Archiv für die Kategorie ‘Tanz & Theater’

Bern auf Probe: Der gefesselte Sekretär

Anna Papst am Dienstag den 19. September 2017

Es ist gar nicht so leicht, einen Menschen zu fesseln. Weder im übertragenen noch im wörtlichen Sinn. Im übertragenen Sinn besteht die Schwierigkeit darin, ihn mit einer künstlerischen Darbietung bei der Stange zu halten, damit er nicht abdriftet und bei drängenden, wenn auch ungleich profaneren Gedanken wie der Frage, was er sich zum Lunch gönnen soll und ob er bis zum nächsten Waschtag noch genügend saubere Unterhosen hat, landet. Im wörtlichen Sinne strampelt der zu fesselnde Mensch, was das Zeug hält, das Seil lässt sich nur mit Mühe verknoten, und schnürt man es am ausgestreckten Körper zusammen, rutscht es wieder herunter, sobald der Gefesselte eine gebeugtere Haltung einnimmt. So zu beobachten in der Vidmar 2 des Konzert Theater Bern, wo gerade “Island” von Gornaya geprobt wird.

Da hüpft er noch frei herum: David Berger auf der Probe zu “Island”

Gefesselt werden soll der Schauspieler David Berger, und zwar von nicht weniger als drei weiteren Ensemblemitgliedern. Florentine Krafft sitzt auf seinen Beinen, Diesen Beitrag weiterlesen »

Bern auf Probe: ¡qué calor!

Anna Papst am Mittwoch den 13. September 2017

Ostermundigen liegt in den Tropen. Davon kann sich überzeugen, wer spätnachmittags im Spätsommer auf dem schwarzen Ledersofa im Studio 2 der Tanzschule Danceorama Platz nimmt. An der Decke verrichten vier Ventilatoren träge ihren Dienst, der darin besteht, die feucht-warme Luft im Kreis herum zu schieben und gleichzeitig die vom eigenen Motor abgesonderte Hitze hinzuzufügen. Die Sonne knallt durch die ganzseitige Fensterfront, aus den aufgehängten Boxen schmachtet Ricky Martin in einer gefühlten Lautstärke von 100 Dezibel “She bangs”. Den Zimmerpflanzen scheint es zu gefallen: Drachenbaum, Bananenstaude und Areca Palme gedeihen prächtig und auch der Frauenhaarfarn dürfte angesichts der hohen Luftfeuchtigkeit auf seine Kosten kommen. Dass man sich in diesem Quasi-Gewächshaus dennoch aufwärmt, um sich bei der anschliessenden Tanzprobe nicht zu verletzen, zeugt von der Hingabe und Disziplin des hier trainierenden Paares: Corina Masciadri und Marc Aeschlimann sind vierfache Berner Meister im Latin Dance und wollen am kommenden Samstag an den Offenen Berner Tanzmeisterschaften in Schwarzenburg den Titel verteidigen.

Im Danceorama in Ostermundigen gedeihen Pflanzen und Körperbeherrschung

Es folgt “Bamboleo” von den Gipsy Kings, auch bei der Musikwahl des Warm-Up bleibt man dem Latin-Genre treu. Während Corina zwanzig Hampelmänner macht, stemmt Marc dreissig Liegestützen, während er 30 Sekunden in der Liegestützposition an Ort joggt, hält sie sich die gesamte Zeit im “Brett”. Nach 10 Minuten schinden sind die beiden nicht nur aufgewärmt, sondern schweissbedeckt – und die eigentliche Probe hat noch gar nicht begonnen. Diesen Beitrag weiterlesen »

«Voi ma non poi»

Gisela Feuz am Donnerstag den 17. August 2017

Alle sind sie parat für die grosse Show, die Zirkusband schmetter gutgelaunt eine lüpfige Nummer über die Brache, bloss einer verschanzt sich ängstlich hinter dem Vorhang und will so gar nicht ins Rampenlicht. Angst spielen liege ihm, sagt Ivan Georgiev. Der 32-jährige Schauspieler und Teatro-Dimitri-Absolvent ist dieses Jahr das erste Mal mit dem Zirkus Chnopf  unterwegs, der zur Zeit auf der Warmbächlibrache gastiert und dort sein neustes Programm «Panik» zeigt. Angst spielen kann er tatsächlich, ist es doch nicht nur für Kinder höchst amüsant, Georgiev dabei zuzuschauen, wie er den furchtsamen Clown mimt, dessen Angstattacken ihn in allerlei missliche Lagen manöverieren. (Kostprobe gibts hier.)

Wie jedes Jahr lotet der Zirkus Chnopf, diese familiäre farbenfrohe Zirkus-Institution, die bereits seit 27 Jahren mit ihren Wohnwagen durch die Lande tingelt, in seiner künstlerischen Arbeit ein aktuelles gesellschaftspolitisches Thema aus. Spielerisch und mit viel Humor wird dieses Mal die Frage aufgegriffen, wie es mit den unterschiedlichen Arten von Ängsten umzugehen gilt, wie diese in Frustratrion oder Wut umschlagen können, und wie verletzlich eine Seele doch wird, wenn die zugehörige Person stets nur scheitert.

Die Geschichte rund um den ängstlichen Clown und die schöne Seiltänzerin wird mit Hilfe von Artistik, Theater und viel Live-Musik erzählt. Diabolos und Menschen fliegen ungefähr gleich hoch durch die Luft, vergnüglich überspitzte Balzkämpfe erinnern an Wrestling-Einlagen und mit viel Slapstick wird genüsslich absurde Komik erzeugt. Dabei reicht den insgesamt 10 Artist*innen (davon 5 Jungartist*innen mit Jahregang 1997 oder jünger) oftmals der eigene Körper als Mittel zum Ausdruck.

Die Atmosphäre, welche der alternative Kleinzirkus Chnopf auf der Warmbächlibrache kreiert, ist charmant, behaglich und ungezwungen. Ausserdem dürfte ein Besuch im Chnopf auch um einiges günstiger ausfallen, als einer beim grossen Bruder auf der Allmend – beim Chnopf wird am Ende der Vorstellung Hutgeld gesammelt. Allerdings dürfte nach der Begutachtung von «Panik» dem einen oder anderen Elternteil die eigene Jungmannschaft ordentlich in den Ohren liegen, dass jetzt unbedingt und auf der Stelle ein Trampolin angeschafft werden müsse. In diesem Fall halten sie es doch mit dem ängstlichen Clown und sagen sie ganz einfach «voi ma non poi»*.

Der Zirkus Chnopf  ist noch am Freitag 19:30 (mit Konzert von Los Hermanos Perdidos), Samstag 16:30 und 19:30 und Sonntag 16:30 auf der Warmbächlibrache zu sehen.

*Bevor Sie die Sprachpolizei verständigen:  Ihm sei sehr wohl bewusst, dass es eigentlich «voglio man non posso» heissen würde, sagte der ängstliche Clown alias Ivan Georgiev. Aber was klingt besser, he? Eben.

 

Wir, die Willkommenen

Milena Krstic am Samstag den 3. Juni 2017

Eigentlich wäre das ja total mein Ding, so von der Machart her: Eine Reise in den Kongo tun, dort ein paar Leute zusammentrommeln und in der Schweiz ein Theaterstück präsentieren.

Genau das tat er nämlich, The bianca Story Frontmann und Hausautor bei KTB, Elia Rediger. Seine Eltern waren Missionare im Kongo, dort wurde er geboren und dorthin also ist er zurückgekehrt, um sich Inspirationen für ein neues Stück zu holen. Das Endprodukt heisst «Oh Boyoma» und gestern war Premiere in der Heitere Fahne.

Es bringt nichts, wenn ich jetzt hier eine Rezension vom Zaun reisse (aber so ganz ohne komme ich hier nicht weg), meine geschätzte Kollegin und Busenfreundin Gisela Feuz hat alles schon gesagt und für unser Mutterschiff rezensiert: Am Anfang war das alles bezirzend, dieser angedeutete Urwald aus Lianen, die wundertollen Kostüme und der Geschichtenerzähl-Modus, den ich sehr zu schätzen weiss. Aber so ab einer Stunde dreissig türmte sich eine gute Idee auf die nächste, ich wusste nicht mehr, wo mir der Kopf stand und musste dringend auf Toilette.

Mir gefiel das wirklich, diese Theorie, die Rediger da aufgestellt hatte, dass wir aus Europa nach Afrika reisen und dort die Bienvenues, die Willkommenen sind, weil uns nicht das Leid dorthin treibt, sondern eine Wohlstands-Abenteuerlust. Welch Potential! Aber das wurde erstickt in einem Zuviel an allem, ein Ende reihte sich ans nächste und ich hoffte leise verärgert vor mich hin, es möge zu einer Erlösung kommen. Oh, Boyoma!

Ich hätte mir so sehr einen tropenfiebrigen Zustand gewünscht, fühlte ich mich doch anfänglich an meine Zeit mit «Hundert Jahre Einsamkeit», dem Roman von Gabriel García Márquez, erinnert: die Schwüle, dieses Migräneklima, die Verheissung einer Stadt ohne Namen, direkt an einem Fluss, wo die Grillen ihre Beinchen aneinander reiben und man besser noch bei der Tropenärztin einen Termin vereinbart, bevor die Reise angetreten wird.

Oh, und suchen Sie ein Buch für die Sommerferien? Gönnen Sie sich «Hundert Jahre Einsamkeit», dieses Ungetüm von Roman, so üppig voll von brutaler Poesie. Es hat übrigens auch den schönsten Original-Buchumschlag ever.

Oh Boyoma läuft noch bis am 16. Juni in der Heitere Fahne.

Er, sie, es? Egal!

Milena Krstic am Freitag den 5. Mai 2017

Verzeihen Sie mir, ich bin wirklich ganz kurz angebunden nur, aber ich möchte Ihnen sagen, dass Sie sich «Genderpuff» im Schlachthaus Theater ansehen gehen sollten. Mit ihrer Grossmutter, ihrem Kind, ihren Eltern, ihren Neffen. Nehmen Sie alle mit, die Sie mobilisieren können (wobei es eben nur noch am Montagmorgen Tickets gibt).

Der Jugendclub Schlachthaus spielt
‘Genderpuff’. Foto: Yoshiko Kusano

Das wird zwar lustig, aber keine leichte Kost, wenn der Jugendclub des Schlachthaus Theaters auf der Bühne gebährt, sich benetzstrumpft, schauläuft und  s ä m t l i c h e  Geschlechterklischees voneinander nimmt. Ariane von Graffenried hat einen mächtigen Text geschrieben zum ewigen «Was-isches»-Thema und Caroline Ringeisen hat ihn gemeinsam mit den Jugendlichen vorzüglich auf die Bühne gebracht.

Ich habe vor Ergriffenheit fast geheult und trage die Hoffnung in mir, dass zukünftige Generationen tatsächlich ein Museum besuchen müssen, um sich darüber zu wundern, wie das früher möglich war, dass man Menschen in Männer und Frauen unterteilen musste.

Es gibt nur noch Karten für am Montagmorgen um 9.30 Uhr. 

«Ich brauche dringend einen Drink»

Milena Krstic am Donnerstag den 27. April 2017

Gestern habe ich mir mit einer einer ganzen Teenager-Schulklasse das Stück «Das beste aller möglichen Leben» in der Vidmar angeguckt. Die Kids waren verstört. Und ich auch. Wenn auch nicht unbedingt aus denselben Gründen.

Die Mittelstandstragik in grau und ein überdimensionaler Säugling. Foto: Annette Boutellier

Die Medienfrau des KTB ist mittlerweile zu einer mir lieb gewordenen Bekannten avanciert, die mich immer motiviert auf neue Stücke aufmerksam macht. Bei «Das beste aller möglichen Leben» hatte sie mich nicht gleich im Sack, weil mich das Thema etwas anödete: Ein Paar mit Kinderwunsch bekommt mitten in der Nacht einen Korb mitsamt Säugling drin vor die Tür gestellt. Laaangweilig, gähnt es da aus mir heraus, aber der Zusatz im Medientext, dass der amerikanische Autor Noah Haidle mit einem anderen Stück («Alles muss glänzen») im Jahr 2015 einen Preis gewonnen hat und auch die Tatsache, dass die Premiere ausverkauft war, liessen mich aufhorchen. Ich ging also hin.

Was dann geschah, konnte ich nicht erwarten, niemand konnte das. Dieser Säugling nämlich (gespielt von David Berger und Jürg Wisbach) fängt an zu quatschen, tanzt einen wunderbar grotesken Tanz und durchlebt innerhalb von zwei Stunden ein ganzes verdammtes Leben. Und mit «verdammt» meine ich das wörtlich, weil da kommen alle menschlichen Abgründe darin vor, die so ein Leben mit sich bringen kann: Drogen, Vergewaltigung, Betrug, Lug und hässlich verzweifelte Versöhnung. Was für ein Reigen, was für ein Grauen.

Die Eltern (Kornelia Lüdorff und Jonathan Loosli) schweben zwischen Entzücken, Verwantwortungsbewusstsein, Ekel und Abscheu angesichts dieses Säuglings, der sich rasant zum predigenden Greis wandelt.

Regisseur Mario Matthias inszeniert die Hässlichkeit eines Paares im Mittelstands-Dasein mit Witz und Schalk (diese Choreographien!) und lässt keine unnötigen Längen zu.

Der Text trägt unendlich viel Kopfnick-Material in sich: Da fragt sich dieser überdimensionale Säugling so Existentielles wie:

«Und das ist das Leben? Etwas, das man erträgt?»

«Wie oft kann es brechen?» (mit «es» meint er das Herz) und «Grundlos aus Enttäuschungen besteht es» (er meint das Leben) und schliesst mit den Worten:

«Ich brauche dringend einen Drink.»

Als das Stück fertig ist, bin ich es irgendwie auch. Die Teens raunen sich «Shit, ds isch huere schräg gsi» zu und ich denke nur so: «Shiiit, so chas ga».

Fazit: Das Stück ist ganz klar sehenswert. Aber seien Sie darauf gefasst, mit eigenen Gruseligkeiten konfrontiert zu werden. Entweder, Sie wollen sich danach besaufen, oder ihre Beziehung beenden. Oder Ihren Job kündigen. Oder gleich alles zusammen.

«Das beste aller möglichen Leben» läuft noch bis am 20. Juni. Alle Daten gebündelt finden Sie hier. Und hier noch die seriös tolle Besprechung aus dem Mutterschiff.

The medium is the message

Roland Fischer am Freitag den 14. April 2017

Kalauer alert. Gestern im Schlachthaus, Einblick in den Rechercheprozess des jungen Berner Kollektivs Latinlover. Die Testphase wird in die erste Produktion der Gruppe münden, «Der grosse Mediator» wird Ende September oben im Schlachthaus-Saal Premiere haben. Die neugierige Schar, die sich gestern unten im Keller einfand erlebte schon mal eine ziemlich -hm- meta- oder parapsychologische Performance.

Ein Abend rund um ein sehr -hm- sendungsbewusstes Medium. So spannend wie irritierend, es gab einiges zu diskutieren nachher. Und man dachte: Die Aufklärung hat allerdings ein Imageproblem und Übersinnliches ein -hm- leichtes Spiel, nicht nur auf dieser Bühne.

Mehr Platz für weniger Menschen!

Gisela Feuz am Dienstag den 4. April 2017

Soeben wurde Frau Matt’ullo Stocher in der Berner Innenstadt gesichtet, wo sich die Politikerin offensichtlich über die Wahlplakate einer neuen Berner Partei echauffierte. «Verständnis – Nein!» oder «Mehr Platz für weniger Menschen» steht da auf diesen Plakaten geschrieben, darunter prangt ein Logo mit strahlender Wurst und dem Parteinamen «Sit so guet, s.v.p.»

«Jo näi, will uns da etwa einer die Wurst versenfen?! Sehr is ä problem i häf to solf», soll Frau Matt’ullo Stocher beim Anblick der Plakate laut ausgerufen haben und soll erzünt von dannen gestapft sein. Wir bleiben dran. Beim Teutates.

Hinter dem Parteinamen «Sit so guet, s.v.p.» verbirgt sich ein Musical, bzw. eine SVP-Satire, bei der es darum geht, dass sich die letzten Linken in einem Asterix-Dorf im Jura verschanzt haben. Ausgedacht haben sich den Schabernack die Herren Matto Kämpf, Raphael Urweider, Dennis Schwabenland und Simon Hari, gezeigt wird das Stück ab 22. Juni in der Dampfzentrale zu Bern, sofern einem bis dahin nicht der Himmel auf den Kopf gefallen ist.

Künstlerische Darmentleerung

Milena Krstic am Samstag den 1. April 2017

Der Berner Marco Morelli sezierte gestern im Stück «Clown, Poet und Chaot» die Abgründe des (Schweizer) «Schowbitz». Ein Rekonstruktionsversuch.

Der Hin- und Hergerissene Marco Morelli, hier im Jahr 2011. Es hätte aber auch gestern sein können. Bild: zvg

Er ist seit 40 Jahren als das unterwegs, was sich einer nennt, der Publikum unterhält. Vom Angeklagten bis zum Zauberer zählt er auf seiner Internetseite gleich selbst auf, was er alles kann, ist und macht. Seine Biographie liest sich wie ein bitterböses Manifest auf ein selbstbestimmtes Dasein.

Marco Morelli also.

Er ist immer wieder auf der Bühne, im Tojo dieser Tage gleich fünf Abende hintereinander und er sagt es am gestrigen gleich selbst: «In der Presse ist gestanden, der Marco Morelli käme mit einem neuen Programm auf die Bühne. Settige Seich! I mache sit vierzg Jahr zgliche». Ich habe in der die Presse gelesen hineininterpretiert, dass er seine Shows nicht plane, er «switche» zwischen den Rollen, Privates verschmelze mit Gespieltem. Da gleitet er vom Kellner zum Liedermacher, gibt den Gärtner und dann noch rasch den Marschbläser.

Er, dieser Hin- und Hergerissene, versetzte auch das Publikum in einen solchen Zustand. Ich zum Beispiel hatte während der zweistündigen Show auch schon mal das Bedürfnis, den Saal zu verlassen (dieses «Pornolied» hat mir fast den Rest gegeben), nur, um kurz darauf wieder von Morelli um den Finger gewickelt zu werden, etwa wenn Schosshund Flumer seinen Einsatz hatte.

Am Ende hat er mich doch viel zu sehr angesprochen, der Morelli mit seinem Gram auf die Mechanismen des «Schowbitz», auf die Applausgeilheit und auf das, was Kunstschaffende nebst dem Erschaffen ihrer Kunst sonst noch tun, zum Beispiel ihre «Kreativität» in Sozialprojekte investieren oder am Jubiläum des AKW Mühleberg als «Kellner, Entertainer und Hintersinner» auftreten (so gesehen unter Referenzen).

An einem Punkt, kurz vor Ende der Show, erzählt und inszeniert Marco Morelli seinen eigenen Nahtod, wie er da aus dem Tojo schwebt, die Beine steif und vorab, aus dem grossen Tor heraus bis hin zum Bundeshaus, wo er kurz noch seinen Darm entleert. «Um an Höhe zu gewinnen», wie er sagt.

Marco Morelli gastiert noch heute (20.30 Uhr) und morgen Sonntag (19 Uhr) im Tojo der Reitschule.

Sputnik, das Poschi

Milena Krstic am Freitag den 17. März 2017

Rap-Battles, Funkparties und lange Schlangen, um da überhaupt hereinzukommen: So habe ich den Gaskessel in Erinnerung, dieses schneckenartige Rund, das mir meine ersten schlaflosen Nächte in Bern beschert hat. Das Angebot in Thuns Selveareal wurde immer magerer, also wichen wir auf Bern aus, nahmen erste Züge, um wieder zurückzukommen oder schliefen bei Friends, die bereits in der grossen Stadt wohnten.

Das alles ist gefühlte tausendundein Jahre her, aber gestern war ich wieder mal dort. Von Weitem leuchtete mir «Bestival» entgegen, das ist der Name des Theaterfestivals, das dem Bühnennachwuchs huldigt, und da waren Sofas aufgestellt und zwei Feuerstellen eingerichtet, fläzig gepflegte Atmosphäre und am Rande, königlich, stand Sputnik, das Poschi.

Aus ihm heraus werden krosse Croque Messieurs und Mesdames serviert, frisch belegt mit Randenköstlichkeiten, Ziegenkäse, Honigtröpfli, Avocado und feinen Sprossen, die zwischen zwei Bio-Vollkorntoast-Scheiben geklemmt werden.

Falls Sie sich dieser Tage eh eines der Theaterstücke ansehen wollten: Gehen Sie hungrig hin.

Das Bestival dauert noch bis am Dienstag, solange ist auch Sputnik dort. Volles Programm hier.