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«Draussen die Stadt»

Gisela Feuz am Freitag den 13. Februar 2015

Er hätte Spielberg nicht zusagen können, weil er eben mit Tarantino in Verhandlungen gesteckt sei. Und dann sei die Angst gekommen. Panikattacken. Und seit dem brauche er einen Vorhang, hinter dem er sich verstecken könne. Seit über einem Jahr hat Schauspieler Tom seine Wohnung nicht mehr verlassen, teure Termine bei der Psychologin nimmt er nicht wahr, die unbezahlten Rechnungen stapeln sich, Vorsprechen für Rollen liegt nicht drin und nun läuft diesem bedauernswerten Kerl auf noch das Liebesleben aus dem Ruder.

Geschrieben hat «Draussen die Stadt», das Stück rund um das Schicksal von Tom und dessen Freundin Pia, der Zürcher Autor Dominik Busch, der sich schon seit Längerem mit dem Thema Angst beschäftigt. In einer Art Kammerspiel wird in der Künstlerwohnung über dem Schlachthaustheater der Alltag von Tom und Pia gezeigt und vorgeführt, wie sich die beiden entgleiten. Das Publikum sitzt dabei im Wohnzimmer des Paares und kann per Video-Schaltungen auch das Geschehen in Badezimmer und Küche verfolgen. Hautnah dran ist man somit, wodurch die drückenden Enge der Wohnung, Toms Isolationszelle, noch verstärkt wird.

draussen

Badezimmer-Schaltung, die Monster mauern

Es ist ein starkes Stück, welches Busch konzipiert hat, das einem eindringlich vorführt, welch zerstörerische Wirkung Angstzustände haben und wie unfassbar und ungreifbar sie für Aussenstehende bleiben (müssen). Pia begegnet Toms plötzlich aufkommender Angst mit umsorgender Nachsicht, die er ihr im Endeffekt aber doch nur vorwirft. Tom wiederum verfällt zusehends seinen «Monstern», die seine Wohnung bevölkern und sämtlichen Kontakt zur Aussenwelt blockieren und muss die Stirnlampe zu Hilfe nehmen, um zumindest noch ein bisschen Licht in sein Seelendunkel zu bringen.

«Draussen die Stadt» ist ein eindringliches und beklemmendes Stück Theater. Aber nicht nur. Die Schwere der Thematik wird immer wieder auch gebrochen durch vergnügliche weil allzumenschliche Selbstreflexionen («Ich sollte wohl doch Yoga machen») und das Kommentieren des eigenen Tuns der Figuren macht diese als Personal eines Stücks sichtbar, durchbricht damit die Identifikation und stellt somit immer auch wieder eine wohltuende Distanz her. Und im Übrigen: grossartiges Spiel von Annette Lober (Pia) und Patric Gehrig (Tom).

«Draussen die Stadt» wird noch an folgenden Daten gezeigt: FR 3.2., SA 14.2., SO 15.2. und DI 17.2., und zwar in der Künstlerwohnung über dem Schlachthaustheater.

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