Logo

Besetzter Beutel

Mirko Schwab am Samstag den 29. April 2017

Die Kulturbesetzungen «Café Toujours» und «Familie Osterhase» spannen unter dem Namen «Nou Norm» für eine gemeinsame Aktionswoche zusammen. Ein revolutionärer Sonderbeutel.

Wer ganz generell darüber auf dem Laufenden sein möchte, was kulturell abgeht in Berns Besetzernetz: Ausschau halten nach einem der liebevoll gestalteten «Bsetzt!»-Flugblättern (Im Bild – Props gehen raus an den Lieblingsillustratoren Tobias Bolliger.)

Liebe
Kulturbürger_innen mit Abonnement,
Student_innen mit Altbauwohnung,
Teenager_innen mit Ausreissgelüsten,
undsoweiter

Wir haben im hauptstädtischen LoFi-Feuilleton der Herzen schon feierlich die Nase gerümpft über die massenmediale Auseinandersetzung mit Berns Hausbesetzer_innen. Haben im Letuschenbach auf die vergoldete Türmatte gekackt für einen lächerlich unterinformierten Klick-Generator in journalistischer Aufmachung. Üh, hat das Spass gemacht. Aber ein bisschen zündeln ist erst die halbe Miete und ein Leichtes. Was also ist unsere gewinnende Perspektive auf die Kultur- und Wohnprojekte am Rand der Stadt?

Hingehen! Die Auseinandersetzung vor Ort ist Bürger_innenpflicht, sobald am analogen und digitalen Stammtisch darüber diskutiert wird. In Holligen und Ostermundigen ist Leerstehendes in Sinnvolleres überführt worden alhamdulillah. Was da läuft, zeigt Ihnen der folgende besetzte Sonderbeutel mit Empfehlungen der revolutionären All-Star-Redaktion:

Die Luxemburg empfiehlt:
Gang zum Gangloff! Am Mittwoch ruft das Café Toujours auf zu Brot und Spielen. In umgekehrter Reihenfolge gibts ab 16 Uhr Volleyball für alle (VoFA). Hinterher gemütliches veganes Znacht und Spieleabend. Oder wie ich immer zu sagen pflege: Fest und klar und heiter sein, ja heiter trotz alledem, denn das Heulen ist Geschäft der Schwäche.

Sergei E. empfiehlt:
Am Donnerstag ab zum Farbfilm: Das «Kino Enzian» bei den Osterhasen zeigt «Kairo 678» von Mohamed Diab. Der Film verhandelt die Problematik sexistischer Übergriffe in Ägypten und erzählt von drei Frauen, die sich nicht länger damit abfinden wollen. Ganz recht: Gegenwärtig übt der mit visuellen Bildern (sic!) arbeitende Film einen mächtigen emotionalen Effekt auf die Menschen aus.

Der Camus empfiehlt:
Am Freitag dann lassen wir die Weinkaraffen im Schrank und erfreuen uns in nüchterner Klarheit an einer Konzertkaskade: Projeto Marataizes (Bossa e Samba), Idriss (Pop algérien) und Spezial K (Rap) versetzen das Toujours in Schwingung. Infomaterial zu Drogenkonsum und darüber, wie der gesellschaftliche Dauersuff patriarchale Strukturen verstärken kann, liegen (schwer) auf. Ist es nicht so: Wollen heisst Widersprüche wecken.

Proudhon empfiehlt:
In Ostermundigen am Samstag: Traumhaus bauen am Baunami, Grill ohne Tierleid und kantige Klänge: Deffekt und Kreuzer&Brequenzer laden ein ins Reich der elktronischen Finsternis. Gerade letztere seien Ihnen besonders ans Herz gelegt. Derweil lässt sich im Café Tojours über die Möglichkeiten und Chancen der Hausbesetzerei diskutieren. Eigentum ist DiebstahlQu’est-ce que la propriété? Gemeinsames Spazieren dann zu den Freund_innen im Osten.

Emma Goldman empfiehlt:
Ausserholligen again am Sonntag. Am Workshop «Let’s Talk About Sex» wird aus anarchistischer Perspektive über den Komplex von Sexualität, Sexismus und Patriarchat gestritten. Punchline: Ich werde nie Autoritäten dulden oder mich ihnen fügen, noch werde ich Frieden machen mit einem System, das Frauen zu nichts als einem Brutkasten degradiert!

Michail Bakunin empfiehlt:
Den Schlusspunkt setzt die traditionelle «Montagsbar» bei den Osterhasen. Bühne frei – denn: Wer nicht das Unmögliche wagt, wird das Mögliche niemals erreichen. So sing that song, Liebes!

Aktionswoche «Nou Norm» vom 3. bis zum 8. Mai. Detailprogramm hier.

« Zur Übersicht

Kommentarfunktion geschlossen.