Drei Gründe

Manuel Gnos am Montag, den 5. Februar 2007 um 9:44 Uhr

Blick in den Vorführsaal des Cinématte mit der neuen Bestuhlung. (Bild zvg)Es gibt drei Gründe, nicht ins Kino in der Cinématte zu gehen: der Heimweg (insbesondere, wenn es Winter ist, man zum Beispiel im Breitenrain wohnt und mit dem Velo unterwegs ist), die Bestuhlung (zwar enorm chic, aber nicht im gleichen Masse bequem) und das Danach (wenn man nach dem Film in einem der Sofas bei der Bar gemütlich ein Zwickel sich zu Gemüte führen möchte, man aber in eine Lindy-Hop-Meute gerät).

Und es gibt drei Gründe, sich von solchen Nichtigkeiten nicht beeinflussen zu lassen: das Programm (zurzeit läuft neben einer Terry-Gilliam-Reihe die Robert-Altman-Retrospektive, heute Abend noch einmal der sensationelle «Short Cuts» aus dem Jahre 1993), das Davor-und-Danach (denn in der Cinématte gibt es die wohl schönste Bar der Stadt – auch wenn sie seit der Überschwemmung von 2005 etwas zu geschmäcklerisch daherkommt) und das Während (weil man sein Glas Wein, sein Zwickel oder seinen Campari Orange mit ins Kino nehmen darf).

Garagenjazz

christian pauli am Freitag, den 2. Februar 2007 um 16:00 Uhr

In Biel-Bienne gibt es seit Neuem nicht nur ein neues Bier, das wohl schmeckt («Bier Bienne»), sondern seit ein paar Jahren auch ein Musikfestival, das gefällt: Ear We Are, das Festival für improvisierte Musik in der Alten Juragarage zu Biel. Zunächst ist der Ort einfach fantastisch: Eine hoffentlich denkmalgeschützte Garage aus den 30er- oder weiss ich was Jahren. Dort ist normal eine Schlosserfirma drin, die ihren Laden räumt, um ein Wochenende lang Musikfreaks reinzulassen. Dann erfreut das Festivalteam – u.a. der Housi (Koch, Musiker), der Tinu (Schütz, Musiker) und der Dänu (Schneider, Veranstalter): weltgereiste und zu recht vielgerühmte Cracks, die uns in ihrem Heimatstädtchen alle zwei Jahr ein Festival schenken. So einfach und locker macht Avantgardekultur viel Spass. Egal, dass das WC und die Bar phasenweise völlig überlastet sind.

Sidsel Endresen. Foto: Marcel Meier

Der gestrige Auftakt war der elektro-akustischen Musik gewidmet: The B.E.A.M. ist das Ensemble von Thomas Kessler, einem heute fast 70jährigen Schweizer Pionier dieser Musik. Sehr charmant, sehr ungewohnt, wie die Gruppe aus Wasser, Stimme und Büchern Musik zauberte. Die Norwegerin Sidsel Endresen bestritt den zweiten Teil, zusammen mit Keyboarder Christian Wallumrod: Eine völlig unerwartete, im besten Sinne unbekannte Musik, im Niemandsland zwischen Eskimo-mässigen Urtönen und hypermodernen Elektrosounds. Endresen ist eine absolut beeindruckende Vokalkünstlerin, die mit ihrer Stimme Dinge macht, die du noch nie gehört hast.

Heute gehts weiter, in Bier Bienne, pardon Biel Bienne: Unter anderem mit einem Auftritt von Pansonic, dem genialen Elektro-Duo aus Finnland. Das weitere Programm hier.

Tickets abholen – jetzt!

Manuel Gnos am Freitag, den 2. Februar 2007 um 12:35 Uhr

An die Theaterkarten-BestellerInnen: Die Karten, die Sie hier bestellt haben, sind AB SOFORT an der Loge beim Bühneneingang des Stadttheaters (Hinterseite, vis-à-vis Fundbüro) unter der Bezeichnung «Kulturblog» zum Abholen bereit. Öffnungszeiten: So lange jemand im Theater ist, wie mir die Signora Pergoletti versichert hat.

Ein Haus ist ein Haus, ein Bubi ein Boob

Frau Götti am Donnerstag, den 1. Februar 2007 um 10:00 Uhr

Überhaupt nix boob [engl. für – nebst anderem – Fehler], sondern ziemlich alles richtig gemacht. Lesestoff auf Wikipedia, Hörstoff auf Myspace und mehr von beidem auf einer sehr sexy und sehr informativen Homepage (ausser, dass ich nicht rausgefunden habe, wie ich die Endlosschlaufe ahouseisahouse auch mal unterbrechen kann, aber das muss jetzt nicht Ihr Problem sein).

Man darf sich freuen auf Boobs in Kürze erscheinendes neues Album The Ono Sessions. Jedenfalls wenn man von den vier Songs der EP A House Is a House ausgeht. Die Britishness der Songs gipfelt im Lennon-Cover Cold Turkey – das übrigens nur auf der EP zu finden sein wird.

Und dieser Herr hier, der kann singen.

Eigentlich weiss man das ja schon lange, spätestens aber seit er sich mit den Sugarbabies an Bowies Heroes herangewagt hat. Jüngstes Beispiel ist eine herrliche Rockballade namens Sleep.

Fürs neue Album hat er mit Leuten wie Christoph Kohli oder Peter von Siebenthal die Crème de la Crème der Berner Rockszene zusammengetrommelt; klar, denn er selbst ist ja gewissermassen deren Sahnehäubchen.

Und jetzt das Beste: Sie können sie ersteigern, diese sagenhafte EP. Und zwar haben Sie nicht nur eine, sondern gleich zwei sehr intakte Chancen, sie zu gewinnen.

Dochdochdoch, Sie können es mir glauben, so nette Sponsoren hat KulturStattBern. Alles, was Sie tun müssen, ist, mir diese Frage zu beantworten:

WAS IST EIN HAUS?

Stairway to heaven

Daniel Gaberell am Mittwoch, den 31. Januar 2007 um 14:00 Uhr

LedZeppelinsNrOneHit
[Drücken Sie bitte als erstes die PLAY-Taste und geniessen Sie diesen Beitrag mit passender Hintergrundmusik!]

Möchten Sie die Stufen in den Himmel bereits zum voraus schon mal Probelaufen und schauen gehen, was da oben auf uns alle wartet? Leider kann Ihnen bei diesem Wunsch auch KulturStattBern nicht weiter helfen.

Aber bis es für Sie soweit ist, besuchen Sie doch die Jahresausstellung «Stairway to Heaven» des Studienbereichs Architektur der Berner Fachhochschule im Kornhaus. Dort führt nämlich eine rot leuchtende Treppe entlang der Fassade ins Kornhausforum und könnte vielleicht schon mal ansatzweise entsprechende Gefühle vermitteln. Gezeigt werden allerdings «nur» nationale und internationale Projekte in Indien, Shanghai, Neapel, Genf und vom Jungfraujoch.

Was mich bei diesem Projekt aber eigentlich am meisten erstaunt: wie in Bern anscheinend problemlos schreckliche Provisorien im Gerüstbau bewilligt werden.

Morgen Donnerstag um 18 Uhr findet die Vernissage statt, mehr Infos gibt es hier.

Die Treppe hoch

Ein Traumspiel

Grazia Pergoletti am Dienstag, den 30. Januar 2007 um 7:30 Uhr

August Strindberg, AutorWie schon in dieser Zeitung erwähnt, geht am Dienstag, dem 6. Februar, die Première von August Strindbergs «Ein Traumspiel» über die grosse Bühne des Stadttheaters Bern.

Wikipedia erklärt zu Strindberg: Johan August Strindberg (22.1.1849 – 14.5.1912) war ein schwedischer Schriftsteller und Künstler. Er gilt als einer der wichtigsten schwedischen Autoren, besonders seine Dramatik ist weltbekannt. Für vier Jahrzehnte um 1900 dominierte er das literarische Schweden, war ständig umstritten und oft in persönliche Konflikte involviert.

Für die 2. Hauptprobe am Samstag, 3. Februar, um 10 Uhr (!) und für die Generalprobe am Montag, 5. Februar, um 18 Uhr sind Freikarten zu vergeben. Melden Sie sich hier an (bis Donnerstag, 1. Februar, um 14 Uhr; Anzahl Tickets angeben)! Die Karten werden an der Loge am Bühneneingang (Hinterseite Stadttheater, vis-à-vis Fundbüro) unter der Bezeichnung «Kulturblog» zum Abholen bereit sein.

Viel Vergnügen! Das wird ein Ding!

On connaît la chanson

Manuel Gnos am Montag, den 29. Januar 2007 um 0:35 Uhr

Emily Loizeau in der Turnhalle. (Bild Manuel Gnos)Bee-Flat hatte zur Eröffnung der neuen Konzertreihe «Songs & Chansons» geladen, die Berner Kulturagenda und der «Bund» kündigten dies grosszügig an, und so war gestern Sonntagabend die Turnhalle im Progr gäbig gefüllt, als Emily Loiseau, Olivier Koundouno und Cyril Avêque die Bühne betraten.

Angesagt wurde die Pianistin und Sängerin Loiseau als «Erneuererin des französischen Chanson». Und in den ersten fünf, sechs Lieder gab die Französin eine Kostprobe davon, was das bedeuten könnte: Stimmige, der Vergangenheit verbundene Melodien, angereichert mit Elektronischem, Ironischem und Schrägem, leichtfüssig dargeboten und verpackt in visuelle Spielereien.

Doch dann flachte der Auftritt von Emily Loiseau in Rekordzeit ab, die Lieder wurden banaler, das Gehabe gespreizt und affektiert, und Neues war nicht mehr zu erkennen. Da reicht es nicht, dem Genre Chanson etwas Tori Amos, Norah Jones und Elfenhaftigkeit beizumischen, um es zu erneuern.

So blieb am Schluss die Erkenntnis: On connaît la chanson. (Oder wie dieser französische Film aus dem Jahre 1997 in der englischen Version heisst: Same Old Song.)

Polar vs. Kutti MC

Daniel Gaberell am Sonntag, den 28. Januar 2007 um 11:02 Uhr

[7.5.2006 28.1.2007: von Daniel Gaberell um 0:34 11:02]
Zuerst dachte HOFFTE ich, ojehmineh JUDIHUI, Halters Jürg ist nicht zu halten. Dann aber erlöste mich MUSIZIERTE ZUERST EINE GANZE WEILE NUR Polar! Seine Gitarre und seine wunderschöne Stimme, ein Bass, das Schlagzeug – mehr braucht es nicht (DOCH, MIT BAND WARS LETZTEN MAI DEUTLICH BESSER). TROTZDEM, HIE UND DA WAR ES SOGAR SCHÖN UND ICH WUSSTE, I ich werde es überstehen: . Dann endlich: Kutti MC! und dann Erholung mit Polar, Kutti MC und dann Erholung mit Polar, etc.

Aber plötzlich fand ich auch Gefallen an MC DER ONEMANSHOW VON POLAR. Prächtige Worte SONGS ERFREUTEN MEIN HERZ UND ER reihte und reimte DIESE IN SYMPATHISCHEM DEUTSCH (ZB «ES IST HÖHLE» ANSTATT «ES WAR DIE HÖLLE») er zu Sätzen, daraus entstand eine Geschichte und Gedichte. Klischiert zwar nimmt er sich Zeitgemässes, trotzdem aber bringt er es auf den Punkt. DURCHAUS EIN GELUNGENER ABEND.

Doch, doch, wenn schon Kutti MC, dann bitte schön mit OHNE Polar. Und wenn schon Polar, dann bitte ohne MC.

Vor einer zwölf StundeN gesehen und gehört in der Turnhalle im Progr DAMPFZENTRALE im Rahmen von „Auawirleben“ PLAN_JA.

Polar

(Foto: das NEUE Sony Ericsson stösst bei TROTZ Schummerlicht NICHT MEHR an seine Grenzen)

Stranger Than Fiction

Daniel Gaberell am Samstag, den 27. Januar 2007 um 1:07 Uhr

Kleine Nachricht von grosser Wichtigkeit: Mit STRANGER THAN FICTION gelang unserem Marc Forster ein Hammer-Film. Um es kurz zu machen: hingehen und anschauen – mehr gibts dazu nicht zu sagen.

Schweizerische Zurückhaltung?

Manuel Gnos am Freitag, den 26. Januar 2007 um 15:12 Uhr

Kutti MC. (Bild zvg)Man mag ja von Kutti MC alias Jürg Halter beziehungsweise seiner Dicht-, Rap- und Musizierkunst halten, was man will (wie hier bei KulturStattBern bereits geschehen). Doch was am Dienstag dieser Woche passierte, hat mich einigermassen verstört.

Um meine «Fünf Fragen an» an ihn zu richten, habe ich Jürg Halter im Café des Pyrénées getroffen. Als wir uns anschliessend in Richtung Hauptbahnhof bewegten, zischte ein Passant dem Kutti MC ein schnödes «hey Schwuchtel» zu.

Eigenartigerweise schien es, als sei meine Irritation grösser als jene des Angeschnödeten. Auf meine Frage, ob ihm das öfters passiere, antwortete Halter, dass er das so alle zwei Wochen erlebe.

Ist das jetzt die – gerade von der Semiprominenz in der «Schweizer Illustrieren» – so viel beschworene schweizerische Zurückhaltung?