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«Ein wunderprächtiges Arschloch»

Gisela Feuz am Donnerstag den 5. November 2015

Bereits in den ersten drei Folgen von «Experiment Schneuwly» fiel dieser Hansjörg Schneuwly (Matto Kämpf) als äusserst unsympathischer Zeitgenosse auf, der unter Alkoholeinfluss zu Gewaltausbrüchen neigt, ansonsten vorzugsweise apathisch in der Couch versinkt, Kinder unhygienisch findet und seiner Frau Margrith (Anne Hodler) erklärt, sie gehöre eigentlich in die geschlossene Anstalt. Diese wiederum ist an Biederkeit kaum zu überbieten, glänzt mit unsäglichen Kleiderkombinationen und künstlichen Fingernägeln in Überlänge und lässt ihren unterdrückten (Ehe-)Frust höchstens in der Küche beim Backen an den Eiern aus. Die Schneuwlys sind Protagonisten der satirischen Dokusoap «Experiment Schneuwly», wobei Kämpf und Hodler ein stockkonservatives Bünzli-Ehepaar geben, das sich in den 20 Minuten dauernden Episoden jeweils auf ein Experiment einlässt und dabei von Herrn Schneeberger und seinem Filmteam begleitet wird.

Gestern Abend wurden im Kino Rex die ersten beiden Folgen der neuen Staffel von «Experiment Schneuwly» gezeigt und der Publikumsaufmarsch machte deutlich, dass Hansjörg und Margrith bereits über eine beachtliche Fanschaft verfügen, und zwar nicht nur in Bern. Die Internet-Klicks zeigten, dass «Experiment Schneuwly« vor allem in Zürich und im Kanton Waadt oft geschaut würde, so Regisseur Juri Steinhart. Letzteres mag erstaunen, dürfte aber wahrscheinlich damit zu erklären sein, dass die Romands mit den Schneuwlys ein Ehepaar gefunden haben, welches symbolisch für die verknorzte Deutschschweizer-Mentalität steht. Oder vielleicht haben die Romands einfach mehr Sinn für dadaistisch überzeichnete Klischees und schräg-kruden Humor. Ist man damit gesegnet, sind die neuen Folgen von Experiment Schneuwly urkomisch, auch wenn einem das Lachen zwischenzeitlich im Hals stecken bleibt, ob der schafseckeligen Borniertheit, welche dieser Hansjörg Schneuwly an den Tag legt. «In mir ist fürwahr ein wunderprächtiges Arschloch angelegt», liess Matto Kämpf über seine Figur verlauten. Und tatsächlich tut es phasenweise richtig weh, diesem unsäglichen Schneuwly-Klotz in der Paartherapie zuzuschauen, zumal es in manchen Ehen wohl tatsächlich so oder ähnlich ablaufen dürfte. Aber beurteilen Sie doch selber, werte Leserschaft:

Schneuwly-Interview-Spruch des Abends:
FF: Herr Schneuwly, wie würden sie ihre sexuellen Fähigkeiten einschätzen?
HJS: Das Ziel ist Liga-Erhalt. Ein ständiger Kampf gegen den Abstieg.

Die neuen Folgen von «Experiment Schneuwly» werden ab heute jeweils donnerstags um 12 Uhr hier online gestellt und sind auf SRF1 Mittwochnacht um 00:10 Uhr zu sehen.

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