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Helle Köpfe von gestern

Roland Fischer am Dienstag den 17. März 2015

Wow, es war voll. Montag früher Abend im Stadttheater, bis hinauf zum zweiten Rang alle Plätze besetzt: die Affiche hat gezogen, sage ja niemand mehr, Philosophie sei ein intellektuelles Spartenprogramm. Aber es war ja auch nicht irgendjemand geladen, zur zweiten Ausgabe der diesjährigen Berner Reden – man freute sich auf den philosophischen Troublemaker Peter Sloterdijk und seine helvetische Kleinformat-Ausgabe René Scheu, die sich über Fortschritt und Verfall unterhalten wollten.

20150316_191635Beste Voraussetzungen für einen inspirierenden Feierabend also, zumal der eigentlich ja geschätzte Max Moor die Moderation übernahm und man deshalb keine Angst vor hochkultureller Behäbigkeit zu haben brauchte. Und dann beschäftigte man sich, im gediegen gedimmten Raum herumschauend, doch bald einmal mit der Frage, woher das Stadttheater wohl die guten alten Glühbirnen für die Beleuchtung des guten alten Theatersaals bezieht, beziehungsweise ob man die vorsorglich kistenweise gehortet hat, irgendwo im Keller, damit man für die nächsten Jahrzehnte versorgt ist. Natürlich, das war dann Fortschritt und Verfall der sehr belanglosen Art, aber irgendwie schafften es die Herren unten auf der Bühne nicht, für grössere lebensphilosophische Fallhöhe oder Tiefenschärfe zu sorgen.

Max Moor ging seine Aufgabe, die Langsprecher zu Prägnanz zu zwingen, einigermassen übermotiviert an, und die beiden Philosophen gefielen sich allzu oft in Causerien und Gemeinplätzen. Scheu vor allem konnte nicht verhehlen, dass er viel eher als tadellos angezogener PR-Mann in Sachen Liberalismus taugt denn als origineller Denker. Sloterdijk seinerseits war wenig angriffslustig und schien sich eher dezent zu langweilen. Und so landete man zum Schluss dann allen Ernstes bei der Diagnose allgmeiner Kommunikationslosigkeit in Zeiten allzeit offener digitaler Kommunikationskanäle. Altherrenkritik war das, oder wiederum mit den Glühbirnen gesprochen: helle Köpfe für die gute, heimelige Stube – aber halt ziemlich von gestern. Ein paar grelle Neonlampen wären einem lieber gewesen.

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