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«Je suis Burki»

Gisela Feuz am Dienstag den 3. Februar 2015

Unser KSB-Aussendienstmitarbeiter Resli Burri brachte es am Sonntag auf den Punkt: «Wenn man hier eine Bombe hochgehen liesse, dann würde sich ein ganzer Haufen zweitklassiger Autoren und Autorinnen ins Fäustchen lachen und Morgenluft wittern.» Tatsächlich war am Sonntag im Schlachthaus Theater die ganze Literatur-Cervelat-Prominenz vor Ort, von der teuren handgemachten Salami über die Migros-Cervelat bis hin zu Schüblig und Mini-Pic, alle waren sie gekommen, um einem Mann die Ehre zu erweisen oder besser gesagt: dessen Verlag.

Vor 16 Jahren hatte Matthias Burki zusammen mit Yves Thomi Der gesunde Menschenversand gegründet und seitdem hat sich der kleine aber feine luzernische Verlag zur festen Grösse in der Schweizerischen Literaturszene gemausert. Er habe 20 E-Mails mit Anfragen verschickt und drei Stunden später habe er 20 Zusagen bekommen, erkärte Matto Kämpf, der die Benefiz-Veranstaltung zu Ehren von Der gesunde Menschenversand im Schlachthaus aufgegleist hatte. Jens Nielsen, Rolf Hermann, Gabriel Vetter, Beat Sterchi, Stefanie Grob, Guy Krneta, Manuel Stahlberger, Gerhard Meister, Trampeltier of Love, Fitzgerald & Rimini, Pedro Lenz, Andreas Lutz, Michael Fehr, Renato Kaiser, King Pepe, Marc Unternährer, Sandra Künzi, Reg Fry allen waren sie da.

Burki

Charmant durch den Abend führte Conférencier Achim Parterre in schillerndem weissen Anzug, wobei er gerne auch mal einsprang, wenn die Technik nicht wollte, oder Stefanie Grob als Tagesschausprecherin das Bewusstsein verlor. Die Angst, dass es eine zähe, lange und trockene Angelegenheit werden könnte – gestartet wurde um 16 Uhr und dauern sollte es 5.5 Stunden – erwies sich als unbegründet. In vier Blöcken aufgeteilt wurde da viel Humoristisches und Absurdes, aber auch Ernstes geboten und Literatur in ihrer unterschiedlichsten Form ausgelotet. So gab Beat Sterchi einen Gotthelf-Roman wieder, und zwar in gekürzter Form und alphabetisch geordnet, Manuel Stahlberger veranstaltet mit dem Personal von Jasskarten ein Musical, Gerhard Meisters Figur beklagte sich über ihr Dasein als Cholesterin-Pille, Andreas Lutz lieferte eine wunderbare Parodie auf Besprechungen klassischer Konzerte, der St. Galler Renato Kaiser berichtete von Begegnungen mit Dialekt-Nazis und der Selbsthilfegruppe für anonyme Ostschweizer und sowohl Fitzgerald & Rimini als auch Michael Fehr & Rico Baumann betteten ihre Texte in elektronische oder handgemachte Beats ein.

Ganz zum Schluss musste er dann auch noch ins Rampenlicht, der Held des Abends Matthias Burki, obwohl ihm das sichtlich nicht behagte. Man hatte den Eindruck, dass da beim grossen Finale eine stattliche Familie auf der Bühne stand, alle waren sie an dem Abend ein bisschen Burki, weil diesem und dessen Arbeit offensichtlich sehr zugetan. Zu Recht. Schliesslich bietet der Verlags-Papa mit Der Gesunde Menschenversand nicht nur eine Veröffentlichungs-Plattform, sondern hat auch einen Rahmen geschaffen, innerhalb welchem sich neue Freundschaften und künstlerische Zusammenarbeiten ergeben können. Oder um es mit den Worten von Conférencier Parterre auszudrücken: «Hinter der Bühne paaren sie sich und heraus kommen neue Projekte.» Auf dass sie Matthias Burki noch viele Kinder bescheren mögen!

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Ein Kommentar zu “«Je suis Burki»”

  1. holger sagt:

    ich war dort, frau feuz. der nachmitag, der sich in den abend zog war grandios. nur kann man das ihrem blog, der auf dem niveau einer pfadisommerlagerzeitung rangiert, nicht entnehmen. die wucht eines michael fehr, die brillianz guy krnetas, darüber les ich nichts. bloss eine banale aneinanderreihung von fragmenten. ihnen hat bestimmt sandra künzi gefallen. schade, der anlass war invergleichbar.