Archiv für die Kategorie ‘Klatsch & Spott’

Sonntagsschock in Rios Ross

Mirko Schwab am Donnerstag den 16. November 2017

Eigentlich wollte ich ja über Mario Hänni schreiben. Wie alles anders kam und ein Geheimnis. Aus der inexistenten Reihe «Das Bundesamt für Talent hat ungleich verteilt.»

Im Gegensatz zum Print können wir uns bei KSB leider keine hochaufgelösten Grafiken leisten: Mario Hänni aka Rio. (Quelle: Berner Kulturagenda. Zwinker-Emotikon.)

Eigentlich wollte ich ja über Mario Hänni schreiben, so nachhaltig geschockt war ich letzthin. Im Rössli am ersten Wintertag, ein revoltierender Magen und Kopfschmerzen from Hell zu beschwichtigen mit dem für einen kaputtgefeierten Cuerpo eben ganz okayen Rahmsaucen-Tanzpop von Pablo Nouvelle. Hänni bühnenlinks trommelte sich als König ohne Krone durch die ersten Lieder. Damit hatte ich gerechnet. Darum war ich auch gekommen und hab mich noch so gern verschnei-schiffen lassen.

Mit glänzend-gläsernen Augen musste ich dann aber beobachten, wie der Hänni langsam zum Konfektionsmikrofon mit Nierencharakteristik sich beugte, seine Lippen ansetzte, ein schelmisches Lächeln noch darauf – und zu singen begann. Klar und warm erfüllte seine Stimme die viel zu gute Luft im alten Ross, die ein sehr andächtig-anständiges Nichtraucherpublikum aus Psychologiestudentinnen und sportlichen Boys in weissen T-Hemden mit V-Ausschnitt verursacht hatte, in dieses Vakuum hinein stiess also diese Engelsstimme, dass man eine koitale Metapher jenseitiger Dimension erfinden möchte. Und doch besser bleiben lässt. Das Nouvell’sche Vokalsample-Geballer war in der Folge jedenfalls noch Randnotiz.

Eigentlich wollte ich also über diesen Mario Hänni schreiben, angewidert von all dem Talent. Zum Glück hat das die Krstic schon besorgt und auch die Rittmeyer, in treffenden Worten journalistischer Contenance haben sie die Schneise beschrieben, die er durch den hiesigen Jazz und Pop gezogen. Denn wir Kinder vom Bahnhof Blog, wir sollen ja nicht. Jaa nicht, wenn schon das Mutterschiff eben so seriös berichtet hat und jaaa nicht etwa, wenn sich sogar die Krstic from the Clique zu einem Seitensprung hat hinreissen lassen (- bei der Kulturagenda wird sie wohl wenigstens bezahlt, es ist ihr nicht zu verübeln.)

So kommts, dass mir dieser Engelshänni schon zum zweiten mal durch die schiefe Designerbrille entgegenblinzelt mit seinen stahlblauen Augen, dazu noch auf Druckpapier. Das Thema ist abgehandelt, genug gezwitschert im sandsteinernen Hauptstadtdorf.

Und eigentlich wollte ich doch über Mario Hänni schreiben.

Ohne Scheiss: 3x uneingeschränkte Hingehverordnung zur «Carte Blanche» in der Turnhalle am 22. November (als Rio), 13. Dezember und 21. Januar. Das überragende Trio Heinz Herbert dann im Februar wieder – aber das ist noch ein Geheimnis.

Zwölf Mal völlig daneben fokussiert

Urs Rihs am Samstag den 11. November 2017

Wie der Sommer zum Lorrainebad, passt auf unserem Pflaster der Olmo zu Streetwear. Im November feiert der Laden seinen Vierzigsten und zelebriert eine Erfolgsgeschichte. Für seinen Kalender verdient er aber Rüge, denn da passt höchstens eine Brille, aufs hornhautverkrümmte Auge des Fotografen – ein Gedankengang.

Ich geh dort einmal jährlich für eine frische Trainerhose – der Olmo ist aber im Bewusstsein mindestens dreier Generationen und hat sein Image als Laden, der neben dem Verkauf von Mode auch am kulturellen Treiben der eigene Stadt Interesse zeigt, gehegt und gepflegt. Nicht selten sieht man an Veranstaltungen das Banner mit den dicken weissumrandeten Lettern und weiss dabei, Olmo steht eben auch für Subkultur – und gut so.

Erstaunt darum umso mehr, dass sich der Laden seit zwei Jahren einen exklusiven Kalender gönnt, welcher so gar nichts mit untergründigem Avantgardismus zu tun hat und einzig ein Prädikat verdient: U N T E R I R D I S C H !
In einem Werbeartikel der 20 Minuten feierte man den zwischen heteroterroristischen und machochauvinistischen Motiven pendelnden Bilderbogen als kleinen Bruder des Pirelli Kalenders und vergass dabei – die kunsthandwerkliche giga Diskrepanz dabei mal aussen vorgelassen – dass gar dieser Klassiker der, wie soll man sagen, «Garagen-Schmuddel-Ästhetik» den Schritt hin zum Zeitgeist vollzogen hat.

OLMO, Quo Vadis? Das ist nicht Hipster Chic, sondern ganz einfach ein Misstritt.

Auch beim Reifenhersteller wurde nämlich die Schablone der jungen, perfekt modellierten Frau, als zudienende Verführerin, getauscht. Getauscht gegen einen Graufilter, welcher die Verschlusszeit zugunsten der Persönlichkeiten der Abgebildeten verlängert. 2016 von Annie Leibovitz mit ihren Porträts starker Frauen und Peter Lindbergh dieses Jahr, mit seinen Bildern von Hollywoodschauspielerinnen jeder Altersklasse, mehrheitlich angezogen. Ein Quantensprung für das selbsternannte «Kunstwerk erotischer Fotografie», dass lange genug Schaufenster jenes Herrschaftsdiskurses war, welcher beispielsweise Eskapaden weinsteinschen Ausmasses erst überhaupt ermöglicht.

Natürlichkeit und Persönlichkeit statt Künstlichkeit und Oberfläche, das ist mittlerweile «State of the Art» und sollte es auch langsam bei uns im Dorf sein. Speziell für Akteure, welche massgeblich den Mode- und somit natürlich auch Geschlechterdiskurs prägen, gerade auch junger Menschen.
OLMO, dein Kalender fungiert doch auch als Visitenkarte der geschäftseigenen Corporate Identity. Und da sagst du 2017 zu deinem Vierzigsten: «Wir sind hart festgefahren in den Geschlechterrollen, haben keinen Sinn für Ästhetik und sind postpubertär» – das ist Scheisse!
Zumal es auch im kleinen Bern emanzipierte, selbstsichere, wirklich gute Fotografie gäbe (Beispiele gefällig? 1, 2 – Anklopfen dort übrigens immer gratis).
Lieber OLMO, auf die nächsten 40 Jahre wünsch ich dir was, dass du in der Szene engagiert bleibst und dabei lernst den Schärfepunkt richtig einzustellen. Bei deinem letzten Kalender war das nämlich zwölf Mal völlig daneben fokussiert.

PS @ Boy K. Lagerfield – Ich weiss, du würdest auch Hungertote in Kauf nehmen, damit auf dem Laufsteg nicht die Normalität Einzug hält, sondern weiterhin Illusion und «Körperkunst». Aber du sagst auch: «Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.» Was soll man da noch entgegnen – still a long way to wisdom old man?

An der Sache vorbeigelärmt

Mirko Schwab am Freitag den 22. September 2017

Der Schweizer Musikpreis wird heute verliehen. Und natürlich darf geschossen werden. Trotzdem ist geboten, die Kirche im Dorf zu lassen. Leise Replik auf einen lärmigen Noisey-Text.

Eine der fünfzehn Nominierten für den Hauptpreis: Elina Duni, Sängerin zwischen Tradition und Avantgarde.

Wenn heute Abend in Basel die Hauptgewinnerin oder der Hauptgewinner des vierten Schweizer Musikpreises verkündet wird, sind die bitteren Zeilen längst verfasst. Kollege Riegel etwa bemängelt bei Noisey, dass nur Alte auf der Shortlist stünden, darüberhinaus noch solche aus unpopulären stilistischen Fächern. «Wieso gewinnen nur alte Menschen den Schweizer Musikpreis?» fragt sich entsprechend die gewohnt poetische Überschrift über dem Text des Musikmagazins von Vice. Blick zurück: Vor einem Jahr wurde Sophie Hunger mit demselben Preis geehrt. Alter: dreiundreissig. Handwerk: Pop. Ergebnis: Scheisssturm.

Im genannten Artikel selbst wird das nicht unterschlagen. Trotzdem verschenkt sich der Text der These, wonach der Musikpreis zunehmend zur Würdigung «hochstehende(r) Musik für alte Menschen» würde. Eines stimmt: Im Vergleich zu den Vorjahren (der Preis besteht seit 2014) ist etwas weniger Pop auszumachen im Spektrum der Nominierten. So what? Nächstes Jahr schon könnte es wieder anders sein.

Die vage Formulierung des Anspruchs, der an die Preisträger*innen gestellt wird, das Fehlen von Kategorien – sie sind gleichzeitig Fluch und Segen dieses Preises. Fluch deshalb, weil sie den Lautsprechern das beste Angebot sind, draufloszustänkern – immer verbunden mit der Anmassung, die musikalische Landschaft eines Landes in ihrer Gänze besser erfassen zu können, als es eine siebenköpfige (swiss so sweet, isn’t it?) Jury von Expertise zu leisten im Stand ist. Für eine gehaltvolle Auswahl, gerne auch mit Akzenten und Überraschungen hie und da, ist die grosszügige Auslegung freilich ein Segen.

Natürlich darf geschossen werden. Ein Preis von hundert Kisten bedarf einer feinen Begründung und ist der Öffentlichkeit ausgesetzt, Denkanstösse und Diskussion sind wichtige Korrektive. Ab er es stellt sich immer auch die Frage der Qualität solcher Wortmeldungen, wenn Kritik offenkundig verkürzt daherkommt. So gibt sich Riegel als Fürsprecher einer Generation «unter 51», Advokat eines koketten «Pöbel(s) von Noisey», der sich ums Musikschaffen in der Vielfalt nicht schert. Das ist erstens eine brüchige Position für einen Musikredaktor, selbst bei Spartenheftern wie Noisey. Zweitens falsch, weil gerade Exponentinnen wie Elina Duni oder Jojo Mayer durchaus viele Bewunderer haben in unserer Generation und als Vorbilder dienen. Und drittens und vor allem ist es: irrelevant.

Ginge es nämlich beim Schweizer Musikpreis um einen Popularitätswettbewerb, hätten auch die von Riegel als spontane Gegenvorschläge angeführten Künstler nicht die geringste Chance. Das ist die musikalische Marktlogik unseres kleinen Lands. Der echte, vielleicht Vice scrollende, kaum je Noisey lesende Pöbel nämlich zuckte mit den Schultern vor Namen wie Fai Baba, One Sentence. Supervisor oder JPTR. Allesamt verdammt gute Projekte, die den Sprung ins Ausland schafften oder schaffen werden, die also vorerst auf die Reperbahn gehören, bitte von Pro Helvetia und Swiss Music Export und den inländischen Förderinstrumenten vergoldet werden sollen. Die aber, schlicht schon aufgrund ihrer relativ kurzen bisherigen Schaffenszeit, kein Thema sein können für einen solchen Schweizer Musikpreis, der auch spezialisierten Lebenswerken von Gewicht und Länge Tribut zu zollen hat, Jürg Wyttenbach als Beispiel.

Überhaupt wird in solcher Kritik ein seltsam schwarzweisses Bild gemalt. «Wir» gegen die andern. Pop gegen die «Elite». Grosszügig übergangen wird hier aber das Selbstverständnis vieler Popmusiker*innen, Teil eines interagierenden, universalmusikalischen Ganzen zu sein. Viele der Biographien dies- und jenseits dieser fragwürdigen Grenzziehung streifen einander oder werden es noch tun. One Sentence. Supervisor taten sich jüngst für einige Konzerte mit dem Oud-Virtuosen Bahur Ghazi zusammen, beinahe die gesamte Band Fai Baba hat an einer Jazzhochschule ihr Handwerk gelernt und man wünschte sich JPTR als treffliche musikalische Zutat einer zeitgenössischen Theaterproduktion. Was der «Pöbel» dazu fände? Ist eben scheissegal.

Gegen eine laute, zickige These, die Platz findet in einer Überschrift, hat dieser Kommentar mit Sicherheit einen schweren Stand. Aber ich plädiere für eine leise und umsichtige Beobachtung dieses für die Schweizer Musiklandschaft in ihrer Ganzheit wertvollen Formats. Gerade weil es sich nicht numerisch, kategorisch oder direktdemokratisch festlegen lassen muss. Der Schweizer Musikpreis verdient es als überblickender, nicht an der aufs Jahr abgerechneten, numerischen Ausbalanciertheit aller erdenklichen Stilrichtungen interessierter Preis, dass Kritik an seiner Praxis ebenso mit ganzheitlichem Blick formuliert wird.

Also abwarten, erstmal easy bleiben und ein bisschen Demut gegenüber den Expert*innen, zwei bisschen Gönnerschaft gegenüber den Prämierten aufbringen – und die Kirche im Dorf lassen. Dorfgeschwätz wirds auch nächstes Jahr wieder zur Genüge geben.

Der Preisverleihung kann ab 19 Uhr via Livestream beigewohnt werden.

Der Prophet von der Marktgasse

Mirko Schwab am Freitag den 1. September 2017

September 1: Schwab tut, was er zum kalendarischen Herbstbeginn stets machen tut: Den Sommer verabschieden. Heuer mit einem Gruss an den unbekannten Akkordeonisten.

Unter meinem Küchenfenster hat es ihm gut gefallen, dem Propheten von der Marktgasse. Den ganzen Sommer über kam er Tag für Tag, machte es sich auf dem kleinen Klappstuhl bequem und spielte den Winter aus seinem Akkordeon heraus. Auf und ab, mit einer fast terroristischen Beharrlichkeit und zur Unterhaltung des Gassenpublikums, dessen geschäftiges Auf und Ab sich gut vertrug mit dem Prinzip heavy rotation. Nur ich da oben in der Teufelsküche blieb immer zugeschaltet, adressiert vom Nihilisten mit dem Klappstuhl. Gefangen im Loop der Verkündigung eines schwanenden Berns.

Dem Maronihäuschen-Bern.
Dem Rendez-Vous-Bundesbern.
Dem Zibelemärit-Bern.
Dem Weihnachtsmarkt-Bern.
Dem Glühwein-Bern.
Dem Gringweh-Bern.
Dem Schneematsch-Bern.

Dem versalzenen Bern.
Dem überzuckerten Bern.
Dem geruchlosen Bern.

Spiel ihn noch einmal, unbekannter Mann. Und dann fahr mit mir in die halbjährige Nacht. Aber lässt das Akkordeon daheim, gell?

Letzte Runde №1: Albert Einstein

Mirko Schwab am Freitag den 18. August 2017

Sind es die Tramadoltröpfchen oder ist eben gerade …
Grosse Persönlichkeiten der Kulturgeschichte gehen im «3 Eidgenossen» eins ziehen. Letzte Runde!
Heute mit Albert Einstein
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«Und deshalb ist es gut, dass du einmal stirbst» hat er ihm gesagt und ein selbstgerechtes Lächeln hinterhergereicht. Der andere, schon deutlich ältere der beiden Feisten, die sie da sassen und Stangen tranken und Stangen rauchten, sagte darauf nichts. Auch ich fand es recht frech. «Doch, lueg», setzte er nach, «du hast jetzt vielleicht noch deine Ressentiments gegenüber den Neuen, genauso, wie deine Eltern damals, als die Tschinggen raufgekommen sind.» Vom Gesprächsthema verdrossen bemühte ich mich um schnelles Rauchen. «Aber deine Eltern, die sind jetzt tot» raunte er schnörkellos «und den Ernesto, weisst, der von Bethlehem, den findest du ja auch einen Geraden.» Und genauso gehe es dann der nächsten Generation mit den Neuen. Und eben deshalb sei es gut, sagte er, «dass du einmal stirbst.» Also doch: Ein Satz von kühner Weisheit.

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Preise, Preise!

Roland Fischer am Mittwoch den 16. August 2017

Das Sommerloch wird gerade gut gestopft mit allerlei Kulturpreis-Entscheiden. Der KSB-Newsdienst fasst mal kurz zusammen:

Die Stadt Bern schickt zwei junge Künstlerinnen nach New York, ausgewählt wurden die bildende Künstlerin und Grafikerin Tamara Janes und die Filmschaffende Nicole Pfister. (Genderbonus: check.)

Derweil hat der Kanton seine Musikpreise vergeben, und zwar an Baze (Basil Anliker), an den DJ und Produzenten Deetron (Sam Geiser), den Klarinettisten Ernesto Molinari sowie die Violinistin Meret Lüthi, Mitbegründerin des Ensembles Les Passions de l’Âme. (Genderbonus: nicht getroffen. Immerhin bekommt die grad sehr umtriebige Rea Dubach noch einen kleinen «Coup de coeur».)

Und dann ist auch noch ein Ex-Berner auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Jonas Lüscher ist mit «Kraft» vertreten, daneben für die Schweiz noch der in Genf lebende Deutsche Christoph Höhtker. (Insgesamt 20 Autoren sind auf der Longlist, davon 7 Frauen – Genderbonus: wieder knapp verfehlt).

Bizarre Musikgenres Teil 26: Vokaloiden Pop

Gisela Feuz am Mittwoch den 2. August 2017

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Vokaloiden Pop.

Sie ist seit über 10 Jahren im Showbusiness, hat 2014 die Welttournee von Lady Gaga eröffnet, sass bei David Lettermann auf dem Sofa und hat Werbeartikel im Wert von ca 1 Milliarde Dollar verkauft. Und trotzdem gibt es die Göre strenggenommen nicht wirklich. Jedenfalls nicht in einer Variante aus Fleisch und Blut. Die Rede ist von Hatsune Miku, einem ewig 16-jährigen Mädchen mit langen türkisfarbenen Haaren, gekleidet in Schuluniform mit kurzem Rock und langer Krawatte.

Die Figur der Hatsune Miku wurde einst als Maskottchen für eine Software entworfen, mit welcher künstliche Gesangsstimmen erzeugt werden können. Der dazugehörige Software-Synthesizer Vocaloid2 wurde 2007 erstmal vorgestellt und gewann rasch an Popularität, so dass bis heute von Usern auf der ganzen Welt über 100’000 Songs mit der Stimme von Hatsune Miku entwickelt wurden. Dabei stehen verschiedene Variationen zur Verfügung, so etwa «enthält viele Seufzer, süss, flüsternd / ausgeglichen, leicht melancholisch / lebhaft, kräftig und hell / steif und angespannt». Aufgrund der enormen Beliebtheit der Stimmensoftware entwickelte sich die Figur Hatsune Miku bald einmal zum eigenständigen Produkt, welches als Hologramm nun Konzerte gibt. Der Name des Mädels lässt sich übrigens in etwa als «Erster Klang der Zukunft» übersetzen (Hatsu «Erster», Ne «Klang», Miku «Zukunft»). Graust Ihnen eigentlich manchmal auch vor dieser sogenannten Zukunft, werte Leserschaft?

Genossen №9: Kuno Lauener

Mirko Schwab am Mittwoch den 29. März 2017

Sind es die Tramadoltröpfchen oder ist eben gerade … Grosse Persönlichkeiten der Kulturgeschichte gehen im «3 Eidgenossen» eins ziehen. Heute: Kuno Lauener.

Lauener zum Interview vor den Eidgenossen.

Es ist Krise auf der Redaktion.

Kurznachricht vom Urs, dem notorischen Styler: «Rockboy, hab da ne Scherbe ausgegraben, dystopisch-postpostmodernes, windschief neo-existenzialistisches Fricklermeisterwerk, Doppel-10inch in einer Auflage von 66 Stück, am Abgrund von japanischem Wave und Afro-Trash über Samples nie veröffentlichter sowjetischer Propagandastreifen und so. Mach doch was drüber, mal wieder was für den lokalen Untergrund …» Jaja, hörs mir an. Dandy Fischer meint, ich gehe zu wenig ins Museum. Ob Theater auch wieder einmal Thema sei. Und ob ich überhaupt wisse, wie eine Galerie von innen aussieht. Stimmt, aber das Wetter. Vielleicht. Joa. Auch von oben herab ist nichts gutes zu erwarten. Frau Feuz, die selbsternannte Chefin, zitiert mich ins Büro. Dass Doppelspurigkeiten mit dem gedruckten Bund tunlichst zu vermeiden seien, Finger weg von Flückiger, Anliker, Lauener, den Jeans for Jesus neuerdings – dass die ins Feuilleton gehörten, in einer anderen Liga spielten. Champions League, Herr Schwab, oder emel mindestens Super League mit europäischen Ambitionen! Das Blog aber, das könne knapp Alternativliga-Niveau halten. Und das auch nur, weil man aus der Alternativliga nicht absteigen könne. Und dann: «Schwab, überlassen Sie das den echten Journalisten!»

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Genossen №8: Haiyti aka Robbery

Mirko Schwab am Donnerstag den 9. März 2017

Sind es die Tramadoltröpfchen oder ist eben gerade … Grosse Persönlichkeiten der Kulturgeschichte gehen im «3 Eidgenossen» eins ziehen. Heute: Haiyti, Underground Superstar.

Früher war es nur ein Spiel, jetzt ist es Realplay. Hayiti vor den Eidgenossen.

Das Fumoir riecht nach kaltem Rauch. Nach einem Gestern. Meinen Kaffee mag ich nicht recht austrinken, wozu denn wach bleiben? Und also ist auch die Tasse kalt und nichts ist los. Nicht am Billardtisch, die Kugeln starren sich an in einem ewigen Mexican-Standoff. Nicht an der Jukebox nebendran, der Musik fehlt das Münz und so schweigt sie. Die Aschenbecher sind leer wie die Bänke wie die Gläser wie die Blicke der Vereinzelten, die sich hier eingefunden haben. Sie haben ihr eigenes Gestern die Treppe hinaufgeschleppt, um ihm nachzuhangen. So wie ich.

Im Internet ist das anders.

Haiti. Hayti. H-A-I-T-H-Y. «Meinten Sie: Haiyiti?» Nach einem halben Jahr schüchterner Beobachtung – hab ab und zu verstohlen reingeklickt, wenn grad niemand herum war – brennt die Liebe jetzt heiss und öffentlich und ich kann ihren Namen richtig schreiben. Mit Haiyti kommt man gut durchs Leben. Es scheint, als habe sie sich meinen ganzen Schmerz aufgeladen. Als könne sie in Hauptsätzen erfassen, was sich mir in hypotaktischer Diffusie entzieht. Und bei alldem ist sie unantastbar, unzerstörbar, digital. Haiyiti ist Rapperin.

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#fieseanalytics

Mirko Schwab am Freitag den 20. Januar 2017

Der Berner Labelmacher Andreas Ryser unterhält seine sozialmediale Gefolgschaft seit Anfang Jahr mit handgezeichneten Statistiken.

Mal lustig, mal bissig, mal larmoyant – und hauptsächlich über dem Lieblingsthema «Musikmiete» – kritzelt sich der Patron von Mouthwatering Records unter dem Hashtag #ryseranalytics Beobachtungen zur Branche von der Seele. «KulturStattBern» liegt eine bisher unveröffentlichte Statistik vor, die wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten können.

Kleiner Scherz.

Ganz im Ernst: Mouthwatering Records darf getrost als eines der erfolgreichsten Schweizer Musiklabels bezeichnet werden. Darauf erscheinen Bands wie Odd Beholder, Len Sander oder True, die auf der internationalen Szene für Furore sorgen und mitunter dafür, dass die Schweiz immerhin musikalisch in Zukunft gerne mit Schweden verwechselt werden darf.