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#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 25. März 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, beispielsweise gestern im Trubinensaal der Dampfzentrale: Die Luft stand still, dafür bewegte sich der Boden SONDERgleichen.

Und die Kraftwerkhalle (unbelüftete? Es war schrecklich stickig …) diente als optimale Anlage für das neue Stück von Annalena Fröhlich und Fhunyue Gao, welche zusammen mit Lichtdesignerin Mirjam Berger im riesigen Raum kleine ideelle Inseln kreierten.
Rückzugsorte:
Vor industrieller Kälte.
Vor grossen Automaten.
Vor dem schon passierten oder drohenden Kollaps?

Auf der Tribüne fühlte man schnell mit. Stellt euch vor – wie Hirsche – aufgeschreckt im Dunkeln, von blendenden Scheinwerfern. Und Menschen, eingeschüchtert vom donnernden Grollen riesiger Flugmaschinen, dicht über ihren Köpfen.

Eingewickelt in Folien, Blachen und Fellen. Umwoben von Nebel, Rauch und hinter Vorhängen.
Um das Versteck bemüht. Wortwörtlich in Zwischenräumen.
Zwei Kreaturen wandeln assoziativ zwischen artübergreifenden Refugien:
Wald.
Wohnzimmer.
Wiese.
Dusche.
Und am Schluss gar unterboden.

Der tief in uns sitzende Drang sich bei Gefahr und Ungemach zu verkriechen, raffiniert szenografiert und eindrücklich performt.
Ein phänomenologisches Kunst-Stück, minimalistisch und trotzdem fantastisch: Das war SONDER.

Eine rundum faszinierende Darbietung, obwohl hie und da vielleicht etwas mehr getakteter Herzschlag dem Spielfluss geholfen hätte?
Bleibt auch darum zu hoffen, dass dies keine Dernière war (?).

Das Mutterschiff hat übrigens die Woche mit Annalena gesprochen: Hier zum Nachlesen.

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