Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Tanzen tanzen

Benedikt Sartorius am Freitag den 27. September 2013

Nach einem Jahr der subventionstechnisch vieldiskutierten Pause ist es wieder zurück in der Dampfzentrale, das Festival mit dem Namen Tanz in. Bern. Mehr Tanz wird es in dieses Jahr geben, schreibt Marianne Mühlemann im «Bund». «Im Klartext heisst das: weniger Performance und weniger Konzepttanz.»

Damit Sie teilhaben können an diesem Festival, das 19 Vorführungen an den elf Festivaltagen präsentiert, haben wir wiederum ein paar Tickets abgestaubt, genauer gesagt 6×2-Eintrittskarten für die Vorführung nach Wahl, die wir gerne verlosen. Füllen Sie Ihre Daten in dieses Formular mitsamt dem Wunschtag. Viel Erfolg.

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Sophie Hunger schöpft ihr internationales Potential aus

Christian Zellweger am Freitag den 27. September 2013

Neues vom Leuchtturm des Schweizer Musikexportes mit Berner Wurzeln, Sophie Hunger. Ehrlich gesagt, habe ich den Videobeweis dafür gerade noch nicht gesehen, dass sie sich wirklich in die seltsame Welt des Bundesvision Song Contests gewagt hätte.

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Hinweise, dass Hunger gestern Abend tatsächlich mit dem Hippie-Rapper Max Herre in Mannheim auf der Bühne stand und für die Stefan-Raab-Sause nach dem Vorbild und dem Modus des Eurovision Song Contests (ein (Bundes-)Land, ein Song, viele Punkte zu vergeben und viel Trash zu ertragen) den Song «Fremde» mitsang, gibt es aber: Unter anderem einen Auftritt im Vorfeld in der Show eben jenes Herrn Raabs. Auch dass Hunger auf dem 2012er-Album Herres vertreten ist, spricht dafür.

So richtig erfolgreich war der Auftritt aber offenbar nicht. Bei solchen Wettbewerben spielen bekanntlich immer auch Sympathie-Faktoren mit. Ob das mässige Abschneiden des Duos Herre/Hunger an Herre, Hunger oder am von ihnen vertretenen Bundesland Baden-Württemberg liegt, ist nicht auszumachen.

Ebenfalls unklar ist, ob der Kanton Zürich solche Auftritte vor Augen hatte, als er Sophie Hunger letztes Jahr den mit 40’000 Franken dotierten kantonalen Förderpreis verlieh, im Glauben,

dass die Künstlerin ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft habe.

und

Hunger [könne] gerade international noch deutlich mehr erreichen, als sie bereits […] habe.

Endlose Sommer-Sonne

Benedikt Sartorius am Sonntag den 22. September 2013

In diesen Tagen dürfte man unter viele Bilder, die mit dem Smartphone der Wahl geschossen werden, das seit einiger Zeit florierende Echtheitszertifikat «No Filter» hinschreiben. Denn endlos goldig scheint der herbstliche Sommer-Sonnenschein, und sobald dieser die kleinen Sonntags-Augen zusammenkneifen lässt, ist bei mir traditionell die Saison für die Platte «Summer Sun» der beliebten Band Yo La Tengo anbgebrochen. Das wissen Sie wahrscheinlich bereits, doch heute ist einer der Tage, in denen ein Lied wie «Tiny Birds» unschlagbar erscheint. Lied ab!

nofilter (Der Rosengarten am 15.9., no Filter!)

Chantal, Ariane und Nadja

Roland Fischer am Donnerstag den 19. September 2013

Es gibt so Worte, vor denen sollte man sich hüten; «ätherisch» ist so eines. Das fällt allzu häufig, wenn irgendetwas ein bisschen luftig und traumverweht daherkommt und dieses Irgendetwas mit Vorteil auch noch weiblich ist. Man sollte da vielleicht rasch zurückdenken an den Äther, der den Wissenschaftlern helfen sollte, das Problem des Nichts zu lösen, weil nichts ja eigentlich auch nichts weitergeben kann. Also erdachte man eine Hilfssubstanz, einen Träger für Wellen aller Art, damit diese (zb. das Licht) durch den leeren Raum zu uns finden konnten. Insofern ja dann doch nicht eine ganz unglückliche Metapher für feinstoffliche Kultur, auch wenn die Physiker irgendwann einsehen mussten, dass es den Äther gar nicht braucht. Also: das neue Video von Fitzgerald & Rimini ist ein wenig ätherisch, vor allem zum Schluss hin. Aber sehr schön natürlich:

Es tat gut, das Stück im Anschluss an die Videopremiere gestern in Thun auch noch live zu hören, das klang dann viel geerdeter. Fitzgerald & Rimini hatten wieder mal Verstärkung von den Swinging Slaves geholt, und zu «N-a-d-j-a» kam dann auch noch die Protagonistin des Films, Nadja Stoller, mit auf die Bühne, um die Songperle zum Glänzen zu bringen. Für die Inszenierung des Videos zeichnet übrigens Chantal Michel, und die war gestern auch selbst noch für flüchtige Kunst draussen auf dem Dach und in Bildern festgehaltene aber ebenso unfassbare drinnen besorgt.

chantal michel

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Die Ausstellung von Chantal Michel ist noch bis am 22. September 2013 geöffnet. Do und Fr 14–17h, Sa und So 10–17h.

Debattierbare Links Vol. 2

Benedikt Sartorius am Dienstag den 10. September 2013

Wiederum sammelt sich einiges an Material aus, so dass es mal wieder Zeit ist für eine kleine manuell gestaltete Linkschau. Los:

– Nach der Stadttheater-Kredit-Debatte im Stadtrat ist vor der Kulturdebatte. Denn diese geht glücklicherweise weiter – dank dem Leitartikel über Hühner und dem Tribünenbeitrag über die Debattenkultur von Stadtrat Manuel C. Widmer.

– Kulturpolitisch geht es weiter. Denn natürlich könnte man nun auch noch das Wort «Kulturstrategie» einwerfen, aber das wäre nur Zeugs, das die Medien interessiert. Sagt die Kultursekretärin, die im Interview mit der «Berner Zeitung» gleich mehrmals verblüfft. Lesen.

– Nach «The Suburbs» bzw. der «Wilderness Downtown» hat man den Browser Chrome rasch wieder installiert. Und gestern, für «Reflektor» von Arcade Fire wieder installiert. Ein Beitrag für die Multi-Device-Gesellschaft.

– Einwerfen kann man da nur, dass diese Reflektoren nun doch dumme Disco-Ideen sind. Das mag auch sein, weil «Dumb Disco Ideas» von Holy Ghost ist ein schönes Lied für den Tag. Viel Spass.

Aus den vollen Herzen geschöpft

Miko Hucko am Samstag den 7. September 2013

Es riecht nach Pferd in der Grossen Halle, oder fast nach Pferd. Es riecht nach Zirkus, nach Wald, nach Spiel: Feuchte Holzspäne bedecken einen breiten Streifen des Bodens. Die Sitzreihen für das Publikum sind dem Streifen entlang angeordnet, einander gegenüber, wie im einst im Circus Maximus. Oder doch wie um den Laufsteg?

Durch den intensiven Geruch, das mysteriös-dunkle Licht und die schiere Grösse der Halle werde ich von Anfang an in eine Zauberstimmung versetzt, die mich den ganzen Abend begleitet. Ein richtiges Spektakel ist diese Uraufführung von «das kalte Herz», mit allem drum und dran. Kinderchor und -orchester (Musikschule Köniz), Massenregie, aufwändiges Bühnenbild (beides Stephan Grögler, faszinierende Musik (Komposition: Simon Ho) und gut eingesetzte Lichteffekte.

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Und doch wirkt der Abend nie kalt, überdimensioniert oder reisserisch, denn die Freude, die allen Beteiligten ins Gesicht geschrieben ist, lässt diese Oper trotz der schieren Grösse persönlich werden. Der einzige Wermutstropfen war für mich das Libretto (Lukas Hartmann), von dem ich mir mehr sprachliche Feinheiten erhofft hatte. Ein Beispiel: «Mit dem Herz aus Stein / und dem Geld im Sack / kriegst du jede – zackzack». Aber zum Glück ist es eben eine Oper, und da wird der Text bekanntlich gesungen, so dass er nicht im Zentrum steht. Ich jedenfalls habe mich sehr gefreut, mal wieder etwas zu sehen, das gelungen mit der grossen Kelle angerührt worden ist.

Das kalte Herz läuft noch am 7., 13. und 14. September um 19:30, am 8. und 15. um 17:00 in der grossen Halle. Es hat den Bechdeltest bestanden (3/3 Punkten).

Mit der Vergangenheit Zukunft spielen

Miko Hucko am Sonntag den 1. September 2013

Bei Orakeln beginnt man am besten am Ende. Oder fast am Ende, oder in der Zukunft. In diesem Falle im Jahr 2023. Über dieses Jahr gilt es nun, möglichst transmedial eine Geschichte oder etwas Geschichtenhaftes zu erzählen – dies die Regeln von Story 2023. 

Auf eine dieser Möglichkeiten zu Zukunftsgeschichte bin ich letzte Woche gestossen. Remixdemix nennt sich dieses Orakel, und die Regeln sind denkbar einfach. Aus Zutaten der Vergangenheit, Fremdwortteilen, die uns irgendwie bekannt vorkommen, werden neue Worte erwürfelt, Worte, die die Zukunft beschreiben sollen.  Die Geschichte dazu darf sich jede_r selber Ausenken und auf Twitter Teilen – natürlich mit dem dazugehörigen Hashtag.

Natürlich hat es einige vorgewürfelte Beispiele, hier mein Liebling, “Re-Realism”

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Interessant an diesem Projekt finde ich nicht nur die Idee selbst (die auch unglaublich Spass macht), sondern auch die Idee von Autorschaft, die sich daraus ergibt. Der “Autor” von Remixdemix ist Roman Tschäppeler, Kaospilot und Absolvent der Design Trends an der ZHDK. Aber was hat der Autor nun genau gemacht? Und wo wird die Community selbst zum Autor? Die Grenzen verschwimmen, je länger Remixdemix online ist und je mehr Menschen ihre eigene Zukunftgeschichte erwürfeln und aufschreiben. In diesem Sinne: Der Autor ist tot – es lebe der Autor.

Einladen mit Liebe

Christian Zellweger am Donnerstag den 29. August 2013

Es ist ja so eine Sache mit diesen sozialen Apps. Damit sie wirklich funktionieren, müssen sie eine kritische Masse erreichen. In San Francisco zum Beispiel sei das ganz toll, mit diesen Forsquares, Yelps und so weiter, hört man. Kein Wunder, wurden doch viele dieser Progrämmchen in dieser Stadt erfunden (Forsquare zwar gerade nicht).

ComeOn

Nun, auch in Bern gibt es Tüftler, zum Beispiel die Herren und die eine Dame von Apps with love. Diesen Sommer haben auch sie sich an einer App versucht, die Menschen zusammenführen soll: ComeOn! heisst das Resultat.

Die Funktionalität gleicht ein wenig den Facebook-Veranstaltungen: Event erstellen, Freunde einladen, kontrollieren wer zu- und abgesagt hat und sehen, wer was zu sagen hat. Der Vorteil: Das ganze in simpel und schön und ohne Facebook-Account.

Die Idee entstand aus einem eigenen Bedürfnis der Macher. Im Moment dürfte die App denn auch überwiegend auf den iPhones des erweiterten Apps-with-love-Freundeskreises installiert sein, wo wir wieder bei der kritschen Masse wären. Zwar bekommen Eingeladene, welche die App nicht installiert haben, ein SMS. Das kommt jedoch ein bisschen verwirrend daher, wenn man nicht weiss, um was es eigentlich geht.

Weil das ganze ein gute, hübsche und erst noch kostenlose Sache aus der Stadt ist, soll hier ein bisschen Werbung dafür gemacht werden. Es sei auf den iTunes-Store verwiesen.

Stadttheater – Karneval

Miko Hucko am Sonntag den 25. August 2013

Die Spielzeiteröffnung des KonzertTheaterBern, gestern Abend, als grosses Fest für die Stadt angedacht. Und als solches durchgeführt: Das Symphonieorchester spielte auf dem Bundesplatz vor vollem Haus. Zum Abschluss sogar noch den Berner Marsch. Ein Anbiederungsversuch an neue Publikumsschichten? Gelungen jedenfalls. Auch gelungen der guggenmusikähnliche Umzug der Bläser von Bundesplatz bis zum Stadttheater selbst, ein Einzug der Kunst in das Gebäude.

Im Stadttheaterfoyer dann: Ein leerer Dancefloor. Ich suche nach den Leuten und finde sie im Stadttheater selbst, im altehrwürdigen (scheint’s renovationsbedürtigen) grossen Saal: zum Bersten voll. Die Leute stehen gar in den Türen! Da muss was los sein. Ich quetsche mich in die vorderen Reihen, es klatscht und grölt, und auf einmal kommt ein Schlager aus den Lautsprechern: “alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei”. Die Leute klatschen mit, auf der Bühne machen sich Leute zum Huhn:

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Es handelt sich also um eine Kochshow! Ganz nach dem Prinzip von Unterschichtsfernsehen treten verschiedene Gruppen gegeneinander an, und wer die meisten Witze unter der Gürtellinie macht, erhält Lob von der Jury. Die Jury besteht aus einem Schauspieler, einem Sänger und einer Tänzerin und ist überhaupt ganz damit beschäftigt, so jurylike wie irgend möglich zu sein. Soviel zum beschreibenden Teil. Diese Koch-Casting-Show ist wahrscheinlich ironisch gemeint und soll sich über solche Shows lustig machen. Was aber tatsächlich auf der Bühne zu sehen war, war eher ein billiger Abklatsch einer solchen Sendung, eine live-Version quasi, und hat bei mir zu einigen Fremdschäm-Momenten geführt. Dementsprechend früh bin ich dann wieder nach Hause, und falls die Sause später noch grossartig wurde, habe ich es nicht mitgekriegt.