Logo

Kuhhälfte oder Biogemüse?

Milena Krstic am Freitag den 8. Mai 2015

Eigentlich nicht sehr schmeichelhaft, als Mensch plötzlich zum Rohstoff degradiert zu werden. Aber ich hatte ja Glück, zu den Schwermetallen zu gehören, und nicht zum Biogemüse, das gleich neben dem radioaktiven Abfall lagerte. Oder wären Sie lieber eine Kuhhälfte? Wie auch immer, das Team vom Broadway Variété, dem «original Spiel- und Verzehrtheater», wie es sich selbst deklariert, hat sich einmal mehr nicht lumpen lassen und ein abendfüllendes Kleinkunst-Unterhaltungsprogramm zusammengeschustert. Dieses Jahr unter dem Motto «Le Frachthafen – Warengut, immer gut». Wettertechnisch hat das gut gepasst, muss doch momentan der übermütige Pegelstand der Aare mit orangefarbenen dicken Gummischlangen zurechtgewiesen werden, und das nicht weit vom Areal entfernt, wo sich das Broadway für drei Wochen eingerichtet hat. Bereits letztes Jahr habe ich den Anlass hier erwähnt, aber leider viel zu spät, deshalb sind wir vom KSB heuer etwas aktueller dran, gestern war nämlich Premiere.

Das Ensemble beim Fotoshooting für den «Bund». Foto geklaut von der FB-Seite des Broadway Variété.

Das Ensemble beim Fotoshooting für den «Bund». Foto geklaut von der FB-Seite des Broadway Variété.

Nein, es war nicht das beste Programm, jedenfalls nicht seit den letzten sechs Jahren, in denen ich dabei war. Die letztjährige Show «Le Königreich» mit der auffallend guten Sängerin Sarah E. Reid war da schon subversiver, düsterer, schmutziger und irgendwie auch aufregender. Aber das nur als Vergleich, weil im Verlaufe des Abends, kurz nach dem Dessert, da kam auch im Frachter die für das Broadway übliche Magie auf, die mitunter ein Grund ist, weshalb ich da jedes Jahr wieder hin will. Vergessen Sie Zirkus, Kino, Theater … Wenn Sie sich einen Abend lang in einem anderen Film, einer Parallel-Welt fühlen möchten, dann sei ein Besuch bei einer der sympathischsten Kleinkunst- und Sprachakrobatik-Truppen (vom Seebären mit dem schönsten Bart auf Erden bis zum Rock’n’Roll-Piraten) dieses Landes sehr empfohlen. Am besten mit dem Flugmodus im Handy und einem «Dark & Stormy» zum Apéro.

In Bern bis am 30. Mai auf dem Gaswerkareal der Dampfzentrale und danach in vier weiteren Schweizer Städten. 3-Gang-Menü und Showeintritt exkl. Getränke 120 Franken. 

« Zur Übersicht

Kommentarfunktion geschlossen.