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Die Ted Scapas des Blödsinns

Gisela Feuz am Sonntag den 29. März 2015

Frau Feuz in klein war ja stinkeifersüchtig, als die Cousine mit ihrer Kindergartenklasse zu ihm in die Sendung durfte. Tami. Denn was der Mann im weissen Kittel und dem dunklen Kraushaar jeweils auf Papierwände zauberte, war fürs kindliche Gemüt schon grosses Kino. Die Rede ist natürlich von Eduard Schaap, besser bekannt als Ted Scapa, der Ende der 70er- und Anfang 80er-Jahre in der Kindersendung Spielhaus («Es Huus, e Türe, Fäischter äis, zwäi, da sind’s. Chum ine, es häisst Spiilhuus») eine Generation von Kindern mit seinen vergnüglichen Zeichenanleitungen verzückte und beeinflusste. Offenbar war das «Spiilhuus» auch für die Schriftsteller Roland Reichen und Matto Kämpf prägend, beschäftigen sich die beiden in ihrer Freizeit doch gerne mit dicken Zeichenstiften.

Wenn es Reichen und Kämpf an etwas nicht mangelt, dann bekanntlich an abstruser Fantasie. So erlebt ihr gezeichneter Held Schmürzu eine abenteuerliche Reise mit Stopps im Hotel Palace in Interlaken und dem AKW Beznau, während für die hinterhältige Tat der Antagonisten Hagaff und Lok-Führer Corbusier ein Gummiboot von Zelt Jordi eine zentrale Rolle spielt. Fürs Spielhaus wäre der reichen-kämpfsche Wurf wohl kaum geeignet, weil pädagogisch und zeichnerisch durchaus fragwürdig. Wer aber Wortklauberei, vergnügten Blödsinn und abstruse Dada-Erzähltechnik mag, der dürfte sich amüsieren.

Ted Scapa wird am Donnerstag 2. April im Kunstmuseum Bern sein neustes Buch «Meret Meyer Scapa – ein Leben für die Kunst» präsentieren, eine Hommage an seine 85-jährige Frau, die Künstlerin, Malerin, Tänzerin und Keramikerin Meret Meyer Scapa. Buch- und Werkpräsentation dann bis 3. Mai 2015 im Kunstmuseum.

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