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Schwedische Filme: Ode an Ingmar Bergman

Gisela Feuz am Samstag den 11. April 2015

Klar sei die Filmproduktion nicht mit derjenigen der USA vergleichbar, nichtsdestotrotz gäbe es in Schweden aber auch ein Hollywood, besser gesagt ein Trollywood, weil viele schwedische Filme ja in Trollhötten produziert würden. So die Worte des Botschafters Magnus Hartog-Holm am Donnerstag in der Cinématte bei der Eröffnung der schwedischen Filmreihe. Trollywood-Filme sind in puncto Qualität und Humor ja oftmals bestechend – was kürzlich «Turist» unter Beweis stellte – und tatsächlich ist die schwedische Filmindustrie gar nicht sooo unwesentlich, wie es der viel zu bescheidene Magnus darlegte. (Ja ja, wir sind duzis. Ist man sympatischerweise mit allen Schweden und Schwedinnen. Ausser vielleicht mit der Königin.) Man denke etwa an die Oscar-Nominationen eines Lasse Halström oder die originale Verfilmung von Stieg Larssons «Millennium-Trilogie». Und ausserdem haben die Schweden ihn, den Übervater des alternativen Kinos, dessen Schaffen bis heute als wegweisend gilt, da er mit seiner experimentellen Bildsprache völlig neue Parameter setzte: Ingmar Bergman.

Es macht durchaus Sinn, eine Filmreihe mit schwedischen Erzeugnissen mit einer Dokumentation zu starten, in der das Schaffen des 2007 verstorbenen Bergmans im Zentrum steht. Keiner hat in seinem Land für mehr filmische Furore gesorgt als er. So soll nach «Szenen einer Ehe» (ein Drama, in dem die Fassade einer vermeintlich harmonischen Ehe gnadenlos dekonstruiert wird) die Scheidungsrate in Schweden kurzfristig um 50% gestiegen sein. Dies zumindest behauptet der chilenisch-schwedische Regisseur Daniél Espinosa in «Trespassing Bergman». Zusammen mit rund 20 anderen Regisseuren findet sich Espinosa im Dokumentarfilm von Jane Magnusson und Hynek Pallas auf Fårö ein, derjenigen Insel also, auf welcher Bergman sein Anwesen bauen liess und völlig zurückgezogen gelebt hat. In eben diesem Haus philosophieren Grössen ihres Faches wie etwa Michael Haneke, Francis Ford Coppola, Alejandro González Iñárritu und viele andere über den Einfluss, welcher das Werk des Übervater auf das eigene Schaffen hatte. Dabei werden auch immer wieder Ausschnitte aus Bergmans Filmen gezeigt, die verdeutlichen, wie gewagt und bahnbrechend die Werke dieses getriebenen Vielarbeiters waren und welch einsame und gequälte Seele in seiner Brust gesteckt haben muss.

Für alle Cinephilen ist «Trespassing Bergman», diese Ode an den Übervater des alternativen Kinos, ein Muss, zumal sich darin das Who-is-who der Regisseuren-Gilde zu Wort meldet. Dabei zeigt sich Lars von Trier einmal mehr als übellauniger Schafseckel von seiner kritischen Seite, Wes Anderson scheint direkt einem seiner eigenen Filme entsprungen zu sein, Martin Scorseses herzliches Lachen ist ungemein ansteckend und Woody Allens Analyse des bergmanschen Schaffens überaus exakt und intelligent.

ACHTUNG: «Trespassing Bergman» wird nur noch morgen Sonntag 16:30Uhr in der Cinématte gezeigt, da der Film den Weg in den schweizerischen Verleih nicht gefunden hat. Weiter sind im Rahmen der schwedischen Filmreihe folgende Filme zu sehen: 12./18.4. Belleville Baby, 18./24.4. Stockholm Stories, 15./22.5. Turist, 22./23.5. Shed no Tears

 

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