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Tattoos zwischen Tradition und Tabu

Gisela Feuz am Donnerstag den 23. April 2015

Machen Sie doch mal wieder einen Ausflug, werte Leserinnen und Leser, zum Beispiel nach Hamburg. Die sympathisch Hansestadt im Norden Deutschlands weiss nicht nur mit Astra-Bier und Labskaus zu bestechen, sondern nennt auch die Kunstmeile ihr eigen, ein Strassenabschnitt von knapp einem Kilometer, auf dem sich insgesamt fünft Museen und Kunstausstellungen befinden. Hier findet sich alles, was das kunstinteressierte Herz begehrt, von alten Schinken grosser Maler, über moderne Plastiken bis hin zu Tattoos. Ja, sie haben richtige gelesen: Tattoos. Das Museum für Kunst und Gewerbe hat sich dem mittlerweile äusserst beliebten Körperschmuck angenommen und zeigt diesen in der Ausstellung «Tattoo» im Spannungsfeld zwischen Tradition und Tabu.

Die farbenfrohe und multimediale Exposition thematisiert die lange Tradition des Tätowierens und verdeutlicht, dass dieses zu den frühsten Kunstformen und ältesten Handwerkspraktiken überhaupt gehört. Dabei lotet «Tattoo» ein breites Spektrum des Kulturphänomens aus und beleuchtet dessen Ambivalenz in Bezug auf soziale Zuordnung, Stigmatisierung und identitätsstiftendes Element, wobei unterschiedlichste Schichten, Epochen und Regionen dieser Welt zum Zuge kommen.

Tattoo

Ma Hla Oo aus Laytu-Chin, Birma. Foto: Jens Uwe Parkitny

Die Ausstellung schlüsselt unter anderem die Ikonographie von Tattoos russischer Gefangener auf, zeigt frühe Tätowiergeräte (aua!!) und Hautpräparate aus der Zeit um 1900, mit deren Hilfe unbekannte Leichen identifiziert wurden. Daneben werden Gangs, Banden und andere illustere Gesellschaften genauer vorgestellt, die dem permanenten Hautschmuck nicht abgeneigt sind. So etwa die japanischen Mafia Yakuza oder die in El Salvador wütenden Banden Mara Salvatrucha Mara 18. Weiter werden Hintergrundinformationen zu traditionellen (Gesichts-)Tätowierungen in Birma, Neuseeland oder Thailand geliefert und aufgezeigt, wie das Phänomen Tattoo auch in Kunst und Kommerz Einzug hielt – etwa mit Wim Delvoyes tätowierten Schweinen oder den strammen Playmobil-Rappern. Übrigens ist auch die Schweiz prominent vertreten in der Hamburger Ausstellung, und zwar mit Mario Marchisellas charmanter Audioinstallation «It was the best of times.» Daneben gibts natürlich ganz, ganz viele Bilder von Tattoos jeglicher Art und Qualität zu sehen: von traditionellen Ankern, Schwalben und barbusigen Damen über ästhetisch fragwürdige avantgarde Portraits bis hin zum schnöden Arschgeweih. Frau Feuz hat sich übrigens nach dem Besuch der Ausstellung auf ein bisschen pimpen lassen und sieht jetzt so aus (links).

«Tattoo» wird noch bis am 6. September 2015 im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg gezeigt.

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