Archiv für die Kategorie ‘Kopf & Kragen’

Letzte Runde №1: Albert Einstein

Mirko Schwab am Freitag den 18. August 2017

Sind es die Tramadoltröpfchen oder ist eben gerade …
Grosse Persönlichkeiten der Kulturgeschichte gehen im «3 Eidgenossen» eins ziehen. Letzte Runde!
Heute mit Albert Einstein
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«Und deshalb ist es gut, dass du einmal stirbst» hat er ihm gesagt und ein selbstgerechtes Lächeln hinterhergereicht. Der andere, schon deutlich ältere der beiden Feisten, die sie da sassen und Stangen tranken und Stangen rauchten, sagte darauf nichts. Auch ich fand es recht frech. «Doch, lueg», setzte er nach, «du hast jetzt vielleicht noch deine Ressentiments gegenüber den Neuen, genauso, wie deine Eltern damals, als die Tschinggen raufgekommen sind.» Vom Gesprächsthema verdrossen bemühte ich mich um schnelles Rauchen. «Aber deine Eltern, die sind jetzt tot» raunte er schnörkellos «und den Ernesto, weisst, der von Bethlehem, den findest du ja auch einen Geraden.» Und genauso gehe es dann der nächsten Generation mit den Neuen. Und eben deshalb sei es gut, sagte er, «dass du einmal stirbst.» Also doch: Ein Satz von kühner Weisheit.

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This Is The Funniest Metallica Shred Ever Made. Period.

Mirko Schwab am Donnerstag den 27. Juli 2017

«About the absence of women and the presence of hair.» Die Berner Buckelkatze Roger F. grätscht gesellschaftskritisch ins Stadionkonzert.

Viermal brüderliches Reiben mit Mähne.

Was ist ein Shred? Mensch nehme einen Filmauschnitt eines auf allen ebenen übersättigten Grosskonzerts, eines Events; starring zu viel weisse Mannen mit phallischen Gitarren auf einer zu kolossalen Bühne, zuviel Lichtschau, zuviel mass hysteria – und unterlege den Ausschnitt mit einer Neuinterpretation des Originalsongs in extra verschissen. Ein Attentat auf die hegemoniale Zurschaustellung der eigenen Macht im Popkanon oder auch einfach ein schadenfreudiges Spässchen.

In meiner Fantasie allerdings stecken dahinter Frauen aus aller Welt, die den licks-wichsenden Bühnenchauvis einen reinbremsen. Nicht die generationell-zyklische Lust am Vatermord also, sondern eine feministische Briefbombe wird hier in die youtube trends geschmuggelt. Und auch wenn die meisten der abertausend auffindbaren Shreds inna Interwebs wohl ein sauglatter Einfall gelangweilter weisser Kifferjungs sind, bietet dieses Digitalgenre doch einiges an politischer Projektionsfläche.

Roger F. – White Men With Guitars (Schnitt: Roger F. und Giorgia P.)

 

Wohl auch für Roger Fähndrich also known as Roger F., der gerade seinen Protestsong «White Men With Guitars» im Shredgewand ins lokale Internet abgelassen hat. Nicht einfach als Videoclip, wie er betont haben möchte, und auch mitnichten nur als weitere Metallica-Verballhornung. Nein, hier sind wir erst an der Oberfläche dessen, was Fähndrich mal wieder an subversiver Buckelkatzen-Action bereithält.

Der Text erzählt uns von der Vormachtstellung des weissen, männlichen Gitarrenhelden und seiner Inszenierung als Rebell und Prophet einer besseren Gesellschaft, besserer Werte, die nichts weiter mehr sein kann als ein billig tapezierter Marketinggag und letztlich der Selbsterhaltung ebenjener dicktatur zu dienen hat. Und also sind wir angehalten, nie!, nie mehr zu verfallen diesen white men with guitars als Marionetten von Marionetten. Besser mal das eigene Büchlein plündern und sich rausnehmen aus der ganzen Scheisse. Empfiehlt uns Roger F., weisser Mann mit Klampfe. Ein Widespruch, der keiner Auflösung bedarf und dem Protestsong verleiht, was ihm traditionell fehlt, eben auch den brusthaarigen Gitarrenhelden und ihren Verkündungen fehlt: Ironie.

Weil hier nach Aussage des Interpreten nichts verkauft werden will, kein Promo-Porno abgezogen wird, verzichten wir auf die – an dieser Stelle übliche – Verlinkerei zum Werk. Stellvertretend sei dafür auf meinen Lieblingsshred verwiesen. Und auf der Krstics Lieblingsshred.

(Appendix: Die grössten Freuden bereiten solche Filmchen übrigens dann, wenn die originale Irritation der Band, wahrscheinlich über einen Monitormix, der geringfügig anders geraten als auf den vorangegangenen 157 Konzerten der Welttournee, wenn dieser kurze Moment der Unsicherheit also mit einer besonders miesen Stelle im Shredtrack zusammenfällt. Love that.)

Bis zum letzten Lied

Mirko Schwab am Samstag den 15. Juli 2017

Wenn du dann am Boden bist. Ein Abend am Gugus Gurten verendet existenziell.

Masturbieren im Tram. Vorlage: Wie scheisse das konsumfreudige Festvolk wieder einmal ausschaut. Wie ich es so gar nicht beneide um die vier Tage auf dem Plastikberg; Müll ist, was ihr fresst und Müll ist, was ihr hinterlassen werdet. Dazwischen living la vida locker im Billigrum-Dom, geilon gröhlen gröhlen, bis ihr euer letztes Lied in eine Pissrinne hineinsingt. Zielgruppe ist alles, was ihr da oben noch seid, denk ich mir und finde den Gedanken so schmissig, dass es mir die Lippen kräuselt. Alles, was ich will ist: nichts mit euch zu tun haben.

Und so gebe ich mich schamlos meinem gigantischen Dünkel hin und spucke die paar vergifteten Zeilen auf euch herab. Die eigene Komfortzone fährt indes mit, schliesslich habe ich einen guten Grund, mich mit dem Strohhutpöbel an den Fuss des Hausbergs spülen zu lassen. Es ist wieder Gugus Gurten. Und es ist Gegengift gegen die Misere da oben, deren ganzes Ausmass sich an der Anekdote vom Auftritt eines umjubelten amerikanischen Hitparadenrappers verdichtet, der es eine gute Idee fand, nach ein paar konsenspolitischen Fausthoch-Liedern ein Stück über 1 Turnschuh einzustreuen mitsamt auf Grossleinwand eingeblendetem Markenlogo. 2k17 scheint daran niemand innerlich zu zerbersten. Aber von der LED-Leuchtfratze des füdliblutten Kapitalismus zurück zur parallel anwesenden Komfortzone im Nünitram: the good people, rasch erkannt an den Oberflächlichkeiten, Birkenstock-Hippie-Chic ohne Bändeli – lass uns doch bei einzwei Ingwerern über Toleranz, Inklusion und das Miteinander diskutieren …

Dreivier. Die Gruppe Melker wird gleich den Robin H als Hedo-Hero besingen, ich bleibe derweil fürs Erste bei der Einstiegsdroge Alkohol, bis dass das Herz mir milder wird. Diese Geschichte hat hier nämlich, ich muss darauf hinweisen, weil mir die Schreibe ob all der Bitterkeit zu entgleiten droht, einen reinen Moment für einen wahren Helden. Er heisst Thomas, kümmert sich um die Anmoderation der Auftretenden und ist der geilste Siech auf dem Platz, den man ihm an zu manchen Orten gar nicht einräumen würde wegen seiner eigenartigen Art zu sprechen. Und damit geradezu blind ein Höchstmass an Hingabe und Humor übersähe. Fünfsechs.

Durch die Szenerie stolpern. Die Glitzerboys und -girls aus Mittelhäusern haben eine anmutige, mit Teppichen ausgelegte Kuschelecke gebaut. Ich streife die Schuhe ab. Grüsse, Küsse, hier kann ich mich streicheln lassen. Sieben. Woher kenne ich dich? Acht. Ach. Ich kann jetzt nicht reden, ich muss jetzt hier weg, Sturm. Drang zur Toilettte. Keramik ansingen. Von hoch oben aufm Hügel höre ich den Faber ächzen: «Wenn du dann am Boden bist, weisst du, wo du hingehörst.» Er irrt. Das noch auf der Tramfahrt betonierte Selbstverständnis, aufgegeilt am Ekel vor den Festivalisten, ist ein Klotz an meinen Füssen noch, als müsste ich in meinem eigenen heimeligen Sozialbiotop ersaufen. Aus mir bricht ein retourniertes Gemisch aus Biobier und Lokallikör. Von eurer Kotze unterscheidet es sich nicht.

Die Wahrheit findet sich in den Brüchen.

Was uns bleibt o. how cares

Mirko Schwab am Mittwoch den 31. Mai 2017

Sonnenbrand ist Seelenbrand. Stille ist Lärm. Und am Rand noch ein Konzert.

Fuck me up, it’s okay. (Fotojob: Ilona Steiger x Eva Wolf.)

Von der Pigmentpanne neulich im Weyerli hat Ihnen ja die Feuz bereits berichtet. Allein, dem ersten Sonnenbrand im Jahr wohnt doch ein ritueller Charakter inne. Als hiesse man den Sommer mit nackten Armen willkommen und stöhnte: «Fuck me up, it’s okay.» Mütter fürchten den Sonnenbrand. Sie fürchten ihn mehr als den Jugendrichter oder diesen ominösen Typen, mit dem man nie! nie! nie! mitgehen solle, auch wenn er einem Schokolade anbietet. Sie fürchten ihn mehr als den Tod, den krebsenden Tod, mit dem sie vor dem Sonnenbrand warnen. Und so ist also aus der ganzen gutgemeinten Mutterhysterie heraus, die einen den Nachmittag im schattigen Verliess zubringen liess, während alle draussen einen Geilen haben durften mit stolzer roter Birne, so ist also daraus seit frühester Kindheit eines klar: Sonnenbrand und Rebellion, das gehört irgendwie zusammen.

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Der innere Kilometerzähler

Mirko Schwab am Samstag den 11. Februar 2017

Die beste Popband der Schweiz ist zurück.

Lauener in Bethlehem: «Schatteboxe».

Regelmässige Leser dieses Blogs wissen: Der Schwab ist ihr treu. Im staubigen CD-Player, den man Ghettoblaster nannte, damals am Ende der Neunziger und auf dem Parkettboden des Vorstadtblocks, der nichts mit Ghetto zu tun hatte, da drehte «Super8» ihre Runden. Auf Replay. Das hörte nie mehr auf und wurde bedingungslos. Schwab zog weiter. Mochte das Laute und Düstere, Exotische und Befremdende mehr und mehr zum Zentrum werden seiner Popfantasie, Kuno und die Boys, sie blieben.

Jetzt also, fünf Jahre sind verstrichen seit der bildhübschen «Göteborg» (Züri West ist immer auch der innere Kilometerzähler, «e Chare wo louft u louft u …»): Zwei neue Songs. Gute Songs. Aber wissen Sie was: Sollen andere rezensieren, der Ane zum Beispiel. Schwab hat sich schon per Einleitung sentimental disqualifiziert dafür. Und ist KulturStattBern aka certified underground culture blog continuum der richtige Ort fürs Heldentum, für die Dinge, auf die sich zu Recht alle einig sind? Nein, die Freaks graben weiter in der Nische, für die Dinge, die sonst vergessen gehen könnten. Aber an diesem beschwingten Samstagnachmittag und kurz vor Frühling: Ein inniger Gruss vom Schwab aus dem Nischenblog. An Kuno und die Boys – und als Verneigung vor der besten Popband der Schweiz.

Die neue Scherbe «Love» kommt auf Frühling, 24.03.17. Tourdaten hier.

Die ganze verdammte Welt

Milena Krstic am Donnerstag den 29. September 2016

Unter dem Motto «Neues und Ungehörtes» trat gestern Abend der Akkordeonist Mario Batkovic im Kubus auf. Endo Anaconda kam dann auch noch.

Pünktchen und Anton, Batkovic und Anaconda – im Kubus.

Pünktchen und Anton, Batkovic und Anaconda im Kubus.

Es gab da dieses Portrait im «Bund» damals, in dem Mario Batkovic dem Journalisten erzählt, wie er früher an Apéro-Anlässen gespielt habe und sich mit der Rückenansicht der Anwesenden habe begnügen müssen. Wer findet denn noch die Zeit, sich während dem Cüpli–Stürzen und Blätterteigröhrli-Knabbern um das Hintergrundgedudel zu kümmern? Eben.

Aber der Batkovic, der hat sein Schicksal in die Hand genommen und kurzum sowohl sein Musikerdasein wie auch sein Hauptinstrument, das Akkordeon, revolutioniert. «Das Handörgeli gehört auf eine grosse Bühne», sagte er. Und tat es.

Der Kubus des Konzert Theater Bern jedenfalls war gestern Abend praktisch ausverkauft. In dieser Handorgel, die Batkovic umarmte, steckt tribalistischer Techno, da drin steckt himmelschreiender Gospel, heulender Blues und trunkener Folk. Also eigentlich steckt in diesem raupenartigen Wunderkasten die ganze verdammte Welt. Und vielleicht steckt diese ganze Welt ja in jedem Instrument dieser Erde? Es braucht aber immer jemanden, der obsessiv genug ist, diese da herauszumeisseln, Kitzeln allein wird da nicht genügen. Mario Batkovic hat seine Arbeit getan. Mit kindlichem Wunder im Gesicht präsentierte er sein Instrument: schaut, wie das röhrt und gurrt und knattert, schien er zu denken und spielte doch einfach nur.

Am Ende bat Batkovic das Publikum darum, mit ihm ein Selfie machen zu dürfen, «sonst glaubt mir das ja keiner.» Natürlich dürfen Sie, Mario. Sie dürfen alles.

PS. Da hab ich vor lauter Lobesgesängen fast den Endo vergessen, der sich zu Batkovics Publikums-Premiere am Piano (!) hat begleiten und zu einer, Zitat, «Spoken Word»-Einlage hinreissen lassen.

Und: Mario Batkovic war letzte Woche bei unserer Frau Feuz in der Sendung KultuRadar.

Fontänen und Pissoirs

Miko Hucko am Donnerstag den 11. Februar 2016

Dada-Jubiläum wird ja kräftig gefeiert dieses Jahr, weil, hey, weltbedeutende Kunst, die auch ein bisschen aus der Schweiz stammt gibt’s ja nicht alle Tage. Alle Tage passiert es hingegen, dass Kunstwerke falsch zugeschrieben werden oder sofort einen höheren Wert und andere Einschätzung erhalten, wenn der Künstler (sic) sich zu erkennen gibt: als Mann, als Europäer, undsoweitersiekönnenessichdenken.

So ist es nicht weiter erstaunlich, dass ein Urwerk des Dada, Marcel Duchamps Pissoir, wahrscheinlich eher von einer Frau stammt. Auf einmal hat das vermeintlich Dadaistische dann doch eine Bedeutung, wenn eine Frau ein Pissoir als Readymade hinstellt und mit R. Mutt, einem männlichen Pseudonym, unterschreibt. Item.

Elsa von Freytag-Loringhoven heisst die Dame. Nur damit Sie sie nicht wieder vergessen in all der Feierei und dem Lobgehudele. Und für den Bernbezug: Haben Sie sich nicht auch schon immer gefragt, warum es eigentlich an der Zytglogge, Berns Wahrzeichen ein Pissoir hat? Könnte Dada sein. Oder Kritik am Tourismus und am Weltkulturerbe, dem sandsteingeschützten Denkmal, äh.

Das System hat ein Problem

Miko Hucko am Mittwoch den 27. Januar 2016

So der letzte Satz im Lead von Daniel Di Falcos Kommentar zur aktuellen Lage im KTB. Kurzzusammenfassung der Ereignisse: Die Leiterin der Schauspielssparte wird von einen Tag auf den anderen freigestellt, ohne die Spielzeit beenden zu können, ohne Kommentar.

Ja, das System hat wahrlich ein Problem. Remember the Flaggschiff-Principle, das von Seiten der Abteilung Kulturelles immer wieder als quasi alternativlos hingestellt wird? Grössere Häuser, so die Argumentation, macht bessere Kunst mit grösserer Ausstrahlung. Darum also fusionieren, wo es nur geht, hierarchisieren, durchstrukturieren. Aus der Kunst einen wahren Betrieb machen, Geschäftsleitungen und Intendant_innen in einer Person vereinen, Kuration statt selbstbestimmte Produktion.

Die Freistellung von Gräve ist für mich ein weiterer Beweis, dass solche Leuchttürme uns nirgendwo hinführen als in den Tod aller Kreativität. Ich war ja bekanntlich jetzt kein Fan des Programms, dass sie für diese Spielzeit aufgestellt hat. Aber Kunst, Theater, lebt doch gerade von der Reibung, die stattfinden kann, eine Reibung mit der Stadt, eine Reibung mit der Szene. Damit etwas Neues, Spannendes entstehen kann.

Was wir also brauchen, ist nicht nur eine neue Kulturstrategie, die Grosses verspricht in leeren Worthülsen, sondern ein radikales Umdenken darin, was Kunst in einer Stadt für eine Stadt und ihre Bevölkerung bedeuten kann und soll. Und das heisst, sich über die Notwendigkeit von elitären Leucht- und Elfenbeintürme jeglicher Art Gedanken machen. So richtig.

Vom Scheissen und Scheinen

Saskia Winkelmann am Donnerstag den 7. Januar 2016

An alle verkannten Genies, One-Woman-Bands, Stimmwunder und Schlafzimmermusiker: Scheisst Du noch oder scheinst Du schon?

Irgendwann tut sich für jedes Talent irgendwo ein Türchen auf. Die Frage ist nur, ob es  als solches erkannt und im richtigen Moment die Klinke gedrückt wird. Ist das Deine Tür?

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Fürs Shit&Schein können sich Newcomer bewerben. Es gibt keine Alters- oder Stilbeschränkungen. Die Jury entscheidet darüber, wer am 5. März 2016 in der Dampfzentrale sein Können unter Beweis stellen kann. Go!

Kurze Bewerbung mit musikalischer Kostprobe bis zum 25.Januar 2016 an shitundschein@dampfzentrale.ch oder Dampfzentrale Bern, Shit & Schein, Marzilistrasse 47, 3005 Bern.

Zukünfte: Dezember 2045

Miko Hucko am Dienstag den 8. Dezember 2015

Es ist der erste Stunk Skiok in der neuen Form. Und irgendwie war der vorige auch der letzte überhaupt. Nur der Name ist geblieben.

Über fast 50 Jahre hinweg war der Stunk Skiok alles andere als ein Kunstkiosk, kaufen liess sich nämlich redlich wenig. Vielmehr wurde der Frauenraum der Reitschule für einen ganzen Tag verwandelt in eine von Kunst und Künstlichen durchdrungene Welt, kollektiv von den Teilnehmenden Künstlerinnen* eingerichtet. Richtig – der Stunk Skiok war offen für alle Frauen* zum Mitmachen, und offen für alle Geschlechter zum Besuchen.

Ohne vorgängige Kuration und Hierarchien durchbrechend, wird die Ausstellung zum Begegnungsort, der Dialog und Austausch zwischen den Beteiligten ermöglicht.

Ein kunstvoller Begegnunsort, gemeinsam von Frauen* konzipiert, die sich am morgen erst getroffen hatten. Really nice.

Der Stunk Skiok findet jetzt zum ersten Mal seit 4 Jahren wieder statt. Nach der offiziellen Auflösung der binären Geschlechterrollen und der damit einhergehenden Einführung der Geschlechtervielfalt 2040 herrschte gerade in feministischen Kreisen erst mal eine gründliche Aufräumstimmung mit alten Formaten – neue mussten her, die der gesellschaftlichen Oberflächenstruktur gerecht wurden und doch radikal blieben auf ihre Weise. Schliesslich heisst ein Gesetz noch lange nicht, dass die Realität sich danach verbiegt. Konventionen, wie die Frauen in den 10er Jahren hart lernen mussten, sind einfach stärker. Item. Zurück zum Stunk Skiok:

Dieses Jahr also zum ersten Mal von Anfang offen für alle Geschlechter. Von Anfang an. Nennen Sie mich konservativ, aber ich bin gespannt, ob das gutkommt. Und doch hoffnungsvoll.

Falls Sie sich immer noch Fragen, obwohl wir uns im Jahr 2045 befinden: Das * hinter Mann* weist darauf hin, dass es sich um eine Person handelt, die wir durch Sozialisation bedingt als männlich lesen. That it’s all made up.