Logo

#notBrooklyn – Postkarte aus Izhevsk

Clemens Kuratle am Dienstag den 23. Oktober 2018

Unser Autor war auf Russlandtour und ist heil zurück. Die Postkarte brauchte etwas länger. Viel Liebe aus Izhevsk, Udmurtien.

Die gestaute Isch.

Ein letztes Selfie mit dem Busfahrer und jetzt sind wir hier in der Stadt welche, neben den besten Pelmeni (eine Kreuzung von Ravioli und den ach so hippen Momos) auch die Kalaschnikow zu verantworten haben. Doch halt: Der Erfinder war ein Russe, kein Udmurte, wie uns erklärt wird. Das Waldvolk mit finn-ugrischen Wurzeln sei friedliebend und pflegt auch heute noch zum Teil einen naturverbundenen, wenn auch urbanen Animismus.

Die Moskauer waren noch skeptisch als wir ihnen von dieser Touretappe erzählt hatten, aber Sascha unser Gastgeber hier meint: “Forget about Moscow, something magic is happening here!”
Die Magie erklärt er später, seien Initiativen der Einwohner, die neue Zusammenarbeit von Gewerbe und Stadtverwaltung, öffentlicher Raum der mit Kultur belebt wird. Jetzt, knapp 30 Jahre nach der Perestroika, nachdem die letzten Sowjetnostalgiker die Verwaltungsapparate verlassen haben, beginnen die Einwohner zu gestalten. Ein dankbarer Ort für musikalische Experimente, viele hungrige, offene Ohren. Ein schöner Gegensatz zum übersättigten, 24/7 zugestöpselten Durchschnittshörer der Confederatio Helvetica. Eine Blase ist die Kulturoase aber auch hier. Der Durchschnittsbürger geht bei Kohldampf zu Kentucky Fried Chicken.

From Izhevsk with <3
Euer K

 

« Zur Übersicht