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Weil die Dinge hier in Ordnung sind

Mirko Schwab am Mittwoch den 7. November 2018

Mani Matter. Und auch mir ist kürzlich ein halbes Loblied auf die Schweizer Demokratie entfahren. Hat sich angefühlt wie ein Furz. Wie einer, den man zuerst nicht riecht, der dann aber lange in der Zimmerluft stehen bleibt.

Bin über die Bundesterasse gestolpert. Über den Bundesplatz hinein, dem Bundespalast entgegen. Helvetia. Du kolossaler Gugelhopf mit grünem Zuckerguss. Dich fresse ich zum Frühstück auf, bist so süss. Niemand da, nur Du und ich. Nur Du, Demokratie und ich, ein Taugenichts aus dem Leben. Bist so süss, ich fass dich an. Das kann ich, niemand da, keine Polizei, nein, keine Armee, nein. Ich fress dich auf, weil ich dich liebe. Lässt mich ran, ganz nahe ran. Niemand da, dich zu bewachen, nackt und süss bist du da und ich fass dich an, beiss von dir ab, lass dich mir schmecken. Grünspan auf der Zunge – nein, kein Grünspan, sagt das Internet, Kupferhydroxide bzw. Kupfercarbonate – auch gut, ich komm dir nah, ich fass dich an, ich ficke dich, Demokratie, ganz lieb will ich dich ficken jetzt. Und keiner da, keine Polizei, nein, keine Armee, nein.

Der Bundespalast wird nicht, wie in anderen Nationalstaaten üblich, von der Öffentlichkeit abgeschirmt, d.h. von den Taugenichtsen aus dem Leben. Weil die Dinge hier in Ordnung sind. Weil die freiwilligen und ordentlichen Mannli und Froueli, Toggeli, aus dem ganzen Land mit dem Zug anreisen und zu Fuss durch die von schönen Geranien gesäumte Obere Altstadt toggeln. Toggeln dann hin zum Bundespalast, der Haus heisst, weil liebe und ordentliche Leute halt in Häusern wohnen. Und im Bundeshaus drin gehen sie dann schauen, dass die Dinge hier in Ordnung bleiben. Ordentliche und friedliebende Leute sind das hier halt. Das ist schön, das ist schön.

Darum brauchts auch keine Waffen. Blöder Zufall, schlecht gelaufen, kann passieren, wenn die halt dann Waffen bauen, die lieben Leute im Land, kann passieren. Zum Beispiel in Neuhausen am Rheinfall. Aber da gehts ja nicht um Waffen, sicher nicht in erster Linie, da gehts um Präzision und Perfektion und Zuverlässigkeit. Um die Ordnung, der wir schauen müssen.

Aber hier brauchts eben keine Waffen. Blöder Zufall, wie gesagt, dass die lieben Leute dann trotzdem immer wieder Waffen bauen, können es nicht lassen, Lausbuben. Aber schon mit Talent, das muss man sagen, Präzision und Perfektion und Zuverlässigkeit. Und dann wäre es ja schade – da muss man sich nicht unter seinem Wert – also die Waffen – die kann man ja immernoch verkaufen. Irgendwohin, wo die Leute nicht so gut sind in Präzision und Perfektion und Zuverlässigkeit. Das ist schon in Ordnung, sollen dann einfach keinen Seich machen damit.

Im Jemen. In Syrien. In Lybien.
Mani Matter? Money Matters.

Ich ficke dich, Helvetia. Ganz langsam. Fick dich schneller. Ich ficke alles, was du gelten lassen willst.

Bevor ich dich auffresse und dich nicht verdauen kann. Dann halt stinkts. Aber eben so, dass man es zuerst nicht riecht. Was einmal reingeht, muss wieder rauskommen. Was einmal raufgeht, muss wieder runterkommen.

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2 Kommentare zu “Weil die Dinge hier in Ordnung sind”

  1. Roland Fischer sagt:

    what matters

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