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Stein, Skelett und Herzblut

Milena Krstic am Donnerstag den 19. März 2015

Eluveitie Kulturstattbern

Nein, ich hätte wohl nie ein Pagan-Metal-Konzert besucht, hätte sich das Naturhistorische Museum nicht so etwas Tolles wie die Sonderausstellung «Rock Fossils – Ja, es ist Liebe!» ausgedacht und für die Eröffnung eine der international erfolgreichsten Schweizer Bands in den Skelettsaal geholt: Eluveitie, aus dem Estruskischen etwa mit «Ich, der Helvetier» zu übersetzen. 350 Tickets verloste das Museum und die gingen natürlich weg wie warme Weggli, bedenkt man, dass die Band auf Facebook über 725’000 Mag-Ich-Klicks ihr eigen nennen darf.

Warum ich, eine KSB-Gesandte, dort war? Ich wollte wissen, wie so etwas ist, ein Pagan-Metal-Konzert (pagan = heidnisch), ein Musikstil, der mir fremder nicht sein könnte, aber nicht zu verachten ist, wenn man bedenkt, wie viele AnhängerInnen der in der ganzen Welt findet (die Band spielt in Belgien, Brasilien, Südafrika, Schweden und überhaupt). Dieses Mittelalterlich-Folkloristische funktioniert ja bei Serien und Büchern wie Game of Thrones und Lord of The Rings vorzüglich, warum nicht auch musikalisch? Ich habe dann nicht ganz das von Eluveitie bekommen, was die Band sonst serviert, wenn sie auftritt: wildes Haarschütteln und harte Gitarren. Nein, extra für den Museums-Gig hat die achtköpfige Winterthurer Truppe ein Akustik-Set einstudiert und – im Halbkreis sitzend – das Ergebnis präsentiert. Den Hit «The Call Of The Mountains» hat Sängerin und Drehleiher-Spielerin Anna Murphy auf Berndeutsch gesungen, was extra für diesen Abend geplant war.

Für einen Nicht-Fan war es vielleicht etwas zu viel an Fiedeln, Flöten und Sackpfeife. Für die Fans aber muss es ein spezieller Abend gewesen sein, der sowohl ihnen, der Band wie auch den Ausstellungs-Verantwortlichen von Herzen gegönnt sei. Denn ich hätte nie im Leben gedacht, jemals eine Liebevolligkeit für in Stein verewigte Skelettchen zu empfinden – aber diese oft nach Rockstars benannten Zeugen vergangener Zeiten haben schon etwas für sich (step aside, Barry!). Eluveitie hat an diesem Abend auch eine Kopie eines nach ihnen benannten Seeigel-Fossils entgegennehmen dürfen: Ein hübsch verziertes Kerlchen namens Paracidaris eluveitie.

«Rock Fossils – Ja, es ist Liebe!» läuft bis am 31. Mai 2015. Und am Samstag gibt es im gedruckten Bund einen ausführlichen Bericht von unserer Frau Feuz.

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2 Kommentare zu “Stein, Skelett und Herzblut”

  1. Thomas sagt:

    Die Kombination von “Museum und HeavyMetal-Konzert” hat mich im Vorfeld gereizt! …habe glücklicherweise auch Tickets gewonnen! Und dann dass: Ein Acoustic-Gig!?!

    Funktioniert Pagan-Metal ohne Metal?

    War echt spannend eine (eigentlich tolle) Live-Band beim scheitern zu sehen. Leider waren Eluveitie beim experimentieren zu wenig mutig. Nur die Elektrogitarren durch Acoustik-Klampfen zu ersetzen war definitiv zu wenig kreativ. Die ganze Dynamik ihrer Songs ging leider verloren, was blieb waren Songs / Klangbilder die immer gleich klangen.

    Manchmal funktionieren Songs nur wenn sie wie bei Eluveitie durch Gegensätze getragen werden! …leider haben diese Gegensätze für mich aber gefehlt.

  2. Die Krstic sagt:

    Vielen Dank für Ihre Rückmeldung, Thomas. Ich dachte mir schon, dass dieser Auftritt bei manchen Fans auch Enttäuschung hervorrufen würde. Diese ist sich wiedergutzumachen bei einem der klassischen Eluveitie-Konzerte, nicht? Herzlich, die Krstic