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«Voi ma non poi»

Gisela Feuz am Donnerstag den 17. August 2017

Alle sind sie parat für die grosse Show, die Zirkusband schmetter gutgelaunt eine lüpfige Nummer über die Brache, bloss einer verschanzt sich ängstlich hinter dem Vorhang und will so gar nicht ins Rampenlicht. Angst spielen liege ihm, sagt Ivan Georgiev. Der 32-jährige Schauspieler und Teatro-Dimitri-Absolvent ist dieses Jahr das erste Mal mit dem Zirkus Chnopf  unterwegs, der zur Zeit auf der Warmbächlibrache gastiert und dort sein neustes Programm «Panik» zeigt. Angst spielen kann er tatsächlich, ist es doch nicht nur für Kinder höchst amüsant, Georgiev dabei zuzuschauen, wie er den furchtsamen Clown mimt, dessen Angstattacken ihn in allerlei missliche Lagen manöverieren. (Kostprobe gibts hier.)

Wie jedes Jahr lotet der Zirkus Chnopf, diese familiäre farbenfrohe Zirkus-Institution, die bereits seit 27 Jahren mit ihren Wohnwagen durch die Lande tingelt, in seiner künstlerischen Arbeit ein aktuelles gesellschaftspolitisches Thema aus. Spielerisch und mit viel Humor wird dieses Mal die Frage aufgegriffen, wie es mit den unterschiedlichen Arten von Ängsten umzugehen gilt, wie diese in Frustratrion oder Wut umschlagen können, und wie verletzlich eine Seele doch wird, wenn die zugehörige Person stets nur scheitert.

Die Geschichte rund um den ängstlichen Clown und die schöne Seiltänzerin wird mit Hilfe von Artistik, Theater und viel Live-Musik erzählt. Diabolos und Menschen fliegen ungefähr gleich hoch durch die Luft, vergnüglich überspitzte Balzkämpfe erinnern an Wrestling-Einlagen und mit viel Slapstick wird genüsslich absurde Komik erzeugt. Dabei reicht den insgesamt 10 Artist*innen (davon 5 Jungartist*innen mit Jahregang 1997 oder jünger) oftmals der eigene Körper als Mittel zum Ausdruck.

Die Atmosphäre, welche der alternative Kleinzirkus Chnopf auf der Warmbächlibrache kreiert, ist charmant, behaglich und ungezwungen. Ausserdem dürfte ein Besuch im Chnopf auch um einiges günstiger ausfallen, als einer beim grossen Bruder auf der Allmend – beim Chnopf wird am Ende der Vorstellung Hutgeld gesammelt. Allerdings dürfte nach der Begutachtung von «Panik» dem einen oder anderen Elternteil die eigene Jungmannschaft ordentlich in den Ohren liegen, dass jetzt unbedingt und auf der Stelle ein Trampolin angeschafft werden müsse. In diesem Fall halten sie es doch mit dem ängstlichen Clown und sagen sie ganz einfach «voi ma non poi»*.

Der Zirkus Chnopf  ist noch am Freitag 19:30 (mit Konzert von Los Hermanos Perdidos), Samstag 16:30 und 19:30 und Sonntag 16:30 auf der Warmbächlibrache zu sehen.

*Bevor Sie die Sprachpolizei verständigen:  Ihm sei sehr wohl bewusst, dass es eigentlich «voglio man non posso» heissen würde, sagte der ängstliche Clown alias Ivan Georgiev. Aber was klingt besser, he? Eben.