Archiv für die Kategorie ‘Kopf & Kragen’

This Is Hardcore…

Christian Zellweger am Donnerstag den 14. August 2014

…heisst ein Song der britischen Gruppe Pulp vom gleichnamigen Album aus dem Jahre 1998. Der Titel ist ziemlich sprechend, es geht um, naja, Verlangen. Für einen Karaoke-Wettbewerb in New York hat sich nun ein vorpubertärer, blondgelockter Bub dieses Liedes angenommen. «It seems I saw you in some Teenage Wet Dream» heisst es einmal – dabei ist der Junge mit seinen neun Jahren per Definition noch nicht mal im richtigen Alter dazu. Aber sehen Sie selbst, was der daraus macht:

Und was meint Jarvis Cocker selbst? «That was one of the most incredible things I’ve ever witnessed.», sagt er als Jury-Mitglied. Um dann doch sehr zurecht hinzuzufügen: «I was kind of disturbed by it…».

Singen Gläubige besser? Hallelujah!

Christian Zellweger am Montag den 14. April 2014

Aus der Reihe «Gläubige singen besser»: Nach der Nonne nun der Pater. Auch spannend: Die Diskussionen auf www.gloria.tv inwiefern denn eine solche Einlage die Regeln der Liturgie verletzte.

Die Gschicht isch besser

Resli Burri am Mittwoch den 2. April 2014

Neues aus der Ostschweiz gibts ab Freitag in jedem Quartier im Plattenladen. Stahlberger lassen ihr neues Werk vom Stapel. Das hübsch zuckende Video des Titelsongs stammt vom St Galler Künstler Beni Bischof.

Der Berner Auftritt folgt am 20. April im Dachstock.

Winners

Christian Zellweger am Sonntag den 16. März 2014

Wir schalten für einen Service-publique-Beitrag kurz ins Bierhübeli, wo die Spuren der Nacht sicher schon wieder weg sind. Eine illustre Jury und das Publikum beschlossen gestern, wer denn noch auf der Waldbühne am Gurtenfestival spielen darf. Es sind dies:

Und jetzt ab an den Zmorge-Tisch.

In Ruhe rumstehen

Miko Hucko am Samstag den 6. Juli 2013

Ein Sommerfest sollte es werden, und der Sommer oder so was ähnliches war da, das Volk auch. Und es war Festwillig, lauschte den Bands, die draussen für nette Hintergrundmusik sorgten – all das wunderbar, der Beginn eines wunderbaren Abends. Aber es blieb beim Beginn: Bald nach Zehn war Schluss mit Musik draussen, es gab noch weiter Bier und Drinks und festwillige Menschen. Die angekündigten DJs spielten im Parterre drinnen, und natürlich kam nur ein Bruchteil der Besuchenden in Genuss der Musik.

Ich dümpelte also ein bisschen planlos und sprachlos herum – ein Sommerfest und die Party findet drinnen statt? Die Nacht war lau, die Menschen gut gelaunt, weiter nichts. Oder eben doch (und ich möchte hier explizit nicht den Betreiber_innen des Parterre einen Vorwurf machen): Sollten wir nicht schon dankbar sein, dass wir überhaupt um diese Uhrzeit in grossen Gruppen draussen stehen dürfen? Irgendwie schon, wenn es nach der Berner Polizei geht. Diese erklärte die Anwesenden kurzerhand zu einer Gefährdung ihrer selbst und der Mitwelt und zäunte sie ein.

Damit auch auf der Strasse alles seine Ordnung hat und die wilde Herde weiss, wo sie hingehört.

Nach Belgien mit Hügo

Resli Burri am Samstag den 6. Juli 2013

Sie sind wild entschlossen und freuen sich wie Kinder, dass es nun endlich los geht mit Hügo, dem roten Hürlimann-Traktor und dem frisch gesprayten, noch nach Farbe riechenden Anhänger. Die kühne Darstellerinnen-Truppe um die Bernerin Zora Vipera macht sich auf den Weg nach Belgien und über Berlin zurück nach Bern.
Foto Nina Haas30 Std/Km wird die Höchstgeschwindigkeit der Reise sein, und in der Langsamkeit, von Tag zu Tag, von Dorf zu Dorf, wollen die Frauen ihre Performance entstehen lassen und entwickeln. Das Publikum soll keinen Eintritt bezahlen müssen, sondern etwas in den Hut geben oder sich nach seinem Gutdünken mit Naturalien erkenntlich zeigen; etwas zu essen, ein Paar Liter Diesel für Hügo oder Wein für die Frauschaft. Unterwegs sollen andere KünstlerInnen mitfahren können um ebenfalls einen Beitrag zu leisten zum abendlichen Spektakel.
«Mit der Sonne erwachen wir, der Mond begleitet uns in der Nacht. Der Weg ist unser Stück.», steht im Beschrieb. Der Wettergott scheint ihnen für den Start wohl gesonnen (kommt von Sonne) zu sein.
An der Premiere heute in Bern wird eher improvisiert als etwas Geprobtes gezeigt. Bis anhin haben die Darstellerinnen und ihre HelferInnen über Monate Kostüme selber entwickelt und geklöppelt, Masken und Requisiten gebaut und in chaotischer Chronologie die Technik und den Fahrzeugpark zusammengebaut.

Man darf gespannt sein, wie sich das Spektakel aus Bewegung, Variété, Burlesque und Feuerzauber bis Ende Sommer entwickelt.

Heute Samstag um 22 Uhr im Pärkli neben dem Amtshaus vor dem Kapitel und danach in den Dörfern des Juras, des Elsasses, der Vogesen usw, usf.

Immer nicht ganz gut genug

Christian Zellweger am Samstag den 22. Juni 2013

Mit 60 Jahren ist David Thomas kein Jüngling mehr. Und wie er so in Altherrenhosen und Hosenträgern eingefallen auf seinem Stuhl sitzt und mit verschränkten Armen ins Publikum blinzelt, wirkt der Pere-Ubu-Frontmann mindestens nochmals zehn Jahre älter.

Pere Ubu

Thomas scheint das Alter zu geniessen und nimmt sich die Freiheiten, die man sich nach einem gelebten Leben nehmen darf: Er trinkt eine Flasche Wein ganz alleine, während die anderen beim Wasser bleiben, er scheucht seine Bandmitglieder auf der Bühne rum, grantelt über den für seinen Geschmack viel zu cleanen Klang der Tonanlage. Schon eine Zigarette später gibt er aber wieder gutgelaunt Ankedoten zum Besten, über entblösste Geschlechtsteile und die Tour mit Kool and the Gang. Und wie er so ins Erzählen kommt, wirkt er ein wenig wie Tom Waits ohne Hobo-Attitüde.

Musikalisch ist es vor allem die Rhythmus-Sektion, die den Abend zusammenhält. Thomas’ Begleiter scheinen sich längst an ihren launischen Chef gewöhnt zu haben und lassen sich auch durch überraschende Anpassungen der Set-List nicht aus dem Konzept bringen.

Der Alterschnitt im Publikum lag wohl nur wenig unter den 60 Jahren des Hauptakteurs. Die Zuschauer scheinen gemeinsam mit ihrem Helden gealtert zu sein. Und sie werden immer wiederkommen um die kauzigen Songs zwischen Kunst-Rock, Punk und, ja, irgendwo auch Pop, zu hören. Auch dann, wenn Thomas dann tatsächlich 70 ist und wohl wirken wird wie 80. Denn, wie er selbst sagt: «I’m never just quite good enough – and you love that.»

Kapitalismus, Kolleg!

Christian Zellweger am Mittwoch den 29. Mai 2013

Wie viele Leute mögen so reagiert haben, als ihnen jemand sagte, dass sie am Tanz dich frei eigentlich gegen den Kapitalismus demonstrierten?
(Bild von: whenyouliveinbern.tumblr.com

Es gibt da einen jungen Mann, der dürfte wohl auch den Mäuseblick aufgesetzt haben, als er erfuhr, dass seine vermeintlichen Gefährten mit schwarzen Pullovern und vermummten Gesichtern nicht nur die Deutungshoheit über das Tanzen beanspruchen, sondern auch über die Krawallmachereien: Alles antikapitalistische Taten, gegen das «Gewaltmonopol des Unterdrückerstaates» und gegen die «demokratische Herrschaft». Sein in diesem Kontext doch eher unpassendes Outfit machte den Herrn übers Wochenende kurzzeitig zum Facebook-Star:

Nach diesem kurzen Einblick in die Reaktionen des Internets auf die ungewöhnlichen Begebenheiten vom letzten Wochenende sind Sie hoffentlich eingestimmt auf das eigentliche Anliegen dieses Beitrages: Wir wollen Ihnen nämlich wieder einmal ein Produkt heimischen Musikschaffens näherbringen.

In dieser Folge: Die Gruppe Jeans for Jesus. In «Kapitalismus, Kolleg» beschäftigen sich die Damen und Herren mit dem Balanceakt der Widersprüchlichkeiten, den so ein Leben im Kapitalimus nun mal bedeutet. Zum Beispiel so: «Nachdem i We Feed The World ha gseh/hani zwöi Wuche schlächt gässe». Aber hören sie selbst:

Mit dabei unter anderem Marcel Kägi, der auch schon für Kutti MC und Open Season produziert hat, sowie der Rapper MIK (der beim obigen Song aber lediglich als Texter beteiligt war). Ein Album soll später im Jahr erscheinen. Das erste Lied daraus sei aber ein Ausreisser, eigentlich seien sie eher eine «Pop-Band». Auch wenn es in den folgenden Liedern weniger Falco geben sollte: Wir sind gespannt und wollen mehr.

Wehmut in der Kilbi-Zeltstadt

Christian Zellweger am Samstag den 25. Mai 2013

Auch dieses Jahr hat man sich mit dem Haushalt aus dem Rucksack in die Düdinger Zeltstadt eingefügt – die Tradition will es so. Das grüne Dach über dem Kopf war aber von vornherein lediglich als trockenes Gepäck- und Bierdepot konzipiert gewesen. Die Wetterprognosen liessen keinen falschen Optimismus aufkommen.

Aufgestellt bei Regen bis Hagel, war das Abbauen in den bis dato wärmsten Kilbistunden um vieles angenehmer.

Auch wenn in den letzten zwei Nächten einen die Gedanken an die Freiluftübernachtung gar zu Hause unter der Decke leicht erschauern liessen, kommt beim Anblick des eingepackten Zeltes doch ein bisschen Wehmut auf. Aber der Kilbi-Wettergott wird dafür sorgen, dass nächstes Jahr wieder Campingstimmung herrschen wird.

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Sonderling im Kilbi-Land

Christian Zellweger am Mittwoch den 22. Mai 2013

Die Gummistiefel sind poliert, die Daunenjacke liegt bereit. Dieses Jahr fällt der traditionelle Sommer-Auftakt an der Bad Bonn Kilbi wohl wirklich ins Wasser. Die Hoffnung, dass sich die Wettermänner und -frauen wie im letzten Jahr in ihren schlechten Prognosen für das Wochenende irren mögen, schwindet von Tag zu Tag. Die Wetteraussichten vermögen die Vorfreude natürlich nur unwesentlich zu schmälern, auch wenn die Erfrischung jeweils am Nachmittag im anscheinend bakterienkontaminierten Schiffenensee genauso zur Kilbi gehört, wie der Konzertreigen am Abend.

Obwohl Radio Fribourg in seiner Berichterstattung durchaus Platz findet für das wunderliche Zusammentreffen von Stadtkindern in engen Hosen und «unabsichtlich schlecht angezogenen Menschen» (O-Ton Kilbi-Macher Duex Fontana) vom Land, hält sich die ätherwellentauglichkeit des Gebotenen jeweils in mehr oder weniger engen Grenzen. Und doch gibt es unter allen Auftritten jeweils jene, die einen gemeinen Radiohörer am Zmorgen-Tisch mehr erstaunen würden als andere. Gerne erinnert man sich daran zurück, wie Sunn O))) das Kilbi-Gelände in den Grund eines Klangmeeres verwandelten oder wie einst Lee Ranaldo inbrünstig auf seine von der Decke hängende Gitarre einschlug.

Der sonderlichste unter den diesjährigen Sonderlingen ist wohl Jandek. Allzuviel weiss man nicht über den Mann. Genaugenommen nicht mal, ob Jandek nun den Musiker bezeichnet, oder ein musikalisches Projekt. Der Amerikaner, er soll in seinen 60ern sein, hat seit 1978 mehr als 60 Aufnahmen veröffentlicht. Interviews gibt es dennoch weniger als eine Handvoll, live spielt Jandek erst seit 2004. Das klingt dann so:

Angesichts der Geheimniskrämerei und der Seltenheit der Auftritte ist der Kilbi-Sonderling wohl auch der heimliche Kilbi-Star. Das bedeutet nicht automatisch, dass man auch ein ganzes Jandek-Konzert erträgt, man darf aber jedenfalls gespannt sein.

(Zumindest existiert ein Dokumentarfilm, der das Mysterium zu ergründen versucht. Selbstverständlich ohne Auftritt des eigentlichen Protagonisten.)