Underground Fight League

Urs Rihs am Donnerstag, den 25. Oktober 2018 um 3:53 Uhr

 diese Kampfnacht letzten Samstag in der Grossen Halle – wer hat nicht davon gehört?
Aber hat wer davon berichtet?
Und gibt’s das KSB eigentlich noch, dieses Kulturblog?
Na dann mal los hier.

Das erste Mal hatte sich dieser Untergrundzirkus, welcher zu einem kompletten Hype in der ganzen Stadt wurde – also in den besetzten Häusern und Garagen, den zugewandten Wagenplätzen, rauchigen Küchen und wo der Filz halt so sitzt und kifft – der ganzen Stadt eben – in einem stinkigen Kellerloch zugetragen. Einem Disco-Keller, dem «Rabbithole» im Osten.
Dort wo Jahre zuvor noch Ratten die ganzen Cola-Vorräte auffrassen und den Boden mit einem Teppich von Nagerscheisse überdeckten – different story – unterdessen hält man den Stall aber einigermassen besenrein – anyway …

Die Meldung hatte schnell die Runde gemacht: «Die Jungen ziehen so ein Box-Ding durch, das wird ill, krank!» und die Begeisterung war greifbar, schon Wochen vor dem Abend sprach die halbe Stadt darüber.

Lauter Jungskram? Vielleicht, aber eben auch Kämpfe, klare Regeln, Mut und vor allem dieses ominöse «Eins gegen Eins», ohne Ausrede.

Das war im Oktober 2017, bereits ein weiteres Scheissjahr her, und vor allem vor dem Atomsommer – diesen letzten Sommer, welcher unsere Birnen schon ohne Schläge komisch gummig gebrüht hat, aber irgendwie auch gierig machte.
Auf mehr so Spinnerzeugs.

Genug der endlosen Konzerte, der Festivals, der alternativen Fussballcups oder was weiss ich was sonst an ausgeleiertem Szenegedöns – etwas Neues musste her, und etwas Grosses.

Ein Momentum brachte der Atomsommer also auch – für die Jungen*. Die geöffnete Grosse Halle «Augenblicke verändern uns mehr als die Zeit» und diese Idee:
Underground Fight League performance.

Ein dezidiert nichtkommerzieller Anlass.
Dezidiert antirassistisch, antianti-queer, antisexistisch – szenenimmanent mittlerweile alles, godbless. And did I mention selbstausbeuterisch?

Ich wollte folglich dabei sein – an der Schreibmaschine und hatte Feuer gefangen für die Sache, seit dem ersten Wind davon.
Der erwischte mich bei einem Bier in der ZAR, als es noch viel heisser war und ich dazu meine kurzen, abgeschnittenen 501 verwettete, aber egal –

Ich hatte mit den Jungen also schon Wochen vor den Kämpfen ab und an mal Kontakt. Und vor allem während dem Aufbau. Dabei sah ich im Speziellen die Augenringe von Specialguest M.* wachsen.

Der hatte , Jahr zuvor noch und im Kellerloch, ein hartes Stück Boxschule lernen müssen, die praktische Bedeutung des Begriffs «Technisches K.O.».
Charaktergestärkt konzentriert er sich jetzt mehr aufs Zimmern mit Holz, und ganz allgemein aufs Organisieren.

Zu verbranntem, bitteren Kaffee – aus einem von Stahlwolle zerkratzten Bialetti-Replikat – erklärte er mir händeringend, wie sehr es alle gerade anscheisse, dass beide geplanten Frauenkämpfe nicht zustande kämen, aus Gründen. Das war ein herber Dämpfer für die Gruppe, sie wollten nicht bloss Typen im Ring, möglichst alles richtig machen und trotzdem das Ding einfach auch durchziehen.

Diese Undergrund Fight League performance. Trotz Kritikkreuzfeuer aus allen möglichen Gräben – gefüttert von Neid und Moralin.
Leider auch szenenimmanent.

Mensch, man muss Dinge durchziehen, unbedingt, gerade wenn man Bock hat. Das moralische Fallbeil auch riskieren, wenn dabei die Ohren für Kritik offen bleiben und der Selbstgerechtigkeit abgeschworen wird – denn folgt ohne Lust und Risiko nicht Komfortzone und der drecks Immobilismus?
Ich bekenn mich hier übrigens schuldig, der Homosozialität – guilty – aber hey, hier schulterklopft jemand, der dabei war und hörte, wie strukturelle Problematiken bis zum einkehrenden Selbstzweifel (der Hünde!) diskutiert wurden – I can prove that right.
Ah und wenn wir schon mal dabei sind, gönnt euch zum Thema und aktuellen Anlass die Diskussion zwischen Ugi, Knackeboul, Dani Rysrer und Franziska Schutzbach aus der Sendung «LATE LIFE im Exil» bezüglich dem neuen K*##el Buch «In Badehosen nach Stalingrad», worth a klick. anyway …

Einen durchziehen wär jetzt schön, und ich rauch nicht mal Hase.
say word.

Wow wow wow wow, fuck, es geht los – Diesen Beitrag weiterlesen »

джаз, 47.2121° N, 7.7906° E

Mirko Schwab am Mittwoch, den 24. Oktober 2018 um 5:55 Uhr

Eigentlich wollte uns Redaktor Kuratle ja den Jazz erklären. Dann ist er nach Russland abgehauen deswegen.

So muss man wieder selber ran, so ist das eben mit diesen Jazzern. Fliegen auf der Weltkugel rum und pfeifen sich irgendwelche Psychedelika rein oder Slawische Ravioli. Und das alles, während sie sich am Mutterbusen von Pro Helvetia gütlich tun.

Drum kümmert sich halt Schwab um den Jazz. Schwab, der broke af die letzten Tage des Monats absitzt, mau und treu seiner Sandsteinstadt. Im Auftrag der Hochkultur selbstverständlich. Einer muss ja den Posten warmhalten, wenn sich die Künstler von Welt in der Tundra verlustieren …

À propos Randregionen. Oder falls Sie schon länger wiedermal zum Beispiel nach Langenthal reisen wollten. Oder eben Jazz: Drei von erstaunlich vielen, deren musikalische Laufbahn irgendwann in einem Langenthaler Luftschutzkeller begonnen hat, drei von ihnen kehren zurück. Laura und Luzius Schuler, Geige und Klavier sowie Nicola Habegger, Trompete – alle drei schon weitgereist, sie schenken ihrer alten Heimat ein kleines Jazzfestival zum Wiedersehen.

Bahnhof Langenthal, Stimmungsbild.

Am «Färbi Jazzfest» kuratieren sie sich mit offenem Geist durch einen jungen Schweizer Jazz, der nach allen Richtungen ausschert. Nach New York und Skandinavien, nach Pop und Anti-Folk, nach der grossen Freiheit ohne Metrum, nach dem kleinen Viermalvier für den Intello-Tanzboden.

Vielleicht kommt der Kuratle ja dann mit. Und vielleicht ist der Kuratle dann schon wieder irgendwo und schickt Postkarten. Wir werden sehen.

Jazz und Glamour, Stimmungsbild.

«Färbi Jazzfest», 1. – 4. November 2018 in der Langenthaler Färbi mit Konzerten von Vera Kappeler, Rea, Distric Five, Kali x Marie Jeger, Lolasister, Der White Rauschen, Pan Ton, Wän und dem Laura Schuler Quartet.

#notBrooklyn – Postkarte aus Izhevsk

Clemens Kuratle am Dienstag, den 23. Oktober 2018 um 16:04 Uhr

Unser Autor war auf Russlandtour und ist heil zurück. Die Postkarte brauchte etwas länger. Viel Liebe aus Izhevsk, Udmurtien.

Die gestaute Isch.

Ein letztes Selfie mit dem Busfahrer und jetzt sind wir hier in der Stadt welche, neben den besten Pelmeni (eine Kreuzung von Ravioli und den ach so hippen Momos) auch die Kalaschnikow zu verantworten haben. Doch halt: Der Erfinder war ein Russe, kein Udmurte, wie uns erklärt wird. Das Waldvolk mit finn-ugrischen Wurzeln sei friedliebend und pflegt auch heute noch zum Teil einen naturverbundenen, wenn auch urbanen Animismus.

Die Moskauer waren noch skeptisch als wir ihnen von dieser Touretappe erzählt hatten, aber Sascha unser Gastgeber hier meint: “Forget about Moscow, something magic is happening here!”
Die Magie erklärt er später, seien Initiativen der Einwohner, die neue Zusammenarbeit von Gewerbe und Stadtverwaltung, öffentlicher Raum der mit Kultur belebt wird. Jetzt, knapp 30 Jahre nach der Perestroika, nachdem die letzten Sowjetnostalgiker die Verwaltungsapparate verlassen haben, beginnen die Einwohner zu gestalten. Ein dankbarer Ort für musikalische Experimente, viele hungrige, offene Ohren. Ein schöner Gegensatz zum übersättigten, 24/7 zugestöpselten Durchschnittshörer der Confederatio Helvetica. Eine Blase ist die Kulturoase aber auch hier. Der Durchschnittsbürger geht bei Kohldampf zu Kentucky Fried Chicken.

From Izhevsk with <3
Euer K

 

Kulturbeutel 43/18

Mirko Schwab am Montag, den 22. Oktober 2018 um 5:55 Uhr

JJ empfiehlt:
Wenn in der Schweizerischen Nationalbibliothek über Acid und Landwirtschaft diskutiert wird, sollte man da schon hingehen, finde ich. Dort läuft nämlich im Moment die Ausstellung «LSD. Ein Sorgenkind wird 75»und am Dienstag spricht der Medizinhistoriker Dr. Beat Bächi über die sozialen Veränderungen durch den Mutterkornanbau im Emmental zwischen 1939 und 1976. Eintritt frei, 18 Uhr.

Schwab assoziiert:
Die Küche aufräumen (renovieren) / den Müll rausbringen (zum P. gehen, Psychiater oder Pfarrer) / die Wäsche waschen (neue Kleider klauen) / die Steuererklärng endlich irgendwie (davonrennen) / Staubsaugen (nicht mehr Staubsaugen) / darüber ein kleiner Jazz (unter den Sternen)

Der Urs fragt:
Mutter Maria wo bist du, auf welchem Meridian und mit welchen Brüdern?
Schwester – find’s raus! Am Sonntag, um 19:30 Uhr, im bee-flat.

Der Kuratle meint:
Grossen Jazz gibt’s im beschaulichen BeJ***-Club. Nach Berlin emigriertes Posaunen-Ass aus La-Tchaux trifft auf doppelt so jungen Grandseigneur des europäischen Schlagzeugs.  Samuel Blaser & Pierre Favre. Am Donnerstag, 20:30, in den Vidmarhallen. Ansonsten Trouble im Mokka!

Fischer empfiehlt:
Revolutionärer Gesang, im Tojo. Die ganze Woche über wird gemeinsam mit Trade Sachs der musikalische Widerstand geübt. Freitag und Samstag wird das Geübte dann an der (Bühnen)Realität gemessen, anlässlich des ja sowieso auch immer weltverändernden Reitschulfests.

#BielNotBrooklyn

Roland Fischer am Sonntag, den 21. Oktober 2018 um 2:13 Uhr

Was ist ein Quariat? Müsste ja sowas wie das Gegenteil einer Buchhandlung sein.

Samstag spät, Biel Bahnhof. Der Heimathafen Jurasüdfuss hat noch auf. Ein ebenso gut angezogener wie gealterter DJ legt Zeugs und Sachen auf, an der Bar gibt’s nicht nur Ingwerer, sondern auch Berliner Luft. Und wer will, kann auch noch ausgesuchte Lyrik erwerben, im exquisitsten Kleinstantiquaritat weit und breit. Kleine Stadt wieder mal ganz gross. Allez. Allez-y.

Wir und die anderen

Roland Fischer am Freitag, den 19. Oktober 2018 um 15:23 Uhr

So kann man einen Film anfangen:

Jodie Foster kommt dann, als sie ein wenig älter ist, tatsächlich in «Contact» mit etwas anderem da draussen.

Das Wir und das Andere – es ist die grosse anthropologische Grundkonstante. Der Mensch hat sich immer negativ definiert. Lange Jahre gegenüber Tieren, in jüngerer Zeit auch gegenüber anderen Rassen (heute zum Glück nicht mehr?), gegenüber Ausserirdischen (schwierig, wenn man so gar nichts über sie weiss, siehe Kohlenstoffchauvinismus), und unlängst nun auch gegenüber Maschinen. Irgendwie ging es da immer um die Seele, wobei es ja nach wie vor ein wenig rätselhaft ist, woraus die genau gemacht ist.

Jedenfalls seien hier noch zwei Kontaktaufnahmen mit dem tierisch Anderen empfohlen: Heute abend wird im Naturhistorischen Museum das Buch «Contact» – Die Begegnung von Mensch und Tier vorgestellt. Der Künstler Michael Günzburger kommt zusammen mit dem Schriftsteller Lukas Bärfuss in ein Gespräch mit dem Tierparkdirektor Bernd Schildger – und erkunden das offenbar «gestörte Verhältnis zwischen Mensch und Tier im 21. Jahrhundert». Und wer lieber direkter auf Tuchfühlung mit der Natur gehen will: Morgen wird vor dem Zentrum Paul Klee ein unscheinbarer weisser Container geöffnet, in dessen Innern man dem Boden und dem vielfältigen Leben, das sich in ihm verbirgt, zuhören kann.

Anatolische Anachronismen

Mirko Schwab am Dienstag, den 16. Oktober 2018 um 7:02 Uhr

Mit Altin Gün war vorgestern wiedermal der Zeitgeist zu Gast im alten Progymnasium. Ein Balanceakt in Vorwärts-Rückwärts.

Ein brav durchmischtes Publikum hat sich den Sonntagabend reserviert. Abfalltrenner und Velofahrerinnen, wohlig rot-grün-mittig. Alt und jung – so würde wohl der Dorfanzeiger melden. Am etwas weniger hüftsteifen Tanzstil geben sich indes die vielen Türken zu erkennen, die den Weg in die Turnhalle angetreten haben. Denn wahrlich: Die niederländisch-türkische Gruppe Altin Gün ist eine der Bands der Stunde.

Das Konzert kommt dann auch rasch ins Rollen. Das Sextett spielt aus den raffinierteren Stücken im Repertoire, die merklich eingetourte Rhythmusabteilung aus Holland braucht kaum Anlaufzeit. Darüber feuert Saz-Virtuoso und Keyboarder Erdinc Yildiz Ecevit seine halsbrecherischen anatolische Linien ab, darunter, eingehüllt in psychoaktive Echoschwaden, Sängerin Merve Dasdemir. Der zunächst warm vorgeschossene Applaus ist bald frenetisch.

Leider sackt die Sache im Mitteldrittel des Konzerts dann merklich ein, was eher an den dünneren Kompositionen liegt als am abgeklärten Bühnenspiel. Wer sich nicht komplett aufs Tanzen verlegt hat, langweilt sich bald an den Bandwurm-Soli und Psych-Rock-Klischees aus der Plattenkiste der LSD-Jahre. Es ist die Story dieser Band: Bassmann und Chef-Digger Jasper Verhulst selbst hat aus seiner Liebe zu türkischer Popmusik der Siebziger eine Band zusammengestellt, per Inserat, die den Sound auf diesen staubigen, halb amerikanisichen, halb orientalischen Verführungen ins 21. Jahrhundert katapultieren sollte.

Und das klappt dann eben halb und immer dann am Besten, wenn die Arrangements wendig, das Gedudel von der Langhals-Laute knappdosiert und die musikalische Perspektivik auch mal vorwärtsgerichtet ist – was gegen Ende des Abends wieder gut gelingt, kurz vor der Zugabe blitzt die anfängliche Idealmischung aus Retro und Futur wieder auf, dass es eine Freude ist. Eben, der Zeitgeist, der zurzeit ganz innig in die Siebziger verknallt ist, er geht um im alten Progymnasium. Und ganz allgemein im Plattenladen. Zwischen Stilkopie als uninspiriertes «in the style of anything nostalgic» und aufregenden Befruchtungen wird zurzeit allerlei veröffentlicht (und als der neu-alte Hot Shit verschrien.)

Wie es sich mit dem Verliebtsein so verhält, ists dann manchmal schön, manchmal peinlich, manchmal langweilig. Altin Gün gehören da doch, soviel war gestern Abend schliesslich klar, zu den Schönheiten.

Das Langspiel «On» ist 2017 auf dem Genfer Label Les Disques Bongo Joe erschienen.

Kulturbeutel 42/18

Mirko Schwab am Montag, den 15. Oktober 2018 um 5:55 Uhr

Schwab empfiehlt:
Freitagnachmittag im Abyssinia Social Club. Im Beaumont oben haben sich die Tagträumer von Radio Bollwerk eingerichtet und kuratieren verbotengute Musiken. Diesmal: 16 Uhr (die Bohème nennt es Mittag …) Miko Sun, ab 20h dann der düsterseelige Herzensbub hinter den vier Buchstaben S S S S. Truly das Radio der Stunde.

JJ empfiehlt:
Es ist wieder A Sick Sad World von der BlauBlau-Crew, dieses eine Lieblingsformat im ISC. Als Soundtrack für das 5vor Apokalypse Moment am Donnerstag: Umlilo aus Sick Sad South Africa, das fave Dresdner Duo Ätna und best Live-Act 13 Year Cicada aus Bern/Berlin. Dazu oder dazwischen Performance-Kunst von Ernestyna Orlowska.
Und Freitag selbe Zeit, selber Ort: Bad Girl Haiyti kommt in die Town. Endlich. Danach kann die Welt von mir aus untergehen.
 
El Oso empfiehlt:
Im Werkhof 102, dort an der Schwarztorstrasse, machen sie Ernst, aber lustig –
«Tillmans Abendschau Nummer Zwei».
Die Ostschweizer Diaspora beschert der Bundesstadt konstant frischen Wind, schön.
Am Mittwoch ab zwanzig Uhr.
Kunst, Bildung, Humor steht da, und ich frag: «Kabarett?»
Ist doch schon längst aller höchste Eisenbahn! 
 
Fischer empfiehlt:
Aggro? Oder doch eher agri? Am Samstag gibt’s draussen im Klee einen ganzen Agri-Kultur-Tag. Wie tönt es, wenn Bodentiere kommunizieren? Und hmm: klingt ein ökologisch gepflegter Boden anders als ein intensiv bewirtschafteter? «Sounding Soil», eine Soundinstallation von Marcus Maeder, liefert (womöglich) Antworten.
 

Lass uns Lieben – Puts Marie

Urs Rihs am Sonntag, den 14. Oktober 2018 um 11:44 Uhr

Der Fischer hiess uns letztens, er hiess uns zu schreiben und noch besser Liebesbriefe.
Also schreib ich, an eine Band, die Band der Stunde.

Stell dir vor: Untergehende Sonne, in der Luft schon die süsse Ahnung einer langen Nacht, der längsten. Im kaputten Rom von Übermorgen – feuchter, bohemer Traum.
Halbzerfallene Renaissancebauten und trotzdem so schön wie noch nie, eine Stadt dem Halbdunkeln und so hell wie noch nie. Puts Marie, Puts Marie –

Undurchsichtig, unnahbar, eine rauschende, flirrende Idee von wie das klingen sollte – viel Rauch, viel Krach, viel Drama,
und lassen nicht bloss die Gebrochenen das Licht durchscheinen?
Puts Marie, Puts Marie –

Lasst uns die Brunnen mit den besten Tropfen aller Zeiten füllen, lasst uns mit dem edelsten Tscharas alle Gotteshäuser beweihräuchern und in den sterilen Laboratorien der Technokraten das reinste Acid synthetisieren. Und dann lass uns riechen, lass uns schnaufen, lass uns leben.
Lass uns lieben.
Puts Marie, Puts Marie –

Auf Clubtour mit ihrem neuen und lang ersehnten Album, die Band mit dem abgründigsten und erdeschönsten Soul, der Stunde und bitter, bitter nötig – Puts Marie.

Erster Spieltag ist nächsten Freitag im Südpol, Luzern.

Schuld sind die anderen (Bienen und Poltergeister)

Roland Fischer am Freitag, den 12. Oktober 2018 um 15:03 Uhr

Kleine Werbeunterbrechung (passiert ja sonst auch nicht viel hier):

Tom Gauld ist ein absoluter Lieblingszeichner, der sich über Wissenschaft genauso gern lustig macht wie über Literatur.

Den Print kann man übrigens kaufen. Oder auch sehr sympathisch: ein Haufen herrlich unsinniger Badges.

Wer sich grad verliebt hat und nach Strasbourg fahren mag: Morgen signiert Gauld da im Quai des Brumes. Schöner Laden, übrigens. Trotzdem schade hat ihn niemand auch in die Schweiz eingeladen.