Süss wie Coca Cola

Milena Krstic am Samstag, den 9. September 2017 um 21:35 Uhr

C. brachte den Witz mit der Sachertorte und der Wandl guckte unter der Kapuze seines weissen XXL-Pullis hervor und sagte so etwas wie: «Also, geil is’ es’ ja schon». Das war beim Abendessen, stimmiges Einstimmen im Rössli, auf einen Konzertabend der klassischen Sorte: Da tritt ein uber nicer Act auf, ist aber noch nicht so extrem bekannt, also wird auch kaum jemand erscheinen. Das is’ net so geil, aber truth hurts immer.

Sänger, Produzent, DJ, Pianist: Findet’s den Wandl auf der Bühne des Dachstocks.

Trotzdem. Wir waren dort. Und es war wunderschön. Verschleppt, vertrackt, alles nur angedeutet, unausgesprochen, charmantester Lo-Fi mit allerlei Nettigkeiten aus der Soul-Wunderplunderkiste und dazu dieser Typ, der sich ins Falsett singen kann, haucht, Töne trifft, während die Samples disharmonisch im Raum verschwimmen. Bedroom-Pop ist ein furchtbar abgefingertes Wort, aber es muss hier nochmal ran, weil der Lukas, so heisst der Wandl nämlich, den sehe ich vor mir, wie er rauchend auf seinen weissen Bettlacken herumrutscht und auf seinem Klappcomuter sweet und sexy Tunes produziert.

Mit wem wir es hier zu tun haben? Wandl ist ein Jungspund aus Wien, aufgestiegen aus dem Dunstkreis der Wiener/Salzburger Wolken Jungs: Yung Hurn, Crack Ignaz, you name ’em. Ein gehauchtes «Coca Cola» hat ihm den Ruhm über Noisey die Blogosphäre hinaus verschafft, soweit, dass er gestern Abend – ganz sanft – im Dachstock gelandet ist. Der war ganz bescheiden gefüllt, aber der Wandl hat ein verträumtes Set gespielt, am Ende den Soul verlassen und elektronische Tanzmusik serviert, so zauberhaft war das, am Bühnenrand zu stehen und in die Sorglosigkeit einer Freitagnacht zu entgleiten, mit ganz viel Raum drumherum für eigene Irrungen und Nachtwandlereien.

Reiner jedenfalls prophezeit dem Wandl den Superstar-Status. Und sobald Wandl den erreicht hat, wird er wieder im Dachstock spielen – dann aber im ausverkauften.

Wandls Album «It’s All Good Tho» gibt es auf Bandcamp zu hören und kaufen. Wer das mag, mag auch James Blake und guten Sex.

MFB-Lieblingsscherben: August

Mirko Schwab am Freitag, den 8. September 2017 um 7:43 Uhr

Schwab porträtiert im Auftrag der Musikförderung MFB jeden Monat die liebsten Neuerscheinungen straight outta Berne. Die Kategorie «Hype» ehrt das Langjährige, Brillante, Ausgefeilte und Vielgehörte, das den Berner Pop über die Kantonsgrenzen hinausträgt und im Feuilleton Wellen schlägt. Die Kategorie «Hope» gräbt in den Tiefen des Untergrunds und verstärkt, worüber noch geflüstert wird – Erstlinge, Fundstücke, Demos.

Hype:
S.O.S«Akim» + «Imani»

Wie beweist man dem Game? Indem man gleich zwei Alben auf einen Streich raushaut. Dass beide auch in der Hitparade (gibts noch) fast ganz vorne einfädeln, ist nur die logische Konsequenz des landesweiten Hypes um die Herren Nativ und Dawill. Trap-Sauereien, Consciousness, blumigste Flowristik, alte Schule, neue Schule, zurückgelehnt oder Doppeltime – können sie alles und fächern auf zwei Geschwistertapes schön auf, was es nachzubüffeln gibt für den Rest der Szene. Rap von lokaler Zunge auf internationalem Niveau. Oder mit den Worten von Хорошо круто aus der Video-Kommentar-Ritze: «scheiße man ich versteh zwar nicht nen viertel aber der scheiß ballert böse!»

Hope:
Yangboy$ – «Du Bisch»

Nicht minder kontemporär und doch von einem anderen Stern senden diese zwei Boy$ aus Bern-West. Von Weltfrieden-Lines und Waffengeilheit (das schaffen andere Rapper im selben Song …) zum Glück kilometerweit entfernt, erfreut uns das charmant-verspulte Duo mit Lo-Fi-Miniaturen und der täglich inhalierten healthy dose DIY-Attitüde. High auf Autotune und nach den Regeln des Internetz’ bedienen sie sich der Zeichen ihrer Zeit – und uns mit nonchalanten Assoziativ-Rap-Streichen seidener Sorte. Oder mit den Worten von Pilzkopf Ivo neulich im Backstage: «S.O.S., das ist für die koolen Kids, da können wir nicht mithalten. Wir sind eher so semikool.» Proud to be semikool; then.

Die MFB hat sich das Fördern junger Berner Popkultur auf die Fahne geschrieben. Die interessantesten Neuentdeckungen finden Sie in der Spotify-Playlist «Sounds Like Berne».

Irgendwo im Jura

Roland Fischer am Donnerstag, den 7. September 2017 um 10:31 Uhr

Wieder mal raus aus der Stadt. Wo es noch Raum gibt, für Kraut und Unkraut. Und für Kunst. Ziemlich grandioser Raum, in diesem Fall.

Irgendwo in den Jurahügeln steht eine alte Klosteranlage, die schon ein Weilchen kein Kloster mehr ist. Die Anlage inzwischen eine psychiatrische Anstalt, die imposante Kirche: meist leer. Und zwar leer auf eine Weise, die man sonst nicht kennt bei Sakralräumen – nicht mehr überladen mit religiösem Dekor, aber auch nicht Ruine. Ein White Cube der sakralen Art, so kommt die Architektur mal ganz anders zur Geltung.

Und noch viel interessanter wird es, wenn sich Künstler in diesem Riesenraum ausbreiten dürfen. Seit ein paar Jahren wird die Kirche jeden Sommer zum Art Space, dank einem umtriebigen Team rund um die Bernerin Marina Porobic (Bone, Berner Filmpreis Festival) und eingeladenen Künstlern. Dieses Jahr haben sich Lutz & Guggisberg in Bellelay ausgetobt, mit dem üblichen Schalk nehmen sie es locker mit der sakralen Ehrwürdigkeit auf. Eine Art Arche Noah des Heute haben sie da hineingezimmert, mit einer Unmenge simpel gekneteter Viecher und Sachen aus Ton. Ein labyrinthisches Bestiarium, Variationen zu einem Thema, eine nicht so richtig geschickte aber dafür umso unterhaltsamere Kreation. Was wenn der Schöpfer zwei linke Hände gehabt hätte?

Diesen Samstag ist schon Finissage, mit einem Konzert von Lutz & Guggisberg mit Roland Widmer. Und obwohl hinter den sieben Bergen: Man kommt da auch gut mit dem Postauto hin. Service fürs Publik.

Bern auf Probe: Das Metronom des Universums

Anna Papst am Mittwoch, den 6. September 2017 um 7:00 Uhr

Die Lenzburgerin Anna Papst arbeitet für ein Jahr als Hausautorin am Konzert Theater Bern. Dieses vorübergehende Asyl nutzt sie, um die lokalen Probegepflogenheiten auszukundschaften. Einmal pro Woche schielt sie über den kantonalen Gartenzaun, um mitzukriegen, was in Bern so geübt wird.

«Also, das Erste, was wir machen, ist ein Soundcheck wegen der Lautstärke der Clicktracks.» «Wo muss man das einstecken?» «Bei mir ist es zu leise.» «Das ist ja Mono!» «Es ist besser, wenn ihr nur einen Kopfhörer verwendet.» «Jetzt überschlägt es.» «Ich höre nur ein Rauschen.» Das Klangbox-Ensemble, bestehend aus sechs Perkussionisten, kämpft auf ihrer Probe für das Musikfestival Bern mit der Technik.

Um die sich überlagernden Tempi in «Le noir de l’étoile» des Komponisten Gérard Grisey präzise spielen zu können, trägt jeder der sechs Musiker eine «Clicktrack» genannte, individuelle Metronomspur im Ohr. Das Tempo jedes individuellen Clicktracks bleibt dabei keinesfalls dasselbe, sondern wechselt von Takt zu Takt. Kein Wunder, erfordert die Aufführung des Werks höchste Konzentration und das Proben desselben starke Nerven.

Diese scheinen am Montagnachmittag in der Grossen Halle der Reitschule zur Genüge vorhanden zu sein: Der künstlerische Leiter Pascal Viglino gibt mit von Kollege Benoît Piccand verzerrter Mickey-Mouse-Stimme gutgelaunt Anweisungen per Mikrophon. Als die technischen Schwierigkeiten schliesslich behoben sind und das Schlagzeugensemble zu spielen beginnt, stellt man fest: Es rumpelt im Universum. Wie eine Waschmaschine voller Tennisbälle.

Auch Musik mit obligatem Pulsar wird heutzutage mit dem Auto transportiert.

Nicht nur klanglich kommt die Assoziation einer sich drehenden Waschtrommel – ja, eben! – der Komposition nahe. Der Untertitel von «Le noir de l’étoile» lautet: «Musik mit obligatem Pulsar». Diesen Beitrag weiterlesen »

Keinzigartiges Lexikon: Folge 36

Gisela Feuz am Dienstag, den 5. September 2017 um 7:12 Uhr

Der Berner Schriftsteller Giuliano Musio spürt für KSB jede Woche einen heimlichen Verwandten eines vermeintlich einzigartigen Begriffs auf. Manuel Kämpfer illustriert ihn.

Heute: Der Glimpf
Der Glimpf ist der nur schwer nachweisbare Schleim, den man auf der Haut kleben fühlt, nachdem sich jemand bei einem angebiedert hat. Wird der Glimpf nur dezent abgesondert, ist er für das Gegenüber durchaus wohltuend: etwa wenn man jemanden, wie man sagt, glimpflich davonkommen lässt. Doch ebenso wie Menschen andere verunglimpfen und ihnen damit jeglichen Glimpf absprechen, gibt es solche, die einen verglimpfen, die also zu viel Glimpf von sich geben. Bei diesen gemeinhin als Arschkriecher, Schleimbolzen oder Salsatänzer bekannten Menschen sind die Glimpfdrüsen an den Fingerspitzen derart aktiv, dass neben dem Bedürfnis, einfallslose Komplimente von sich zu geben, auch ein starker Berührungsdrang entsteht.


Dass sich die schönsten Frauen immer zu den schleimigsten Typen hingezogen fühlen, liegt vermutlich an akutem Glimpfmangel.

Nächste Woche: Der Limon-Utan

Kulturbeutel 36/17

Roland Fischer am Montag, den 4. September 2017 um 5:07 Uhr

Fischer empfiehlt:
Gruseln im Münster, am Freitag: Das Musikfestival Bern präsentiert eine neue Livevertonung des Stummfilmklassikers Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens. Es werden Elektronik, komponierte Instrumentalmusik, Improvisation und musikalische Zitate aufeinandertreffen.

Der Urs empfiehlt –
ISC Rockout im Ringgenpärkli und hofft, dass die Gitarrenwände auch den patinabefleckten Ruedi von Erlach auf seinem Bronzegaul vom Sockel hauen werden – der ist doch längst fällig!

Mirko Schwab befiehlt:
Den donnerstäglichen Gang zum Zeppelin. Da wird sich die Herzensschwester Zooey Agro mit ihren 13 Year-Zikaden, einem irrwitzigem Instrumentenpark und allerhand musikalischem Wagemut eingerichtet haben. Liebesbrief hier.

Die Krstic empfiehlt:
KSB weiss ja schon lange, dass #BernNotBrooklyn ist. Aber dafür ist Liebefeld jetzt Brooklyn, oder hä? Whatever. Am Samstag findet im Liebefeld mit Brooklyn, Liebefeld ein petit Festival statt, dass der hiesigen ArtistenInnen-Szene einen Platz am künstlich angelegten Weiher bietet. Das wird ziemlich sicher pretty.

Frau Feuz empfiehlt:
Am Donnerstag austropoppen die unverwüstlichen Specknockerln im Kairo und am Freitag musiziert unsere Madame Patagônia mit Wandl im Dachstock. Die Aftershow besorgt Local Hero Biru an den Plattentellern. Wer’s lieber stromgitarrig mag, der supporte am Freitag den lokalen Plattendealer und komme zu uns an den Rockaway Beach Bash 17. Mit von der Partie:  The Giant Robots aus le Welschland.

Der Prophet von der Marktgasse

Mirko Schwab am Freitag, den 1. September 2017 um 14:47 Uhr

September 1: Schwab tut, was er zum kalendarischen Herbstbeginn stets machen tut: Den Sommer verabschieden. Heuer mit einem Gruss an den unbekannten Akkordeonisten.

Unter meinem Küchenfenster hat es ihm gut gefallen, dem Propheten von der Marktgasse. Den ganzen Sommer über kam er Tag für Tag, machte es sich auf dem kleinen Klappstuhl bequem und spielte den Winter aus seinem Akkordeon heraus. Auf und ab, mit einer fast terroristischen Beharrlichkeit und zur Unterhaltung des Gassenpublikums, dessen geschäftiges Auf und Ab sich gut vertrug mit dem Prinzip heavy rotation. Nur ich da oben in der Teufelsküche blieb immer zugeschaltet, adressiert vom Nihilisten mit dem Klappstuhl. Gefangen im Loop der Verkündigung eines schwanenden Berns.

Dem Maronihäuschen-Bern.
Dem Rendez-Vous-Bundesbern.
Dem Zibelemärit-Bern.
Dem Weihnachtsmarkt-Bern.
Dem Glühwein-Bern.
Dem Gringweh-Bern.
Dem Schneematsch-Bern.

Dem versalzenen Bern.
Dem überzuckerten Bern.
Dem geruchlosen Bern.

Spiel ihn noch einmal, unbekannter Mann. Und dann fahr mit mir in die halbjährige Nacht. Aber lässt das Akkordeon daheim, gell?

A Long Hot Summer

Urs Rihs am Donnerstag, den 31. August 2017 um 14:22 Uhr

Die Kaltfront ist im Anzug. Bald hat sichs ausgebalzt, ausgetrunken, ausgetanzt, auf den städtischen Brachen, Parkanlagen und sonstigen noch nicht komplett privatisierten Plätzen.
Was bleibt hängen nach dieser Aneinanderreihung von Festen, Festivals und Zwischennutzungen? Wo steht uns die Rübe nach so viel Craft Beer gespült mit zellkonservierendem Gurkenwasser?

Nun, eigentlich war der Plan mit Capt’n Snack IPA zu saufen bis es hochkommt und dazu alte Rap Scherben zu hören, um den Sommer auf Deck und der Schütz nochmal so richtig zu zelebrieren. Aber dann schneiten diese Süsswassermatrosen in blauen Hemdchen an der Mole vorbei und drehten uns den Saft ab.

Die Stimmung war im Keller und plötzlich standen da noch diese Zweifel auf der Landungsbrücke.
Was ist von diesem saisonanhaltenden Dauerbespassungszirkus eigentlich zu halten, von all diesen niederschwelligen Veranstaltungen und diesem Haufen an Darbietungen auf selbstgezimmerten Bühnen?
Klingt das schlussendlich nicht trotzdem bloss scheusslich nach dreckiger Aufwertung und seelenvergiftender Eventisierung? Wird der ganze Effort von unzähligen selbstverwalteten Organisationskomitees und unentgeltlich helfenden und auftretenden Menschen nicht schlicht vom herrschenden marktliberalen Zeitgeist – yes it’s the Z word – korrumpiert? In der Arbeitswelt ist schliesslich auch offensichtlich, dass bei Selbständigkeit die Autonomie zum Mittel der Ausbeutung wird. Der Selbstausbeutung. Passiert auf dem Parkett der freien Kulturszene mit ihrem momentanen Mantra der Niederschwelligkeit nicht dasselbe mit dem Dargebotenem? Ist es – so lange die restlichen Lebensumstände nicht niederschwelliger werden – nicht entwertend und geradezu kunstfeindlich, Kultur günstig oder gratis darzubieten?
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Out of Komfortzone: Wuhrplatz

Milena Krstic am Mittwoch, den 30. August 2017 um 5:23 Uhr

In dieser Serie verlässt KSB die Komfortzone und erweitert den eigenen Horizont, indem andere aus der Agglo oder über kulturelle (Un)orte berichten, die uns bis anhin durch die Lappen gegangen sind. In dieser Ausgabe berichtet Valerio Moser vom Wuhrplatz in Langenthal. 

3.15 Uhr: Die Stadt scheint tot. Nur Ewigwache, nicht an reguläre Arbeitszeiten Gebundene und von ihrer Liebe Enttäuschte wuseln noch um die Häuser. Erstere gibt es hier nicht, letztere sehe ich nirgends und das dazwischen, das bin ich. Es ist 3.15 Uhr morgens und ich stehe alleine auf dem Wuhrplatz, dem belebten Dreh- und Angelpunkt Langenthals; dem Wuhrplatz, der mediterranisierten Manifestation kleinstädtischer Stadtplanerträumchen.

Hier trifft man sich, hier plaudert man über dies und das («Heit dr scho ghört? Ir Langete läbt itz e Biber!»), und hier geht man sich aus dem Weg. Geschätzt siebzehn unterschiedliche soziokulturelle Kreise verteilen sich auf mehrere Restaurants. Ich stehe oft in der Mitte, drehe mich dreimal im Kreis, lasse meinen Blick über das frohe Treiben gleiten und erblicke mit grosser Wahrscheinlichkeit binnen kürzester Zeit mindestens drei schildbürgerische Taten, aus denen ich Inspiration für drei neue Texte schöpfen kann. Wenn alle anderen freizeiten, dann arbeite ich noch.

Valerio Moser mal zwei auf dem Wuhrplatz. Foto: Valerio Moser.

Und genau deswegen stehe ich um 3.15 Uhr in der früh alleine auf dem Wuhrplatz: Endlich habe auch ich Freizeit. Normalerweise spiele ich zuerst ein, zwei runden Pétanque mit mir selbst, dann sortiere ich leer herumstehende Bierflaschen in alphabetischer Reihenfolge ab oder entsorge meinen Altmüll vor den mir unliebsamen Kneipen; zuletzt zettle ich meist eine Schlägerei zwischen Ruedi, Olaf und Brunhilde an – den drei aggressivsten Bäumen auf dem Platz. Manchmal, wenn ich keck bin, dann installiere ich meine Seifenblasenmaschine, höre kredibilen Strassenrap und tage dazu den ganzen Boden mit Strassenkreide voll.

Es ist 3.15 Uhr und es ist die beste Zeit, um sich auf dem Wuhrplatz in Langenthal noch einmal halbstark zu fühlen.

Valerio Moser ist Slampoet erster Stunde, mit seinen Texten unterwegs in der ganzen deutschsprachigen Welt und Rampensau bei der Zwei-Kerle-Band Moder und Sauerland. Heute Mittwochabend treffen Sie ihn an auf der Solstage der Reitschulner Schütz, wenn er gemeinsam mit Kilian Ziegler The Random Show moderiert. 

Keinzigartiges Lexikon: Folge 35

Gisela Feuz am Dienstag, den 29. August 2017 um 7:10 Uhr

Der Berner Schriftsteller Giuliano Musio spürt für KSB jede Woche einen heimlichen Verwandten eines vermeintlich einzigartigen Begriffs auf. Manuel Kämpfer illustriert ihn.

Heute: Umbringeln
So wie „lächeln“ und „tröpfeln“ Abschwächungen von „lachen“ und „tropfen“ sind, ist das Umbringeln eine niedlichere Form des Umbringens. Es kommt vor allem in Kinderkrimis vor, weil man damit die jungen Leser nicht durch verstörende Morde aufwühlt: Statt vom Erschießen liest man etwa vom Erschießeln, bei dem man jemanden ganz langsam durch tagelanges Erschrecken mit Platzpatronen tötet. Beim Erstecheln krepiert das Opfer nach zahlreichen Nadelstichen. Schädel werden eingeschlägelt, Familien ausgerottelt, und wenn Prostituierte vorkommen, sind sie stets nur geschminkelt. Beim Verprügeln und Hinmetzeln handelt es sich freilich bereits um die abgeschwächten Formen. Das äußerst brutale Verprügen und Hinmetzen wird selbst in Erwachsenenkrimis selten angewendet.


Jemanden zu ertränkeln, ist dem unschuldigen Gemüt zugänglicher, als ihn zu ertränken.

Nächste Woche: Der Glimpf