Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Gewinnen mit KSB: Zweimal Tanz in der Dampfere

Christian Zellweger am Montag den 18. Mai 2015

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Der Superlative sind viele, für das Stück «What The Body Does Not Remember» von Wim Vandekeybus. Von einer «Tanzrevolution» und einem «Schlüsselwerk des europäischen Tanzes» ist die Rede, wenn von diesem Stück gesprochen wird. 1987 katapultierte es den erst 24-jährigen Vandekeybus mitten in die einflussreichsten Tanz-Choreographen. 28 Jahre später hat Vandekeybus das Stück nochmals inszeniert und kommt mit neuer Besetzung in die Dampfzentrale.


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Kilbi-Countdown-Content (3): Shabazzzzzzz

Christian Zellweger am Samstag den 16. Mai 2015

Kilbi-Countdown-Content: Nicht mehr lange bis zur Bad Bonn Kilbi. In loser Serie wollen wir hier Ihre Aufmerksamkeit auf ausgewählte Bands im schönen Programm lenken.

  

Heute nur Kurznews. Die eigentlich schon alt sind (vom Mittwoch). Aber immer noch gut:

Wir bedauern die Absage von KINDNESS. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Wir freuen uns dafür in allen Farben, dass die visionären SHABAZZ PALACES unserer Einladung gefolgt sind. 
Das Duo aus Seattle gehört zum Spannendsten was der Rap im Moment zu bieten hat.

heisst es auf der Kilbi-Website. Eine hübsche Überraschung.

Mir fällt nichts ein!

Oliver Roth am Freitag den 15. Mai 2015

Ich stehe unter der Dusche und versuche angestrengt eine Idee für einen Blogeintrag zu finden. Den Rücken schrubbend und in mich gekehrt, merke ich, dass ich nichts Spannendes erlebt habe und auch nichts solches zu berichten habe.

Oder doch, Die Zeit titelt vorgestern: Liebe Leser, diese Woche fiel uns leider nichts ein. Ein Satz, der mich in meiner ideenlosen Situation besonders anspricht. “Acht Autoren schreiben über Inspiration, Schöpferkraft und den Ursprung der Ideen.” Johanna Rahner schreibt vom “Heiligen Geist”, Evelyn Finger meint Kreativität komme “von oben”. Da bin ich dagegen und stimme eher Harald Martenstein zu, der das Wort Kreativität ablehnt (obwohl ich Martensteins Frisur ablehne).

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Der Duden bestärkt meinen begrifflichen Ekel, denn Kreativität wird als „schöpferische Kraft“ definiert. Welche Kraft, bitte? Unter der Dusche habe ich keine Kraft gespürt. Ich habe einfach nachgedacht und mir diesen Artikel im Kopf zusammengebastelt. Stück für Stück. Genau diese Zeile ist beim Shampoonieren entstanden.

Ich halte es ebenfalls eher mit dem Philosophen Wilhelm Schmid, der im Interview zum Thema meint, Espresso sei gut für die Kreativität. Nach dem Kaffee geht es bei mir erst so richtig los mit dem Ausdenken, und den trinke ich noch nach dem Duschen!

Max Küng nannte sein Buch Einfälle kennen keine Tageszeit, was natürlich wahre Worte sind. Es muss nicht die Dusche sein, um darauf zu kommen, dass man einen Text über die Exkremente der Berner Bevölkerung schreiben möchte. Ich träume oft gute Ideen. Mein Unterbewusstsein ist eine besonders geile Sau. Darauf verweist auch Schmid in der Zeit: “Schalte ich den Kopf aus, kann sich Sinnlichkeit entfalten.” Hirnlos Saufen! Auch schön ist die Vorstellung von David Lynch, der meint fertige Ideen lägen in einem imaginären Raum nebenan, man kommt nur nicht rein. Meditieren!

Bei dem Mythos Kreativität geht es also nur um angestrengtes Nachdenken, Kaffee trinken, guten Schlaf und Shampoonieren. Gar nicht so heiliger Geist.

Die Zeit, die beste Wochenzeitung im deutschsprachigen Raum, gibt es immer am Donnerstag am Kiosk. Wer beim Umblättern Muskelkater bekommt, zieht sich die Zeit aufs iPad.

I’m the Underdog

Miko Hucko am Donnerstag den 7. Mai 2015

Um den Underdog ging es gestern Abend am AUA in beiden Stücken, die ich gesehen habe, ein bisschen. In Queer Sells des Performanceduos White On White wird geschickt mit einer These über gegenwärtige Machtstrukturen gespielt: Dass nämlich nicht mehr an die Macht kommt, wer von vornerein dazu prädestiniert ist, also weisse heterosexuelle nicht-behinderte cis-Männer aus der Mittel – Oberschicht, sondern vermehrt Menschen, die eine einzelne Abweichung dieser Komponenten vorweisen können. Als Beispiel werden hier Merkel und Obama herbeigezogen.

Wer also Erfolg haben will, darf nicht von Anfang an Erfolg haben. Muss mir, als Kuratorin, Wählerin oder Zuschauerin, das Gefühl geben, sich hochgekämpft zu haben, eben: Irgendwie ein Underdog gewesen zu sein. Einfach nicht zu fest. Nur so ein bisschen. Mit verschiedenen Sprechakten, immer wieder leicht gebrochen durch den doppelten Boden des Theaters, spielen die beiden jungen Männer damit, wie wir sie wahrnehmen.

Dann Fight Night. Eine Farce, ja, ein hässlicher Zerrspiegel unseres direkt-demokratischen Systems. Jede/r Zuschauende erhält eine Wahlfernbedienung, ein Abstimmgerät. Nachdem erstmal die im Raum anwesende Demografie ermittelt wird, geht es los: Wer der fünf vorne stehenden Kandidaten soll gewinnen? Der Kampf um die Gunst des Publikums wird nicht etwa mit Fäusten oder Theatermitteln, sondern vor allem mit Rhetorik geführt. Wie fragil die Meinung einer (doch relativ homogenen) Masse ist, zeigt sich schnell, und so zieht der Abend an und nimmt witzige, charmante und bösartige Wendungen.

Gigu-o-meter Fight Night: B. Es wurde mir mal wieder schön vorgeführt, dass dieses demokratische Abstimmungssystem wirklich Habakuk ist. Das gibt schon zu denken (aber noch nicht zu handeln).

Gigu-o-meter #6: Queer Sells: BB. Ich werde mich in Zukunft noch mehr auf meine Sprechakte (und persönlichen Underdog-Charakteristiken) achten und schauen, wie ich sie geschickter einsetzen kann. Das ist zwar kein Aufstand, aber vielleicht wird das ja einer.

Der Gigu-o-meter misst nicht die Qualität eines Stückes, sondern, wie sehr es mich dazu inspiriert, wirklich etwas zu verändern an dieser Welt. Er reicht von C (ja, böö) bis hin zu AAA (Aufstand im Anschluss an den Applaus).

Fight Night gibt’s noch einmal heute um 20:00 in der Dampfzentrale. Es sei empfohlen!

wenn Töpfe und Himmel auf unseren Kopf

Miko Hucko am Dienstag den 5. Mai 2015

Also, besser will er es machen, aha, ja. Hmm. Meint er das…? Ist das sein Ernst.. Ich meine, was ist mit. Ah ja. So. Hm. Er scheint es doch zu meinen. Oder? Ironiezeichen oder sympathische Unsicherheit? So ein Seich. Also Bitte. Ah. Ein Buch! Er hat die Verfassung sogar in einem Buch! Potz.

So ungefähr meine Gedankengänge (und, nicht unwahrscheinlich, auch die einiger anderer Besucher_innen) während  some use for your broken claypots. Ja! so mag ich Performance: Jemensch hält einen Vortrag, der zwar total simpel ist, aber inhaltlich scheint’s derart provozierend, dass das Publikum sich nicht scheut, dreinzureden, Fragen zu stellen, und sogar Aggressionen untereinander entstehen bis hin zum Be-applaudieren eines Statements.

Christophe Meierhans hat ein neues, unglaublich kompliziertes demokratisches System entworfen, dass seiner Aussge zufolge besser ist als unser bestehendes. In der Schweiz, wo wir doch so stolz sind auf die direkte Demokratie, ist das wahrscheinlich der Knackpunkt, mit dem sich die Zuschauenden aus der politischen Reserve locken lassen. Wow!

Gigu-o-meter: A. Zum einen habe ich noch nie ein Publikum erlebt, dass nach einem Stück einfach beim Theater hängen geblieben ist und über Vor- und Nachteile politischer Systeme diskutiert hat (sic), zum anderen überlege ich mir, warum ich mir nicht einfach auch mal ein neues System überlegen soll. So aus Jux und Dollerei. Und eine Initiative zur Totalrevision der Bundesverfassung liegt auch noch drin. Der Gigu-o-meter misst nicht die Qualität eines Stückes, sondern die Kraft, mit der es mich zum Ausstieg (Gigu-Schreien) verleitet. Er reicht von C (ja bö) bis AAA (Aufstand im Anschluss an den Applaus).

some use for your broken claypots läuft noch heute am AUA, um 19:00 im Schlachthaus Theater. Hingehen!

Buntes Blutbad

Miko Hucko am Freitag den 1. Mai 2015

Kann Gewalt fröhlich sein? Ein bisschen habe ich mich im Teletubbyland gewähnt bei Miet Warlop gestern in der Dampfzentrale: Bunt, grausam, Mobbing, Amokläufe – und doch musste ich immer wieder lachen. Wie ein Albtraum in zu viel Farbe getunkt. Und mit riesigen Perücken, zersägten Hunden, explodierenden Autos.

Mein persönliches Highlight war der Staubsauger-Föhn-Geisterchor. Aber mehr jetzt nicht, weil das wäre schon fast zu viel. Nur eines: Ich hätte nicht die Technikerin sein wollen, die nachher die Bühne aufräumt. Fazit: Ja! Anschauen! Und bitte die Albtraumassoziationen hier teilen.

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Gigu-o-meter: C. Der Gigu-o-meter reicht von C bis AAA. Er misst nicht die Qualität eines Stückes, sondern die Heftigkeit, mit der mich dieses zum anschliessenden Aufstand (AKA Gigu-Schreien) motiviert.

Zukünfte: April 2023

Miko Hucko am Samstag den 25. April 2015

Nach dem vor ein paar Jahren, glaub 2017, endlich die Mauer im Progr entfernt wurde, wurde nun auch die Mauer um den Progr entfernt, so dass der Innenhof direkt auf die Strasse rausgeht: Ein echter Gemeinplatz ist entstanden.

Diesen Frühling nun ist es soweit und der erste gemeinschaftlich-öffentliche Garten der Stadt Bern öffnet seine Tore, und zwar so richtig! Den ganzen Winter hindurch war der Progr damit beschäftigt, den Beton rauszureissen und die Leitungen tiefer zu legen, so dass der gesamte Hof nun bepflanzbar ist. Seit Februar ist Brache, und heute ist Pflanzfest!

Jedermensch, der oder die rechtzeitig auftaucht erhält 1 m2 zur Verfügung gestellt, auf dem etwas für die gesamte Gemeinschaft angepflanzt werden muss. Ein Wahnsinnsexperiment, weil alles auf Freiwilligkeit und Engagement beruht. Einige Progr-Mieter_innen haben zusätzlich auf ihren Fenstersimsen riesige Töpfe aufgestellt – na wenn die mal nicht runterfallen.

Etwa 2m hohe Holzplattformen ragen vor Turnhalle und Lehrerzimmer aus dem Boden hinaus, auf diesen kann weiterhin getrunken werden, unter diesen gegärtnert. Hübsche Aussichten nenne ich das, und auch die Lehmwege, die von Tür zu Beiz führen, geben mir eher das Gefühl, auf dem Land zu leben. Und das mitten in dieser sonst so grüngrauen Stadt. Ich freue mich jedenfalls auch auf den Herbst, wenn’s das erste Erntedankfest gibt – mit Special-Eigenanbau-Pitabroten.

Too cool for NZZ

Christian Zellweger am Samstag den 18. April 2015

In den letzten Jahren hat sich das Spektrum des Schweizer Dialekt-Pop auf geradezu wundersame Weise erweitert. Auch jenseits des Mainstreams sind ebenso eigenwillige wie erstklassige Produktionen entstanden, die zweierlei beweisen: dass die Schweiz musikalisch alles andere als ein Holzboden ist – und dass Pop als Kommunikationsform nie besser funktioniert als in der Muttersprache.

«Stimmt», denken wir mit leichter Berner Voreingenommenheit bei der Einleitung dieses Artikels in der NZZ

Das Hauptanliegen des Textes wären die neuen Veröffentlichungen von Tinu Heiniger, Sina und Greg Demo, aber die sind dann gar nicht mehr so wichtig, weil manchmal umso mehr auffällt, was fehlt.

Die Zeugen, die da zum Beweis der Mundart-Erneuerung herangezogen werden, lesen sich zwar auch in Züri West mit einem Kopfnicken: King Pepe, Bubi Einfach, Lo & Leduc werden hier mit Blick auf die letzten Monate angeführt. Stahlberger schaffens zudem in den Artikel, Papst & Abstinenzler und Dabu Fantastic auch.

Nur: Kann man tatsächlich über innovative Mundartmusik mit Jahrgang 2014 schreiben, ohne Jeans for Jesus zu erwähnen? Offenbar ja. Aber – ganz ohne übertrieben geschärftes Lokal-Bewusstsein – es ist halt schon ein popjournalistischer Kunstfehler.

Zukünfte: April 2020

Miko Hucko am Mittwoch den 15. April 2015

Gurtenfestival! Ich bin echt froh, wurde es vor zwei Jahren in den April verlegt – sonst wäre es weiterhin in die Monsunzeit reingefallen. Wie der Sommer früher so war, hätte es uns doch eigentlich schon viel eher auffallen müssen. Item.

Jedenfalls gehe ich seit fast 15 Jahren das erste Mal wieder auf den Hausberg heute Abend. Besonders freue ich mich auf das Performancezelt, von dem letztes Jahr alle so geschwärmt haben, kuratiert von Sarah Weibelfrau. Dort wird unter dem Titel Raising Monsters ausprobiert, welche anderen Lebensformen noch als Menschlich gelten könnten – in enger Zusammenarbeit mit Gentechniker_innen und Robotiker_innen.

Überhaupt – seit das Gurtenfestival 2017 von der revolutionären Künstler_innengruppe Gnumpir besetzt wurde, kann ich mich wieder viel besser damit anfreunden. Schon nur der tiefen Eintrittspreise wegen und des breiteren Musikprogramms. Auch wenn das heisst, dass es weniger Bierseligkeit gibt und weniger Einnahmen und somit auch weniger der ganz grossen Bands. Oder vielleicht gerade deswegen.

 

Zukünfte: März 2019

Miko Hucko am Mittwoch den 1. April 2015

Und jetzt wirklich. Erinnern Sie sich noch an diesen Künstler Melchiorri, der künstliche Blätter erfunden hat? Das war ein ziemlicher Durchbruch damals, im Sommer 2014. Ausgerechnet in unserer sonst eher ruhigen KulturStadtBern wird jetzt daran weitergeforscht, oder weitergekünstelt. Irgendwie hat sich nämlich die NASA damals doch nicht so fest um diese Blätter gerissen (wahrscheinlich aus Geldmangel). Also kein Patent, also hopp – und eine Künstlerin hat sich darauf geworfen. Irgendwer musste die Blätter doch endlich ausbessern und testen!

Einen Raum der Stadtgalerie hat die Performerin Erika Maria O. über die letzten Monate vollkommen luftdicht gemacht und darin die selbstgebauten Blätterpflanzen aufgebaut (ästhetisch gelungen: Blätter in verschiedensten Formen sind entstanden). Von letztem Mittwoch an bis zur gestrigen Vernissage hat sie den Raum nicht verlassen. Über eine Projektion im Gang konnten Interessierte mitverfolgen, wie (und ob!) Erika so lebte.

Und siehe da: Die vier Tage im geschlossenen Luftkreislauf wurden überlebt. Bei ihrer sogenannten Emergence wurde Erika denn auch verdientweise wie eine Heldin gefeiert. Auf / Ab in den Weltraum!