Das Drei-Eltern-Kind

Was macht eigentlich Elternschaft aus? Arzt vor einer Privatklinik für künstliche Befruchtung in Rom. (Bild: Reuters)

Was macht Elternschaft aus? Arzt vor einer Privatklinik für künstliche Befruchtung in Rom. (Reuters)

In Grossbritannien wird zurzeit über eine neue Methode der künstlichen Befruchtung diskutiert, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Um Müttern, die unter einem Mitochondrien-Defekt leiden, gesunde Kinder zu ermöglichen, sollen sogenannte «Drei-Eltern-Kinder» gezeugt werden. Will heissen: Es werden zwei Eizellen mit dem Samen des Vaters befruchtet – eine Eizelle der Mutter, eine Eizelle einer Spenderin. Anschliessend wird der mütterliche Zellkern in die gespendete, gesunde Eizell-Hülle transferiert und die so zusammengebastelte neue Eizelle wird der Mutter eingepflanzt. (Eine Grafik dazu finden Sie hier.)

Laut Umfragen der britischen Überwachungsbehörde für künstliche Befruchtungen HFEA steht ein Grossteil der Bevölkerung dem neuen Verfahren positiv gegenüber. Und so hat die britische Regierung Ende Juni entschieden, einen Gesetzesentwurf zur «Drei-Eltern-Befruchtungsmethode» vors Parlament zu bringen. Würde er durchkommen, wäre England das erste Land weltweit, das die Methode zulassen würde.

Ob man diese Vermischung weiblicher Eizellen, diese künstliche Schaffung von Menschen mit drei genetischen Elternteilen ethisch gutheissen kann, will ich hier nicht weiter ausführen. Vielmehr geht es mir um die Frage der Elternschaft: Sollten mit dieser Methode tatsächlich Kinder gezeugt werden, hätten sie rein biologisch gesehen drei Elternteile. So weit, so klar. Doch würde die Spenderin der Eizell-Hülle dadurch auch in der gesellschaftlichen und vor allem der kindlichen Wahrnehmung zur Mutter? Ja was macht eine Mutter, einen Vater denn eigentlich aus? Ist es die Biologie? Oder die Zeit, Liebe und Aufmerksamkeit, die man einem Kind widmet?

Die Frage ist so neu nicht. Wer ein Kind adoptiert, hat vermutlich stets die Angst vor dem Moment im Hinterkopf, in dem das Kind sich nach seinen «richtigen», sprich biologischen Eltern erkundigt und diese persönlich kennenlernen will. Und dieser Moment kommt mit absoluter Sicherheit, selbst wenn das Kind glücklich und behütet bei Adoptiveltern oder Mutter und Stiefvater aufgewachsen ist. Die Frage nach dem Woher ist fest in uns verankert und so will jeder Mensch irgendwann wissen, wessen Gene er in sich trägt.

Was nicht heissen muss, dass die Biologie am Ende die stärkere Bindung darstellt. Laut diversen Forschungen kehren die meisten Adoptivkinder nach ein, zwei Treffen mit den leiblichen Eltern gefühlsmässig zu Adoptivmutter und -vater zurück. Ja, oft verbessere sich die Beziehung zu Letzteren durch solche Treffen sogar, weil die Kinder sich der starken emotionalen Bande zu den Adoptiveltern bewusst würden.

Wie das Ganze bei den «Drei-Eltern-Kindern» ablaufen würde, darüber lässt sich nur spekulieren. Ob eine fremde, kernlose Eizelle genügen würde, um bei einem Kind diesen Woher-Reflex auszulösen? In England zumindest ist man sich noch nicht einig, ob die Spenderin der Eizell-Hülle wie eine Eizell-Spenderin behandelt würde, das Kind sie also später kennenlernen dürfte, oder ob man sie wie eine Blutspenderin bewerten und in der Anonymität belassen würde.

Dass Probleme auftauchen, weil das Kind in der pubertären Selbstfindungsphase das Gefühl hat, eben doch nicht ein hundertprozentiger Nachkomme von Mama und Papa zu sein, ist aber durchaus denkbar. Vielleicht wäre es dann tatsächlich wichtig, dass es die Zellspenderin kennenlernen dürfte. Und sei es nur um zu erkennen, dass doch diejenigen Menschen am meisten die wahren Eltern sind, die sich Tag für Tag um einen kümmern, sich um einen sorgen, einen lieben und – auch wenn sie gelegentlich Fehler machen – stets ihr Bestes geben, um einem ein glückliches Leben zu ermöglichen.


31 Kommentare zu «Das Drei-Eltern-Kind»

  • Hanspeter Niederer sagt:

    Irgendwie tröstlich zu sehen, wie sich die stark zu Dekadenz neigende Wasserkopf-Spezies Homo sapiens das eigene Grab schaufelt. So gibt es Platz für alle unschuldigen Mitgeschöpfe auf diesem grossartigen Planeten Erde, der von einer bestimmten Unterart der Primaten systematisch in eine Wüste verwandelt wird.

    • Muttis Liebling sagt:

      Dem ist nichts hinzuzufügen. Diese degenerierte Haltung, noch das letzte rauskitzeln zu wollen, ist einfach nur widerlich.
      Es ist nun mal so, dass je nach Alter 8-16% der Bevölkerung nicht an der Reproduktion teilnehmen können. Das muss man nicht ändern, so wie man auch nichts gegen Altern und den darauf folgenden Tod tun sollte.
      Wer Niederlagen und Leid nicht akzeptieren kann, sollte besser gar nicht leben.

  • David Stoop sagt:

    Meiner Meinung nach bauscht der Blog das Thema unnötig auf: Wozu sollte das Kind grossartig Kontakt zur Spenderin suchen? Da keine Zellkerngene gespendet werden, kann das Kind sich weder biologisch noch erziehungstechnisch in der Spenderin wiedererkennen. Wir wollen wissen, wer wir sind, aber Mitochondrien geben uns diese Antwort nicht. Man hat eben nicht die Augen, Nase oder Haarfarbe der Spenderin. In den Eltern (den erziehungstechnischen wie den biologischen) erkennt man sich selbst wieder, so gesehen hat so ein Kind nur ganz normale 2 Eltern.

  • alien sagt:

    Also, ich frage mich ja, was denn das Kind erfahren wird, wer denn nun seine Eltern sind. „Ja weisst Du, eigentlich war das ein genetischer Gangbang.“

  • Züricher sagt:

    „Habe noch nie gehört, dass sich jemand zu einer Person hingezogen gefühlt hat, weil diese ihr den Herpesvirus übertragen hat.“
    Dem kann ich auch nur zustimmen, eine Infektion ist kein Grund mit jemanden zu sympathisieren 🙂

  • sama sagt:

    In der Zellhülle ist mitochondriale DNA – diese ist vollkommen unabhängig von der DNA in der Eizelle. Mitochondrien sind – wenn man es genau nimmt – eigene Organismen, die in Symbiose mit der menschlichen DNA leben und sich via Eizelle vermehren. Die Symbiose ist zwar uralt, aber es gibt nach wie vor keine Vermischung mit der DNA des Embryos, die ja von beiden Eltern stammt. Insofern hat das Kind nicht unbedingt drei Eltern, sondern nur die Mitochondrien einer anderen Person – es ist nichts weiter, als eine – allerdings vererbbare – Organtransplantation.

    • Albert Baer sagt:

      Danke!

      Mitochondrien haben also etwa gleich viel mit dem Träger zu tun wie z.B. der Herpesvirus.

      Habe noch nie gehört, dass sich jemand zu einer Person hingezogen gefühlt hat, weil diese ihr den Herpesvirus übertragen hat.

      😉

      • Eni sagt:

        Nun ja, immerhin fühlte man sich in Vergangenheit mit dem Schenker des Herpesvirus verbunden, schliesslich wird dieser oft beim Küssen übertragen…………….

    • Marina Trachsel sagt:

      Na ja, ganz so einfach ist es nicht.
      1.) Die Mitochondrien im Menschen sind evolutorisch längst nicht mehr „unabhängig“, sie brauchen einige hundert Zellkern-Genom kodierte Proteine, um zu funktionieren (Unter andern alle Polymerasen).
      2) es wird jede Zelle des Organismus betroffen, das Konzept hat mehr von Gentherapie, denn von Oranspende
      3) 85% aller Mitochondrienerkrankungen werden gar nicht von mitochondrialer DNA erzeugt.
      4) Rein verfahrenstechnisch hat die Prozedur viel mit Klonen gemeinsam, ausser, dass eine Eizelle statt einer „ausdifferenzierten“ Spenderzelle genommen wird.

      • Marina Trachsel sagt:

        Ich bin kein Gegener genetischer Therapiemethoden, ganz sicher nicht.
        Aber es könnten in Grossbritannien jährlich maximal einige Duzend Frauen von dieser Prozedur profitieren, also frage ich mich, wieso die Biotechnologie-Branche sich so dafür einsetzt. Ein Bewilligungsverfahren ist nicht gratis, und irgnedwie muss man sein Geld ja auch wieder einspielen.
        Ich befürchte, hier werden unter dem Deckmantel von „armen Kindern mit Atemproblemen“ Stammzelltechnologien bewillgt, und das ärgert mich, denn ich lasse ich ungerne für dumm verkaufen.

      • Albert Baer sagt:

        „denn ich lasse ich ungerne für dumm verkaufen.“

        Geht mir auch so.
        Ich habe von 10 Fällen/Jahr gelesen. Da fragt man sich schon, was ausser dem unbändigen Drang diesen armen, armen, armen 10 Frauen/Kindern zu helfen sonst noch die Motivation ist.

      • Widerspenstige sagt:

        Marina, you name it 4)! Es geht wohl in Richtung Klonen und das Schaf Dolly ruft nach menschlichen Dollys….!!

  • Widerspenstige sagt:

    Die ethische Frage wird ausgeklammert beim heutigen Thema
    Es geht somit nur um diese Fragen von JK: ‚Doch würde die Spenderin der Eizell-Hülle dadurch auch in der gesellschaftlichen und vor allem der kindlichen Wahrnehmung zur Mutter?‘ Ich denke nein, da einfach zu weit weg vom emotionalen Geschehen sieht das Kind darin kaum einen Mutterbezug. Viel zu künstliche Befruchtung u dürfte auch gesellschaftlich kaum von Relevanz u Akzeptanz sein.
    Was eine Mutter ausmacht ist mE der biolog. Bezug und ‚die Zeit, Liebe und Aufmerksamkeit, die man einem Kind widmet‘.

    Diese Methode ist mE ein Grenzfall!

    • Eni sagt:

      Für mich persönlich nicht nur ein Grenzfall sondern einfach ethisch nicht vertretbar.

    • Hotel Papa sagt:

      Ich sehe das etwa wie eine Organspende. (Auch in der ethischen Tragweite; es gibt durchaus Denkweisen die einer Organspende SEHR kritisch gegenüberstehen.)
      Wie beim der Organspende wird der Empfänger den Spender in der Regel kennelernen wollen.

    • Widerspenstige sagt:

      Hotel Papa: Ich habe lange überlegt, wie ich es formuieren soll und war auf der Kippe. Es könnte als ‚Organspende‘ durchgehen u wäre wohl für die Spitzen-Stammzellenforschung besser an ‚die Frau‘ zu bringen. ABER ich fürchte, es geht in Richtung Manipulation der Stammgene etc. Da klingeln bei mir sämtliche roten Ampeln und hier ist für mich STOPP! Bis hierher und nicht mehr weiter mit Manipulation werdenden Lebens! Es dürfte wenige Frauen geben, im Verhältnis zum riesigen Forschungsaufwand, welche davon betroffen wären. Für diese Frauen gibt es den erleichterten Adoptionsweg, sorry.

  • Mann sagt:

    @ Rosha

    Das Detail mit der DNA ist zu hoch für den Mamablog. Hier müssen Instinkte abgearbeitet werden, das hat es keinen Platz für Wissenschaft.

    • Adrian Humboldt sagt:

      Ja Mann! Hart aber wahr. Wobei DNA tönt schon ein bisschen technische-synthetisch, irgendwie Falsch. Ich finde wir sollten die DNA verbieten, ist nicht natürlich.

      • Manuela sagt:

        Das erinnert mich an eine Schlagzeile, die ich während des Studiums in einer großen deutschen Tageszeitung (wie es immer so schön heißt) lesen durfte: JETZT NEU: GENFREIER SALAT!
        Ich finde, der Erfinder des genfreien Salates sollte unbedingt den Nobelpreis erhalten. Das hat ja noch nicht einmal der liebe Gott geschafft!

      • alien sagt:

        Bist Du auch gen Technologie?

  • CMH sagt:

    1. Fragen sie ihre Freunde ! Es bleiben vor allen schlechte Sachen in Erinnerung !
    2. In Afrika gibt es Gesellschaften die traditionell ihre Kinder nach ein paar Monaten an eine andere Familie zur Entwicklung weitergeben.
    4. Wenn sie ihr Kind nach ein paar Monaten in die Obhut einer anderen Familie geben, und diese neue Familie ihr Kind gut oder sogar liebevoller behandelt, hat ihr Kind sie in kürze vergessen und wird sich das ganze Leben nie mehr an sie erinnern !!!
    5. Also!, liebe Mütter, Ihr seit nur zum Gebähren da !
    6. Mütter, behandelt eure Kinder „richtig“, aber da gibts kein M-Kurse.

  • Albert Baer sagt:

    Der genetische Beitrag der Spenderin betrifft nur die Mitochondrien-Funktion. Sonst hat das Kind keinerlei Gene der Spenderin.
    Ob sich das Kind gross für seine Mitochondrien-Funktion und somit für die Spenderin interessiert?

    Wohl kaum.

  • Roshan sagt:

    Dies weil die dritte Person nur die Zellhülle spendet, worin keine DNA enthalten ist.

    • Markus sagt:

      Falsch. In der Zellhuelle sind auch die Mitochondrien enthalten, inkl. der mitochondrialen DNA. Das ist ja der Sinn der Übung.

      • alien sagt:

        Stimmt, die mtDNA ist in den Mitochondrien. Sie ist aber mit weniger als 40 Genen sehr klein (die normale Zell-DNA enthält 15000 Gene und mehr). Und von wegen Wissenschaft: Ein bisschen davon hat noch keinem geschadet.

  • Roshan sagt:

    „künstliche Schaffung von Menschen mit DREIi genetischen Elternteilen“ ist nicht richtig.

    • Riki sagt:

      Warum ist es nicht richtig?
      Aber wenn zwei Menschen ein Kind bekommen möchten, ist solche „künstliche Schaffung “ für einigen notwendig. Nicht alle Frauen können problemlos schwanger werden. Etwa 45 Prozent der Frauen haben verschiedene gynäkologische Probleme. Fast das häufigste Problem ist mit Qualität der Eizellen oder sogar mit ihrem Fehlen verbunden. Deshalb sind Eizellen eine fast normale Ware auf dem Gewebemarkt.
      Aus diesen Gründen brauchen einige Paare dringend so genanntes dritte genetische Elternteil.

  • Christian sagt:

    Der Zellkern enthält das Erbgut und auf das kommt es an.

  • Eni sagt:

    Das ist wieder einmal ein Beispiel, dass nicht alles Machbare auch Ethisch ist, aber es geht halt wieder einmal um viel Geld, das zu verdienen ist.

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