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Altenbergsteg

Urs Rihs am Mittwoch den 20. Juni 2018

Gravitationspunkt im Sommer. Schattenhalb der Kornhausbrücke. Von zierlichem Strich, knapp über dem Pegel verspannt, lädt zum Sprung durch den Wasserspiegel, heute daran hängen geblieben – an der heimlichsten Schönheit der Stadtberner Brücken.

Hölzern war er erst, der Steg, 1834 erbaut, als Ersatz der müden Fährmannen.
Zimmermeister Jussi erstellte ihn einst samt Zollhaus auf der rechten Flusseite.
1842 wird die Steuer abgeschafft, das Haus trotzte bis 1934.

Früher verschleisst der Ursteg, die Balken und Planken bereits nach 20 Jahren mürbe.
1856 legt Ingenieur Gränicher darum den Plan für eine Stahlkonstruktion dem Grossen Rat vor.
Keine zwölf Monate später steht die neue Kettenbrücke.

Länge 57.00 m / Breite 2.13 m / Höhe 4.8 m; Versteifungsträger 1.14 m

«Eine Besonderheit des Steges sind die Gusseisen-Pendelstützen, welche die Ketten an beiden Ufern tragen. Die vierfachen, von Hohlkehlen gebildeten Rippen, die Schwellung entsprechend dem Verlauf der Knickkräfte und die eleganten Kopfstücke mit den angeschraubten Verbindungsjochen legen Zeugnis für die sorgfältige gestalterische Durchbildung ab.»
Heisst es in der Fachliteratur und klingt dabei doch mehr nach Poesie.

Schwebend, die offene Brücke, leicht – schwingend immer, wenn wer darüber rennt, davon abspringt oder sich das Gummiseil der Aaresurfer entspannt.

Ein so reizbares Örtchen der Stadt
Am Tag untendurch treiben lassen im Zuge des Flusses.
Daneben lungern in der Abendsonne, wie wechselwarme Tiere.
darauf stehen bleiben und das Glitzern geniessen –
nachts.

Der Altenbergsteg
auch schön zum Rauchen da und um das Leben zu begiessen.
Geht hin dort ihr Lieben.

Der Altenbergsteg, noch ohne Kornhausbrücke darüber – deren Bau erst 1895 begann – dafür mit der “Roten Brücke” im Hintergund, welche 1941 abgebrochen und durch das Lorraineviadukt ersetz wurde. Und dem alten Zollhaus auf der rechten Seite. (Bildquelle: SWISS TIMBER BRIDGES)

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