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Frisch gepresst #1 ‘Die Capri Sonne auf dem Teller’

Urs Rihs am Samstag den 8. Oktober 2016

«Frisch gepresst», die neue Serie auf KSB, bringt zum Vorschein, was in feuchten Kellerstudios und synthesizerbestückten Dachböden unserer Stadt an Mukke produziert wird – vornehmlich Elektronisches, aber grundsätzlich alles, was direkt ab Presswerk auf meinem MK landet.

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still life by “der urs photography”

Erste Ausgabe mit dem neuen HOT-JAM Release #6 – dem Berner Label von «Jay Sanders» und «Marc Matsuki» – beides brutale DJs und selber Club-Music-Produzenten. Diesen Sommer, wer sich erinnert, mit heftigen Sets zum Beispiel an der Afterparty des Café Kairo Gartenfests oder am Paradiso Minifesival im Punto. Ihre neue Scheibe ist denn auch eine Ode an die heisse Jahreszeit, mit dem Ding schaffen wir es wohl gar unversehrt durch den nasskalten Winter.
Darauf vereint sind klingenden Namen wie «GIO DELL’ORSO», «HJDJT», «NARCO MARCO» und die «JUNO GANG». Das bedeutet Italo-Disco straight out bern city!

Bezüglich der Junos empfiehlt sich zudem ein Blick über den Plattenrand hinweg auf die Band-Bio: Filmstoff, Freunde! Soviel vorweg; die Jungs trafen sich 1982 in der Jugendmusik Spiez, bastelten dann aber lieber an ROLANDs rum, als Marschmusik zu blasen und wurden dabei wahrhaftige local disco heroes. Auf dem Höhepunkt ihres Hypes eröffnete Céline Dion – jaja, «my heart will go on» und so – gar einen ihrer Liveauftritte in der Hauptstadt! Doch dann platzte die Blase und der Italo-Disco wurde von Dj Bobo und Co. in den Boden gestampft.

Nun denn, die neue HOT-JAM 12 Inch zeigt, dass es trotzdem auch bei uns noch nicht ganz um dieses Endorphin-bombende Genre geschehen ist. In Skandinavien und vor allem Holland, ist der Italo-Disco seit jeher Bestandteil von House-Produktionen und auf der anderen Seite des grossen Teichs, haben gerade die Dreher und Schrauber aus Chicago nach dem Ende der amerikanischen Discowelle, immer wieder auf europäische Releases der 80er zurückgegriffen, begeistert von den eingängigen und wave-esken Synthmelodien. Der Begriff stammt übrigens – hat mir NARCO MARCO am Telefon erzählt – von einem deutschen Produzenten, welcher analog zur Neuen Deutschen Welle eine Marketingetikett für den funky-synth-Sound aus Italien suchte, aber das ist eine andere Geschichte…

Italo-Disco glänzt, weil er dich – wenn nicht überproduziert – klar und unverhofft trifft, menschlich, ehrlich kitschig und meist mit gewaltigem Ohrenwurmpotenzial. Weil er soviel Schnittmengen aufweist, mit Pop, Chanson und eben auch Wave. Italo lässt augenzwinkern, nicht ironisch aber weil er Emotionen auslöst, Erinnerungen hervorruft, an mediterrane Strände, salzige Zungenküsse und an die Sonne von Capri und die gibts von HOT-JAM auf dem Plattenteller. Erhältlich in handverlesenen Vinylstuben.

So schön klingt Bern im Untergrund.

Hier noch der Link zum Sound ihr Diebe, but it’s way better on WAX!

Mit diesem Beitrag begrüssen wir unseren neuen, den Urs, an Board des Kulturstattbern-Dampfers! 

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