Krieg im Kinderzimmer

Wer Kinder kriegt, kommt bald selbst nochmals auf die Welt. Aber nicht im Sinne von «sich wie neu geboren» fühlen. «Vor den Kopf gestossen», würde es eher treffen. Zum Beispiel, wenn sich der Krieg plötzlich im Kinderzimmer einnistet. Einst Pazifistin, beherberge ich heute in meiner Wohnung ein Waffenarsenal mit Pistolen (Einschüssern und Sechsschüssern), Gewehren und Kanonen, Schwertern, Dolchen und Messern, Schilden, Pfeilen und Bogen, Tomahawks, Morgensternen und Dreizacks. Besitzer ist der Sohn, ein Dreikäsehoch von liebenswertem Wesen mit einem unerklärlichen Waffenfimmel. Seine Waffen schleppt er überall mit sich herum, und im Bett verlangt er nach ihnen, wie andere nach dem Teddy. Zum Einschlafen kuschelt er sich an Schild und Pistole.

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Auch Mädchen greifen zu Waffen: Aus dem Familienalbum eines amerikanischen Waffenliebhabers, publiziert im Internet.

«Woher kommt das?», fragt sich die Mutter. In der Familie gibt es weit und breit keine Vorbilder für solches Verhalten, im Krieg befinden wir uns auch nicht und von entsprechenden Filmen oder Computerspielen haben wir ihn bislang erfolgreich fern gehalten. Ist das Testosteron schuld? Liegt der Krieg in der Natur des Mannes? Und wenn ja, ist das eine destruktive, böse Veranlagung oder handelt es sich bloss um ein evolutionäres Programm, das einst dem Jagdverhalten diente und heute im besten Fall zu kulturellen Höchstleistungen sublimiert wird?

Das Magazin «Wir Eltern» nimmt sich des Themas in seiner aktuellen Ausgabe an und plädiert vorsichtig für einen gelassenen Umgang mit den spielerischen Aggressionen der Söhne. «Für uns Erwachsene implizieren (Spielzeug-)Waffen Krieg, Schmerz und Tod. Kindern hingegen macht das Rumballern schlicht Spass», heisst es.

Natürlich. Spass hatte jüngst sicher auch jene handvoll Männer, die in Basel mit ihren Softair-Guns derart echt den Krieg inszenierten, dass verschreckte Bürger die Polizei riefen, welche mit Grossaufgebot vorfuhr und die Spassvögel verhaftete. Für mich ist dieser Spass nicht nachvollziehbar und ich frage mich: Sind die nicht einfach schlecht erzogen? Sollte ich bei meinem Sohn vielleicht doch einen Riegel vorschieben? Aber was nützen Verbote, wo jeder Stecken zum Gewehr umfunktioniert wird?

Doch jüngst überraschte mich Sohnemann, als er mir erzählte, was er gerade spielt. Es war eine wilde Geschichte um Schwerter und Pfeile, die eine Insel stürmen, auf der ein Schatz versteckt ist. Ein Pfeil wird dabei verletzt, da kommt der andere, leistet ihm erste Hilfe und pflegt ihn gesund.

Solange Waffen sich so sozial verhalten, sollen mir Waffenspiele recht sein.

39 Kommentare zu «Krieg im Kinderzimmer»

  • tom sagt:

    Die Terroristen von morgen LOL XD

  • adriana sagt:

    Krieg im Kinderzimmer veroten!!

  • Marc sagt:

    Kann hier Nicole nicht wirklich zustimmen! Meine Mutter war damals auch absolut gegen jegliche Art von Waffen. Nebst dem meiner Meinung nach natürlichen Vorgang dass Kinder, besonders die Jungen, Waffen als Machtobjekt und interessantes Spielzeug sehen, kam also für mich noch der Reiz des Verbotenen hinzu: Ich kaufte mir immer wieder heimlich eine Spielzeugwaffe, und wenn die Mutter sie fand und zerstörte, so kaufte ich wieder eine Neue.

    Nun bin ich 21, lebe in einer WG und würde mich als Fan von Waffen bezeichnen. Zwar bin ich mir über deren Wirkungsweise und welch tragisches Leid sie anstellen können sehr bewusst und verurteile Krieg und Gewalt auf’s schärfste, doch die Waffen an und für sich gefallen mir einfach zu gut. Jedes Jahr gehe ich an die Waffenbörse, schaue gerne Filme mit viel Waffen-Einsatz, besitze selber viele Messer, eine Pistole, Luftgewehr, SoftAirGun und nicht zuletzt eine äusserst realistische Paintball-Gun, mit welcher ich zusammen mit Kollegen im Wald „Krieg spiele“.

    Dabei tarnen wir uns, gehen taktisch vor, überlisten den Anderen und alles was dazugehört. Eine Riesen-Freude, wenn man „überlebt“. Dennoch ist es für uns nichts anderes als ein Sport mit Hirn und Körper: Während der Fussballspieler sich freut, den Stürmer mit seinem Können ausgetrickst und das Tor geschossen zu haben, so freuen wir uns wenn wir dank unserem Können die gegnerische Mannschaft ausgetrickst und ausgeschaltet, und so das Spiel gewonnen haben.
    Aber jeder bei uns ist sich bewusst was das Ganze in Realität bedeuten würde: Jeder Treffer = Tod, Zerstümmelung und Verletzung! Nur weil wir die Faszination an den Waffen und am Spiel haben heisst dies noch lange nicht dass wir jemals töten könnten! Und da gibts auch keine „Hemmschwellen-Absenkung“ wie man es immer hört!

  • Michael Strässle sagt:

    @ Rémy die Generation vor den 68er fanden auch normal und völlig gesund „Heil Hitler“ zu schreien und
    die frage „Wollt ihr den totalen Krieg mit“ frenetisch mit „Jaaaaaaaaaaaa“ zu beantworten.
    (Bin im Militär Aufkläre den mit Block und Papier sind immer noch die Mächtigste Waffe)

  • Nicole sagt:

    liebe Mamis, Hand aufs Herz:
    gefallen euch Waffen, Krieg und Schwerter?
    Wenn nein dann steht doch dazu, seit authentisch. Ich habe 4 Söhne und eine Tochter. ich bin immer gut damit gefahren meinen Kindern zu erklären wozu es Waffen gibt und dass ich persönlich Waffen hasse, dazu stehe ich. Also, in mein Haus kommen keine Waffen egal ob aus Holz, Plastik in schwarz oder quietschbunt und mit meinem Geld kaufe ich keine Waffe. Wenn sie sich aus einem Stock eine Waffe bauen bleibt die draussen. Wenn sie mich fragen sage ich ihnen, dass ich Waffen nicht schön finde, die Gründe kennen sie ja (handwerkliches Geschick wird natürlich schon beachtet). Natürlich leihen sie sich mal eine vom Nachbarsbub, aber sie bleibt draussen.
    Verbote bringen nichts, eine klare Haltung bring viel. Mein grösster hat mit 5 od. 6 sich ein Piratenschiff gewünscht, er hat es bekommen und von sich aus die Waffen im Müllsack versorgt. Mein 3. Sohn jetzt auch 6 würde das zwar nicht selbstständig tun aber kennt und versteht meine Haltung.
    Ausserdem lassen wir unsere Fantasie doch mal walten, es gibt so viele Rollenspiele, und Grosses und Starkes zu bewundern (Baustellenfahrzeuge Autos Maschinen) Sport und Spiel um „Kräfte“ zu messen. Das Krieg und Waffen wohl mal ein Thema sind, aber schnell unter abgehakt verschwinden!

  • Heidi Reiff sagt:

    Gegen Kräftemessen und Spielen habe ich nichts. In der Primarschule habe ich mit Mädchen und Buben gekämpft, meine Brüder hatten so Wasserspritzpistolen was mich nicht so interressierte als Mädchen, die Puppe, die ich von einer liebevollen
    älteren Frau im Hause geschenkt bekam, war mein ein und alles. Fatal ist diese Verharmlosung von GEWALT, ich bin empört.
    Es gibt viele Möglichkeiten für Kinder, ihren Spieltrieb auszuleben. Damit Mensch dazugehört machen leider viele jeden Saich mit, Kinder lernen nach Nachahmung, die Verführung von Aussen ist riesengross, gleich welche Richtung. Meine Grosskinder die ich ab und zu betreue spielen liebend gern Rollenspiele. In der Siedlung wo sie wohnen gibt es einen schönen Innenhof mit
    Spielgeräten Sandkasten auch Häschen in einem Gehege, Trottinets, Einräder etc. ein grosses Spielfeld, wo sich die Kids austoben können. Aufgefallen ist mir, dass da noch kein Kind mit einer Spielzeugpistole rumgelaufen ist. Die Kinder werden mehr gefördert in Musik, Malen etc.Die Buben aus der Siedlung gehen mit einem Schlauchboot paddeln auf der Birs. Der gegenseitig Austausch ist fair. Da könnten viele Erwachsene noch was lernen!!!! Ich habe viel von meinen eigenen Kindern und
    Grosskindern gelernt. Meine eigenen Kinder habe ich frei erzogen.

    Spielzeugwaffen bedeuten für Kinder auch Schutz, kann ja auch mit Aengsten gekoppelt sein. Leider wird die Angst der Kinder
    oft nicht ernst genommen. Mit der rationalen Aussage : „Muesch kei Angscht ha“ wird das Kind abgespiesen“.
    Nach wie vor HELDENTUMIDEALISMUS, TAPFERKEIT, AUF DIE ZAEHNE BEISSEN. Auch Tränen und Wut haben Berechtigung
    im Leben.

    PS. Ich bin total gegen das Militär gratuliere jedem Militärverweigerer. Kampf mit Waffen ist Mord (rede nicht von Schützensport).

  • john rambo sagt:

    solange waffen existieren, werden auch spielzeugwaffen existieren, wird es leute geben, die mit spielzeugwaffen spielen.
    da es immer waffen geben wird, werden also auch unsere kinder immer mit den spielzeugen spielen.

    das spielen mit waffen ist völlig normal. der spieltrieb ist wichtig. den jagdttrieb werden wir wohl nicht auf die schnelle los. weder spielzeugwaffen noch killerspiele schaden einer gesunden entwicklung. also lohnt sich keine aufregung. im gegenteil: aufregung führt zu vorurteilen und schubladisierungen, polarisiert und führt letztlich nur zu einem gestörten verhältnis zwischen waffe, mutter und kind 😉

  • Tobias Michael Frey sagt:

    dass etwas mehr gelassenheit beim spielzeugwaffen-gebrauch durch kinder angebracht ist/wäre, bestätigt die mehrheit der leserbrief-meinungen (was vehement/strikt untersagt wird ist von einer ‚aura‘ des geheimnisses umgeben und reizt erst recht, das verbot zu umgehen).

    was hier nicht erwähnt wird ist auch der ‚gruppendruck‘: je nachdem wie die nachbarskinder, spiel- oder schulkameraden ‚aufgerüstet‘ 😉 sind, hat das einen entscheidenden einfluss auf den wunsch, eine waffe zu besitzen … wollen um das (soziale) wohl ihrer kinder besorgte eltern wirklich, dass ihr kind ausgeschlossen wird/ist?

    wichtig ist, dass man die kinder nicht einfach machen lässt, sondern sie beim ‚gebrauch‘ von waffen sanft korrigierend begleitet/moderiert, so wie ich es bereits von meinen eltern – mein vater war im militär oberst und wusste sehr genau um die gefahr von waffen – gelernt habe.

    z.bsp. so: es wurde mir untersagt, direkt auf einen menschen – im speziellen auf den kopf – zu zielen. mit der erklärung, dass man nie wissen könne, ob es ein spielzeug oder eine echte (geladene) waffe ist und folgender wahren geschichte: der vater eines nachbarjungen war ein jäger und bewahrte sein jeweils ‚entladenes‘ gewehr im schrank auf. als der knabe alleine zuhause war entdeckte er dieses beim spielen, begab sich ins badezimmer und zielte auf sein eigenes spiegelbild. BUMMM! eine zurückgebliebene patrone liess den spiegel in tausend stücke zerbersten und den verdaderten ‚jungschützen‘ glücklicherweise ’nur‘ mit einem gewaltigen schrecken und einem eindrücklichen ‚lehr-blätz‘ zurück.

    an die ‚tolerante‘ leserbriefschreiberin, die sich ’nur‘ über den lärm des maschinengewehres ihres sohnes aufregt: warum setzt sie nicht einfach ein verbot durch, dass sie dies nicht in ihren eigenen vier wänden wünscht als gleich alles zu verbieten? erziehung ist immer ein auf kompromiss beruhendes geben und nehmen.

    und anstatt immer alles zu ‚psychologisieren‘ – gesund werden dabei nämlich v.a. die vielen ratgeber und – sorry! – ’seelen-klempner ;-)! – wäre oftmals besser gesunder und uns von natur aus gegebener menschenverstand angebracht.

    ich selber habe selbverständlich mit waffen gespielt und während einer gewissen zeit – mit unterstützung (nicht der waffen wegen, sondern um des sammelns willen: meine schwester sammelte puppen) meiner eltern – sogar antike waffen gesammelt.

    dank dem verständnis- und liebevollen umgang sowie der cleverness meiner eltern bin ich zu keinem massenmordenden waffen-narr und -monstrum geworden, und mein drang zu waffen hat sich eines tages mit erwachsenwerden verloren. zudem verkaufte ich aus eigenem antrieb/wunsch meine zwischenzeitlilch recht ansehnliche sammlung.

    ich bin sogar fest davon überzeugt, mehr als manch andere daraus gelernt zu haben: das wissen um die unglaubliche gefährlichkeit von waffen sowie den respekt um die integrität, körperliche unversehrtheit sowie das leben meiner mitmenschen.

  • MF sagt:

    ich denke(so war es immer bei uns) dass durch solche kriegspiele die fantasie angeregt wird und auch die sozialkompetenz. Habe ich doch mit meinem kleinen bruder(ab und zu auch mit dne cousins) immer auf imaginäre, anstürmende soldaten geschossen und iwr mussten geiseln befreien oder wir sind durch einen zeitstrudel ins mitelalter zurückgekommen und haben einem könig unsere hilfe mit unsere gewehren zugesichert oder haben unsere bettdecken als deckung aufgestellt und auf um unsreitende indianer geschossen und unsere toten kollegen versucht wiederzubeleben;), da seine burg von einer feindlichen armee belagert wurde.
    ich denke auch wir wussten damals dass waffen töten können, aber nicht unsere plastik gewehre, unsere pistolen-zweige oder unser Bazooka-ast.
    als ich 10 war erhielt ich noch einen kleinen bruder und heute bin ich 18 und er stösst bei mir auf unverständniss, dass er mit einer james bond plastik pistole durchs haus rennt und rumballert.

  • Lukas sagt:

    Die allermeisten Knaben haben wohl früher mit Spielzeug-Waffen gespielt. Von Cowboy-Colts über James Bond’s Pistole bis zu Rambo-Waffen. Spass macht das Rollenspiel, der Lärm den man mit den Waffen erzeugen kann, und ja, auch das gespielte Gefühl von Macht und Unverletzlichkeit. Als Kind fühlt man sich oft hilflos und klein, die Erwachsenen dominieren die eigene Welt. Eine Spielzeugwaffe erlaubt, wenigstens im Spiel selber dominant und stark zu sein.

    Vermutlich gehört das zur normalen Entwicklung. Schaden tut’s scheinbar nicht.

  • Michael sagt:

    Mehrere Jahre habe ich meinen Kindern gegenüber den Besitz von Schußwaffen verheimlicht. Den Tresor hinter einer geheimen Türe habe ich immer nur geöffnet, wenn die Kinder es nicht sehen konnten. Pistolen waren lange kein Thema bei unseren Kindern. Irgendwann kam unser 6 jähriger Sohn dann doch darauf, dass er eine Pistole haben möchte und prompt hat er sich eine von seinem Taschengeld gekauft. Ich war streng und erlaubte ihm nicht, dass er damit auf Menschen und Tiere zielt. Dabei habe ich das doch früher auch gemacht (als Sheriff hatte ich immer zwei Colts umgeschnallt). Und er verstand mein Verhalten nicht. Es ist doch nur ein Spiel, sagte er. Ich reagierte allergisch, wenn ich in die Mündung der Plastikpistole schauen musste. Danach habe ich dann das Verstecken aufgegeben, habe meine Kinder über mein Hobby aufgeklärt und ihnen gezeigt, wie man eine gefährliche Waffe von einer Spielzeugpistole unterscheiden kann. Ich habe ihnen erläutert, warum ich es selbst nicht mag, wenn man auf Menschen und Tiere zielt und habe es ihnen mit bestimmten ungefährlichen Pistolen dann doch erlaubt.

  • Urs sagt:

    Ich war vor ein paar Jahren mit meinem Sohn – damals knapp 6 – in einem Museum, der Ritterrüstungen wegen. Dann standen da halt noch ein paar Dutzend Gewehre rum, Vorderlader, Hinterlader und Flinten im ursprünglichen Sinne.
    In einer Ecke stand noch ein etwas moderneres Gerät mit einem Fadenkreuz, wie wir es aus dem Trickfilm kennen. Mein Sohn fragt mich: „Papa, ist das ein Maschinengewehr?“. Ich verneine. Da meldet sich der Kurator/Aufseher zu Wort: „Dochdoch, Ihr Sohn hat Recht, das ist ein ganz frühes Maschinengewehr.“
    Er kann das nicht gewusst haben. Wir haben keinen Fernseher.
    Jungs.

  • Markus sagt:

    Das wäre doch mal ein Thema für einen Blog: Die viel zu frühe Vernunftserziehung, die man allenthalben beobachten kann.

    Da wird mit Vierjährigen mit Vernunftsargumenten argumentiert, warum sie dies tun oder jenes lassen sollen. Damit kann man 8 Jahre später so langsam sinnvoll anfangen.

  • Marcel sagt:

    Obwohl ich eben wie gesagt letzthin mit einer Governement im Kaliber 45 ACP schiessen gegangen bin- wahrscheinlich v. a. deshalb, weil mich die o. erw. Schlüsselerlebnisse in meiner Kindheit dermassen geprägt haben, dass ich einfach nicht mehr anders konnte- bin ich schon im Militär bei den jeweils berühmt-berüchtigten Photoaufnahmen aus dem Vietnamkrieg fast in Ohnmacht gefallen (andere Rekruten mussten reanimiert werden- auch jene, die kurz zuvor eine Panzerfaust abgefeuert hatten..). Gut, ich kann ja mal versuchen, auf den 10-jährigen Nachbarsohn mit besonders martialischen Bildern von Kriegsverletzungen zuzugehen- mal sehen, ob er den Stecken oder die Chäpslipistole sofort bedingungslos niederlegt…

  • gargamel sagt:

    mmh… ist es nicht etwas overkill, mit einem 3jährigen eine waffendiskussion bzw. ein gespräch über leben und tod starten zu wollen, nur weil er unter lautem „peng, peng!“ gerufe mit einem stecken im garten rumrennt..?

    mir macht das auch nicht wirklich sorgen, aber es verwundert mich halt, wie der kleine überhaupt darauf kommt… seine schwester hat das nie gemacht, auch wenn sie sonst überhaupt kein maitli-mädchen ist.

  • Armin sagt:

    Genau, da liegt doch ein Kernpunkt; Macht in diesem Zusammenhang kann nicht negiert werden! Und wieso nicht den Kindern aufzeigen, was bei einer realen Schussverletzung im Körper passiert (natürlich dem Alter entsprechend)? – Wahrscheinlich, weil das die Eltern eben auch nicht wissen (wollen) und dafür lieber jeden Abend Krimiserien und andere Mord- und Totschlagfilme schauen…

  • Robert sagt:

    Ich teile die Ansicht, dass auch Kinder, die nie ein entsprechendes Vorbild hatten, in „Waffen“ (im weiteren Sinne) ein Interesse finden, das wohl ganz allgemein mit Macht und Potenz zu tun hat.
    Spannend wäre zu erfahren, inwiefern sich die Kleinen über die Wirkung der Waffen eigentlich bewusst sind – oder eben explizit nicht. Ob sie verdrängen, dass Waffen töten oder ob sie darin einfach kein Problem sehen – oder ob der Tod selbst eben eine sehr grosse Unbekannte für sie ist, mit der sie sich nie beschäftigen. Vielleicht wäre das überhaupt der richtige Ansatzpunkt, sich dem Thema Tod anzunehmen anstatt dem Thema Waffen???

  • Karin sagt:

    Hier wird immer nur von Knaben gesprochen, die gerne rumballern. Mir ist es als Mädchen nicht anders gegangen, mit Lego-Steinen hab ich fleissig Waffen gebaut, das schön geschnitzte Holzschwert, werlches ich fand, war mein Heiligtum und ich war neidisch auf die Holzflinte und die Armbrust, die mein Bruder vom Grossvater kriegte. Ich glaube, Mädchen sind genau so gewaltbereit, werden aber noch viel mehr daran gehindert, ihre Aggressionen 1:1 auszuleben. Heute sind mein Bruder und ich ganz normale Erwachsene. Fazit: Bisschen Gelassenheit und mal einen ernsthaften Hinweis darauf, das echte Gewalt viel Leid bringt, helfen, einen gesunden Umgang mit Waffen zu finden.

  • gargamel sagt:

    mache dieselbe erfahrung wie frau binswanger: auch in den händen unseres bald 3jährigen wird alles zur schusswaffe umfunktioniert: stecken, kleiderbügel, farbstifte, lego, essgabel… alles schiesst… wirklich sehr seltsam…

  • Lisa sagt:

    Hier ist eine Sportschützen-Mama mit zwei Jungs, aber sie hält es damit wie mit der Religion – es macht manchmal keinen Sinn, über etwas auszuholen… zumal dann nicht, wenn Kommentare von Leuten wie emanzo kommen bez. Pseudoemanzen im Militär oder „Bei den Waffen habe ich eher den Eindruck, dass es etwas mit Vorbildern und fehlenden Alternativen zu tun hat. “Ich will stark sein – die Waffe macht mich stark” ist ein fataler Kurzschluss, denn wer eine Waffe zur Hand nehmen muss zeigt eigentlich nur, wie schwach er ist.“ Das mag bei manchen zutreffen, aber eben, bitte nicht immer alle in einen Topf werfen. Ich spiele fürs Leben gerne Schach – eigentlich ein brutales Spiel, zumal die Bauern immer als erstes dran glauben müssen 😉

  • Armin sagt:

    Eine interessante Diskussion hier. Meinen Beobachtungen zufolge hat das Spielen mit Waffen nicht nur mit Vorbildern und Nachahmung zu tun. Sondern ich glaube langsam, dass gewisse Menschen/Kinder die Affinität zu Waffen in sich selbst haben. Evolutionsbiologisch wäre die Erklärung relativ einfach: wer mit Waffen (schon möglichst früh) umgehen konnte und diese einsetzte, war im Vorteil. Wer dies bezweifelt, sollte sich vielleicht einmal die männlichen Tierkämpfe in der afrikanischen Savanne anschauen: nicht der schmächtige Springbock mit dem kleinsten Horn gewinnt die Duelle und pflanzt sich fort… – Nun gut, wir sind ja keine Tiere mögen einige sagen. Aber mir sind nicht viele Kriege bekannt, in denen die Unbewaffneten gegen die Bewaffneten gewonnen haben. Viele Eltern mögen dies stossend und unzivilisiert empfinden, doch darauf nahm die Evolution noch nie viel Rücksicht.

  • Gabriela sagt:

    Hier mal eine Mama 😉
    Ich habe zwar nur Mädchen welche mit einem Stock als Waffe mehr als zufrieden sind, aber erfahrungsgemäss wird beim Spiel der Kinder oft viel zu viel rein interpretiert. Kinder sind in dem Alter normalerweise noch ziemlich unschuldig und genau so unschuldig ist auch ihr Kriegerlispiel auch wenn Erwachsene mit ihrer verlorenen Unschuld da viel böses rein interpretieren können.

    Gewalt lernen Kinder in erster linie kennen wenn sie diese selber erfahren. Psychische wie Physische. Eien Spielzeugpistole ist also viel harmloser als eine bewusste Ohrfeige als Strafe, weil im Gegensatz zur Ohrfeige fördert die Spielzeugwaffe nicht die Gewaltbereitschaft des Kindes.

  • Marcel sagt:

    Die Diskussion hatten wir doch schon in den Siebzigerjahren- also genau jener Zeit, in der der moralische Imperativ, im allgemeinen bärtig und Latzhosentragend, irgendetwas von der Schädlichkeit von „Kriegsspielzeug“ schwafelte. In der Folge verschwanden sämtliche Panzer-, Haubitzen-, Granatwerfer-, Bomber- und Zerstörer-Spielzeugmodelle aus den Warengestellen von Franz Carl Weber. Ich hatte auch davon eine ganze Reihe in meinem Zimmer stationiert (speziell Panzer von Solido mit Stahlketten)- und habe noch nie jemandem eins auffe Fresse gehaun‘, eine Granate ins Wohnzimmer geschmissen oder geplant, mit einem gekidnappten Flugzeug ins Haus zu fliegen. Etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit Gewalt bitte- doch das ist ja glücklicherweise auch der Tenor der meisten Kommentatoren im Papa- äh, Mamablog. Wo sind eigentlich die Mamas?

  • rb sagt:

    Erstens möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, dass echt aussehende Waffenimitationen gem. neuestem Waffengesetz sowieso verboten sind, und Eltern diesbezüglich zur Verantwortung gezogen werden können !
    Zweitens ist man, aus Sicht des Kindes, als Erwachsener so was von lächerlich, wenn man dem Knirps signalisiert, dass er die nötige Reife noch nicht hat, zwischen Spiel und Ernst unterscheiden zu können.
    Drittens sind Waffen auch Sportgeräte, welche wie jedes andere Sportgerät auch (z.B. Baseballschläger) koordinative Fertigkeiten und Konzentration fördern. In diesem Sinne sollten diesen Sportgeräten bereits schon in frühen Jahren bewusst an- und begeleitet werden (z.b. man zielt NIE auf Menschen!) um Unfällen durch unsachgemässen Umgang (früher oder später hat wohl jedes Kind mal so ein Teil in der Hand) vorzubeugen.
    Ob das nun ein „Pistöleli“ ist oder „nur“ ein das Augenlicht seiner Gspähnli gefährdender Stecken, die gegen andere eingesetzte Faust oder ein im TV abgeguckter KungFu-Schlag – ist dabei nebensächlich.
    Kinder müssen den aktiven und passiven Umgang mit „Waffen“ erlernen. Diese sind da und lassen sich nicht wegdiskutieren. Wer hier verbietet schafft den Kind eine virtuelle Welt welche sich auf Dauer nicht aufrecht erhalten lässt.

  • Emanzo sagt:

    @ G G:

    Der Kampf der Pseudoamazonen ging im Militaerdienst weniger um die eigene Waffe, als um mehr Privilegien und weniger Pflichten. Die Wehr“freudigkeit“ der Frauen war noch massiv, als sie im ersten Ausgang schon Korporal und im ersten Urlaub schon Leutnahnt waren und die einzige, spaeter abgeschaffte Generalin weniger Truppenfuehrungserfahrung hatte als ein maennlicher Leutnant.

    Waehrend die unbedarften Quotenfrauen in der Verwaltung „nur“ Milliarden kosten (die von Stich durchgestierte und trotz Versagen protegierte Pensionskassendirektorin laesst gruessen), gefaehrden wegen der Frauenbonusse nicht zum Kriegsgenuegen disziplinierte Frauen sowohl an der Armee- als auch an der Polizeifront, nicht nur sich selbst, sondern auch die Kameraden an ihrer Seite!

    Die Armee ist inzwischen schlaeuer geworden und hat die Frauenbonusse auf den Bereich der Unterkunft in Schlafzimmern statt Staellen abgeteuft. Insbesondere bei der Brutalisierung zum Kriegsgenuegen gibts keine Frauenrabatte mehr! Die Polizei verlangte frueher zurecht eine bestandene Militaer-RS und nicht selten sogar eine immer noch bestehende Einteilung im Auszug der Armee. Haeute werden jedoch Frauen ohne aufgenommen, obwohl sie die Armee-RS bestehen duerften. Dies fuehrt bei den fuer die Durchsetzung des Gewaltmonopols des Staates ohnehin zu geringen Mannschaftsbestaenden zu einer massiv hoeheren eigenen Gefaehrdung und Gefaehrdung der maennlichen Kameraden bei lebensgefaehrlichen Gewalteinsaetzen. Das Puenktli auf dem i waren dann noch die Besoldungsabteufungen auf Krankenschwesternivo. Krankenschwestern sind durchaus achtenswert. Aber geregelte Achtstundenschichten im sicheren Spital sind mit lebensgefaehrlichem Fronteinsatz, oft rund um die Uhr, ebsnsowenig vergleichbar wie Aepfel und Birnen!

    Wehrquote der Frauen seit der Abschaffung der Frauenbonusse in der Armee: immer im einstelligen ProMILLEbereich!

  • Es gibt uralte Mythen, die vom Versuch erzählen, Männer von Waffen fern zu halten.

    Als die Achaier unter Führung Agamemnons ihren Kriegszug gegen Troja vorbereiteten, versuchte seine Mutter, Achilleus zu verstecken, da dieser nach einer Weissagung des Sehers Kalchas entweder vor Troja fallen oder ein langes, aber ruhmloses Leben führen werde. Sie verbarg ihn, als Mädchen verkleidet, bei den Töchtern des Lykomedes auf Skyros, wo er dessen Tochter Deidameia heiratete. Mit dieser zeugte er den Neoptolemos (Pyrrhos). Odysseus aber spürte ihn auf und enttarnte ihn: In der Halle des Königs ließ er Schmuck, schöne Kleider und Waffen auslegen. Als nun die „Mädchen“, unter ihnen auch der verkleidete Achilleus, die Halle betraten, griff Achilleus als einziger nach den Waffen.

    Oder die Geschichte des Parzivals, wo auch eine Mutter – vergeblich – versucht einen Sohn von den Waffen fern zu halten:

    Evrawc, Graf des Nordens, hatte sieben Söhne, von denen sechs, so wie er selbst, in Schlachten und Kämpfen umkamen. Mit dem siebenten Sohne Peredur zog die Mutter, um ihn vor einem gleichen Schicksal zu bewahren, in die Einöde, und niemand durfte ihm Pferde und Waffen zeigen und von Kämpfen mit ihm sprechen. Eines Tages sah der Knabe drei Ritter daherkommen, Gwalchmai, Sohn des Gwyar, Geneyr Gwystyl, und Owain, Sohn des Urien. Seine Mutter erklärte sie ihm als Engel. – „So will ich hingehen udn ein Engel werden wie sie,“ sagte Peredur. Er lässt sich von ihnen das Wappen und Reitzeug erklären und den Gebrauch der Waffen lehren. Seine Mutter fällt darüber in Ohnmacht, doch Peredur sucht sich ein Ross, schirrt es mit Gezweig au fund nimmt Abschied von seiner Mutter, die ihn mit Lehren entlässt, wörtlich fast denen gleich, die Herzeleide dem Parzival bei Wolfram gibt.

    Die fixe Idee von „Gender“ und „Gewaltlos“ kam mit 68 und der Gleichstellungshysterie. Bis 1990 kämpften die Frauen in der schweiz dafür auch eine Waffe im Militärdienst zu erhalten. seit ein paar Jahren machen sich vorallem eingebürgerte deutsche Frauen dafür stark die „persönliche Waffe“ des – halt mehrteils noch immer männlichen – AdAs im Zeughaus abzuliefern.

    Vergessen wird, dass der zivilisierte Umgang mit der Waffe, wie ihn die Schweiz vor allen Nationen der Welt in der Schützentradition um Tell ausgebildet hat, eine zivilisatorische Leistung darstellt, die man nicht leichtfertig preisgeben soll. Wichtig ist, dass die Kinder mit Waffenattrappen (sie geben sich mit wenig zufrieden) ihre Erfahrungen machen können, dass sie den wehrpflichtigen Elternteil (es kann ja durchaus mal ein Mami sein) bei einem ernsthaften und sorgfältigen Umgang mit der Waffe beobachten können und den Ernst des Schweizerseins verstehen: friedfertig sein, frei sein, Demokratisch und tolerant sein und im Ernstfall auch mit der Waffe für diese Werte einzustehen bereit sein.

    Mamis die ihren Kinder jede Waffe verbieten, aber die Jungens dann unbeaufsichtigt Ballerspiele im Computer spielen lassen, sind weit gefährlicher als Mütter, die mit einem wissenden Lächeln die Jungens mit dem Holzgewehr spielen lassen, sie dafür von Killerspielen fernhalten.

    Es sei daran erinnert, dass Schiller, als er den Tell zum Drama machte, auf der Suche nach einer gesellschaftsordnung war, die nicht in jenes blindwütige Gemetzel des Terrors während der französischen Revolution führte. Mit den Räubern, seinem ersten Stück, schildert er den Amoklauf eines „Verbrechers aus verlorener Ehre“ mit seinem letzten Stück bietet er die Lösung: Tell: „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“, „der starke ist am mächtigsten allein“. Mamis, die ihre Jungen zu Selbstverantwortung erziehen, machen die Geselschaft sicherer, als aufgescheuchte Weiber die nach dem „Sturmgewehr ins zeughaus“ rufen.

  • Aare69 sagt:

    Man muß auch mit solchen Saachen spielen nur wenn der Spielende auf Menschen zielt so kann man ja je nach Alter dem Kind sagen ,dass nur böse Menschen auf Menschen schießen.Daher mehr gelassenheit zeigen und nicht alles so Bierernst nehmen.Man kann auch beizeiten den Kindern den je nach Alter erklären was man darf und sollte,den wenn Sie 18 bis 20 Jahre sind sollen Sie zu Millitär und da fragt Niemand nach Kriegsspielzeug obwohl man das manchmal müsste

  • Nyffi sagt:

    Ich stimme mit Arthur überein. Den ewigen Weltfrieden erreicht man nicht, indem man den Kindern schon fast neurotisch jeglicher Ansatz von Kriegerlis und Waffen verbietet. Erfolgreicher ist das Vorleben und Beibringen eines massvollen und verantwortungsbewussten Umgangs mit Waffen. Bei anderen gefährlichen Dingen macht man das ja auch. Weniger Ideologie und mehr Pragmatismus (Bodenhaftung) im Kinderzimmer hat noch nie geschadet.

  • hausmannus sagt:

    „Wenn ein Hund ein Kind angreift, sind alle damit einverstanden dass es nicht den Fehler des Hundes war, sondern den des Halters des Hundes….dasselbe gillt auch für Waffen!“

    Nein. Definitiv nicht. Falscher Vergleich.

    Das Wesen des Hundes ist Jäger. Die Meldung vom Kleinkind, das neben dem (Familien-) Hund umfiel und dem Hund, der dann (reflexartig) zuschnappte, hat mich nachdenklich gemacht.

    Bei den Waffen habe ich eher den Eindruck, dass es etwas mit Vorbildern und fehlenden Alternativen zu tun hat. „Ich will stark sein – die Waffe macht mich stark“ ist ein fataler Kurzschluss, denn wer eine Waffe zur Hand nehmen muss zeigt eigentlich nur, wie schwach er ist.

    Als ich beim Geballere eines Kindes im Haus mal einfach tot umfiel und eine Zeit lang nicht mehr aufstand, war fertig Lustig. Der Bengel hat gefleht, ich solle wieder aufstehen, er wolle weiterspielen. Ich sagte einfach, dass ich jetzt tot spiele und Waffenspiele nicht mag. Danach war zumindest im Haus Ruhe.

    Meiner Meinung nach fehlt es an Ideen, wie das Kind Stärke entwickeln könnte ohne Waffe. Aber ist halt nur meine Meinung.

  • Emanzo sagt:

    @ Arthur:

    Stimme bei. Ein goldener Mittelweg, wie er leider nicht nur in der Kindererziehung weitgehend abhandengekommen ist.

  • Arthur sagt:

    Persönlich würde ich dem Kind erklären, warum ich Spielen mit Waffen skeptisch gegenüber stehen. Will es eine Spielzeugpistole oder dergleichen, muss sie das Kind mit dem eigenen Taschengeld kaufen. So verbiete ich nichts, bringe aber auch zum Ausdruck, dass ich das nicht so wahnsinnig toll finde, ohne gleich alles zu verteufeln. Und auch ein Machtwort gegen lautstarkes Geballer in den Wohnräumen wird das Kind bestens zu verkraften wissen.

  • p.o.b. sagt:

    Ich kann mich dem anschliessen. Das „Kriegerlis“ Spielen sollte nicht überbewertet werden. Ein gewisses Agressionspotenital scheint in uns zu sein, es zu verhindert bringt nichts. Kinder lernen spielerisch die Welt da draussen zu verstehen, und der Krieg ist ein wichtiger Bestandteil (leider) davon. Unsere Kinder sind ein guter Spiegel unserer Gesellschaft. Sie kopieren was Sie umgibt, der Krieg ist halt onmipräsent. Wollen wir, dass die Kinder nicht „kriegerlis“ spielen, dann sollten wir Erwachsenen dafür sorgen, dass es keine mehr gibt!

  • Rémy sagt:

    Mein Opa war begeisterter Karabinerschütze, meine Eltern so Pazifistisch dass mein Vater eine Sanitäter RS machte um Waffenlos zu sein…
    Ich durfte keine Spielzeugpistolen haben, so biss ich meine Prinzenrollen und Znünibrote so zurecht dass sie als Pistolen dienen konnten…wie Marcel verbaute auch ich sämtliche Legosteine zu einem Arsenal…
    Als teenager verpuffte die Hälfte meines Taschengeldes die nicht ins Mofa ging in Heften wie „Action Guns“
    Bei der Aushebung wählte auch ich, wie mein Vater, die Sanität…doch nicht um Waffenlos zu sein, sondern der Pistole 75 wegen!
    Bin ich nun Krank? Nach vor-68er Akzeptanz nicht…doch im heutigen Sinne bräuchte ich sicher eine Psychotherapie…stellt sich die Frage: soll ich diesen offensichtlich „bösen“ Trieb in mir auskurieren lassen, oder soll ich warten bis der Zeitgeist sich wieder ändert, vielleicht sind ja Knarren in ein paar Jahren wieder voll cool und man geht wieder in den Schiessverein statt ins Nordic Walking…und zu guter letzt könnte ich immer noch nach Nevada oder Texas auswandern…
    Übrigens:
    Wenn ein Hund ein Kind angreift, sind alle damit einverstanden dass es nicht den Fehler des Hundes war, sondern den des Halters des Hundes….dasselbe gillt auch für Waffen!

  • Silvio sagt:

    Ich schliesse mich Yves an und möchte noch einen weiteren Gedanken anhängen: Prinzipiell liegt es wohl in der Natur des Menschen, dass sie sich untereinander messen wollen. Ob im Sport, im Völkerball oder in Räuber & Gendarm spielt gar keine Rolle. Der zentrale Punkt liegt doch auch in der Atmosphäre und dem „Ziel“, wenn man so möchte. Wer hat sich denn in der Kindheit nicht mit seinen Kameraden/-innen gemessen? Wer denn am schnellsten von A nach B kommt, wer die schönste Sandburg kreieren kann oder wer der beste Polizist/Räuber darstellt. Schlussendlich ging es nur um’s „Kräftemessen“. Die Wahrnehmung, was eine richtige Waffe wirklich bewirken kann, war schlicht noch nicht da.

  • Fred sagt:

    Meine Position ist anders: ich möchte einfach nicht von Kriegsgeballere umgeben sein. Mein Sohn hat sich jüngst ein Plastik-Maschinengewehr besorgt. Mag er Spass damit haben oder nicht – seine Schwester würde wahrscheinlich ob der Behauptung, dass man damit soziale Kompetenz lernen kann, schlicht lachen – mir geht das Knattern im Haus auf den Geist. Ich würde sowieso sagen, dass eine der wesentlichsten Funktionen der Waffe im gendering zu suchen ist. Nicht zufällig ist unser Sohn auch m.o.w. zeitgleich viel stärker darauft bedacht, nur mit Bubenspielzeug/Kleidern/Sportarten gesehen zu werden. Die Waffe zeigt einfach: ich bin ein echter Junge.

  • Mike sagt:

    Danke Yves für die letzten beiden Sätze. Genau das ist auch meine Ansicht. Das ständige Überbewerten von irgendwelchen Tätigkeiten oder Verhaltensformen geht mir mächtig auf den Wecker.

  • Yves sagt:

    Wir spielten früher leidenschaftlich Indianer und Cowboys. Mit selbstgebauten Bögen und Gewehren. Das Rollenspiel war dabei der zentrale Spassfaktor. Dabei wird doch die Fantasie der Kinder angeregt und im Spiel in der Gruppe auch die sozialen Kompetenzen trainiert. Heute wird jedes Detail der Kinder hinterfragt, Analysiert, korrogiert. Meiner Meinung nach machen wir uns zuviele Gedanken, was gut und was schlecht ist für die Kinder. Dadurch werden die Kinder aber nur eingeschränkt in ihrer Entwicklung.

  • Marcel sagt:

    Also ich habe mir jeweils schon in der Primarschule den Colt Governement A-1 oder das M-16 mit Granatwerferanlage aus Lego nachgebaut und später dann als Chäpslipistole oder Softair-Gun gekauft- zu einem Gewalttäter bin ich erstaunlicherweise nicht geworden. Letzthin war ich mit einer Governement, Bj. 1911 schiessen gegangen- aber nicht weil ich von Amok- oder Mörderphantasien besessen gewesen wäre. Ein bisschen Freudsche Triebabfuhr sollte in unserer Kultur schon noch erlaubt sein- sonst wächst auch bei mir langsam das Unbehagen…

  • Markus sagt:

    Ich denke, ein schöner Teil der Attraktion von Waffen ist auch die Reaktion, die sie bei den Eltern auslösen. (jedenfalls, wenn die Kinder ihnen sonst nicht, z.B. in den Medien ausgesetzt sind.) Etwas was soviel Aufmerksamkeit von Mama verursacht, ist einfach gut. Verbote sind so gesehen kontraproduktiv.

    Wenn erwachsene ihren Spieltrieb nicht zügeln können, hat wohl etwas später in der Erziehung nicht geklappt. Hat allerdings auch demit zu tun, wie nahe wir heute aufeinandersitzen, so dass für so einen an sich harmlosen Spass schlicht nirgends mehr Platz ist.

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