Archiv für die Kategorie ‘Nachtleben & Freizeit’

Lass uns Lieben – Puts Marie

Urs Rihs am Sonntag den 14. Oktober 2018

Der Fischer hiess uns letztens, er hiess uns zu schreiben und noch besser Liebesbriefe.
Also schreib ich, an eine Band, die Band der Stunde.

Stell dir vor: Untergehende Sonne, in der Luft schon die süsse Ahnung einer langen Nacht, der längsten. Im kaputten Rom von Übermorgen – feuchter, bohemer Traum.
Halbzerfallene Renaissancebauten und trotzdem so schön wie noch nie, eine Stadt dem Halbdunkeln und so hell wie noch nie. Puts Marie, Puts Marie –

Undurchsichtig, unnahbar, eine rauschende, flirrende Idee von wie das klingen sollte – viel Rauch, viel Krach, viel Drama,
und lassen nicht bloss die Gebrochenen das Licht durchscheinen?
Puts Marie, Puts Marie –

Lasst uns die Brunnen mit den besten Tropfen aller Zeiten füllen, lasst uns mit dem edelsten Tscharas alle Gotteshäuser beweihräuchern und in den sterilen Laboratorien der Technokraten das reinste Acid synthetisieren. Und dann lass uns riechen, lass uns schnaufen, lass uns leben.
Lass uns lieben.
Puts Marie, Puts Marie –

Auf Clubtour mit ihrem neuen und lang ersehnten Album, die Band mit dem abgründigsten und erdeschönsten Soul, der Stunde und bitter, bitter nötig – Puts Marie.

Erster Spieltag ist nächsten Freitag im Südpol, Luzern.

Dancing Ausserholligen

Mirko Schwab am Freitag den 21. September 2018

Eigentlich saudoof, so Rollschuhdisko. Eigentlich ein Fall für die Mottenkiste der Achtzigerjahre.

Aber «who gives a fuck» sagt mein Freund Y. immer dann, wenn man sich selbst oder seine Prinzipien nicht allzu ernst nehmen sollte. Er hat recht. Ich hab Prosecco. Die S-Bahn fährt am Europaplatz ein, wo Nebel aufsteigt bis hoch zum Betonbauch der Autobahnbrücke. Bunte Lichter haben sie montiert, Glitzer Glitzer allenthalben, die besten schlimmsten Lieder stehen in der Luft. Lieder einer Zeit, der wir uns nostalgisch erinnern, ohne sie erlebt zu haben. Dancing with tears in my eyes.

Es ist Rollschuhdisko. Und Rollstuhl-. Die «Heitere Fahne» ist mal wieder fremdgegangen, unverkennbar oszillierend zwischen Inklusivität und Sexyness hat sich die verrückte Idealistenschar breitgemacht am Verkehrsknoten, für einen unbeschwerten Tanz auf Rollen. Es ist schön, passiert sowas. Zumal hier, wo das amerikanisierte Bern und das eidgenössische, das Schrebergärtli-Bern und das verlotterte aufeinandertreffen wie sonst nirgendwo, wo die Zwischentöne viel Platz haben im urbanen Kessel zwischen Verkehrsarchitektur, Arbeiterhäusern und Gentrifikation.

Und es ist nicht selbstverständlich. Kollektive wie die «Heitere» prägen damit nicht nur die wichtige Debatte um Kultur in der Öffentlichkeit und überholte Bewilligungspraktiken, um Lärm, Luft und Demokratie, eine Debatte, die gerade erst richtig – voilà – ins Rollen kommt. Gerade die Idealistenkiste aus Wabern leistet mit ihrer eleganten und unprätentiösen Art der sozialen Festerei auch einen wichtigen Beitrag zum Selbstverständnis meiner lieben Sandsteinstadt. Eine derart vielfarbige und gemeinschaftliche Atmosphäre, getragen von Leuten mit und ohne Behinderung oder Haarausfall oder wasimmer, who gives a fuck – dieser seltsame Gegenentwurf zum klassischen Szenenauflauf, zur «quiche urbaine», er wäre im sich selbst stets bis zur Verspannung bewussten Zureich etwa kaum daheim.

Nichts ist peinlich hier zwischen den Brückenpfeilern. Im Diskonebel mischt sich Freiheit unter. Immer dann, wenn man sich selbst nicht allzu ernst nimmt.

Von Studeyeah nach fern

Urs Rihs am Samstag den 1. September 2018

Ein kleiner Exkurs gewagt mit einer Band –
und vom Balkon aus,
vom Vorgarten, vom Schiff aus?
Mindestens in der Phantasie – in die weite Welt hinaus.

Abflug ist vom Lorrainepärkli oder genauer war, denn am letzten Samstagnachmittag an der Quartierchilbi passiert.
Auf der Bühne stehen vier wohlverlumpte Spitzbuben aus dem Seeland und spielen Synth-Reggae, singen Mundart, erzählen Geschichten, lachen und rauchen Hase dabei. Studeyeah,
öffnen das hermeneutische Fenster, einige Zeichen lassen sich deuten.

«Fründlechkeit kennt keni Gränze, im Migros Restaurant ds Gränche

Schertenlaib & Jegerlehner als Vorboten – Reggae aus dem Emmental – haben’s mit dem «Sämi» vorgemacht. Das Heimatliche lässt sich bestens löchern. Dazu genügt tatsächlich auch schon etwas Off-Beat, dabei das lokale Idiom beibehalten, und schon reicht der Horizont von der Stammbeiz bis an den Strand, vom Bären bis nach Kingston. Mundart-Exotica?

«Zum Heue het mi Vater ä Chappe a, är stosst siner Dreadlocks unger d Wulle.»

Exotica, das ist in der Musik Ausdruck einer Sehnsucht, vom kleinen «Andern», aber unter Beibehaltung eines eigen Genuinen, echt Hiesigen. Dem Dialekt beispielsweise. Triebgefedert von der Lust und Neugierde auf das Fremde.
Schliesslich schlummert in jedem und jeder – mindestens unterbewusst – die Ahnung der eigenen Unvollständigkeit.

In Garagen hängen Poster von Thailand, im Atelier ein Schwarzweissfoto von Patagonien, im Coiffeur Salon die Postkarte aus Ascona.

Alle wir brauchen das Fremde, um nicht gottjämmerlich vor die Hunde zu gehen.
Wer das verneint, verdrängt, vergisst, vergiftet sich nach und nach mit dem schlimmsten Sozial-Toxin: Der Ignoranz.
Das Antidot das Phantasma, das Spiel, der Nonsens – die Kunst.

«No man, I want no island man, i wott uf ds Feschtland, do you understand?
If you like the alps, go there for your holidays, dunge am Louenesee.»

Studeyeah, die Anti-Boygroup aus der rausten Hippiesiedlung der Schweiz, aus Biel aka BNC, betoniert mit ihrem Sound eine Startbahn, um Ideen fliegen zu lassen. Und weil das nicht an der Hochschule für irgendwelche Künste seinen Anfang nahm, sondern auf dem Basketballplatz, dem Migros Restaurant und zwischendurch auch vor dem Altersheim zum Stehen kommt, hat es das Potential alle zu erreichen.

«Chunsch ines Heim s geit nümm Daheim was isch das für nes truurigs Game?»

Quer durchs gesellschaftliche Spektrum. Studeyeah reicht sanfte Hände, über perfekt gestutzte Gartenhecken, über Wagenburgen, über Stammtische und überhaupt. Alle schmunzeln zusammen – von Stdeyeah nach fern – aber ironisch ist das nicht, sondern immer auch scharf, mitunter kritisch und vor allem,
vor allem versöhnlich.


Die rauchende Schildkröte, Insigne der Verweigerung, gibt’s von Studeyeah auch auf T-shirt …

Corpus Delicti Cis-Thorax

Mirko Schwab am Mittwoch den 13. Juni 2018

Oder wie eine nackte Hetenbrust die Gemüter erhitzte.
Fragen an den Frauenraum.

Sonntagmorgen früh in der Sandsteinstadt, die Sonne wird bald aufgehen und zwei Tage aufs Unheiligste miteinander verknüpfen. Eine Festgemeinschaft steht auf der Gitterstiege beim Frauenraum und raucht sich wiederholende letzte Zigaretten, hat Glitzer im Gesicht und macht grosse Augen oder kratzt sich schnell am Nasenloch. Das Kugelfest hat zum Solidaritätstanz geladen. Und so tanzt man drinnen selbstvergessen, zwanglos, wild und solidarisch zu den monochromen Klängen einer stereotypen Tanzmusik. Mein kleiner Freund, dessen Namen in dieser Geschichte keine Rolle spielt, schwitzt sich an der Bühnenkante aus, selbstvergessen und zwanglos schiebt er Luft herum, dicke Luft im tropischen Klima dieses schlechtbelüfteten anderen Dachstocks der Reitschule.

Jemand aus dem Frauenraum-Kollektiv hat sich über deinen nackten Oberkörper beschwert!

Dicke Luft. Mein Freund hat in der Zwischenzeit sein nasses Leibchen ausgezogen und sich dabei mit den Awarenesstruppe angelegt. Jemand habe sich beschwert. Verdutzt fragt er nach und die dann folgende Erklärung wirft Fragen auf: Er sei doch offensichtlich ein «Cis-Mann» und da sei es verständlich, wenn das Hemdabstreifen hier ein Problem sei. Vielleicht würde dieser «Jemand aus dem Frauenraum-Kollektiv» schlechte Erfahrungen mit dem Anblick einer blutten Männer-Brust verbinden. Man müsse halt Rücksicht nehmen. (Einen Kreislaufkollaps in Kauf?)

Nippelgate im Bassgewummer. Und also Fragen. Angefangen bei der Kommunikation: Das zu Beginn des Abends verteilte «Awareness-Konzept» sieht vor, dass sich jede als solche empfundene Belästigung anonym melden lassen kann. Ein um die allgemeine Awareness besorgte Team kümmert sich dann um die Konsequenzen – was flauschig klingt, hat in diesem konkreten Fall aber zur Folge, dass über einen konkreten Grund nur gemutmasst werden kann. «Vielleicht» gäbe es ja schlechte Erfahrungen mit entblössten Heten-Brustwarzen. Who knows gäu. Spielt das überhaupt eine Rolle?

Ich finde schon. Das langweilige Wort dazu heisst «Verhältnismässigkeit». Wer oder was (ein Mensch oder eine Theorie?) kann einen solchen Anblick wirklich nicht ertragen? Und: Wäre irgendwer angerannt gekommen, hätte sich ein «offensichtlich» homosexueller Mann daran gemacht, sein Shirt auszuziehen? Wie steht es dann noch um die angestrebte Freiheit? Um das Klima des gegenseitigen Respekts, der gegenseitigen Toleranz und empathischen Freude, denen ein solches Fest doch gestiftet sein will? Wie steht es um die Freude auch an einer mann- und frauigfaltig gearteten Körperlichkeit – unabhängig irgendeiner sexuellen Identität? Sollte diese Identität denn an der schieren fleischlichen Oberfläche überhaupt bestimmbar sein? Werden Machtstrukturen aufgelöst oder lediglich verschoben, wenn sich aus einer sehr offensichtlich kleingeistigen bis easy weltfremden Befindlichkeit gleich eine solche Intervention ergeben muss?

Liebe Awareness,
Die Musik ist zu laut. Also, auch nicht mein Geschmack. Und vielleicht verbinde ich halt schlechte Erfahrungen damit. Könnt ihr das bitte wegmachen?

Aber lassen wir die Polemik. Der Frauenraum ist mir ein lieber Ort, das Kugelfest ist mir ein schönes. Die Fragen, die sie aufwerfen, sind wichtige und delikate. Umso trauriger macht es mich dann, wenn die hehren Bemühungen zur Freiheitserhaltung aller in einer sehr ideellen Entkörperung und Entindividualisierung münden. In einer Verkopfung, Versteifung und Verklemmung, die dem Mensch und seiner Vielseitigkeit, die dem Fest und seiner Ausgelassenheit, die dem Tanz und seiner Körperlichkeit nie gerecht werden können. Und in einem seltsamen Opfer-Täter-Diskurs sich auch verfangen, wo doch eigentlich ein bisschen gesunder Menschenverstand the good old und ein bisschen Face-To-Face-Gesprächskultur es auch getan hätten.

Stattdessen wird mein Freund in seiner empathischen Begabung dergestalt untergraben, dass er als Symbol herhalten muss für eine sehr verallgemeinernd formulierte toxische Cis-Männlichkeit. Dazu taugt er kaum. Jedes auf gesunder Kommunikation und Menschenliebe begründete Gespräch hätte es rasch offenbart. Stattdessen werden Theorien gewälzt und Feindbilder projiziert, werden die wirklich problematischen Machtverhältnisse der Welt da draussen im Innersten der Reitschule in ein nicht weniger fragwürdiges Gegenteil verkehrt.

Wäre der Frauenraum wirklich die gelebte Utopie, die er für sich beansprucht und die ich mir für ihn wünschte – es könnte sich auch der Cis-Mann, die alte Hete, darin aufs Genüsslichste entfalten, könnte wild tanzen und von mir aus halbnackt. Auch er ist Teil des Spektrums aller sexuellen Identitäten – soll er nicht mit seiner ganzen Körperlichkeit auch stattfinden in den Diskursen und den Diskotheken?

Aber ich möchte hier nicht für andere sprechen. Listen up, die ihr aware seid und woke: Ich bin eure hetero-normative C(is)-Dur-Harmonie mit der weissen Hühnerbrust. Ich befürworte die Gleichberechtigung aller sexuellen Identitäten. Ich lutsche manchmal Schwänze. Ich bin ein sehr kleiner, euch sehr naher Teil einer homophoben, frauenfeindlichen, von wüsten Machtstrukturen gefurchten Welt.

Macht es euch nicht zu leicht mit mir.

Where the hell ….

Urs Rihs am Sonntag den 3. Juni 2018

Is BAD BONN – die Kilbi 2018 ist durch und der KSB zurück in bella Berna.
Noch ein zwei Gedanken zum gestrig letzten Weihnachtstag 2018 in Düdingen.

Es bewegten vor allem zarte Momentchen und Dinge –

Der Soundcheck zu AHMED NEW JAZZ IMAGINATION, noch quasi niemand auf Platz, dafür ein Flügel auf der Bühne.
Dieser wird mitunter wie ein Bongo traktiert, mit ganzen Handflächen drischt Pianist Pat Thomas auf die Klaviatur und meint dazu schmunzelnd zum Tontechniker: «Is the tune right?» [sic]

Die Stimme von NADAH EL SHAHZLY und als während ihrem Konzert der Hausmeister Deux höchstpersönlich zweien dionysierten Labertaschen per Jedi-Handbewegung das Gschnorr abstellte.
Das Wichtigste an der Kilbi: zuhören.

Die Stimmung am See bei MELISSA KASSAB – Wes Anderson hätte seine Freude gehabt, das Licht so warm, der Wasserspiegel so glitzrig, dass einem die Kitschtränen kamen.

Das Ad hoc Interview mit den HORSE LORDS aus Baltimore, weil der vorgesehene Interviewer wohl lieber eine Bildstrecke für nau knipste (?)
Angesprochen auf den Country-Twang ihres Gitarrenspiels – selten bei avant-garde Rockbands, die sonst soundästhetisch meist den Grunge Spazierenführen, so gehört – verweist Saitenmann Owen Gardner auf die oftmals ignorierten afroamerikanischen Wurzeln des Genres.
Country sei nicht so weiss wie der Hauptstrom meine. Man denke an DeFord Bailey beispielsweise, einem Begründer der Sparte und einer seiner Lieblingsmusiker.
Dieses Bewusstsein und die Zärtlichkeit mit welcher die Buben über ihre Musik reden, konterkariert ihre Ratlosigkeit, sprechen sie auch über die sozialen Verhältnisse ihrer Heimatstadt.

Baltimore hat so viel Morde wie das Jahr Tage und ist noch immer hochgradig segregiert – 2018 …
HORSE LORDS, die Band welche vor ihrem Konzert nichts vom Bonn und der Kilbi wusste und sich dafür auf den ersten Blick verliebte, hat mir versprochen, etwas von diesem Gefühl über den grossen Teich zu retten, nach Hause.

Und dann noch das Gewitter der beiden Bristol-Tech-Punk-Frickler GIANT SWAN. War zwar alles andere als zart, aber was rundete eine Kilbi versöhnlicher ab, als sich von einstürzenden Soundwänden und brechenden Synthzunamis eindecken zu lassen? Hart am Leben!

GIANT SWAN – B wie: brachial, Bristol & BOOM!

Where the hell …

Urs Rihs am Samstag den 2. Juni 2018

Is BAD BONN – die Kilbi 2018 läuft. Der KSB ist auf Platz und lässt ab und an mal blicken was so spielt und dröhnt.

Körper ist scheisse.
Der Rücken dieser Sauhund.
Aber der Geist agil – sind wir nicht mal weggekommen von diesen Dualismen?

Weg kommt man hier, aber nicht weg – dritter Tag Kilbi.
Den Bodenkontakt einige Male verloren gestern, weggetreten.

CATERINA BARBIERI verführte mit feingliedrigen Phasings auf modularen Synths und bewies damit, dass modular nicht bloss Marketing und Modelleisenbahn für Erwachsene sein kann.
Maximales Kunsthandwerk an den Schaltkreisen. Selten während einer Setlänge so bittersüss zerrüttet gefühlt.

Weiter gespürt:
VAGABON – erfrischend jung, aber etwas altbacken kratzig.
HARVEY RUSHMORE & THE OCTOPUS – die neuen Tracks ein My weniger verschliffen, nicht minder griffig.
REVEREND BEAT-MAN & THE NEW WAVE – Familienfest, am Katzentisch ist’s am schönsten.
JAMES HOLDEN & THE ANIMAL SPIRITS – Naturgeister mal digital.
KHRUANBIN – Sampling funktioniert auch live, aber die Erwartung war trotzdem etwas zu hoch.
SAVAGE GROUNDS – Filmriss.

Heute erwacht am See, schöne Sonne, schönes kaltes Wasser.

KILBI spirit.

Where the hell ..

Urs Rihs am Freitag den 1. Juni 2018

Is BAD BONN – die Kilbi 2018 läuft. Der KSB ist auf Platz und lässt ab und an mal blicken was so spielt und dröhnt.

Erste Nacht durchgerauscht. Gestartet mit ESTER POLY im Haus. Serious action die beiden Frauen. Grunge und vorgespielte Orgasmen, einigen Männern wurd’s merklich unwohl. Sehr intim für so laut.

GOLDEN DAWN ARKESTRA im Zelt dann. Etwas zu sehr Fifa-Soundtrack, das Riesenaufgebot auf der Bühne vermag nicht aus sehr metrischen Diskotakten auszubrechen. Schade, hübsch anzusehen ist’s allemal.

WARMDUSCHER überstolpert, erste Auszeit am Schiffenensee. Nach dem Wolkenbruch.

EXPLODED VIEW, man war gespannt, nach den Auflösungserscheinungen letztes Jahr. Frisch aufpolierter Banshees-Sound, Goth-Revival. Das muss mit etwas Attitüde, aber grad so derbe?
Frontfrau Anika Henderson, puppengleich, lässt nichts heran und so kommt auch wenig zurück.

NICK HAKIM buttert dafür richtig dick auf, zielt mit seinem Soul auf Herzen und rührte damit wohl auch schwärzeste Nihilistenseelen. Solche sind zum Glück nicht in Sichtweite, nicht an der Kilbi.

TSHEGE ballert dann wieder wach, nach der Schmusenummer mit Nick kommt das gut an. Faty Sy Savanet handfüttert uns mit Afropunk – wie Ziegen mit Salz. Die Menge dürstet nach Ekstase. Stark programmiert, perfekter Zeitpunkt.

Danach der Indie-Hexenmeister JON MAUS – er dreht durch, wir drehen mit. Und zu NIHILOXICA weiter … Der Schlusspunkt für Donnerstag. Gottverdammt, das muss Sünde sein. Wird schwer diese Live-Hypnose zu toppen. Drums, Drums, Drums, Drums, Drums und Synth. Archaisch, roh und heftig. Fertig.

Nick Hakim’s Tastenmann. Hübsche Buben alles.

 

 

Where the hell

Urs Rihs am Donnerstag den 31. Mai 2018

Is BAD BONN – die Kilbi 2018 geht los. Der KSB ist auf Platz und lässt ab und an mal blicken was so spielt und dröhnt.

Die Wiesen sind gemäht und Ane vom Mutterschiff hat mit dem Deux – Tätschmeister der Programmierung – vorab gequatscht. Die Stimmung auf dem Camping ist gut – ein Autosalon gut abgehangenem Blech – und die Sache ist also gerichtet.

Um vier schallen die ersten Wellen, das LAUTSPRECHER ORCHESTER FREIBURG verspricht Klänge aus allen Ecken des Geländes. Und der erste Live-Höhepunkt ist schon dabei Klimperkästen aufzustellen: GOLDEN DAWN ARKESTRA – obwohl es wohl nichts wird mit güldner Dämmerung, denn die Wolken hängen tief. Umso höher die Erwartungen.

Der Fuhrpark an der Kilbi, ein haufen ehrlich stinkender Karossen.

News following up tomorrow …

Drifting through the night

Roland Fischer am Donnerstag den 24. Mai 2018

Irgendwo in der Lorraine gestern so gegen Mitternacht: Eine Schar von Nachtwanderern mit grün leuchtenden Ohren zieht in seltsamer Formation durchs Quartier.

Gesprochen wird nichts, doch scheinen alle die Regeln zu kennen. Alle haben Kopfhörer auf, vielleicht empfangen sie ja geheime Kommandos einer fremden Macht? Wird da eine Konspiration vorbereitet, werden Hirnwindungen umgespult? Oder was soll das Theater? Genau so etwas soll es, heutzutage. Driften durch die Nacht. Die Stadt mit anderen Augen sehen.

Summer in the (nein, nicht schrumpfenden) City

Roland Fischer am Samstag den 19. Mai 2018

Die Kunsthalle: eine Institution. Die Bar von Lang/Baumann zum 100jährigen Bestehen, als locker hingeworfenes Sommer-Special gedacht: auch bereits eine, nach dem Eröffnungsabend. Eine 18 Meter tief in den Aarehang getriebene.

Womöglich hat diese Stadt ein bisschen ein Problem mit kultureller Spontaneität. Aber man will nicht klagen, man will da in Ruhe noch so einige Drinks geniessen, ohne den grossen Auflauf gestern.

Fand der Chef (im Bildhintergrund) übrigens auch. Er liess am Mikro verlauten, dass dieser tolle Ort wohl nicht gleich wieder verschwinden werde, nach Ablauf der Bewilligung (wir haben es also gehört). Also, Mirko, falsch: Nimmt man den Zollstock, dann ist Bern grad ein Stück grösser geworden. 50 Quadratmeter, grob geschätzt. Ein gekachelter neuer Stadtplatz mit integrierter Bar und Baumhaus-Charme. Nein, man will nicht klagen.