchen sich ML „zu Hause fühlt“.
        ML ist sich immer selbst Beweis und Nachweis genug. Seine Meinung ist immer objektiv die Richtige. Auch wenn sie eigentlich rein gar ncihts mit der Realität zu tun hat.

      • Widerspenstige sagt:

        Mit dem ersten Absatz kann ich leben, wenn auch sehr einschränkend in Bezug auf ‚tägliche fremdbestimmte Arbeit‘. Die Kreativität bleibt einfach auf der Strecke mit so einer Einstellung zum Lebenszweck, Mothers Biest.

        Keine 100% Berufstätigkeit kann auf Dauer befriedigend sein, wenn es nicht eine Berufung ist! Wir arbeiten nämlich, um gut zu leben und nicht umgekehrt. Dass Kinder aus einer interessanten Konstellation sich besser entwickeln als aus einer langweiligen sturen ist wohl unbestritten.

        Nur, was ist eine interessante Konstellation? Was ist eine langweilige sture Konstellation?

  • Roshan sagt:

    „Der heutige Schulunterricht ist anspruchsvoller und temporeicher als noch vor fünfzig Jahren. Deshalb hat eine Normabweichung wie zum Beispiel eine gewisse Verträumtheit einfach keinen Platz mehr“ ist eine technokratische und letztlich unmenschliche Aussage. Solchen Expertokraten möchte ich meine Kinder nicht aussetzen.

    • Sportpapi sagt:

      Aber wenn es doch die Wahrheit ist. Was soll er denn sagen? Es ist doch gerade sein Job, Kinder aufzufangen, die dieses Tempo nicht mitgehen können.

      • Roshan sagt:

        Sicher ist das Temp ein Teil des Problems. Weitere Aspekte sind Mangel an Ressourcen, da besonders die Klassengrösse.

      • Sportpapi sagt:

        @Roshan: Es gibt keinerlei Evidenz für einen Zusammenhang zwischen Schulleistung der Kinder und der Klassengrösse. Und die Schule in der Schweiz kostet immer mehr, ohne dass damit objektiv bessere Schulleistungen erzielt werden. Aber ich glaube auch, dass mit dem eingesetzten Geld mehr erreicht werden könnte. Wenn z.B. weniger in Schulhäuser, neue Medien, neue Unterrichtsformen investiert würde, und dafür mehr in die Lehrer und ihre Bedürfnisse.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Sportpapi:
        das ist jetzt aber wohl ein schlechter Scherz?
        Müssen wir nun also auf Studien warten, welche den Beweis erbringen dass die heutigen Klassengrössen, im Zusammenhang mit der entsprechend, manchmal sehr ungünstigen Zusammensetzung, plus eher kleinen Zimmern, zuviel sind und sehr wohl negative Auswirkungen haben?
        „Es gibt keinerlei Evidenz“, nein, ich sehe auch keine weder weit noch breit, quetschen wir doch noch ein paar Pulte mehr rein solangs irgendwie geht und Kosten spart… .

      • Sportpapi sagt:

        @BS: Entscheidend ist der Lehrer! http://www.zeit.de/2013/02/Paedagogik-John-Hattie-Visible-Learning
        Klar ist, dass in der Schweiz die Klassen immer kleiner geworden sind, der Raumbedarf pro Klasse aber immer grösser. Allein für Schulhausbauten geben wir Unsummen aus, nur um darin „neue Lernformen“ zu ermöglichen. In meinem Dorf wurde das eine Schulhaus vor 40 Jahren für 400 Kinder gebaut. Heute platzt es bei 240 aus allen Nähten…

      • Sportpapi sagt:

        Und hier: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/10-000-Kinder-in-provisorischen-Klassenzimmmern/story/30091251
        Offenbar haben wir nun so viele Schüler wie noch nie, nachdem die Schülerzahl in der Schweiz vorübergehend stark zurückgegangen ist. Problematischer sind aber offenbar auch hier die Anforderungen neuer Lernformen! Und dass die wirklich einen den Kosten entsprechenden Mehrertrag bringen, wage ich zu bezweifeln!

    • Markus sagt:

      was ist an dieser aussage technokratisch?

      • Roshan sagt:

        Normabweichung als Beispiel. Kein Platz für Eigenheiten. Letztlich ein massiver Konformitätsdruck. Das Kind soll einer Norm, einem Schema genügen, ansonsten es ‚abzuklären‘ sei. Was wiederum zu einem Stigma führt, welches den Druck nochmals erhöht.

        Nicht verwunderlich, dass immer mehr Eltern sich für Privatschulen entscheiden.

      • Sportpapi sagt:

        Die Eltern entscheiden sich häufig für Privatschulen, weil ihre Kinder in der normalen Klasse den Anforderungen nicht genügen, und sie aber doch trotzdem zumindest ins Gymi sollten.

  • Hansjürg sagt:

    Ich habe zwei nun fast erwachsene Söhne. Während der eine das Glück hatte, bei guten Lehrern die Schule besuchen zu können, wurde der Jüngere auf Anweisung der Schule, rein zur Abwechslung (?) mit einer Ausnahme anderen Lehrern zugeteilt. Er war ein sehr fröhliches Kind, immer ein Lachen im Gesicht. Heute lacht er nicht mehr. Das Mobbing durch Lehrer, das er erlebte, veranlasste mich mehrmals in der Schule aufzutreten und mich auch schriftlich an die Schulleitung zu wenden. Ich will hier nicht in Details gehen, versichere aber, dass die Gründe – nach meinem Rechtsverständnis – bei zwei Lehrern mindestens zu deren fristlosen Freistellung hätten führen müssen. Nichts geschah. Erst viele Wochen später erhielt ich Antworten, bzw. Ausflüchte der Schulleitung, die mich wenigstens erahnen liess, wie peinlich denen die Angelegenheit ist. Angefangen hat die Geschichte übrigens, die sich über Jahre hinwegzog, als er 9jährig ins Zimmer des Direktor trat und sich beklagte, dass sein Lehrer während des Unterrichts im Coop einkaufen ging und sie alleine im Zimmer zurück liess.
    Während der Ältere nächstens sein Studium anfängt, versuchen wir den Jüngeren zu motivieren wenigstens etwas zu arbeiten.
    Ich hatte in meinem Leben immer gute Lehrer, die mir viel beibrachten. Dafür bin ich dankbar. Ich weiss auch was der Lehrerberuf bedeutet, habe ich ihn doch selbst ausgeübt. Deshalb bedauere ich auch junge Menschen, die nicht das gleiche Glück wie ich haben/hatten. Ich weiss auch nicht wie das weitergehen soll und bin in dieser Sache sehr desillusioniert. Der Artikel im Tagi von gestern „Der Mann der sich zu Tode hungerte“ stimmte mich traurig. Ich sehe das in starkem Zusammenhang, mit einem Schema, dass unseren Kindern jede Individualität versagt und nur willige, angepasste Ja-Sager hervorbringt, hervorbringen will.

    • Heidi Merz sagt:

      Ich hatte auch immer Glück mit meinen Lehrern. Bei der einen Ausnahme haben es meine Eltern aber geschafft, den Lehrer soweit zu konfrontieren, dass er mich zukünftig in Ruhe liess. Das ging aber nur, weil ich nur ein Jahr in jener Klasse verbracht habe. Aus meiner Erfahrung heraus habe ich auch den Glauben an einen Zusammenhang zwischen Intelligenz und Schulerfolg verloren. Wer gut ist in der Schule, hat in erster Linie Glück mit den Lehrern. Kinder, die schlecht sind in der Schule, sind nicht automatisch weniger intelligent.

      Wieso haben Sie nicht einen Schulwechsel in Betracht gezogen? Ich meine das nicht als Vorwurf, es interessiert mich nur, weil es für mich DAS Mittel wäre, die Situation zu beenden. Auf eine Schulleitung würde ich mich nie und nimmer verlassen.

      Übrigens Hut ab vor Ihrem Sohn, der es gewagt hat, sich beim Direktor über den Lehrer zu beschweren. Das zeugt von Mut und Selbstbewusstsein, das ihm offenbar die Eltern vermittelt haben. Ich drücke ihm herzlich die Daumen, dass er seinen Weg macht, auch wenn er zur Zeit sehr entmutigt zu sein scheint.

      • Hansjürg sagt:

        Wir wohnen auf dem Land, es gibt nur einen Minimal-ÖV, deshalb musste meine Frau bis zu 80 km (4x2x10km) täglich mit dem Auto zurücklegen, um die Kinder zur Schule zu bringen. Die nächste Schule wäre noch weiter weg gewesen. Ein Internat haben wir zwar in Betracht gezogen, weil er aber immer noch sehr an seiner Mutter klebt, wäre das wohl für ihn die grösste Strafe gewesen. In einer Stadt hätte wohl alles etwas anders ausgesehen.
        Was würde ich heute anders machen, wohl einiges. … und Danke für Ihre Zeilen.

      • Heidi Merz sagt:

        Ah, ich verstehe. Da ich selbst in einer Stadt wohne, gehe ich natürlich immer von einer reichlich vorhandenen Infrastruktur aus. Meine besten Wünsche an Ihren Sohn, dass er sein Lachen und den Glauben an sich selbst wiederfinde.

    • Francesca sagt:

      Ich kenne das aus dem Effeff. Die grössten Pfeifen bleiben auf immer Lehrer und machen allen guten Lehrern das Leben schwer. Da gibt es Aussprachen, Supervisionen, Vereinbarungen (an die sich niemand hält), und irgendwann kriegt der Lehrer eine neue Klasse und es geht von vorne los. Leidtragende sind die Kinder, die viel zu wenig lernen.

  • Francesca sagt:

    Die Schulzeit meiner Jüngsten ist seit kurzem überstanden – und sie war belastend. Der Unterricht ist chaotisch, meist redet die halbe Klasse, Kinder gehen jederzeit raus aufs Klo, es ist laut, und die Lehrkräfte müssen dauernd zur Ordnung rufen und sich Gehör verschaffen. Kinder, die sich ablenken lassen, können so nicht lernen. Will man diese Art Unterricht, müssen die Klassen massiv verkleinert werden, mit 20 Kindern geht das nicht. Zudem gibt es keine Klassenzimmer mehr, die Kinder müssen ständig die Räume wechseln, dies in teils kurzen Pausen mit allem Gepäck, Mäntel, Turnzeug. Eine Stunde dauert 45 Minuten, kaum sind alle beschäftigt, läutet es schon wieder. Eines unserer Kinder kam damit nicht klar, Abklärung und Therapie waren die Folge. Wir schickten es kurzerhand in eine Privatschule. Kleine Klassen, ruhige Umgebung, klare Strukturen, längere Unterrichtseinheiten, und Begabtenförderung, denn dieses Kind ist sehr begabt. Die Therapie wurde innert Kürze überflüssig. Für Eltern ist es schmerzhaft, diesem Schulbetrieb zuschauen zu müssen.

    • Heidi Merz sagt:

      Ich bin kein Fan von Privatschulen, aber ich teile Ihre Einstellung. Sollte meine Tochter dereinst Probleme haben in der Schule, werde ich eher einen Wechsel in Betracht ziehen, als dass ich sie als „nicht normal“ stigmatisieren und/oder mit Ritalin zukleistern lasse. Und dabei geht es mir nicht darum, dass sie um jeden Preis ins Gymi müsste oder so. Es geht mir schlicht darum, dass ein Kind das Recht auf Individualität hat, auch ein Recht, unbequem zu sein. Erst dann, wenn ein Kind so massiv stört und seine Mitschüler belästigt, wie dies kürzlich in dieser Zeitung kolportiert wurde, würde ich darüber nachdenken, ob der Integrationsversuch vielleicht doch als gescheitert zu betrachten ist.

      Das Recht jedes einzelnen Kindes hört dort auf, wo die Rechte der anderen Kinder anfangen.

      Abklären kann gut sein, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass es oft nur darum geht, unbequeme Kinder „in den Griff“ zu bekommen. Oft aber sind unbequeme Kinder die Kreativsten. Leider sind kreative Lösungen für diese Kinder ebenfalls unbequem und/oder aufwändig und/oder teuer.

      @ Vater mit Kind mit „Fallfehler“: Ich wurde 1975 (6jährig) noch für ein Jahr mehr im Kindsgi gelassen, weil ich bei der Schulpsychologin angeblich eine Katze mit fünf Beinen gezeichnet hatte. Meine Mutter behauptet bis heute, das fünfte Bein sei der Schwanz gewesen. Ich selbst erinnere mich nicht. Aber jedenfalls hat mir das weitere Kindsgi-Jahr eher gut getan als geschadet. Und ich habe meinen Weg trotzdem bestens gemacht. Was ich damit sagen will, ist dass diesen Schulpsychologen auch nicht zwingend über den Weg zu trauen ist. Wenn sie ihre Einschätzung mal haben, sind sie nicht mehr davon abzubringen. Protestierende Eltern werden dann nur noch als „überehrgeizig“ und demzufolge als Teil des Problems wahrgenommen. Als ehemalige Psychologie-Studentin erlaube ich mir zudem auch eine gesunde Skepsis gegenüber all diesen Instrumenten und „Psychotests“.

      • xyxyxy sagt:

        Heidi@
        Danke für die Zeilen. Ich nehm es mit Gelassenheit. Ich bin überhaupt nicht gegen Abklärungen und nehme diesen „Service“ gerne an. Nur manchmal sind die „Fachpersonen“ betriebsblind, wie es eben auch Eltern sein können. Und es wäre hilfreich, wenn beide Seiten, das zugeben würden.
        P.S. Wir hatten kein Problem, weil wir in diesem Fall der Abklärung nicht zustimmten.
        Problematisch wirds erst, wenn verunsicherte Eltern auf betriebsblinde rechthaberische Fachperson treffen.

      • alien sagt:

        Heidi zeichnet Katzen ohne Schwanz und mit fünf Beinen! Skandal!

      • Francesca sagt:

        @Heidi: wenn Sie (oder andere) feststellen, dass ihr Kind in diesem Chaos leidet, handeln, nicht warten. Wir hätten unser Kind viel früher rausnehmen sollen. Aber man traut sich ja nicht, das Kind/die Eltern sind immer im Fehler, nie die Schule. Wir hätten dem Kind Depressionen und nutzlose Therapien erspart. Bei all den Schulrevisionen würde man gescheiter einmal auf die Privatschulen schauen, warum es dort geht, anstatt immer neue Programme in gleich grossen Klassen mit zu kurzen Unterrichtseinheiten durchzuboxen und jedem Lehrer sein Zimmer zuzuteilen, anstatt der Klasse ein Klassenzimmer.

  • Megge sagt:

    Na wenn man mal den Trend zu immer mehr Schulabbrechern und Gesellschaftsversagern beobachtet ist es doch toll, dass wenigstens versucht wird mit viel Mitteln und Energie diesen Kindern zu helfen um eben nicht auf die schiefe Bahn zu geraten!
    Überspitzt gesagt wurden Kinder die gestört haben, früher verprügelt. Heute darf man ja nicht mal mehr das Wort erheben ohne von übereifrigen Eltern mit Verzeigung gedroht zu bekommen. Da werden dann natürlich andere Mittel und wege gesucht, Störenfriede einzugrenzen.

    Aber mal im Ernst. Integrative und Sonderschulen sind die besten Chancen für schwache Kinder. In normalen Schulen schalten sie entweder komplett ab oder stören den Unterricht massiv. Zukunftschancen haben sie so oder so keine – Kriminalität ist da fast vorprogrammiert. In einer der Förderschulen bekommen sie auf ihr Niveau abgestimmt beigebracht, wie sie selbständig leben können. Was bringt das Wissen über komplexe Wirtschaftskreisläufe oder Parabelberechnungen, wenn diese Menschen mit der Frage wofür sie eine Haftpflichtversicherung brauchen, überfordert sind?
    Hinzu kommt, dass diese Schulen oftmals gut mit lokalen Betrieben vernetzt sind, welche einfachere Ausbildungsberufe anbieten. Bei diesen Schulen schliesst kaum jemand ohne anschliessenden Ausbildungsplatz ab.

    • Heidi Merz sagt:

      Ui, jetzt gehen Sie aber hart an die Grenze! Es gibt Kinder, die machen früher „den Knopf auf“ und solche, die eben später zünden. Beide haben das Recht auf Bildung. Eine Mitschülerin von mir kam nach der Primarschule in die Real, weil sie die Leistungen angeblich nicht brachte. Von der Real über die Sek bis ins Gymi hat sie sich dann hochgearbeitet. Heute ist sie Zahnärztin.

  • Astrid Meier sagt:

    Erstklässler sind heute solche Kinder, welche bis Juni sechs Jahre alt geworden sind. Dann müssen sie offensichtlich „eine gewisse Verträumtheit“ abgelegt haben, weil der Ernst des Lebens beginnt… Vielleicht sollten wir das Kind 2.0 erfinden, denn viele realen Kinder sind mit der Situation offensichtlich überfordert.

    • Markus sagt:

      vielleicht sollten wir die „situation“ einfach den realen kindern anpassen?

      • Sportpapi sagt:

        Das heisst? So wie ich es sehe, werden „verträumte“ Kinder einfach zurückgestellt und später eingeschult. Wie eh und je. Und andere sogar vorgezogen. Reicht das nicht?

      • Markus sagt:

        ist sicher gut, aber ich finde das reicht ganz offensichtlich nicht. die realen kinder wachsen in einer sehr dynamischen und komplexen welt auf. die schulen müssen ihnen heute viel mehr beibringen und mitgeben und es werden ihnen auch neue aufgaben übergeben.
        ich fände es dem realen kind angepasst, wenn es und die schule von zuviel erwartungsdruck befreit, die eltern mehr eingebunden und den schulen mehr ressourcen zur verfügung gestellt würden. etwas mehr gelassenheit und wertschätzung, vielleicht?

      • Sportpapi sagt:

        @Markus: Weniger Erwartungsdruck heisst dann auch weniger Leistung, oder? In einer Zeit, da vielfach die Leistung von Schulabgängern als pauschal ungenügend, nicht passend auf die Anforderungen der Wirtschaft, bezeichnet wird. Schlechte Schüler haben weniger Chancen auf Nischenjobs, die es immer weniger gibt. Also darf es auch keine schlechten Schüler mehr geben, oder?
        Eltern mehr eingebunden: Passiert das nicht, immer mehr und vielleicht sogar zu viel? Führt das nicht dazu, dass gerade die Eltern aktiv sind und werden, deren Kinder diesen Support eigentlich nicht benötigen?
        Mehr Ressourcen: Ist es nicht so, dass die Ausgaben für die Schule/Bildung stetig und überproportional ansteigen? Wenn man auch das Gefühl hat, mit den eingesetzten Mitteln könnte auf anderen Wegen mehr erreicht werden, der Ertrag der zusätzlichen Investitionen zweifelhaft ist.
        Gelassenheit und Wertschätzung ist gut. Aber da schwingt eben auch eine gewisse Angst mit. Angst, der Kind Chancen im Leben zu verbauen, wenn man es nicht frühzeitig fördert und auf den richtigen Weg bringt. Und ganz unbegründet ist diese Angst ja auch nicht, oder?

      • Markus sagt:

        nur soviel: weniger erwartungsdruck heisst nicht automatisch weniger leistung. gerade wenn man die schulen anschaut ist ziemlich klar, dass sie vor lauter „erwartungen“ gar nicht mehr zum „leisten“ kommen. ich bin nicht sicher, dass tatsächlich die investitionen in die grundausbildung überproportional steigen und überzeugt, das dies sinnvoll investiert wäre. und die angst ist bei der aufzucht von nachkommen ein schlechter ratgeber 😉

  • Sportpapi sagt:

    Ich erinnere mich an einen Schulkollegen, bei dem man bis Ende Primarschulzeit nicht gemerkt hatte, dass er fast taub war und vom Schulunterricht kaum etwas mitbekam. Die verpassten Jahre führten in die damalige Oberschule, wo er dann richtig Gas gab. Da bin ich eigentlich schon froh, wenn man heute etwas aufmerksamer ist. Ich finde allerdings auch, dass man vielfach massiv übertreibt. Vor allem in Gebieten, die nun nicht wirklich relevant sind.

    • Ka sagt:

      vor drei Jahren: beim Nachbarskind wurde erst Ende 2. Klasse entdeckt, dass sie nicht an die Wandtafel sieht! Sie hatte das aus Scham ganz gut überspielt.

      • schmidlin sagt:

        Tragische Ereignisse. Vielleicht wurde in diesen Fällen das Zuwarten zugunsten der Eigenheiten dieser Kinder nicht ganz optimal praktiziert. Im Austausch zwischen Schule und Eltern darf ohne weiteres regelmässig über Beobachtungen gesprochen werden und gemeinsam entschieden werden, ob eine fachliche Abklärung nützlich sein könnte.

      • Sportpapi sagt:

        In meinem Fall war es eines der letzten Bauernkinder im Dorf. Da war schlicht die Erwartung an die Schulleistungen nicht so hoch, weshalb es auch weder den Lehrern, noch den Eltern aufgefallen ist…

  • Markus sagt:

    ich bin etwas erstaunt: bei praktisch allen fällen die ich kenne, sind es nicht die eltern, sondern die schulen, welche kinder abklären lassen wollen. gibt es dazu verlässliche zahlen, herr schmidlin?
    ganz abgesehen vom zunehmenden leistungsdruck, dem kinder und schulen entsprechen müssen, ist es ein phänomen unserer zeit, dass unkonformes verhalten im konkreten pathologisiert und korrigiert (kinder) und im allgemenen hochgejubelt und gefeiert (stars) wird. wir alle sollen individuelle persönlichkeiten sein und gleichzeitig ja nicht aus der masse hervorstechen. als erwachsener schmunzle und staune ich, als kind kann einem das doch recht zerreisen, denk ich…

    • Carolina sagt:

      Da stimme ich Ihnen absolut zu, Markus, schön beschrieben. Habe das oben an SP schon gesagt. Am besten gefällt mir Ihr ‚…als erwachsener schmunzle und staune ich, als……‘ Ich wünschte, ich hätte diese Gelassenheit;-)

    • schmidlin sagt:

      Es geht mir nicht darum, den „Schwarzen Peter“ zu verteilen, wer schlussendlich das Kind anmeldet. Auch geht es mir nicht darum, Schwierigkeiten und Probleme zu verschleppen. Ich plädiere für das Zulassen von Eigenheiten und Besonderheiten. In einme partnerschaftlichen Gespräch zwischen Schule und Elternhaus kann sehr wohl rechtzeitig erkannt werden, falls fachliche Hilfe notwendig wird.

  • Jaro sagt:

    Bei diesen Antworten des Experten reiben sich die Pharmas die Hände und Ritalin/Concentra wird schon mal in Wundertüten vorverpackt für den nächsten Elternabend.

  • Carolina sagt:

    Da ich zwei ältere Kinder habe und eines, das gerade erst mit der Schule begonnen hat, meine ich, die Entwicklung in der Praxis etwas beurteilen zu können. Im Gegensatz zu vor 10 bis 12 Jahren wird heute pathologisiert, psychologisiert, abgeklärt, was das Zeug hält. In der Klasse meines Sohnes sind über die Hälfte aller Kinder abgeklärt, das war bei meinen Töchtern ganz sicher noch nicht so. Es ist mir aber bewusst, dass sich auch die Eltern hier an der eigenen Nase fassen müssen: wir erwarten von den Lehrern und von der Schule sehr viel mehr als früher, der Beschwerdewahn ist unglaublich, von Vertrauen in das System und in das eigene Kind kann keine Rede sein: eher scheint man davon auszugehen, dass man ständig auf der Hut sein muss, um ja nicht benachteiligt zu werden, das Kind nicht über-/unterfordert, der Lehrer gerecht etc. Es lässt sich wohl nicht mehr klären, wer für diesen Teufelskreis verantwortlich ist: Tatsache aber ist mMn, dass wir dringend einen gesellschaftlichen Konsens finden müssten, dass es so nicht weitergehen kann.

    • xyxyxy sagt:

      bestimmt – es wird auch eine Betreuungs-Industrie erhalten
      und manche Fachleute sind oft Betriebsblind
      unseren 4jährigen – äusserst sprachbegabten – Jungen, wollte die Logopädin unbedingt „abklären“, weil er „Fallfehler“ gemacht habe. Meine Frau mit ausländischer Herkunft erkärte ihr, dass er das wohl von ihr habe, da deutsch nicht ihre Muttersprache sei. Das wollte die Fachfrau nicht überzeugen, sie blieb bei ihren Fallfehlern. Alle die den Kleinen Kennen, fällt seine überdurchschnittliche Sprachbegabung auf. Daran wird er als Letztes scheitern im Leben und in der Schule.

      Ansonsten finde ich es ok, wenn früh hingeschaut, unterstützt und geholfen wird. Aber wie bei allem ist es das Maß, dass über Sinn und Unsinn entscheidet.

    • Sportpapi sagt:

      Aber der gesellschaftliche Konsens, dass es so nicht weitergehen kann, ist doch schon längst vorhanden. Ausser natürlich, wenn es um das eigene Kind geht…

      • Carolina sagt:

        Ja, das ist so. In den Sonntagszeitungen wurde vom Kanton SO berichtet, in dem man versucht, die Eltern mit Verträgen näher an das schulische Geschehen zu binden. Die Richtung finde ich gut. Ob es jetzt gleich ein Vertrag sein muss, weiss ich nicht, aber die Eltern zu verpflichten, dass sie mal mindestens die Besuchstage und Sprechtage besuchen, dass sie letztlich für ihr Kind verantwortlich sind, scheint mir in Ordnung.

        Im übrigen hat Markus unten absolut Recht: es gibt heutzutage diese merkwürdige Polarität zwischen Pathologisierung alles Unkonformen und dem Hochjubeln des Individualismus. Für die Kinder sehr, sehr schwierig.

      • Carolina sagt:

        PS: Stell Dir vor, die Buchstabenbeschränkung wird aufgehoben und keiner merkt es! (Wie ich z.B…..) Finde ich gut!

      • Sportpapi sagt:

        Das mit der Zeichenbegrenzung habe ich auch gesehen. Gut! Aber der Fehler wird sicher wieder korrigiert…

      • Sportpapi sagt:

        @Carolina: Mittleweile haben sich doch einige Experten zu diesen Verträgen geäussert, unter anderem M.Binswanger heute im Tagi. Und sie haben im Wesentlichen recht – davon ist nicht viel zu erwarten. Ich bin da sehr skeptisch. Mir reicht es schon, wenn Eingegriffen wird, wenn die Kinder häufig nicht zur Schule kommen oder nicht ausgeschlafen sind.
        Zum anderen habt ihr Recht. Heute ist Individualismus und entsprechend individualisierter Unterricht angesagt, der häufig sehr effiziente Frontalunterricht aber verpönt. Es wird integriert, dafür Lernzielbefreit. Man lässt die Kinder sein, wie sie sind.
        AUSSER: Wenn sie nicht so sind, wie sie sein sollten. Dann geht es um Chancengleichheit. Dann sind es auch die Eltern, die sofort viel Druck ausüben, dass etwas passiert. Überhaupt sehe ich das Problem, dass die Eltern hier eine viel wichtigere Rolle einnehmen als früher (die Lehrer entsprechend weniger), was viele überfordert. Übrigens kann die Schule schon abklären (wenn überhaupt). Ob dann aber Massnahmen ergriffen werden, das entscheiden meist die Eltern.

      • Markus sagt:

        sportpapi, sie mischen da sachen, finde ich: heute versucht man kinder mit unterschiedlichen leistungsniveaus in dieselbe klasse zu integrieren, die lernziele bleiben bestehen, werden aber dem individuellen niveau des kindes angepasst (darum muss man widerum jedes einzelne kin auf sein niveau hin abklären ;-).
        man lässt die kinder nicht so sein, wie sie sind, man will ihnen ewas beibringen, was man als wertvoll und anstrebenswert erachtet (das ist der sinn und zweck von schule). chancengleichheit hat damit noch nichts zu tun, sie ist vielmehr das bestreben, in diesem ganzen zirkus allen kindern dieselben chancen zuzugestehen (weil man das auch als wertvoll erachtet).

      • Sportpapi sagt:

        Und schon ist die Zeichenbegrenzung wieder da…

  • Brunhild Steiner sagt:

    Mir fehlen Hintergründe und Zusammenhänge.
    Interessieren würden mich gemeinsame Nenner und Unterschiede aller „zwangsabgeklärten Kinder“,
    ab wann die „Auffälligkeiten“ bemerkt worden sind,
    und besonders, wo überall den Betreuenden die Hände gebunden sind-
    in Form von zu grossen Klassen in zu kleinen Zimmern mit zuwenig Lehrern etc etc.

    Die Problematik auf elterliche Gymiambitionen fast schon zu reduzieren erscheint mir ein wenig dürftig.

    • Brunhild Steiner sagt:

      2/ wenn das Ding am kreisen ist kann ich ja noch ergänzen,

      was weiss man über die regionale Verteilung dieser Abklärungen?
      Gibt es Unterschiede bezüglich der Sprachregionen?
      Sind möglicherweise gemeinsame Nenner sehr wohl bekannt, aber man schiebt es lieber auf gymiambitionierte Eltern anstatt sich mit grundlegenden Schwierigkeiten auseinanderzusetzen?
      Bspw fehlende Eingreifmöglichkeiten in frühem „Stadium“, also Kindergarten oder noch früher,
      fehlende Möglichkeiten um Eltern in die Erziehungsverantwortung einzubinden?
      An was genau liegt die „fehlende Einsicht“, welche vermutlich ja nicht einfach so vom Himmel gefallen ist sondern sich über einen längeren Zeitraum überhaupt erst entwickeln konnte?

  • diva sagt:

    arme kinder! überall nur inkompetenz und unfähigkeit. was soll den aus kindern werden, wo sich die eltern vor ihrer eigentlichen aufgabe, dem elternsein (vor allen dingen muttersein) drücken? die kinder sind einsam und versuchen diesem schrecklichen gefühl ausdruck zu geben. auch durch auffallen. aber das tun sie nicht aus dem kopf, sondern aus dem herzen. «unbewusst». wieviele kinder erleben denn heute noch eine mutter, die zuhause ist, wenn sie aus der schule kommen und sich ihrer annimmt? die meisten gehen alleine in die krippe oder in den hort, wo die leiterinnen total überforldert sind, weil dort nämlich auch nocht 30 andere kinder deren aufmerksamkeit bedürfen. die kinder sind nicht schlimmer oder kränker, als früher – es fehlt ihnen die geborgenheit. der ort von dem aus sie ihre schritte ins leben machen können, SO wie es für sie stimmt und wohin sie sich auch jederzeit zurück ziehen können. ich wohne neben einer krippe und ich sehe jeden morgen, kinder die eigentlich nicht dorthin wollen, aber müssen, weil mami karriere machen will… logisch sind solche kinder dann «auffällig» oder «entwicklungsgestört»…

    • Heidi Merz sagt:

      Ist es schön auf Ihrer rosa Wolke? Mütter sind keine Heiligen, auch sie sind manchmal überfordert! Und zwar selbst dann, wenn sie zuhause bleiben und sich ausschliesslich um Kinder (und Haushalt!) kümmern. Ausserdem: Wo bleiben in Ihrer klischeeaften Vorstellung die Väter? Väter sind für die Kinder ebenso wichtig wie Mütter, insbesondere für die Söhne, aber eigentlich genauso auch für die Töchter. Also hören Sie doch auf mit dieser romantisierenden Darstellung einer idealen Welt, die nur auf den Schultern der heiligen Mütter lastet. Offensichtlich reden Sie von etwas, das Sie gar nicht kennen. Dann lesen Sie lieber Glückspost und Gala, damit gehen Sie wenigstens niemandem auf den Geist.

      • XY sagt:

        Liebe Diva, wie recht Sie haben. Bei meinem Kind war der Fall klar wie oben beschrieben, auffällig in der Schule und keine freie Wahl seiner Freunde. Die Berufstätigkeit meinerseits war bedingt durch wirtschaftliche Notlage. Nachdem dies behoben war, gab ich den Beruf zugunsten der Familie auf. Das Ergebnis lässt sich sehen, ein ausgeglichenes und aufgewecktes Kind das in der Schule durch hohe Eigenmotivation auffällt. Heutzutage hat mein Kind Mitleid mit den anderen Kindern, denen es nicht vergönnt ist, nach der Schule die Geborgenheit von einem Zuhause zu finden, oder sie finden eine falsche Geborgenheit in einem Umfeld das nicht erstrebenswert ist.

      • Eni sagt:

        @ XY

        Und wie bitte haben Sie Ihre wirtschaftliche Notlage aufgehoben? Reich geheiratet oder was?

        Sorry, aber Ihre Argumente sind lächerlich. Was sollen denn Eltern mit minderem Einkommen machen? Nicht arbeiten und ihre Kinder „glücklich“ verhungern lassen?

        Übrigens muss ich auch aus wirtschaftlichen Gründen arbeiten und mein Kind geht gerne 2 Tage in die Schulbetreuung inkl Mittagstisch.

    • chocolate sagt:

      Um Himmels Willen, wo leben denn Sie (und XY)? In Ihrer Welt ist es also so, dass ein Kind nur gedeihen kann, wenn Mami zu Hause ist und ihm bei den Aufgaben hilft, weil Geborgenheit, die gibts wohl nur bei Mami auf dem Schoss?
      Unglaublich, dass es Länder gibt, in denen seit Generationen die Kinder in die Krippe/den Hort gehen und die sind erst noch friedlicher und solidarischer als die Schweiz.
      Und dass Männer das genau so gut könnten (und ev. sogar wollten, wenn man sie liesse), davon kein Wort. Nein, das Mami muss es richten. Und wenn sie’s versaut, ja dann ist’s aus…
      >Seufz<

  • Martin Schneider sagt:

    Schade, das komplexe und dynamische Thema hätte entsprechende Antworten vom Fachmann verdient. Stattdessen banale Plattitüden wie „sie müssen dem Kind Vertrauen schenken und ihm Hilfe anbieten“ oder „Meiner Meinung nach beginnt der Ernst des Lebens mit der Geburt“. Fehlte die Zeit? Die Lust? Der Fachmann?

    • Dave Hill sagt:

      Im Gegenteil: Die Kommentare und Einschätzungen von Herr Schmidlin sind hervorragend und er bringt die Sache in vielerlei Hinsicht auf den Punkt. Vielleicht sollten Sie seine Stellungnahmen einfach nochmal lesen und darüber nachdenken.

    • Ka sagt:

      liegt vielleicht auch an den plakativen und zu erwartenden Fragen? das Interview tönt auch so, als ob nicht viel Zeit dafür verwendet wurde

  • Otto Liebschitz sagt:

    Wer rettet die Kinder vor solchen Eltern?

  • marie sagt:

    da hat die wirtschaft aber freude. eigenheit wird am arbeitsplatz noch weniger toleriert. und das beste mittel, um dies auszutreiben, gewöhnt sie gleich an mobbing! je früher man die die kleinen daran gewöhnt, umso besser. su-uuuper! (achtung ironie)

    • xyxyxy sagt:

      wenn dir die Individualität von Kindern und Erwachsenen so wichtig ist, warum sympathisierst du dann mit Leuten, für der Mensch blosse Schwungmasse für „politische“ Konzepte ist, marie?
      oder liege ich falsch? du hast mir nie geantwortet

      • Muttis Liebling sagt:

        Eigenheiten und Individualismus sind zwei verschiedene Dinge. Individualität kann eine Gesellschaft nur im Ausnahmefall tolerieren und zum Glück ist Individualität auch sehr selten. Niemand meiner Bekannten oder Kollegen, die sich als individuell sehen, ist tatsächlich individuell. Im Gegenteil, der Normalfall in der postkapitalistischen Welt ist der entindividualisierte, vollständig manipulierte, zur Mitte strebende Mensch.
        Weil praktisch alle zur Mitte streben, werden Eigenheiten zunehmend pathologisiert. Die Wirtschaft möchte normierte Mitarbeiter und normierte Kunden und schafft sich diese

      • xyxyxy sagt:

        Sind sie marie?

      • xyxyxy sagt:

        ABer da Sie es sich nicht verkneifen können, mir zu antworten und wiederum versuchen mit klugklingen Worten um sich zu werfen, rufe ich gerne jedem in Erinnerung, was Sie als Alternative für unser System sehen:
        das kath. Mittelalter – der Kommunismus – die Scharia
        In diesen Systemen ist die von ihnen beklagte „Ent-individualisierung“ und „Normierung“ natürlich vieeel weniger stark…

        Echt jetzt ML – Monty Phyton Sketch? – das was sie alles von sich geben, ist so was von verdreht… absolut sinnfrei. Worte um der Worte willen.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Muttis Liebling:
        ich warte diesbezüglich auch schon länger auf eine Antwort,
        z.Bsp zu den, im Namen einer Ideologie erschossenen Bergsteigern, ist das für Sie auch legitim?
        „Aus politischen Gründen darf man Menschen alles antun. Der Mensch ist nicht das Höchste,…“,
        siehe auch Ihre anderen Beiträge bei den Müttern zwischen Taksim-Platz und Alltag.

      • Muttis Liebling sagt:

        @xy, ich klage nicht über Entindividualisierung, ich nehme die zur Kenntnis, wie ich alles nur zur Kenntnis nehme. Einerseits halte ich nichts von Individualität, welche es ja auch praktisch nicht gibt, andererseits halte ich noch weniger vom normierten Menschen, die man in der Häufigkeit >90% antrifft.
        Dazwischen gibt es Eigenheiten, die schätze ich. Ich beobachte die Tendenz, Eigenheiten zu verkategorisieren und nach dem Aschenputtel- Prinzip in gut oder schlecht einzuteilen. Menschlichkeit hat Variabilität und je weniger früh gestorben wird, umso mehr wächst diese Variabilität.

      • Muttis Liebling sagt:

        2/ An den Rändern wachsen dann immer mehr Eigenartigkeiten, dass ist Ausdruck der Normalität dieses Prozesses. Dagegen sollte man nicht angehen, gegen Individualität schon. Eine Gesellschaft ist so stark, wie es ihr gelingt, Eigenarten nicht nur zu tolerieren, sondern zu integrieren. Was dem am meisten entgegensteht ist der sogenannte gesunde Menschenverstand, die Logik der geistig Armen.
        Was da jetzt in den Schulen stattfindet, ist Normierung, ist nicht Hilfe, sondern Konformitätsdruck. Die besten Menschen bisher waren immer Aussenseiter, wer das sein will oder muss, dem soll man das lassen.

      • Muttis Liebling sagt:

        3/ Dann komme ich zum letzten der Argumentation: Das Individuum hat sich der Gesellschaft unterzuordnen. Deshalb muss es Impfzwang geben, auch wenn das zu Opfern führt. Deshalb, Brunhild, hat die Politik als Ausdrucksform der Gesellschaft das Gewaltmonopol. Was da jetzt in Ägypten oder in Syrien passiert, kann ich von der Sache her nicht einschätzen, die westlichen Journalisten mit Tunnelblick auch nicht. Es scheint mir notwendig zu sein.
        Deshalb ist Demokratie, wie Sokrates zitiert wird, das beste Politikmodell unter den schlechten. Ich möchte aber kein schlechtes Gesellschaftsmodell.

      • Muttis Liebling sagt:

        4/ In einer vernünftigen Politik, in einer vernünftigen Gesellschaft, bleibt das Individuum bedeutungslos. Es darf sich aber sich selbst gestalten, mit Eigenarten, aber individuell. Es darf versuchen, damit in die Gesellschaft einzustrahlen und manchmal gibt das auch Sinn, aber nur manchmal, selten. Meistens schadet es.
        Deshalb ist Demokratie ein sehr ungeeignetes Politikmodell, die Kumulation individueller Haltungen widerspiegelt nicht gesellschaftliche Notwendigkeit, im Gegenteil. Aufgabe der Gesellschaft ist es, einerseits Hüllkurve für individuelle Gestaltung zu sein,

      • Muttis Liebling sagt:

        5/ andererseits Richtlinienkompetenz zu haben. Dazu braucht man nicht die kumulative Meinung des Volkes. Es gibt nur eine Wahrheit und die ist objektiv und korreliert nicht mit subjektiven Empfinden. Es gibt immer genau nur eine richtige Entscheidung, sehr viele falsche und die schlechteste ist der Kompromiss. Seit ich in der Schweiz lebe, habe ich noch nie eine richtige Entscheidung wahrgenommen. Hier wird alles falsch gemacht, weil nur das Kriterium Wirtschaftlichkeit zählt.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Muttis Liebling:
        ich finde Sie weichen aus, es geht ums gutheissen von Gewalt Andersdenkenden gegenüber, um Terroristen, denen Sie aufgrund von „Ideologie darf alles, bloss töten aus Eigennutz darf man nicht“ zugesprochen haben. Kurze Zeit nach diesen Diskussionen wurden Bergsteiger von genau solchen, von Ihnen verteidigten! „Ideologen“ erschossen, heissen Sie das gut und stehen Sie nach wie vor dazu, dass das legitim ist?
        Und „Politik“ darf also auch immer noch alles, auch über die Menschenrechte hinweg?

      • xyxyxy sagt:

        ich gehe davon aus, dass die anderen Blogteilnehmer zu intelligent sind, um auf solchen Unsinn zu antworten.
        „es gibt nur eine Wahrheit“ – und ausgerechnet Sie haben sie erkannt – Wow! Damit übertreffen Sie noch den Papst und ziehen einem Sektenguru oder polit. Demagogen gleich.
        Ihre Theorie fernab jeglicher Realität, ohne einen einzigen Beweis: Die grossen Fortschritte in Wissenschaft, Medizin, Wohlstand, wurde mit zunehmender Freiheit erreicht. Totalitarismus ist deswegen weder für das Individuum gut, noch für die Gesellschaft.

      • Muttis Liebling sagt:

        Brunhild, ich weiche nicht aus. Aus ideologischen Gründen darf man töten und Menschenrechtler, allgemein Irgendetwas- Rechtler sowieso.
        Mord aus Gier, Eifersucht, Neid usw. ist verwerflich. nicht der aus politischer Überzeugung. Politik als Praxisprinzip, Philosophie als Theorie und Ideologie als Methode stehen über Menschlichkeit.
        Menschenrechte sind nicht das Höchste. Politik, Ideologie, Religion, Philosophie sind höher.
        Menschen wird es irgendwann auch auf diesen Planeten nicht mehr geben, die Prinzipien aber schon, die sind ewig.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Muttis Liebling:
        somit legitimieren Sie also die Erschiessung der Bergsteiger-
        das wird deren Angehörige wohl freuen,
        auch wenns dann mal wieder irgendwo Tote und Schwerverletzte aufgrund von Anschlägen gibt-
        alles legitim, und unterteilt wird in lebensberechtigt und weniger- die „weniger“ darf man sowieso,
        ja, dann ist wohl einiges geklärt.

      • Muttis Liebling sagt:

        @xy: Die grossen Fortschritte in der Wissenschaft und der Medizin fanden in Unfreiheit statt. Spätestens seit dem 1976 einsetzenden Neoliberalismus gibt es nur noch technische Fortschritte. Inhaltlich, weltanschaulich ist nichts passiert. Es gibt keine Theorie der Medizin, keine Vorstellung, was Krankheit und Gesundheit ist. Alle Medizin Nobelpreise seit 2000 wurden für kommerziell Verwertbares vergeben. Es gibt nur noch Anwendungsforschung, nie nach dem Untergang Roms waren Kultur, Wissenschaft und Medizin auf so einem so niederen Niveau wie derzeit.

      • Muttis Liebling sagt:

        2/ Und ganz wichtig, Wohlstand darf nie ein Ziel sein. Die Ressourcen des uns zugänglichen Teils der Welt sind begrenzt und machen, minimale Gerechtigkeitsvorstellung vorausgesetzt, individuellen Wohlstand bei der jetzigen und erst recht nicht bei der zu erwartenden Grösse der Weltbevölkerung unmöglich.
        Die Vorstellung, dass man durch besondere Leistung mehr als andere haben darf, ist abstrus. Die einzige Möglichkeit, dass ich reicher werde, setzt voraus, dass andere dadurch ärmer werden. Alles ist gedeckelt, es gibt keine Wertschöpfung aus dem Nichts. Man kann nur wegnehmen oder verlieren.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Muttis Liebling:
        das ist mir ja eine schöne Unfreiheit, sowas,
        wie sich da die Menschheit bloss so erfolgreich was vormachen lassen kann?!
        Und es nicht mal kapiert dass ihr Geschütztsein von statthaftem umgebracht-werden im Namen einer Ideologie,
        egal grad welcher, eigentlich ja gefesselt-sein bedeutet-
        wie erbärmlich degeneriert wir alle (also nicht Sie, denn Sie stehen da drüber und würden sich wohl ohne mit der Wimper zu zucken an irgendeinem Berg erschiessen lassen, solange es den Tätern um die Ideologie und NICHT Ihre Wertsachen geht…) doch sind.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Muttis Liebling:
        da hat der Tag wohl nicht so gut gestartet,
        jetzt wurden diese Gut-täter doch tatsächlich noch gefasst….

      • Muttis Liebling sagt:

        Brunhild, es muss noch ein wenig mehr geben als diese nicht festnagelbare Humanitätsbild der Typen so wie Du oder marie, Carolina, Widerspenstige. Ich verstehe Euch sehr gut, will auch nicht zu sehr eingreifen.
        Aber es gibt Invarianten, wir wollen doch mal weiter kommen. Der Zeitgeist bringt nicht weiter, brauchen tut es den trotzdem, nur nicht für uns.
        Das Klassische ist, das man mir sagt, ich möchte, dass es meinen Kindern besser geht als mir und ich antworte, niemand soll es besser gehen als alle.
        Es muss mehr geben und es ist nicht illegitim, einmal, wirklich nur einmal, Gewalt zu nutzen

      • Carolina sagt:

        ‚Das nicht festnagelbare Humanitätsbild der Typen…..‘ Sie halten es also für ‚weiterführend‘ (ich sage schon gar nicht alltagstauglich), ein striktes Kategoriendenken bzw einer kategorisch auf alle anwendbaren Philosophie/Ideologie zu propagieren?

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Muttis Liebling:
        dass es allen gleich gut gehen soll und
        „dafür wird keine Gewalt gegen Leben oder Sachen ausgeübt“
        schliesst sich nicht aus!
        Wie kommen Sie auf so ein Zusammen, resp gegenseitig ausschliessen?
        Zumal gerade in diesem Zusammenhang die von Ihnen verteidigten sich sehr davon distanzieren
        Gewalt „einmal, wirklich nur einmal“ zu nutzen, im Gegenteil!
        Das sollten Sie vielleicht nochmal überdenken…

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Carolina:
        immerhin kommen Sie gleich durch 🙂

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