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Respekt, Frau Jordi!

Gisela Feuz am Dienstag den 23. Juni 2015

Francine Jordi hat Eier. Und was für welche. Dicke, haarige Kokosnüsse von Eiern. Denn was das Schlager-Schätzchen am Sonntag im Progr ablieferte, bedarf grosser primärer Geschlechtsteile bzw. sehr viel Mut. Einen Diva-Einstieg erster Güte legte sie hin, als sie auf schwindelerregend hohen Absätzen singend die Treppe in der Turnhalle hinunter stöckelte im gleissenden Licht des Suchscheinwerfers, der ihr auf Schritt und Tritt folgte. Wahrscheinlich sei es das erste mal, dass in den Mauern des Kultur-Zentrums volkstümliche Schlager-Klänge zu hören seien, mutmasste Frau Jordi, womit sie Recht haben dürfte. Zuverlässige Quellen munkelten denn auch, dass es schwierig gewesen sei, für diesen Abend Barpersonal aufzutreiben, welches sich den jordischen Schallfrequenzen habe ausliefern wollen.

Wie es überhaupt zur Konstellation Jordi / Turnhalle gekommen ist? Francine Jordi ist die Botschafterin des ersten nationalen Tags der Musik, der auf letzten Sonntag fiel. Ausgerufen hat diesen der Schweizer Musikrat und es ist naheliegend, dass die Botschafterin höchstpersönlich Musikalisches beisteuert. Und wie sie das tat. Man hätte ja auch einen «Lätsch» reissen können, ob der doch eher kleinen Zuschauerschaft, oder sich einschüchtern lassen können, von deren kritischen Haltung, welche schon fast physisch im Raum spürbar war. Aber nein, Frau Jordi schmetterte unbekümmert ihre Liebesschnulzen in den Raum, erklärte die Schweiz kurzerhand zum Brasilien Europas, wenn es um den Hüftschwung gehe (Frau Besenstiel Feuz staunt!) und zog die ganze Publikumsanimations-Masche mit einer solchen Selbstverständlichkeit durch, dass tatsächlich der ganze Progr mitschunkelte, mitklatschte und selbst der härteste Punk heimlich beim Peter, Sue & Marc-Medley mit dem Fuss mitwippte.

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Brasilianischer Hüftschwung à la Jordi

Als Frau Jordi gegen Ende ihres Auftrittes die beiden Ladies ankündigte, welche nach ihr auf der Bühne zu sehen waren, schmolzen dann auch noch die Herzen derjenigen Besucher, welche normalerweise der diametral andersrum gepolten Musik lauschen: die Metaller. Toll seien sie, diese Chikitas, uiuiui, deftige Musik würden die beiden Frauen machen. Aber sie, Francine, möge so was ja. Sie sei wahrscheinlich auch der einzige Mensch, der je mit einem rosa T-Shirt an einem Konzert von Metallica gewesen sei. Ach Francine, deine Mukke ist unter aller Kanone. Aber du bist grossartig.

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Ein Kommentar zu “Respekt, Frau Jordi!”

  1. Eugen Burri sagt:

    Ein sonntäglicher Sommeranfang full of women power. Merci und Bravo den YoungsterBands, Frau Jordi, Frauen Chikitas und Frau Feuz!