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(S)hush Hush

Clemens Kuratle am Mittwoch den 7. November 2018

“Speak easy-Konzert” nennt sich die Konzertreihe, zu deren geladenen Gästen der Autor sich letzten Montag zählen durfte. Anthony d’Amato war zu Gast. Man dankt und résumiert.

Ein Blick durch den Spiegel ins Dachgebälk.

 

Erklärtes Ziel der Veranstaltung ist, der herbstlichen Kälte soul-warming music entgegenzuhalten.  “BYOP” (Bring your own pillow). Irgendwo im Mattenhof, Hintereingang, die Treppe rauf bis zum Dachgebälk, überhaupt tönt alles recht gemütlich. Die Anzahl Wollpullover, die sich in ominösem Estrich zusammengefunden hat, ist entsprechend hoch. Nur ein grossgewachsener Herr, häufiger Gast an verschiedensten alternativen Kulturveranstaltungen, bleibt auch hier seinem Anzug treu. Stilistisch und  altersmässig durchmischt ist die Gesellschaft also schon mal.

Die Gastgeberin grüsst freundlich und fordert ebenso herzhaft zur Rücksicht auf die Nachbarn auf. Nun warten wir auf Anthony D’Amato, Songwriter von ennet dem Teich, welcher sich der Zusammenarbeit mit verschiedensten Helden von drüben rühmt. Gute zehn Minuten nach der Ansage legt er auch bereits los. Man merkt schnell: Um den Herrn mit Gitarre braucht man sich keine Sorgen zu machen. Tourgestählt präsentiert er seine Songs, ohne viel Klamauk, mit den nötigen Finessen in Arrangement und Gitarrenspiel und dem unwiderstehlichen Drive der American Folk Music.  Gewährleistet wären sie also, die Zutaten, die einen Songwriterabend von einem Abend am Lagerfeuer unterscheiden. Amato reizt die dynamische Bandbreite seiner Gitarre aus und schafft’s so die Spannung aufrecht zu erhalten.
Zwei kurzweilige Sets später ist der Gig vorbei, sind zwei Zugaben zum Besten gegeben und auch das obligate Dylan-Cover gespielt. Die eigenen Songs vermochten nicht immer restlos zu überzeugen. Teils vorhersehbar in Struktur und Material, zu nahe an bereits Bekanntem sind die Stücke, auch wenn sie lyrisch immer wieder mit Humor auftrumpfen. Schwächen, die aber durch die starke Performance grösstenteils kompensiert wurden.

Der Abend als Ganzes geht mehr als in Ordnung. Der heiss geliebte Wohnzimmervibe, in Dreieinigkeit mit Gastgebern die wissen was wichtig ist und einer Kollektenkultur die den Namen verdient machen, dass hier niemand zu kurz kommt. Man spürt, hier kann Musik passieren, die das Bewusstsein der Hörer umpflügt. Und so wankt der Autor nach einem zu starken Absackerli nach Hause. Unbeackert zwar, aber im Frieden mit sich und der Welt. Und den Frieden wünscht man sich an einem Montag doch am meisten.

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Ein Kommentar zu “(S)hush Hush”

  1. Dienstbier sagt:

    genau – merci1000 Aline!

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