Archiv für die Kategorie ‘#BernNotBrooklyn’

#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 17. Juni 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, beispielsweise über den Dächern am Bollwerk.

Die Sonne hämmert hart durch die Wolken, ein heftigeres Histogramm war selten gesehen – der Kontrastumfang am Anschlag – schwärzer meint Rauschen, weisser meint Ausbrennen. So fühlt auch die Birne.

Gefedert wird die Stimmung von einem Häufchen tiefenentspannter Menschen. Die zusammensitzen auf einer Terrasse. Kartenspielen, Halloumi grillen und selbstgemachte Majo zelebrieren.

Im Hintergrund rollt der Ball, auf einem viel zu dunklen Bildschirm, Nebensache.
Von der Grossen Schanze her föhnen fürchterliche Tunes, der Flamingo animiert zum Bogenhusten –  Nebensache.

In der Stadt, zu Gast bei FreundInnen – Hauptsache.

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#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 10. Juni 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los

Zum Beispiel eine wortwörtlich phänomenale Tetrapackung Performance in drei verschiedenen Wohnungen und dem Schwabhaus in der Langgeige. Am Freitag war das, mit dem HORS LITS BERN #4 – è stato fantastico!

Das Format ist völlig losgelöst, von Kunsthochschule oder Fördergeldern, ein pures Destillat der Freien Szene quasi. Und Das Konzept so einfach wie notwendig – ein starkes Netzwerk an KünstlerInnen, ein OK mit lokalem Bezug, gute Kontakte und eine interdisziplinäre Sache.

In vier verschiedenen zu Hausen, man betritt als geführte Gruppe also Privatsphären.
Was instant zu Vertraulichkeit führt, wertvoll.

Da sind sofort diese Gerüche – von Treppenhäusern, Fluren und Zimmern, von Schweiss und meinen Füssen. Körpern, von Menschen.

Eine Geruchskulisse schiebt sich vor.

Da sind intime Vorstellungen, Oden und Lieder.
Da ist physische Präsenz – welche den Geist befeuert.
Und da ist auch Kaffee, hat’s Zwiebeln und Zigaretten.

Im Luftstrom des Ventilators.
Merke – nicht alles lässt sich erklären und manchmal hilft eben auch alles nichts.

Am Schluss sitzt man zusammen bei Tisch. Isst, trinkt, redet und bläst schweren Rauch an die Stuckaturen der Schwabhauswintergartendecke.

HORS LITS 2018  – das waren: Cruise Ship MiseryONE TRAVELO SHOW, Im Ernst, wir spielen nur und Pépites – danke für diesen Tagtraum.
Da capo!

Szenerie Schwabhaus zum Schluss von HORS LITS BERN 2018 – Posten Sie Ihr Foto/Video auf irgendeiner digitalen sozialen Plattform mit dem Zusatz #BernNotBrooklyn. KSB wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es sonntags pünktlich zum Katerfrühstück.

#ZureichNotBrooklyn

Milena Krstic am Sonntag den 27. Mai 2018

Die Krstic im Auftrag vom Urs: Bern ist zwar nicht Zürich, aber hey, auch in der Geldstadt ist manchmal mächtig was los. Beispielsweise, wenn für die Machtlosen ein Zeichen gesetzt wird. Wie gestern und vorgestern auf dem besetzten Platzspitz.

Diese Stadt, grösster Bunker privater Vermögen weltweit – Weltstadt?
Dies gebührte Anstand, Rücksicht auf die Schwächsten.
Doch Zureich geht schon lange auf Abstand – beispielhaft auf diesem Platz – spitzt sich die Lage zu.
Anfang 90er gegen die offene Szene im Park: Zerschlagen, vertrieben, Zäune hoch, basta.
Heuer gegen die Mittellosesten auf der Flucht: Die neuste Verschärfung der Asylgesetzte griff «versuchsweise» erstmals in Turicum.
Der Platzspitz ein Mahnmal – für diese Logik: Repression greift immer, weil sie meistens die Mittellosen trifft.
Zwei Tage hat man dort nun gezeltet, vernetzt, musiziert und diskutiert.
Namhaftes auf der Bühne: ALL XS, die JEANS, BIG ZIS, der Luchs, GÖLDIN & BIT – schönes Bekennungsspielen.
Einen Tropfen Solidarität in diesen Ozean an reaktionären Idealen von Grenzen gepisst.
Was bleibt? Was erster Dinge bleiben muss: “Parc sans Frontières” – ein Denk-mal.
Und jetzt denkt mal.

Der Pavillon auf dem Platzspitz. Symbolbild, möglicherweise urheberrechtlich geschützt.

Posten Sie Ihr Foto/Video auf irgendeiner digitalen sozialen Plattform mit dem Zusatz #BernNotBrooklyn. KSB wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es sonntags pünktlich zum Katerfrühstück irgendwann dann, wenn jemand von uns aufgestanden ist.

#BernNotBrooklyn

Mirko Schwab am Sonntag den 13. Mai 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn …

23. Mai

Besser Du weisst:
Omara Moctar
Mit eigentlichem Namen, doch
B. geheissen
Ist unterwegs
Nach dem Burgernziel.
Oh.

#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 6. Mai 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los

Beispielsweise in der Zar, der Bar deines Vertrauens im Mattenhof.

Dort lief gestern die Zeit während fünf Stangen laut.
Sitzend zwischen drei angegraut-brutalgutaussehenden Vätern.
Ihre Spunde schlecken Becher der Gelateria.
Sie rauchen Zigaretten.

Einer fehlt.

Und die Welt stand sich während fünf Kurzen näher.
Diskutierend mitten drei schweraufgeschlossenen Geistern.
Ihre Ideen recken bis in den Himmel.
Sie rauchen selbstgedrehte Zigaretten.

Einer fehlt.

Er hätte in die Runde gehört.
Er hätte sich in der Runde gefallen.
Er ist zu früh aus der Runde gefallen.

Eine hebt –
ihr Glas und sagt:
«Noch einen Letzten und ein Hoch auf einen der –!»

Epitaph: “Zum Wohl ihr Übriggebliebenen – hütet mir mein Pflaster!”

#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 22. April 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los

… Beispielsweise in der Nacht auf der Grossen Schanze, rundherum die Lichter der Stadt, im Hintergrund das mächtige Unihauptgebäude , dazwischen Gesellschaftssplittergruppen auf der Wiese, von ganz unten, von unten, vielleicht noch aus der Mitte.

Sehr junge Jungs von ganz anderswo tanzen im Kreis und klatschen, klatschen ab, klatschen sich weg, lachen sich weg, weinen sich weg.
Sehr bleiche Buben und Mädchen von ganz in der Nähe steuern Richtung Hübeli, halten aneinander fest, wankend, halten zueinander, ängstlich gaffend. Das Dorfidyll verlassen für etwas Stadtkitzel, für etwas Billigfusel und Billigparty.

Ganz vorne, dort vis-à-vis der Welle, dort wo mal die Üble Wandstrasse war, pflegt’s sich immer noch übel, übler, am übelsten. Steriler Platz, mit weissem Licht, von oben bis unten lackierte Gestalten stehen rum, sitzen rum, bewegen sich wie ferngesteuerte Puppen, Schaufensteratmosphäre.

Dann die neue, betonstaubtrockene Treppe hinunter Richtung PostParc, dort wo vor drei Wochen einer der Buben von ganz anderswo sein Leben liess, dort vor dem Laden mit dem goldenen Doppelbogen. Dort fällt eine Gruppe Halbstarker aus der Agglo über einen Papiersack mit frittierten Hühnerleichenteilchen her, zetern dabei wie Hyänen.

Es wird Frühling auf der Grossen Schanze, halleluja.

#BernNotBrooklyn is your sunday Gas Light.

#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 8. April 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, beispielsweise:

Neben einem Parkplatz unter Neonlicht, sehr junge Menschen spielen Karten um lächerliche Summen Geld. Auf Kokain und Schnaps. Einer gewinnt einer verliert. Hauen sich mit Flaschen aufs Maul. Blut und Geschrei.

Im Tojo Theater läuft EXTASE, ein Stück. Über Selbstvergessenheit und Momentum. Wo sind sie noch, die ekstatischen Momente im Leben?

Unter einer Brücke jagen blaue Menschen schwarze Menschen. Wegen lächerlichen Mengen Kokain. Schläge und Geschrei, Kniekehlentritte und Hebelgriffe, Verhaftung und Rückzug.

Im Dachstock spielt AGONIS staubtrockenen Techno – kathartisch. Trotzdem ist der Raum halbleer. Ist denn Techno nicht immer Kommerz?

In der Nachmittagssonne marschieren dreihundertfünfzig Nasen hinter Transparenten gegen Assimilation und Vertreibung in einer Stadt dreitausendsiebenhundert Kilometer weit weg von hier.
Sie landen im Schraubstock der Exekutive, wegen lächerlichen Mengen versprühter Farbe auf überversicherte Schaufenster und Betonmauern.

Im Innenhof des Progr sitzen volltätowierte Menschen und essen vegane Snacks, lassen sich die Haare schneiden, hören Musik und trinken Kaffee.
Und rauchen.

Die ersten Schwimmer in der Aare – Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, trotzdem ist mächtig was los …

#BernNotBrooklyn ist normalerweise die Sparte wo lange Partynächte nachbrennen, manchmal aber auch für sonst brennende Themen.

#BernNotBrooklyn

Roland Fischer am Sonntag den 1. April 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, beispielsweise irgendwo in einer rustikalen Bar im Weissenbühl oben:

Abessinien und Black vinyl Music und altes schwarzes Holz. Und Gott und die Welt.

#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 25. März 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, beispielsweise gestern im Trubinensaal der Dampfzentrale: Die Luft stand still, dafür bewegte sich der Boden SONDERgleichen.

Und die Kraftwerkhalle (unbelüftete? Es war schrecklich stickig …) diente als optimale Anlage für das neue Stück von Annalena Fröhlich und Fhunyue Gao, welche zusammen mit Lichtdesignerin Mirjam Berger im riesigen Raum kleine ideelle Inseln kreierten.
Rückzugsorte:
Vor industrieller Kälte.
Vor grossen Automaten.
Vor dem schon passierten oder drohenden Kollaps?

Auf der Tribüne fühlte man schnell mit. Stellt euch vor – wie Hirsche – aufgeschreckt im Dunkeln, von blendenden Scheinwerfern. Und Menschen, eingeschüchtert vom donnernden Grollen riesiger Flugmaschinen, dicht über ihren Köpfen.

Eingewickelt in Folien, Blachen und Fellen. Umwoben von Nebel, Rauch und hinter Vorhängen.
Um das Versteck bemüht. Wortwörtlich in Zwischenräumen.
Zwei Kreaturen wandeln assoziativ zwischen artübergreifenden Refugien:
Wald.
Wohnzimmer.
Wiese.
Dusche.
Und am Schluss gar unterboden.

Der tief in uns sitzende Drang sich bei Gefahr und Ungemach zu verkriechen, raffiniert szenografiert und eindrücklich performt.
Ein phänomenologisches Kunst-Stück, minimalistisch und trotzdem fantastisch: Das war SONDER.

Eine rundum faszinierende Darbietung, obwohl hie und da vielleicht etwas mehr getakteter Herzschlag dem Spielfluss geholfen hätte?
Bleibt auch darum zu hoffen, dass dies keine Dernière war (?).

Das Mutterschiff hat übrigens die Woche mit Annalena gesprochen: Hier zum Nachlesen.

#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 14. Januar 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, beispielsweise beim Bilderschiessen im Quartier.

Gestern driftend durch die lichtdurchfluteten Strässchen Süd-Berns, auf einem Umweg zum Kaffee beim Zaren.
Um die Häuser ziehen mit kleinen Blenden oder grossen Blendenzahlen – statt den dauernd tellerweiten Pupillen.

Auch mal wieder was.

Ein Wintersonneneinfall beim Weissenbühl.

Ein Winterbunt beim Weissenstein.

Und wenn man in der царь бар den Satz in der Tasse ausgelesen hat, kann man sich den Gleisen folgend gleich weiter in den Werkhof 102 treiben lassen.
Samstags und Sonntags gibt’s dort Brunch ab Zehnhundert.
Das könnte euch Tramps doch noch so passen –