Archiv für die Kategorie ‘Kopf & Kragen’

Mir fällt nichts ein!

Oliver Roth am Freitag den 15. Mai 2015

Ich stehe unter der Dusche und versuche angestrengt eine Idee für einen Blogeintrag zu finden. Den Rücken schrubbend und in mich gekehrt, merke ich, dass ich nichts Spannendes erlebt habe und auch nichts solches zu berichten habe.

Oder doch, Die Zeit titelt vorgestern: Liebe Leser, diese Woche fiel uns leider nichts ein. Ein Satz, der mich in meiner ideenlosen Situation besonders anspricht. “Acht Autoren schreiben über Inspiration, Schöpferkraft und den Ursprung der Ideen.” Johanna Rahner schreibt vom “Heiligen Geist”, Evelyn Finger meint Kreativität komme “von oben”. Da bin ich dagegen und stimme eher Harald Martenstein zu, der das Wort Kreativität ablehnt (obwohl ich Martensteins Frisur ablehne).

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Der Duden bestärkt meinen begrifflichen Ekel, denn Kreativität wird als „schöpferische Kraft“ definiert. Welche Kraft, bitte? Unter der Dusche habe ich keine Kraft gespürt. Ich habe einfach nachgedacht und mir diesen Artikel im Kopf zusammengebastelt. Stück für Stück. Genau diese Zeile ist beim Shampoonieren entstanden.

Ich halte es ebenfalls eher mit dem Philosophen Wilhelm Schmid, der im Interview zum Thema meint, Espresso sei gut für die Kreativität. Nach dem Kaffee geht es bei mir erst so richtig los mit dem Ausdenken, und den trinke ich noch nach dem Duschen!

Max Küng nannte sein Buch Einfälle kennen keine Tageszeit, was natürlich wahre Worte sind. Es muss nicht die Dusche sein, um darauf zu kommen, dass man einen Text über die Exkremente der Berner Bevölkerung schreiben möchte. Ich träume oft gute Ideen. Mein Unterbewusstsein ist eine besonders geile Sau. Darauf verweist auch Schmid in der Zeit: “Schalte ich den Kopf aus, kann sich Sinnlichkeit entfalten.” Hirnlos Saufen! Auch schön ist die Vorstellung von David Lynch, der meint fertige Ideen lägen in einem imaginären Raum nebenan, man kommt nur nicht rein. Meditieren!

Bei dem Mythos Kreativität geht es also nur um angestrengtes Nachdenken, Kaffee trinken, guten Schlaf und Shampoonieren. Gar nicht so heiliger Geist.

Die Zeit, die beste Wochenzeitung im deutschsprachigen Raum, gibt es immer am Donnerstag am Kiosk. Wer beim Umblättern Muskelkater bekommt, zieht sich die Zeit aufs iPad.

Zukünfte: Mai 2082

Miko Hucko am Mittwoch den 11. März 2015

Das hunderste AUAWIRLEBEN! Hätte ich auch nicht gedacht, damals, dass ich das noch erleben würde. Aber wer hätte sich schon irgendetwas gedacht, irgendeine Zukunft, bei diesem Sauhaufen von Welt in den 10er und  20er Jahren. Hier stehe ich also in der Menge, halte ein Glas Weisswein in der einen und ein Soyagebäck in der anderen Hand. Zur Feier dieses Anlasses wurden alle eingeladen, die jemals auch nur irgendetwas mit dem AUA zu tun haben. Und den Umbruch überlebt haben.

Ich erkenne kaum jemensch – die meisten dürften nach mir in Bern Theater gemacht haben. Ah, ist das dort in der Ecke…? Er hat seine Haut, ganz nach dem Frankensteintrend, grün gefärbt. Egal. Warum also hat ausgerechnet das AUA so lange überlebt? Viele Thesen sind im Raum, aber die, die für den Gesprächsstoff des Abends sorgt, hat viel mit der gegenwärtigen Polis zu tun: Weil das AUA nie auf einen Wachstumszug aufgesprungen ist. Ein Festival, das die eigene Grösse für gut hielt, passend zur Grösse der Stadt – und, wie man zu sagen pflegte, eine Perle.

Zu diesem hundertjährigen Jubiläum wurde Nicolette Kretz eingeladen, sie wird die Eröffnungsrede halten. Sie hat ja damals, 2028, die Kuratoriumsstelle aufgegeben, weil sie zu höherem berufen wurde: in den Neuropäischen Theaterrat. Extra aus Tunis ist sie eingeflogen, dem Hauptsitz des Rates, dem sie letztes Jahr sogar vorgestanden hat.Ein Raunen geht durch die Menge, als Nicolette aus ihr emporschwebt: Auch als Klasse-A-Cyborg hat sie ihren Witz, Charme sowie die Lockenpracht nicht verloren. Der Inhalt ihrer Rede: Warum Neuropa politisches Theater braucht, und damit gerade solche lokal angebundenen Festivals wie das AUA. Ich freue mich jetzt schon auf das bunte Programm.

 

— Zurück im Jahr 2015 findet heute Abend, am 11. März, um 19:30, das Programm-Release-Cüpli des diesjährigen AUAWIRLEBEN Theaterfestivals statt.

Fussball und Kultur

Christian Zellweger am Freitag den 6. Februar 2015

Fussballer sollen ja vor allem Fussball spielen können und das braucht viel Übung. Wie überall im Sport werden die Stars auch hier früh geformt. Neben Training, Regenration und Videospielen bleibt da selten viel Platz für Anderes, weder für Geschmack und Hobbies. Und doch sind nicht alle Fussballer so lausige Sänger, wie die Ex-YB-Nachwuchshoffnung Michi Frey.

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Als löbliche Ausnahme geriert sich zum Beispiel YB-Stürmer Guillaume Hoarau. Ein Müsterli gabs ja kürzlich schon, als er sich die Gitarre griff, um Bob Marley zu huldigen. Ob Singen oder Schlagzeugspielen, Hoarau macht immer eine gute Figur, wie sein Instagram-Account beweist. Zumindest wenn’s um Marley geht.

One love in tuff gong studio! Bless

Ein von hoarauguillaume (@hoarauguillaume) gepostetes Video am

Love is my religion! Good time with friends #music#reggae#ziggy#marley#love#friends#lastdays#reunionisland#974#monband

Ein von hoarauguillaume (@hoarauguillaume) gepostetes Video am

Oh, und: Er ist natürlich auch eine Inspiration für seine singfreudigen Supporter:

Affen: ohne Chef!

Miko Hucko am Freitag den 23. Januar 2015

Der Bonobo (Bon ohne Boss), die Alternativwährung für Bern, wurde also gestern Abend im Holzlabor ganz unten hinten in der Lorraine lanciert. Rauschende Feste sind anders – aber ein rauschendes Fest wäre hier wahrscheinlich gar nicht angebracht gewesen.

Mit Feuer draussen, Musik (exzellent, aber ein bisschen untergegangen: Heidi Moll am Bass), etwas Poetry-Slam und einer, nein zwei Tischbomben voller Minibonobos wurde der Abend abgerundet. Den Redner_innen war die Nervosität um die Geburt ihrer Währung sichtlich anzumerken. Dabei kann sich der Bonobo durchaus sehen lassen:

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Ich gebe zu, auf meinem Handy sah das Bild schärfer aus. Item. Die Schärfe des Designs jedenfalls liegt in seiner Nähe zum Schweizer Franken: Hochformat! Und endlich wieder rote Zehnernötli und – Achtung – ein blauer 25er. Schick! und ja, die Bonobos sind fälschungssicher, sie leuchten im Schwarzlicht (unsere neue Partywährung?) und haben, wenn gültig, alle so ein Glizerkleberli drauf.

Jetzt, die grosse Frage: Was bringt uns der Bonobo? Geld ist Geld ist Geld. Aber den Haken, den tollen, über den wurde nie geredet, sondern der verbirgt sich irgendwo ganz unten bei den FAQ der Website:

Der Verein sitzt auf den ganzen Schweizer Franken, welche in Form von Bonobo im Umlauf sind. Was geschieht damit?

Wir entziehen das Geld dem wachstumsfördernden Kreislauf und werden teilnehmenden Betrieben zinslose Darlehen gewähren können. Im ersten Jahr (Probejahr) wird allerdings auf Darlehen verzichtet, um eine genügende Liquidität zu garantieren.

Yes! Also doch Kapitalvernichtung. Darum: fleissig CHF in Bonobos wechseln (1:1 der Kurs), damit wir über das Probejahr hinweg kommen.

Bonobos: 5 davon gibt’s zum Tour de Lorraine Ticket am Samstag dazu. Sonst können sie ab da im Q-Laden gewechselt werden.

Nicht zu spät für wenig Tabus

Christian Zellweger am Freitag den 16. Januar 2015

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Unsere Sonderkorrespondentin Alexandra Graber war an der Pressekonferenz der Too Late Show heute in der Turnhalle. (O-Ton: Warum machen wir eine Pressekonferenz? Weil’s Spass macht!)

Medienkonferenzen sind selten lustig – oder aus lustigem Anlass. Aber die heute wars.
Die Crème de la Crème der Berner Satireszene fand sich, anlässlich der «Too Late Show» in der Turnhalle ein. Und da sassen sie am Rednerpult, mit Bärner Müntschi: Matto Kämpf, King Pepe, Raphael Urweider, Dominik Gysin (mit Tabakpfeife) und Tevfik Kuyas (der «aus Gründen ethnischer Diversität» dabei war).

Und die Handvoll anwesender Journalisten, abgesehen von denen, die Schauspieler (Dennis Schwabenland zum Beispiel) waren, genoss die Freitagmorgen-untypische Konferenz-Show. Nachlässigkeit zeigten die Veranstalter bei der Frauenquote. Denn Akteurin Gisela Feuz (a.k.a. «unsere Frau Feuz», d. Red.) weilt in Patagonien und die einzig Frau auf der Bühne war in einem Pudel-Kostüm versteckt.

Auf Fragen von Gentrifizierung, Nacktschnecken bis Dschungelprüfungen antwortete die Truppe unverfroren und schlagfertig. Einig war sie sich vor allem bei einer Sache: Leute die sich heute noch satirisch äussern haben Mitleid verdient. Je suis autor satirique also. Freuen wir uns auf viel Unerwartetes und wenig Tabus (tout est pardonné) bei der Too Late Show.

Merci für den Bericht, Frau Graber!

TooLateShow, 30. Januar mit Reverent Beat-Man, Turnhalle (ausverkauft), weitere Shows 20. Februar mit Bubi Rufener, 27. März mit Adolf Ogi, 24. April mit Pablo Nouvelle

Jahresrückblick: Bier und Orte, wo niemand war

Christian Zellweger am Mittwoch den 31. Dezember 2014

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Wir wollen Bier, nicht Cüpli. Wir wollen Rock, nicht Zwölftonmusik. So ist Mehrheit. Und Ihr schreibt Jahresrückblicke über Veranstaltungen, an denen niemand war

Na dann, los:

Ja, was war das eigentlich für ein Jahr? Eher eines der ungeplanten Höhepunkte, scheint es mir.

2014 war, man hat es schon fast wieder ein wenig vergessen, das Jahr von Jeans for Jesus. Das Konzert im Dachstock war musikalisch etwas zwiespältig, dafür war im restlos ausverkauften Dachstock eine aufgekratzte Aufbruchsstimmung zu spüren, wie nur selten, wenn eine Berner Band aufspielt. Etwas weniger Leute hatte es dann am Konzert derselben Gruppe im August in der Dampfzentrale. Dafür bewiesen die Jeans, dass sie nur ein bisschen in Fahrt kommen mussten, um eine richtig gute Live-Band zu werden.
Etwas später nur kamen dann schon die alten Herren der Goldenen Zitronen in den Dachstock. Darüber gab es nur wenige, aber begeisterte Worte zu verlieren. Das beste Konzert 2014 in der Stadt? Vielleicht, ja. Und dann war schon Kilbi im Bad Bonn. Dort machten Jeff Magnum und seine Neutral Milk Hotel die bange Frage, was alte Helden noch so können, glatt vergessen. Und einen ersten Vorgeschmack auf den Sommer gabs an der Kibli auch, im Gegensatz zu den winterlichen Ausgaben in den Vorjahren.
Nach so viel Bier und Musik der Ort, wo niemand war: Der alte Bundesratsbunker, irgendwo in Bolligen. Séverine Urwyler und Lukas Sander hatten im September die riesige Kaverne in eine bedrohliche und sehr eindrückliche Kulisse ihres Biennale-Projektes “Unterland” verwandelt. Mit Stirnlampe und Schutzanzug stolperte man durch die geräuscherfüllte Dunkelheit, verwischt von Nebel und Staub gemahnten rätselhafte Objekte an eine vergangene Katastrophe – eine beeindruckende Erfahrung an einem eindrücklich verwunschenen Ort.
Zur vollständigen Highlights-Liste gehört auch der Besuch von Noah Lennox alias Panda Bear im Bad Bonn im Juli. Wohltuende Musik um der Musik willen, so kurz nach dem Gurtenfestival.

Und das letzte Highlight? Natürlich MC Bösi Ouge endlich im Radio – ins Programm geschmuggelt von King Pepe.

Nachtrag: Doof isch ändlos

Christian Zellweger am Freitag den 26. Dezember 2014

Ziit isch ändlos, Fäschttäg ehner nid. Bevor die Festtage und damit das alte Jahr auch schon wieder vorbei sind, haben wir noch einen kleinen Nachtrag.

Wir hoffen, Ihre Stimmung am zweiten Weihnachtstag treibt sie nicht zu solchen Aktivitäten, wie sie hier King Pepe und Le Rex im Video betreiben.

Der Film stammt schon vom Oktober, fand bis jetzt aber noch nicht den Weg in diese Spalten – darum hier. Viel Vergnügen.

Gewinnen: Saint Ghetto! (mit Dean Blunt, Laetitia Sadier, Ben Frost)

Christian Zellweger am Dienstag den 28. Oktober 2014

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Es ist auch in diesem Jahr wieder ein hübsches Programm, dass die Dampfzentrale für das Saint Ghetto zusammengestellt hat. Musiziert wird 2014 vom 20. bis zum 22. November.

Wir zitieren:

«Saint Ghetto ist seit sieben Jahren das legendäre Musik-Festival der Dampfzentrale Bern. Irgendwo zwischen Pop, Rock und Avantgarde treffen sich Pioniere, Kultfiguren und Neuentdeckungen zum musikalischen Stelldichein. Ein heiliges Versprechen.»

Zu viel versprochen ist das alles nicht. Da ist die wunderbare Laetitia Sadier, der sehr laute Ben Frost, der böse Tom Gabriel Fischer (Celtic Frost) mit Triptykon, der Geräusch-Forscher Joke Lanz mit Sudden Infant oder der verworren-verwirrende Dean Blunt mit den süssen Melodien. Mit dem Auftritt komplettiert er sozusagen den Besuch seiner Ex-Mitmusikerin Inga Copeland vom letzten Frühling. Mit ihr zusammen war er einst Hype Williams. Auch Wildbirds & Peacedrums waren vor einiger Zeit schon mal in der Dampfzentrale anzutreffen, unterstützt von einem barfüssigen, weissgewandeten Chor. Eindrücklich war das damals. Dann ist da auch noch die luftig-schwere Anika, die auf der Bühne immer leicht neben sich steht, aber dennoch sehr schön anzuhören ist.

Die Details des Programms finden Sie auf der Website der Dampfzentrale. Aber was das Beste an der Chose ist: Wir verlosen 20 Eintritte! Folgen Sie diesem Link und wählen Sie den Abend. Viel Glück.


UPDATE: Die Verlosung ist geschlossen. Die Gewinner werden benachrichtigt.

Berner Beef: Baze schreibt ab!

Christian Zellweger am Montag den 1. September 2014

Seit kurzem ist das Video zu Baze’ neuer Single online: I Bi heisst das Werk und soll angeblich eine Hommage an Peter Toshs I am that I am sein. Musikalisch mag das durchaus zutreffen. Doch die Titelzeile – das ist für den profunden Kenner der Berner Rapszene mehr als offensichtlich – ist geklaut. Aber schauen Sie selbst, im KSB-Videobeweis.

Hier Baze:

Und zum Direktvergleich der Track Drum bin I win I bi des Berner Erfolgsrappers MC Bösi Ouge von Ende 2011:

Wenn das kein Grund für MC Bösi Ouge ist, endlich mit einem Diss-Track nachzulegen!

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Und wer hat’s als erster gemerkt? Natürlich der Ex-Chef.

Kultur-Skandal: Leiter der Kulturhäuser wissen nicht, wie man programmiert!

ksbnews am Mittwoch den 27. August 2014

(ksbn) Es ist ein bisher unbekannter Skandal von unerhörtem Ausmass: Führende Figuren in der Berner Kulturszene verschweigen seit Jahren ein eklatantes Loch in ihrem Bildungskatalog.

Gut informierte Kreise berichten: Die Personen an den Spitzen der kulturellen Flaggschiffe der Stadt wissen nicht, wie man ein Programm schreibt, heisst es aus der Dampfzentrale und von KonzertTheaterBern.

Doch diese Begebenheit macht auch vor kleineren Häusern nicht halt. Sowohl die Leitung des Tojo-Theaters als auch des Schlachthauses hätten bisher wohl noch nie eine Zeile programmiert, so die Aussagen von Insidern.

Etwas besser scheint es beispielsweise beim Literaturfest zu stehen: Mitglieder sollen jeweils damit angeben, den Videorecorder für die Übertragung des Bachmannpreises programmiert zu haben, sagen Kenner. «Aber seit wir wissen, wie es in der Szene steht, sind wir aber auch nicht mehr sicher, ob das nicht jeweils die Praktikanten übernommen haben.»

Die Konsequenzen dieser Enthüllungen für den Berner Kulturbetrieb sind noch nicht absehbar. Ob überhaupt etwas passiert, ist fraglich. «Hier zu reagieren, ist nicht meine Aufgabe. Es müsste zuerst ein Programm von den Künstlern kommen», liess Kultursekretärin Veronica Schaller verlauten.