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Nicht weiblich, sondern menschlich

Milena Krstic am Dienstag den 21. Juni 2016

Letztes Wochenende fand in Bern der erste Empowerment Day von Helvetia Rockt statt. Zwei Tage lang stand im  Progr und im Frauenraum der Reitschule alles im Zeichen der Frage: Wie kriegen wir hin, dass in Zukunft mehr Frauen auf Bühnen und hinter Mischpulten stehen?

Mensch kann das also auch entspannt angehen, so ein revolutionäres Thema wie die Gleichstellung im Musikbusiness. Der in Bern gegründete Verein Helvetia Rockt hat ein Wochenende lang mit Workshops (etwa zum Thema Live-Technik ) und Netzwerktreffen (für Technikerinnen und Jazzmusikerinnen) dafür gesorgt, dass sich Musikschaffende austauschen und dabei realisieren: You are not alone. Ausserdem traten einen ganzen Nachmittag Bands auf, die sich im Rahmen der Female Bandworkshops formiert haben.

Eine der Bands, die sich im Rahmen der Female Band Workshops formatiert hat.

Die Basler Band Andatilo auf der Bühne der Turnhalle.

Und ich darf Ihnen hier schreiben: Ich war den ganzen Sonntag dort, die Stimmung war top, es gab fantastisches Essen und die Zürcher Musikerin Verena von Horsten plädierte in der Podiumsdiskussion «Frauen als Vorbilder im Musikbusiness» dafür, die Branche umzupflügen und den anscheinend weiblichen Eigenschaften wie dem Zeigen von Gefühlen, Weichheit und Schönheit den Einlass ins Business zu gewähren.

Weil das würde nämlich unsere ganze Gesellschaft ein wenig entspannter machen. Von Horsten schloss ihre Rede mit folgender Tatsache: dass die oben erwähnten Eigenschaften keine weiblichen, sondern ganz einfach menschliche seien.

Wofür es solche Empowerment Day Anlässe überhaupt noch braucht, hier in der Schweiz, in unserem modernen, fortschrittlichen Land? Weil auch hier die Musikerinnen an ihren eigenen Konzerten gefragt werden: «Und wo ist eigentlich dein Kind?» Weil die Bassistin nicht in den Backstage gelassen wird, mit der Begründung, Groupie-Sein reiche halt nicht. Weil Frauen nicht zugetraut wird, mit Musiksoftware umgehen zu können, obwohl sie ihr eigenes Album selbst produziert haben. Weil die Tontechnikerin ein müdes Lächeln kassiert, wenn sie sich der Band als Konzert-Mischerin vorstellt. Weil die «Leistung» der ausgebildeten Pianistin im Konzertbericht mit folgendem Satz honoriert wird: «Auch die Pianistin glänzte in ihrer adretten Jacke.»

First World Problems sind das, sagen Sie? Da pflichte ich Ihnen bei. Aber dumme, unnötige Probleme sind das, solche, die wir schlicht nicht brauchen und deshalb gleich weglassen können.

Die Autorin hat den Workshop «Musikerin oder Musiker: Berichten Medien gleichberechtigt?» moderiert. Und schön, gibt es auch nächstes Jahr wieder einen Empowerment Day.

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2 Kommentare zu “Nicht weiblich, sondern menschlich”

  1. Andatilo sagt:

    Danke für den interessanten Artikel! Übrigens – wir (Andatilo aus Basel, http://www.facebook.com/andatilo) sind die Band auf dem Bild! :-)

  2. Die Krstic sagt:

    Besten Dank für den Hinweis und grosses Sorry für meine mangelnde Recherche. Der Text unter dem Foto ist nun angepasst. Herzlich!