Archiv für die Kategorie ‘Frisch gepresst’

Frisch gepresst #7 «Der Doppelpack»

Urs Rihs am Samstag den 21. Oktober 2017

Die KSB-Serie «Frisch gepresst» Bringt zum Vorschein, was in feuchten Kellerstudios und synthesizerbestückten Dachböden unserer Stadt an Mukke produziert wird – vornehmlich Elektronisches, aber grundsätzlich alles, was direkt ab Presswerk beim Urs auf dem MK landet.

Zwei neue Releases aus der Hood bespitzlichtet hier, selten genug Thema im gedruckten Schrieb –  leider – die kleinen Feinen aus der Region mit internationaler Ausstrahlung gleichwohl. Erstens «It’s Not Who You Know, It’s Whom You Know» von fbcfabric&reindeer, herausgebracht von MISM (Bern/Zürich) und zweitens «LOOD(008) Relight V.A.», das Neue vom noch jungen Label LOOD (Zürich based aber mit Berner Wurzelwerk). Beide beim Durchforsten der lokalen, mehr oder weniger unter IDM subzusummierenden Neuerscheinungen hängen geblieben, weil etwas abseits des Konformen stehend und weil beide so erdeschön nachhallen.

«It’s Not Who You Know, It’s Whom You Know» ist eigentlich ein neu aufgelegter Klassiker. 2005 auf Silberling erschienen, jetzt auf Vinyl sakralisiert.
fbcfabric&reindeer sind ein angstgepeinigter Tonkünstler und ein von Depressionen gejagter Schreiber, beide von der Insel. Zum Frickeln zusammengefunden – ihr bildstarkes Soundwerk ist Zeugnis eines Glückfalls, ein Hörbeispiel in Selbsttherapie. Ratternde Züge, Regen auf Betton, Analograuschen von Röhrebildschirmen, verwoben mit düsteren Vocals und diesen Beats englischer Facon. Trip-Hop, Weirdo-Rap, ein Hauntology Pionier Album, welches dem Verdruss über die verlorene Zukunft mittels organisch verzerrten Klängen aus der Vergangenheit Herr zu werden versucht.
Dass diese Scheibe zwölf Jahre nach ihrer ersten Umdrehung noch von Laser auf Nadel wechseln darf, stellt Label und Interpreten als Überzeugungstäterschaft. Die Zeiten des Indie-Raps mögen aktuell etwas gezählt sein, doch die Tiefe dieser dreifach 12-Inch wird noch lange überdauern. Eine Perle fürs Plattenregal.

check out MISM

LOOD, «Light of Other Days» 2015 gegründet von HOVE, in hiesigen Gassen auch als Marc von den Round Table Knights bekannt, und Le Frère. Two real houskeepers – House ist die Leitplanke, aber das Label fächert mit seinen Releases das Spektrum elektronischer Musik kaleidoskopisch auf. Balearic, Ambient, Technoides – für die aktuellste Scherbe wurden auf LOOD bereits veröffentlichte Tracks zum Remix an Freunde weitergereicht, um die Stücke wachsen zu lassen. Da kommt das Dj-Mindset der beiden zum Tragen, im Klub funktioniert Musik nur im Zusammenhang und richtigen Mischverhältnis, bestenfalls.
LOOD(008) Relight V.A. beweist, dass auch bei uns substanzieller Dance wächst und gedeiht. Wer hier Lunte riecht, nehme sich in Acht, addictive shit!

check out LOOD

Frisch gepresst #7 «FRANK SPIRIT – LIVE IN STRASBOURG»

Urs Rihs am Donnerstag den 25. Mai 2017

«Frisch gepresst» die Serie auf KSB; bringt zum Vorschein, was in feuchten Kellerstudios und synthesizerbestückten Dachböden unserer Stadt an Mukke produziert wird – vornehmlich Elektronisches aber grundsätzlich alles was direkt ab Presswerk auf meinem MK landet.

FRANK SPIRIT – diese Freigeister – wobei, um genau zu sein «frank» meint ja eigentlich ehrlich und offen. With frank spirits, you wish to share your needs with!
In diesem Fall sind das analoge Tonmaschinen, in allen Formen und Farben und die daraus resultierenden Rhythmen – tanzbar, relaxt, smooth.

Für die Nerd Fraktion, damit klar wird womit hier angerührt wird: AKAI MPC 1000 – ROLAND TR 707 – JOMOX AIRBASE 99- MOOG MINIATUR – KORG POLY 800 – YAMAHA TX8IZ – ROLAND JV 2080 – AKAI MIC 42 – MOOG MF DRIVE – STRYMON EL CAPISTAN –BOSS RE 20 – MOTU MIDI EXPRESS.

Genug des Kauderwelsches jetzt aber – schliesslich berichtet hier selbst ein totaler Laie. Und um die Spirits zu lieben, brauchts sowieso nichts mehr als ein Faible für warme Sounds und etwas 90’s love in your heart! Funk Bastard und Azul Loose Ties – letzterer hat mit seinem Debut-Release «Harmonise EP» erst grad hart Welle gemacht – und der Bastard ist eh ein Rastloser. Mit seinen Dance-Anlässen, Label und handgelöteten Rotary Mixern – Brain & Device plus Varia Instruments lassen Grüssen.

Zusammen sind sie eben «FRANK SPIRIT», unterwegs in der Welt der Heads – weil es zu zweit einfach ein bisschen mehr Vibe hat – kürzlich gar auf Japantour und natürlich immer wieder mal im nicht allzu fernen Euroland. Da ist auch das frische Tape entstanden – live in Strasbourg – bei Freunden im Mudd Club, eigentlich ein Punk Schuppen. Aber mit dem richtigen Equipment lässts sich ja schnellstens umdisponieren. Der Live-Timbre ist auf der Aufnahme denn auch schön auszumachen, gerade am Anfang, ein klein wenig Ambient-Mic und schon wähnt man sich auf dem Dancefloor…

Releast haben die Beiden übrigens wie sichs zur Zeit gehört, beim einzig wahren Tape Label unserer Stadt: TOXICO – der Blog berichtete schon.

Muskialisch wird auf den Pfaden Beatmakertum und four-to-the-floor House gewandelt, mit einem Touch Disco hie und da, sehr organisch, knisternd und natürlich, auf dem Magnetband, mit diesem beruhigenden Hintergrundrauschen.
Gönnt euch diese Kassette, macht sich gut im Deck oder im Walkman. Im Gestell sollte sie indes besser nicht landen. Das wär dann vergebene Liebensmüh.

The tape in it’s natural habitat – surrounded by analog machines – like back in the days in motown.

Frisch gepresst #6 «Miszellen»

Gisela Feuz am Mittwoch den 10. Mai 2017

Die KSB-Serie «Frisch gepresst» Bringt zum Vorschein, was in feuchten Kellerstudios und synthesizerbestückten Dachböden unserer Stadt an Mukke produziert wird – vornehmlich Elektronisches, aber grundsätzlich alles, was direkt ab Presswerk bei Konfuzius Rihs im MK landet. Oder ausnahmsweise auch mal im Briefkasten der Frau Feuz.

Der Berner Noise-Pionier Strotter Inst. alias Christoph Hess betätigt sich nicht nur als Musiker, sondern bastelt auch leidenschaftlich gerne Klangobjekte und Installationen. Entsprechend steht die Abkürzung «Inst.» sowohl für «Instrument» als auch für «Installation», wobei im Fall von Strotter Inst. nicht von gängigen Instrumenten wie Waldhorn, Gitarre oder Synthesizer die Rede sein kann. Es sind Plattenspieler, die bei Strotter Inst. dran glauben müssen, beziehungsweise mit normalen Nähnadeln und Gummibändern zu abenteuerlichen Klanggebilden gepimpt werden. Dabei entsteht denn auch der für Strotter typisch «unsaubere» Klang.

Für sein neustes Werk «Miszellen», eine 180 Gramm schwere Doppel LP aus weissem Vinly, hat sich der Herr Strotter nun auch als Regisseur betätigt, und zu fast jedem der Miszellen-Stücke einen passenden Video-Clip zusammengeschnitten, wobei aber auch hier nicht von Musik-Videos im gängigne Sinn die Rede sein kann. Alles eben ein bisschen anders im Hause Strotter Inst. Zum Glück auch.

Frisch gepresst #5 «To Do Without»

Urs Rihs am Donnerstag den 23. März 2017

«Frisch gepresst» die Serie auf KSB. Bringt zum Vorschein, was in feuchten Kellerstudios und synthesizerbestückten Dachböden unserer Stadt an Mukke produziert wird – vornehmlich Elektronisches, aber grundsätzlich alles was direkt ab Presswerk in meinem MK landet.

Lasst uns mit Labels beginnen, mit Majors und Indies. Majors: lassen wir bleiben. Indies: folgendermassen. Es gibt die sich unabhängig schimpfenden und trotzdem eben abhängigen Indies. Nach Auflage, Publizität und Erfolg dürstende, sich alle trotzdem an Anlässen wie m4notmusic treffende. Sich da mit günstigem Sekt und Billigbier abfüllende und danach networkende, provisionsfilzende.

Unweigerlich wichtig für die Musiklandschaft, unweigerlich unwichtiger sonst Kommentare bitte unten.

Dann gibt es verbissen alternative Indies – die Sturköpfe, die Stoikerinnen. Die abgehalfterten, die richtig kompromisslosen, optional mit street cred und Persönlichkeitsstörungen. Den Ethos des Scheiterns Echten leidenschaftlich hegend und pflegend, egal ob in Hi- oder Lo-Fi. Hauptsache kommerzielle Aspiration egal null – to do without.

Sie sind hart zu finden, zwischen wuchernden Mülldeponien auf Bandcamp und Soundcloud, schwer aufzuspüren ohne Agenten im Untergrund – denn auch dort gibt es viel Schrott. Doch sie sind da. Unsichtbar für den Hauptstrom, nur jenen bekannt, die tiefer schürfen oder selber produzieren – Dateien Goldgräber oder Tonträger Alchemisten.
Höchste Zeit den Lichtkegel mal wieder zu richten, auf genau ein solches Label. Etwas Bauchpinselei kann denen nicht schaden.

MISM Records, zu gleichen Teilen in Züri wie Bern zuhaus, fiftyfifty. Seit 2009 Vinyl und Tapes raushauend – nur Rohdiamanten versteht sich – nichts Geschliffenes, sondern harter, unverschnittener Stoff. Abstract rap, psychedelic Hip-Hop, prekäre Beats, experimentelle Arrangements – von Bastlern, verstreut über die ganze Kugel: James Reindeer, Bleubird, Bit Tuner u.v.a – noch Fragen? MISM, ein Haufen Aufmerksamkeitsgestörter, dem Versuch der sonoren Selbstmedikation erlegen – was ein Glück.

Aktuell mit einem Release aus dem nordamerikanischen Niemandsland: «To Do Without» vom rap-sorcerer «Babelfishh» – let’s talk it through.

Gefangen im Netz von Abhängigkeiten wäre der fishh fast verendet. Das Trockene hat ihn gerettet, komischerweise – und der Wald, doch dazu später. Sein neues 7 Track Minialbum, eine nicht nur wutgeladene Abhandlung aus der Abgeschiedenheit seines Bauwagens. Selbstversorgend, der Reizüberflutung trotzend, ein Leben im Diminutiv führend, und vielleicht gerade darum – ein Album auf seven inches Singleformat!

Sein Rap mehr Lyrik als Sprechgesang, die Versmasse in allen Regeln der Kunst auslotend, schwer verständlich zuweilen, für die dem Englischen nicht mutterredlich Zugefallenen vor allem. Doch nicht weiter wichtig, denn die Sprache ist hier auch Selbstzweck, geht spielend über den Wortsinn hinaus. Verzweiflung und Leidenschaft, Irrwitz und Virtuosität, universal verständlich.

Babelfishhs Sound gleicht Geistesblitzen, seine Stücke sind mehr Fetzen als Stücke. Ein Mantra auf die willkürlichen Auffassungsspanne des Geistes vielleicht. Das Gehirn folgt keinem Plan, brauchts auch nicht – to do without.

Ein Stromschlag in einer Fabrikhalle, wo er zu entfremden pflegte, bewegte Babelfishh zum drop-out. Er kehrte einfach nicht zurück, klingt romantisch – ist es nicht. Obwohl er danach mit Hund, Freundin und rudimentärem Mobilheim unter Bäume flüchtete. Kein Geld, keine Motivation und zu viel Teufel Alkohol. Er musste grundsätzlich umkrempeln. Lange Zeit hatte er die Musik und Mystik verbannt, sein Zurückfinden katalysierten vor allem die Heads bei MISM. Es gibt keinen tieferen Sinn in dieser Anekdote. Schlicht schön ist er nicht ganz gestrandet, ein Danke in den Kosmos an dieser Stelle.

Aus der Periode am Fliessband bleibt etwas Bemerkenswertes, etwas Konstruktives – etwas was zu hören ist. Aus den sonst hochverdichteten, industriell-knisternden, drumdominierten Instrumentals, scheint plötzlich fleckenweise Erdiges durch – Organisches. Gitarre, Harmonien, Roots. Während dem Schichtbetrieb schepperte Country aus dem Fabrikradio, vom Vorarbeiter eingestellt. Babbelfishh entwickelte eine Faszination für die banal durchschlagenden Texte und für die Eindringlichkeit der Melodien. Babelfishh, der gebeutelte streetpoet im Wald, inspiriert vom Folk, would have been sad – to do without.

Get that 7 inch folks, ihr habt schon dümmer Geld verprasst!

 

Frisch gepresst #4 «KASPASE 7»

Urs Rihs am Donnerstag den 29. Dezember 2016

«Frisch gepresst» die Serie auf KSB. Bringt zum Vorschein, was in feuchten Kellerstudios und synthesizerbestückten Dachböden unserer Stadt an Mukke produziert wird – vornehmlich Elektronisches, aber grundsätzlich alles was direkt ab Presswerk Spulwerk auf in meinem MK Kassettenrekorder landet.

Eigentlich wollte ich zuhause nur gemütlich meine Grippe durchziehen, als plötzlich eines meiner Burner klingelte, kurzerhand den Jakob Ejersbo – LIBERTY – zur Seite gelegt und rangegangen: «Hey it’s NARCO MARCO here, I have some re-up for you Suave, tapework called ‘KASPASE 7’, get it at the spot, over and out!»
Ich werf den Knochen beim Rausgehen in die nächste Tonne, wie hat der nur diese Nummer gekriegt? Naja, auf zum Spot und die Ware begutachten, bleibt ja nichts anderes übrig, trotz üblem Katarrh, that’s business.

Die Ware ist – wie erwartet – vom Feinsten. Da gibts nichts zu husten, sauber gespult, schön geschnitten, rough street-stuff für Audiofetischisten. Die Kassette knallt, die Tonbandsättigung tut das Ihrige dazu bei, brutal warm, dicke Bässe, prägnante Höhen, leichtes Hintergrundrauschen, 80‘s style. Like riding the golden dragon…

Liebhaberhandwerk, sowieso nichts besser als das «there is nothing stronger than the heart of a volunteer nerd» hat mal einer gesagt, true shit.
Die Integrität von Enthusiasten; eines der besten Heilkräuter gegen Misanthropie. Aber Schluss jetzt mit Metaphysik und back to topic, da wummert schliesslich immer noch – schön roh und dreckig – ein neues Tape in meinem Walkman. Diesen Beitrag weiterlesen »

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft (und die Musikszene)

Roland Fischer am Dienstag den 13. Dezember 2016

Es ist ja bald Weihnachten, also warum nicht schon mal ein wenig spendabel sein? Pamela Méndez hat sich viel Zeit gelassen mit ihrem zweiten Album, nun steht es gewissermassen fertig abgemischt in der Garage, aber bis zum Release, bis zur ersten Ausfahrt, fehlen noch ein paar tausend Franken. So wird das etwa tönen:

Und so klingt es schon mal live, im kleinen Rahmen:

Man hört das klassische Singer-Songwriting noch hinaus, aber diese Musik will noch ganz woanders hin. Wenn man ihr dabei helfen will kann man das hier tun.

Frisch gepresst #2 ‘Grauzone Marzili’

Urs Rihs am Samstag den 22. Oktober 2016

«Frisch gepresst» die Serie auf KSB; bringt zum Vorschein, was in feuchten Kellerstudios und synthesizerbestückten Dachböden unserer Stadt an Mukke produziert wird – vornehmlich Elektronisches aber grundsätzlich alles was direkt ab Presswerk auf meinem MK landet.

Vor zwei Wochen noch mit HOT-JAM an der Sonne von Capri, heute mit re:st knöcheltief im Morast von Bristol und South London. Die Szenerie ist damit schon mal umrissen, es geht um Bassmusik, the UK Shit und zwar um die richtig dunklen Ecken davon.

footage by "der urs photography"

footage by “der urs photography”

Schauplatz nur einen Treppenstieg von der Bundesterrasse entfernt, im lauschigen Marzili, dort befindet sich nämlich, in einer unscheinbaren Altbauwohnung, ein archimedischer Punkt der Berner Electronica Szene. An alle Freaks «Electronica» ihr wisst es natürlich besser als ich, aber eine genaue Genre-Ausbeinelung wäre Nerdtalk und bleibt darum an dieser Stelle mal aussen vor. Dafür bleibt ein Freak im Fokus, LCP: Dj, Labelgründer, Veranstalter, leidenschaftlicher Frickler und, am wichtigsten hier, ein verdammt guter Typ. LCP ist ein Getriebener, mit einem stoisch anmutenden Schaffensdrang; kein Hektiker, kein Strohfeuerentfachter, vielmehr wirkt er wie ein Ingenieur. Einer der beobachtet, analysiert, um sein handwerkliches Können weiss und schlicht nichts anbrennen lässt. 2010 lancierte er sein erstes eigenes Label Luana Records mit Schwerpunkt instrumentalem Hip-Hop und konfus rhythmisierter elektronischer Musik. Darauf wurden Perlen von Spinnern wie Bit-Tuner oder Feldermelder veröffentlicht, um nur zwei beim Namen zu nennen. Mit sich schleichend, aber stetig wandelnden persönlichen Vorlieben, wurde Luana 2015 aber ad acta gelegt und re:st entstand. Die Brennweite wurde dabei etwas eingeschränkt. «re:st soll kompromissloser sein» erklärt mir LCP und spricht dabei nahezu zärtlich von seinen Labels.

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Frisch gepresst #1 ‘Die Capri Sonne auf dem Teller’

Urs Rihs am Samstag den 8. Oktober 2016

«Frisch gepresst», die neue Serie auf KSB, bringt zum Vorschein, was in feuchten Kellerstudios und synthesizerbestückten Dachböden unserer Stadt an Mukke produziert wird – vornehmlich Elektronisches, aber grundsätzlich alles, was direkt ab Presswerk auf meinem MK landet.

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still life by “der urs photography”

Erste Ausgabe mit dem neuen HOT-JAM Release #6 – dem Berner Label von «Jay Sanders» und «Marc Matsuki» – beides brutale DJs und selber Club-Music-Produzenten. Diesen Sommer, wer sich erinnert, mit heftigen Sets zum Beispiel an der Afterparty des Café Kairo Gartenfests oder am Paradiso Minifesival im Punto. Ihre neue Scheibe ist denn auch eine Ode an die heisse Jahreszeit, mit dem Ding schaffen wir es wohl gar unversehrt durch den nasskalten Winter.
Darauf vereint sind klingenden Namen wie «GIO DELL’ORSO», «HJDJT», «NARCO MARCO» und die «JUNO GANG». Das bedeutet Italo-Disco straight out bern city!

Bezüglich der Junos empfiehlt sich zudem ein Blick über den Plattenrand hinweg auf die Band-Bio: Filmstoff, Freunde! Soviel vorweg; die Jungs trafen sich 1982 in der Jugendmusik Spiez, bastelten dann aber lieber an ROLANDs rum, als Marschmusik zu blasen und wurden dabei wahrhaftige local disco heroes. Auf dem Höhepunkt ihres Hypes eröffnete Céline Dion – jaja, «my heart will go on» und so – gar einen ihrer Liveauftritte in der Hauptstadt! Doch dann platzte die Blase und der Italo-Disco wurde von Dj Bobo und Co. in den Boden gestampft.

Nun denn, die neue HOT-JAM 12 Inch zeigt, dass es trotzdem auch bei uns noch nicht ganz um dieses Endorphin-bombende Genre geschehen ist. In Skandinavien und vor allem Holland, ist der Italo-Disco seit jeher Bestandteil von House-Produktionen und auf der anderen Seite des grossen Teichs, haben gerade die Dreher und Schrauber aus Chicago nach dem Ende der amerikanischen Discowelle, immer wieder auf europäische Releases der 80er zurückgegriffen, begeistert von den eingängigen und wave-esken Synthmelodien. Der Begriff stammt übrigens – hat mir NARCO MARCO am Telefon erzählt – von einem deutschen Produzenten, welcher analog zur Neuen Deutschen Welle eine Marketingetikett für den funky-synth-Sound aus Italien suchte, aber das ist eine andere Geschichte…

Italo-Disco glänzt, weil er dich – wenn nicht überproduziert – klar und unverhofft trifft, menschlich, ehrlich kitschig und meist mit gewaltigem Ohrenwurmpotenzial. Weil er soviel Schnittmengen aufweist, mit Pop, Chanson und eben auch Wave. Italo lässt augenzwinkern, nicht ironisch aber weil er Emotionen auslöst, Erinnerungen hervorruft, an mediterrane Strände, salzige Zungenküsse und an die Sonne von Capri und die gibts von HOT-JAM auf dem Plattenteller. Erhältlich in handverlesenen Vinylstuben.

So schön klingt Bern im Untergrund.

Hier noch der Link zum Sound ihr Diebe, but it’s way better on WAX!

Mit diesem Beitrag begrüssen wir unseren neuen, den Urs, an Board des Kulturstattbern-Dampfers!