Archiv für die Kategorie ‘Kopf & Kragen’

Bespielen statt nur spielen

Christian Zellweger am Freitag den 10. Mai 2013

Wer sagt denn, dass ein Sänger nicht vom Gerüst hinter dem Vorhang der Dampfzentrale-Bühne herab- und hervorsingen darf, nicht mit Schellenringen und Schlagzeug-Becken um sich werfen und die Wände mit Drumsticks traktieren kann? Es verbietet einem auch niemand, sich auf dem Rücken liegend durch den Raum zu schieben und weiterzusingen. Nicht die knapp mehr als 20 Zuhörer und schon gar nicht der Dampfere-Booker Roger Ziegler, auch wenn er ab und zu die Hände verwarf.

Die ersten Ausflüge von Parenthetical-Girls-Sänger Zac Pennington in die Weiten des Raumes dienten offenbar der Soundkontrolle. Es war ihm «substantially» zu leise und nach mehreren Klagen darüber musste Ziegler dann doch noch auf das Recht verweisen: Man dürfe nun mal nicht lauter, «it’s just a legal matter».
Diesen Beitrag weiterlesen »

Der Rabe geht dem Bären an den Kragen

Christian Zellweger am Freitag den 26. April 2013

Gewalt ist keine Lösung, das soll hier gleich mal festgehalten werden. Nach den Gesetzen von Dr. Moreau unterscheidet das den Menschen vom Tier:

Nun, der Rabe von Radio Bern ist ein Vogel und kein Mensch. Da ist die Reaktion des Tiers auf den Eindringling in seinem Revier durchaus nachvollziehbar. Um so mehr, als dass der Konkurrent in seinem Pelz dem Vogel durchaus ziemlich ähnlich sieht.

Auch wenn die beiden doch sehr unterschiedlich krächzen und brüllen, der kämpferische Vogel liess sich das Revier nicht strittig machen. Und so sieht das aus, wenn ein Rabe einem Bären an den Kragen geht:

Einigermassen brachial.

Das Schütteln der Gefühle

Miko Hucko am Sonntag den 24. Februar 2013

Nachdem ich mich letzter Woche mit dem Facebookduckfacedrang der Berner Jugend auseinandergesetzt habe, lässt mich das Thema grad nicht mehr los: Stellen sich Menschen gerne selbst dar, um damit ihr Anderssein, ihr Künstlertum zum Ausdruck zu bringen? Und wo führt er durch, der schmale Grat zwischen Kunst/Kultur und Selbstdarstellung?

Am AUAWIRLEBEN (ja, das ist jetzt schon eine Weile her) letztes Jahr gab es einiges zu sehen, das mit dieser Grenze spielte, bei «Susan and Darren» standen Mutter und Sohn auf der Bühne,  bei «This is my Father» Vater und Sohn, beide Stücke (und einige weitere) schöpften aus privaten Geschichten, stellten das eigene Leben aus. Ein anderes Beispiel, grad noch aus dieser Woche, wäre auch der 1000-Franken-Deal, bei dem die drei Performenden den ganzen Abend lang sich selber spielen und ihre eigenen Wünsche und Bühnenträume zeigen. Im Theater gehört diese Selbstdarstellung und -ausbeutung fast schon zum guten Ton, wird aber definitiv noch der Kunst zugerechnet.

Das eigene Leben wird aber in den meisten Fällen nicht wie oben als Fundgrube für künstlerisches Schaffen verwendet oder als dramaturgische Basis eines Werks, sondern als Marketingtrick. Oder wird gar die Kunst zum Werbemittel für das eigene Leben? Waren Beispiele für diese verwirrende Doppelschneidigkeit bisher vor allem aus dem englischen Sprachraum bekannt (Lindsay Lohan an vorderster Front), so haben wir nun mit Heinos Coveralbum «Mit freundlichen Grüssen» endlich auch Gelegenheit, einem deutschen Künstler dabei zuzuschauen, wie er den eigenen Untergang geschickt inszeniert zum Kult macht. Wir können uns fragen, was er eigentlich will: Das eigene Image retten, indem er noch ein letztes Mal gross rauskommt? Oder das Ende seiner Karriere zum Plattenverkauf verwenden? Im folgenden Livevideo kann er grad bei einer solch verwirrenden biographischen Erkenntnis beobachtet werden (für alle, die das lieber überspringen möchten, singt er ab 3:14 «Junge» von den Ärzten).

Was mich aber eigentlich zu diesem Post inspiriert hat, ist ein Meme, das sich seit einzwei Wochen auf Youtube breit gemacht hat, so breit, dass gar der Blick titelte «Gangnam-Style war gestern: Jetzt kommt der Harlem Shake». Das Meme ist für mich, nur so nebenbei, ein erschreckendes Beispiel dafür, wie weisse Kultur schwarze Kultur übermalt und neu verwendet  – oder vielleicht sogar ins Lächerliche zieht (siehe hierzu: Harlem reacts to Harlem Shake). Hier also das “original”-Video, das die Geister weltweit bewegt (Achtung: nichts für anspruchsvolle Gemüter):

Hui. Das Beste: Es hat mehrere hundert Nachahmervideos weltweit gefunden. Wenn es beim Gangnam Style-Hype noch darum ging, eigene Messages in den vorhandenen Song einzubetten (mein Liebling: Mitt Romney Style), den Text umzuschreiben und das Video zu verballhornen, eine gewisse Abstraktionsfähigkeit also gefragt war, wird beim Harlem Shake (ja, los, Selbstversuch auf Youtube) vor allem eines betrieben: Selbstdarstellung. In allen Lagen, in allen Lagen. Samstag Nachmittag war es dann soweit. Als ich mit dem Bus am Bundesplatz vorbeifuhr, habe ich mich gefragt, was denn all die kostümierten Jugendlichen da treiben… Et voilà.

 

Duckface reloaded oder: Was macht eigentlich die Berner Jugendkultur?

Miko Hucko am Sonntag den 17. Februar 2013

Zur Kultur gehört, ganz klar, die Jugendkultur dazu. Vor allem im Zuge der ganzen Nachtleben-Debatte letztes Jahr wurde uns das immer wieder bewusst gemacht. Und wenn über 10’000 Jugendliche für ihr Recht auf Party auf die Strasse gehen, kann das nicht ignoriert werden. Denn 10’000 in einem Zug, das ist in einem provinziellen Hauptstädtchen nicht gerade wenig! Wobei ich immer dachte, so viele Jugendliche gäbe es gar nicht in Bern, und ich war ja da auch dabei und viele meiner älteren Bekannten auch. Item.

Umso überraschter war ich also, als ich eine neue, jugendliche Bewegung der 10’000 entdeckt habe – wenn auch bis jetzt nur virtuell. Die Facebookseite «Berner Schönheiten» ist nämlich nicht, wie ich erst annahm, ein Coup von Bern Tourismus, sondern wird von Jugendlichen betrieben, bespielt, ja, täglich mehrmals aktualisiert. Und hat schon über 10’000 Likes! Die Regeln sind einfach und sind auch die einzige Information von Seiten der Betreibenden:

«Anleitung: 1. Seite liken, 2. Nachricht mit Foto, Name, Alter und Nationalität senden. VIEL SPASS ♥

Regeln
■Die Teilnehmer müssen einen Mindestalter von 14 Jahren haben.
■Keine Beleidigungen. (Meinungen sind erlaubt PS: Umgangssprache)
■Keine doppelten Nachrichten schicken.
■Keine Fakes einschicken.
■Keine Bilder von Freunden einschicken.»

Was jetzt daran der Spass sein soll? Das habe ich mir auch gedacht. Tatsächlich aber werden hier die verschiedenen Bilder miteinander in indirekte Konkurrenz gestellt: Wer hat die meisten Likes? Wer die Kommentare mit den meisten Herzli und Küsslismileys? Klingt zwar auf den ersten Blick ziemlich nach harmloser Jugendbeschäftigung, na klar, Privatsphäre kennen die ja eh nicht… bei längerem Nachdenken hat mich aber das Schaudern dann doch ergriffen. Da ich aus personenschutztechnischen Gründen (also ich glaube da ja noch dran) kein Original hier raufladen möchte, ein Blog ohne Bild aber selten gut ankommt, gibt’s jetzt ein Bild von mir zum Dranrumrätseln:

    Miko, 24gi, Bern, Shwiiz/Slovakei

Ich hoffe, die Illustration gereicht zum Verständnis des Schreckens. Nein, es ist nicht der Winkel (leicht von oben) der Gesichtsausdruck (eben, Duckface, besser hab ich’s einfach nicht hingekriegt) oder die verkrampfte Armstellung (vom sich-selber-Fötelen). All das wäre ja noch im Rahmen der künstlerischen Freiheit und Gleichheit ertragbar. Es ist der Bildbeschrieb. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: An das SH habe ich mich fast schon gewöhnt, das Y hat eh ausgedient – für einmal sind die Probleme nicht sprachlicher Natur. Es ist der gepflegte Nationalismus, der mir Sorgen macht. Wenn dort die Nationalität nicht stünde, hätten Sie sich einen Deut darum geschert? Ich glaube nicht. Ehrlich gesagt kann ich kein Wort Slovakisch, und ich glaube, auch viele der Jugendlichen mit Selbstdarstellungsdrang haben redlich wenig mit “ihrem” Land zu tun. Aber das sind nun mal die Regeln des Spiels, und alle halten sich dran – die meisten suchen wohl irgendwo nach Ahnen im Ausland, andere haben tatsächlich die Erkennungsformel “Eidgenoss” (auch bei Frauen ohne -in, das scheint so eine fixer Ausdruck zu sein, ein Stempel vielleicht) zu ihrem Bild gestellt.

Meinereins fragt ja neue Bekanntschaften immer «was machsch du so» – schon als Kind habe ich meinen Plüschtieren und Legofiguren immer einen Namen und einen Beruf zugeordnet. Ganz nach dem Prinzip du bist was du tust. Hier aber geht um «wo chunsch du so här», und auf einmal verschiebt sich das Gefüge von Gleichheit zu einer Bewertung der Herkunft. Ich war ja immer so idealistisch und habe geglaubt, es sei egal, woher du kommst – aber Zehntausende Jugendliche belehren mich hiermit eines gefürchigen Besseren. Ich frage mich, ob dieser, hm, Nationalismus im Anfangsstadium schon immer da war und ich das einfach nicht mitbekommen habe oder ob sich in den letzten Jahren etwas verschoben hat. Brauchen junge Menschen in Zeiten der allgemeinen Globalisierung, des jederzeit-überall-Seins mehr Halt, mehr Ort, mehr Nationalität um sich irgendwo zu Hause oder dazugehörig zu fühlen? Oder findet das allgemeine Zusammenrücken nur auf bestimmten gesellschaftlichen Stufen statt?

Übrigens stehen die Chancen gut, dass wir die «Berner Schönheiten» bald einmal live erleben dürfen, einer Abstimmung zufolge haben sich um die 60% der Gruppenfans für die Organisation einer Talentshow entschieden. Ich bleibe dran und versuche weiterhin hartnäckig, nicht zu viel Gefallen an der virtuellen Selbstdarstellung zu finden.

 

Helden des Apfänts

Resli Burri am Samstag den 8. Dezember 2012

Die Adventszeit (oder Apfänt, wie Nils Althaus  zu schreiben pflegt) erkennt man nicht nur an den noch einsameren Einsamen, den noch gestressteren Gestressten und den kränkeren Kranken. Man erkennt sie auch an den überall eingerichteten Weihnachtsmärkten. Über den Artsouk wird hier noch berichtet, der war aber indoor, und daher eher den Kuschelmärkten zuzurechnen. Wir möchten unser Augenmerk jedoch auf die echten und harten Kerle (und Kerlinnen natürlich) der Freiluftmärkte richten, die über drei Wochen lang täglich in der Kälte ausharren, um ihre Ware anzupreisen.
Stellvertretend für alle stelle ich Martin Freiburghaus vor, einer der fleissigsten Keramiker im Kanton. Und wahrscheinlich der letzte seiner Berufsgattung, der alleine vom Verkauf der von ihm hergestellten Produkte lebt. Er hat seine kleine Baracke mit seiner Partnerin Monika Wenk, die bunte und warme Mützen anbietet, auf dem Münsterplatz aufgestellt. Gestern erst haben sie ihr Dach dichten können und sehen deshalb so glücklich aus:

Schauen Sie sich den kontemplativen Film von Marco Wenk aus Grosseto an, der die geschmeidige Fertigkeit des Handwerkers sehr schön einfängt. Sie brauchen nicht einmal zu kiffen, er fährt auch so ein. Die Musik dazu haben die Berner EAM geliefert.

Der Berner Weihnachtsmarkt ist noch bis am 24. Dezember täglich offen. 

Open – auch mal Magic Mike

Resli Burri am Donnerstag den 1. November 2012

Offenbar gibt es in Bern viele offene Ohren für offene Mikrofone. Die Vielfalt an Bühnen, auf denen junge oder neue Talente (oder sagen wir mal mutige Menschen) sich dem Publikum stellen können, scheint dies jedenfalls zu belegen. Eigentlich ist die Stadt ein riesiges offenes Mikrofon:
Der Lustige Dienstag  im Tojo der Reitschule sorgt auch in dieser Saison wieder für mindestens einen vergnüglichen Dienstag pro Monat. Dort finden sich vornehmlich KleinkünstlerInnen aus der Sparte Comedy ein.
Grad daneben im Frauenraum gehe es, wurde mir kolportiert, frivol zu und her wenn es jeweils heisst Play Yourself.
Das Café Kairo muss auf dieser Plattform weiss Gott nicht vorgestellt werden: Der Gastgeber heisst Trummer und seine Reihe The Bridge. Diese Reihe spricht eher MusikerInnen an.
Die Piazza Bar am Hirschengraben verkabelt auch hin und wieder ein Paar Mikrofone, die besungen oder besprochen werden wollen.
Traue sich also getrost, wer sich traut!
Am Montag ging es wieder mal TSUNDEROBSI. Man konnte im Schlachthauskeller einen höchst erfrischenden Abend erleben mit unter anderen einem afrikanischen Kabarett mit Aziz, Cristelle und Isaac, den zwei Feigen Feigen und dem erstaunlichen Neo-Troubadour Mischa Wyss. Die Jugendpreisgekrönten Initiantinnen Jacqueline Schnyder und Julia Geiser führten geschwätzig im Doppelpack durch das Gaudi.

Und dann das! Als special Guest war Nadja Stoller angesagt. Mit ihrem Arme-Leute-Instrumentarium (Kinder-Keyboard, Banjo, Akkordeon, Xylophon und anderen Brockenstubenutensilien) und einem Loopgerät ausgerüstet, verzauberte sie das Publikum mit ihren betörenden Liedern gänzlich. Als man den Mund wieder zu brachte, war die Kehle trocken und das Bier in der Hand warm. Geben Sie sich ihre Songs. Ihre CD heisst Alchemy und ist sehr zu empfehlen.
Oder gehen Sie sie hören! Zum Beispiel im Bären Buchsi mit dem oben genanntem Trummer.
Magic Mikes soweit das Ohr reicht.

Her mit den musizierenden Ladies!

Gisela Feuz am Dienstag den 28. August 2012

Aktuell liege der Anteil von Frauen im Musikzirkus nur bei rund 5-6%, erklärt die charmante Madame Regula Frei alias Reg Fry, welche selber des öfteren mit ihrem Kontrabass auf den Bühnen dieser Stadt anzutreffen ist. Wohl nicht zuletzt deswegen arbeitet sie als Leiterin Geschäftsstelle beim Projekt «HELVETIAROCKT» mit, welches sich zum Ziel gesetzt hat, bei der Vergrösserung der Frauenquote im Schweizer Musikbusiness tatkräftige Unterstützung zu leisten.

«HELVETIAROCKT» ist in erster Linie eine Vernetzungsplattform, auf welcher sich Musikerinnen treffen, austauschen und zusammentun tun können. Das Niveau spiele dabei keine Rolle, vom Supercrack bis zur absoluten Anfängerin seien alle herzlich willkommen. Vor allem Instrumentalistinnen seien besonders gefragt, erklärt Madame Fry, denn Sängerinnen gäbe es mehr als genug.

Zwischendurch ist es ja ganz gäbig und durchaus charmant, als Frau immer noch zur Minderheit im Musikbusiness zu gehören. Und eine Minderheit sind wir Damen mit unseren 5-6% definitiv und hochoffiziell, denn laut Minderheitsforschung wird eine Gruppe solange als Minderheit wahrgenommen, solange diese weniger als 30% ausmacht.

Es geht bei «Helvetia rockt» keinesfalls darum, die beleidigte Leberwurst zu spielen und eine Opferhaltung einzunehmen. Im Gegenteil. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es fägt, mit Herren zu musizieren. So richtig! Es würde aber noch mehr Spass machen, wenn sich mehr Damen im Musikzirkus tummeln würden. Dies würde wiederum ja bestimmt auch den Herren gefallen und ausserdem läge damit der Fokus weniger auf dem Frausein, sondern vielmehr auf der musikalischen Leistung als solches.

Also die Damen: wenn Sie Gitarre spielen, gerne auf Trommeln hauen, gerade begonnen haben in eine Posaune zu pusten oder im Keller ein Keyboard stehen haben, das Sie doch schon lange wieder in Betrieb nehmen möchten, nichts wie angemeldet und mitgemacht auf «HELVETIAROCKT» . Nieder, ähem, hoch mit den 30%!

Guten Morgen Bern

Ruth Kofmel am Samstag den 24. März 2012

Zum Frühstück schauen, wie das Favoritenlied visuell daherkommt.

Ein Wal mit Buckel und Beule.

Adieu Backstube, Adieu Leserschaft

Manuel Gnos am Sonntag den 15. Januar 2012

Jesses, wie die Zeit vergeht. Im Januar 2008 war es, als ich mich aufgrund des eindringlichen Appels der werten Signora in die Cappella begab für den Erstkontakt mit Manuel Stahlberger und seiner Band. Vier Jahre und viele Konzerte später ist mir dieser Ostschweizer so richtig fest ans Herz gewachsen – weil seine Musik superprima ist, weil er gleichenteils sowohl überraschend und aber auch erwartbar dichtet, weil er hinterhältige Comics zeichnet und ganz einfach weil er ein feiner Mensch ist.

Manuel Stahlberger in der Berner Backstube. (BIld Manuel Gnos)

Manuel Stahlberger in der Berner Backstube. (BIld Manuel Gnos)

All dies kam vorgestern Abend in der «Backstube» bei Stahlbergers erstem Solokonzert auf Stadtberner Boden zum Tragen: seine Menschlichkeit, seine Bescheidenheit, die Musikalität und die versierte Texterei. Das erste Soloprogramm Stahlbergers heisst «Innerorts» und ist ein Sammelsurium aus Liedfragmenten, Textentwürfen, Bandhits, neuen Songs, wiederbelebtem Material, gezeichnetem Cabaret und herzlicher Bösartigkeit.

Es war ein spezieller Abend gestern in der «Backstube». Zunächst einmal für mich persönlich, weil ich das erste Mal überhaupt da war nach sage und schreibe 30 Veranstaltungen daselbst. Dann weil es das 31. und letzte Konzert war, das Herbert und «Mama Zuppa» Katja weit hinter dem Loryplatz organisiert haben. Und schliesslich weil abgemacht war, dass dies – nach 469 Beiträgen und 2335 Kommentaren, so meine persönliche Bilanz – mein letzter offizieller Artikel für «KulturStattBern» wird.

Somit verabschiede ich mich hier und heute von der hoch geschätzten LeserInnenschaft dieses Blogs sowie von meinen Kolleginnen und Kollegen, die die «KulturStattBern» zu dem gemacht haben, was sie heute ist: Eine unverzichtbare, besonnene und euphorische Stimme im teilweise etwas ausgetrockneten medialen Diskurs dieser unserer üppigen Kulturstadt.

Ciao e arrivederci e grazie! Schön wars mit Ihnen allen! Hebet Sorg zueinander. Man trifft, liest, spricht, schreibt und hört sich hier oder anderswo.

Auf Wiedersehen! (Bild Manuel Gnos)

Auf Wiedersehen! (Bild Manuel Gnos)

«Itz eifach nid düredräie!»

Grazia Pergoletti am Mittwoch den 4. Januar 2012

So die Worte von Soulmate Flo Eichenberger am heutigen Abdankungsfest des Sous Souls, des Clubs mit der grössten Seele, des Untergrundlokals für Tanzfüdli mit Tiefgang, Seelenverwandte auf Besuch und Unterirdische in Feierlaune. Okay. Hören wir auf, wenns am schönsten ist.



Von der Reitschule her
kam ein angemessen gekleideter Trauerzug die Altstadt runter geschritten und hat bei dieser Gelegenheit auch gleich die Kulturpolitik zu Grabe getragen.

Hier sieht man die Seele vom Sous Soul, wie sie entweicht:

Wir glauben aber an Reinkarnation und lassen uns deshalb nicht unterkriegen.

Apropos Abschied: Wie Sie vielleicht bemerkt haben, trete ich nur noch selten als Autorin in Erscheinung. Tatsächlich löse auch ich mich hier auf dem Blog langsam in Luft auf. Und bleibe aber ab und an als Gast mit kleinen Beiträgen erhalten. Ganz nach Flo Eichenberger: Hören wir auf, wenns am schönsten ist!