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Hinter Clubtüren schauen

Gisela Feuz am Dienstag den 23. Januar 2018

Wollten Sie schon immer wissen, wo sich ihre Kinder und Grosskinder am Wochenende rumtreiben, wie die Notschlafstelle im Dead End aussieht, was ein DJ eigentlich genau macht und warum ein Rockkonzert so laut sein muss? Dann bietet sich am Samstag 3. Februar 2018 beste Gelegenheit dazu, diese Fragen beantwortet zu bekommen, dann ist nämlich Tag der offenen Clubtür.

Nebst vielen anderen Veranstaltungen, welche Buck – Pro Nachtleben Bern an diesem Tag durchführt, gehts auch dieses Jahr wieder mit Frau Feuz auf Club-Safari. Gestartet wird um 15 Uhr im Bonsoir, dann wird Halt gemacht im ISC, Bierhübeli, Dead End und dem Dachstock, abgeschlossen wird die Safari mit einem Rundgang durch die Reitschule. Vor Ort werden Mitarbeiter*innen des jeweiligen Kulturbetriebes kurz ihren Club vorstellen und für Fragen zur Verfügung stehen. Frau Feuz bringt Sie sicher von Ort zu Ort und steuert unterwegs zusätzliche Informationen zur Berner Clublandschaft bei.

Die Safari dauert je nach Fragen 2 bis 3 Stunden, ist gratis und richtet sich explizit auch an ältere Semester und Menschen, die nicht mit der Clubkultur vertraut sind. Nehmen Sie doch diese Gelegenheit wahr, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und Fragen zu stellen, werte Damen und Herren. Ich freue mich auf Sie!

heute-bern-bar

Am Samstag 3.2.18 stehen Berns Club-Türen sperrangelweit offen

Treffpunkt: Samstag 3. Februar 2018 um 15 Uhr vor dem Bonsoir, Aarbergergasse 33/35. Die Club-Safari findet im Rahmen des Tages der offenen Clubtür statt. Anmeldung erwünscht auf info(ät)buck-bern.ch

Kulturbeutel 03/18

Gisela Feuz am Montag den 15. Januar 2018

Frau Feuz empfiehlt:
Am Donnerstag feiert der Heimorgel-Gott Mambo Kurt seinen Bühnen-Geburtstag im ISC. Seit sage und schreibe 20 Jahre treibt der deutsche Alleinunterhalter sein lustiges Unwesen und hat es damit auf die richtig grossen Bühnen dieser Welt geschafft. Mambo wird nebst Samba- und Bossa-Nova-Hits bestimmt auch die eine oder andere Anekdote zum besten geben am Donnerstag, schliesslich reist er mit neuem Buch im Gepäck. Am Freitag lohnt sich ein Besuch im Kino Rex. Dort zeigt Philipp Hartmann seinen Film «66 Kinos». Der Titel ist Programm: Hartmann ist quer durch Deutschland gereist und hat Lichtspielstätten unterschiedlichster Natur porträtiert. Sein Film ist nicht nur eine Hommage an die Institution Kino, sondern vor allem auch an dessen Betreiber*innen, die mit viel Herzblut zur Sache gehen.

Fischer empfiehlt:
An der HKB wird nicht nur Kunst gelehrt, es wird auch geforscht – jeden zweiten Mittwoch kann man dazu mehr erfahren. Zum Beispiel über Fakes der sehr analogen Art: gefälschte Handschriften. Der FSP Materialität in Kunst und Kultur lädt diese Woche den Forensiker Peter W. Pfefferli ein, für einen Vortrag über die Möglichkeiten und Grenzen der Urkunden- und Schriftuntersuchung.

Der Urs empfiehlt:
Tour de Loohr meine lieben Spezl. Überall im Quartier gibts diesen Samstag also feinen wīn, bior, spil und sang! Vor allem aber, lasst uns netzwerken und zusammen vorwärtsdenken – wir alle sind schliesslich Bern.

Die Krstic empfiehlt:
Bern war ihre Wahlheimatstadt. Sie hat einst ein Harmonium aus den Fluten der Aare gerettet und mit genau diesem sperrigen Teil tanzt sie hier wieder an: Am Donnerstag im schönsten Foyer Berns nämlich, in dem des Kino Rex. Lilith Becker ist Nero Friktschn Feuerherdt und besingt die verlorenen Seelen der hohen See, mit Akkordeon, Nussschschalschuhen, Ach und Krach. Das ist Punk auf kleinem Terrain, hinter dem sich ein immenser Kosmos auftut.

Schwab empfiehlt:
Natürlich auch die Tour De Lorraine – und nebst mittelalterlicher Verlustierung mit wîn und bior eben auch ein breites Spektrum an Fragestellungen: Müssen wir die Demokratie neu erfinden? Wo zur hellia ist die Zoobar? Und: Hats noch Bändeli? Ebenfalls am Samstag zelebrieren Fischer und seine IT-Gang übrigens auch die Lösung für fast alles. Irgendwo zwischen Silikontal und Cyberpunk-Alkoholismus ist der ernstgemeinte Spass zu verorten. Schauen Sie mal hier: <a href=”https://www.buero.io/”>Solutionsb&uuml;ro</a> oder dann eben vor Ort an der Effingerstrasse.

«Et la gagnante est …»

Gisela Feuz am Sonntag den 19. November 2017

Freitag und Samstag wurde in Bern eine Lanze für die Schweizer Musik gebrochen: Bands aus allen Landesteilen kamen in der Hauptstadt zusammen, um ihr Schaffen zu präsentieren, und zwar nicht nur einem musikinteressierten Publikum, sondern auch Vertretern internationaler Festivals. Das Ungetüm heisst Swiss Live Talents, ist Vernetzungs-, Auftritts- und Sprungbrettplattform, fand dieses Jahr bereits zum dritten Mal statt und wurde von Patron François Moreillon ins Leben gerufen.

Im Vorfeld hatten sich 665 Bands bei Swiss Live Talents registriert, wobei praktisch alle Nominierten (jeweils fünf in neun Kategorien) während der zwei Tage live in Bonsoir, Rössli, Dachstock, Frauenraum oder ISC live auftraten. Gleichzeitig wurden gestern in der Turnhalle die Awards und Preise im Wert von jeweils 5000.- vergeben, wobei eine junge Dame aus dem Wallis völlig verdient gleich zwei Awards mit nach Hause nahm: KT Gorique räumte in der Kategorie Public Award und National Language ab.  KT erblickte einst an der Elfenbeinküste das Leben, ist in Martigny aufgewachsen, und gewann 2012 als erste Frau und jüngste Teilnehmende überhaupt bei den Weltmeisterschaften im Freeestyle-Rap. Wie es sich für eine versierte Wortakrobatin gehört, hat Madame KT Gorique ihre Dankensrede gestern Abend denn auch hurti fulminant hingerappt. Maximum respect!

Weiter mit einem SLT-Chübel nach Hause gegangen sind: Fai Baba, (Fondation Suiss), Odd Beholder (Pop/Indie/Folk/Songwriter), The Last Moan (Rock/Metal), Long Tall Jefferson (Best Emerging Talent), WUGS (Electro/Dance), Koqa Beatbox (Urban/HipHop/Groove/Reggae), Zeal & Ardor (Best Live Act). Ein Augenschein bei den Konzerten, welche im Anschluss an die Awards-Verleihung stattfanden, zeigte: offenbar besteht durchaus Interesse beim Publikum, Schweizer Mucke live zu sehen. So war der Dachstock bei Veronica Fusaro gut gefüllt, das Rössli platze bei den formidablen One Sentence. Supervisor praktisch aus allen Nähten und auch der Andrang bei en Gospel-Teufeln Zeal & Ardor (über die Frau Feuz hier berichtet hat) im ISC war zu später Stunden beträchtlich.

Während beim M4Music die wichtigen Slots meist mit ausländischen Bands belegt werden und der Schweizer Musikpreis etwas gar altvätterlich daherkommt, stehen bei Swiss Live Talents junge Schweizer Musikschaffende aus den unterschiedlichsten Sparten im Zentrum. Und wenn sich eine welsche Crew aufmacht, um in Bern einen club-übergreifenden Konzert-Marathon auf die Beine zu stellen, man dabei ganz tolle Westschweizer Acts kennenlernt und dazu das Tessin als Gastkanton einladen wird, dann ist das alles so verkehrt auch wieder nicht.

Hodenschweissalarm

Gisela Feuz am Donnerstag den 15. Juni 2017

Draussen warens 23, drinnen gefühlte 200 Grad. Sauna-Zeremonienmeister am Dienstagabend im ausverkauften ISC waren die Mannen von Kvelertak, derjenigen norwegischen Metal-Band, die ab September als Special Guest mit Metallica auf deren Worldwired-Tour unterwegs sein werden. Den sechs Norwegern dürfte ja wohl der Schuss abgegangen sein, als diese Metallica anriefen. Aber item.

Jedenfalls platzte das ISC am Dienstagabend aus allen Nähten, es herrschte Hodenschweissalarm, die Jugend vergnügte sich mit Stagediving, derweilen vorne Kvelertak einen Bass, ein Schlagzeug und drei Gitarren malträtierten. Was dabei herauskam, war eine musikalische Wundertüte sondergleichen. Auf lange Instrumentalpassagen, die schon fast progressiv anmuteten, folgten solid stampfende, wenn auch wenig innovative Blues-Rock-Riffs, melodische Rock’n’Roll-Gitarrenthemen mit Ohrwurmpotential wurden von brettharten Black-Metal-Blastbeats abgelöst, derweilen sich Erlend Hjelvik die Seele aus dem Leib schrie. So ein bisschen wie Schwedenrock auf böse klang das zwischenzeitlich, wie wenn Hellacopters mit Iron Maiden ins Bett gegangen wären. Unterhaltsam war das alleweil, wenn sich auch das Mitsingen eher schwierig gestaltete, denn man(n) kreischt norwegisch.

Ein richtig gutes Konzertfoti von Tilman Jentzsch.

Ein noch viel besseres Konzertfoti von Marie Klimbim.

Viel zu leise sei das doch jetzt gewesen, monierten zwei der Herren Monsters im Anschluss an die Kvelertak-Show. Nun ja. Die Monster-Mannen sind ja nun nicht unbedingt eine verlässliche Referenz, wenns um Lautstärke geht. Denen ist wahrscheinlich jedes Konzert zu leise, wenn nicht beim ersten Ton mindestens drei Leute im Publikum umfallen und aus den Ohren bluten. Ein bisschen mehr Wumms hätte die Kvelertak-Show allerdings tatsächlich vertragen. Vielleicht seien ja die drei Gitarren das Problem gewesen, vermutete der Fachmann, eventuell hätten die Schlagzeug und Bass zugekleistert. Mag sein. Viel relevanter erschien Frau Feuz beim Anblick der Garderobe einiger Konzertgänger folgende Frage: Wer denkt sich eigentlich die Motive für Metal-Shirts aus? Und wie hoch sind wohl die Psychotherapie-Rechnungen dieser Künstler?

Kvelertak spielen heute Abend im Gaswerk in Winterhur