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Frisch gepresst #9 «OTTO VON OHR – ACT ONE»

Urs Rihs am Samstag den 3. Februar 2018

Die KSB-Serie «Frisch gepresst» bringt zum Vorschein, was in feuchten Kellerstudios und synthesizerbestückten Dachböden unserer Stadt an Mukke produziert wird – vornehmlich Elektronisches, aber grundsätzlich alles, was direkt ab Presswerk bei dem Urs auf dem MK landet.

Der erste von drei angesagten Akten, aus dem Klangsetzkasten von «OTTO VON OHR». Erschienen auf dem Liebefelder Label Prefermusic, Köniz-Suburbia-Sounds sozusagen. Oder im Falle «ACT ONE» vielleicht treffender «Leftfield»-Liebefeld-Tunes.
Wollte man VON OHRs Erstling verorten, er wäre dort am ehesten anzusiedeln, im IDM. Ohne vollends zu verkopfen aber, es ist keine abstrakte Scheibe, der Dancefloor bleibt immer in Reichweite.

Reichweite ist denn auch das Schlagwort, um kurz das kaleidoskopische Label zu bespiegeln.
Prefermusic vollbringt nämlich ein leider zu seltenes Kunststück: Den musikalischen Bogen mittels diversem Roster weit spannen, ohne dabei beliebig zu wirken. Nicht Kraut und Rüben, sondern eine Stringenz, aber nicht an der Oberfläche, sondern im Kern der Sache.
Weil sich die auf dem Label vereinten InterpretInnen nicht nur um ein Endprodukt, sondern auch stark um den Kreativprozess zu scheren scheinen. Eine künstlerische Überzeugungstäterschaft durch und durch.

Jazziges reiht sich da mühelos neben Produktionen ein, die mit Pop flirten oder Beatmaker Sachen an der Seite von mehrlagigen Electronica-Collagen, kein Problem.
Der Zusammenhang generiert sich hier eben über die Herangehensweise, Prefermusic Acts sind Trabanten ein und desselben Plans: Der Heirat von Konzept und Lockerheit. Und dabei dehnen sie nebenher und vielleicht gar nicht mal bewusst, stiere Kontexte zwischen Bühne und Tanzfläche. Forsch-verstiegen im Spagat zwischen Kunst und Club. Chapeau!

Dort steht denn auch OTTO VON OHR, zwischen zwei Polen – Experiment und Groove. Und dazwischen ist viel Platz zum Toben für diesen «Tinkerer», diesen Ton-Spengler, welchem es hörbar schwerfällt sich zu fokussieren. Denn in seiner Brust scheinen nicht nur zwei Herzen zu schlagen, sondern mindestens deren Zehn. Zum Glück! Hunderte eigene Ideen und ein übervoller Rucksack an Referenzen. Daraus resultiert ein vielfältiges, festgefügtes Werk und das klingt auch nach verdammt harter Studioarbeit …

Digitale Basslines neben analogen Soundfetzen, wechselnde Tempi und Rhythmen, Liveaufnahmen, Field Recordings und Sprachsamples, alles dicht vermengt und richtig fett produziert.
ACT ONE ist Techno, stellenweise organisch, an anderen maschinell, schön hin und her gerissen zwischen breiter Brust auf dem Bass und brüchigen Patterns im Hintergrund.
Motor der Platte ist darum auch ein antreibendes Antagonistenpaar: Überzeugung und Zweifel – und zusammenfassend ist dies Beleg dafür, dass für fordernd-gute KunstKlubmusik das Zerwürfnis aller Anfang scheint. Spread the word!

OTTO VON OHR mit ACT ONE – der erste von drei
und wir warten gespannt auf die nächsten zwei.

OTTO stammt ursprünglich aus dem Osten, spielt aber keine Rolle, denn er flieht auch gerne mal gen Süden – seine Küchenutensilien sprechen Bände.

 

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