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«Mir hei keni Bändle meh»

Gisela Feuz am Sonntag den 25. Januar 2015

«Mir hei keni Bändle meh», hiess es gestern bereits um 22:15Uhr beim Eingang der Reitschule, worauf ein ganzer Haufen Enttäuschter von dannen zog, um allenfalls an einem anderen Ort noch einen der begehrten Tour De Lorraine-Pässe zu ergattern. Besagte Tour, die sich ja nicht nur auf das Lorraine-Quartier beschränkt, sondern eben auch auf Orte ennet der Brücke wie der Reitschule oder dem Progr oder dem Luna Llena im Breitsch erweitert wurde, kann wohl einmal mehr als voller Erfolg abgebucht werden. 3400 Bändel waren um 22:15Uhr weg, insgesamt dürften sich gestern Abend schätzungsweise 4000 Leute an den unterschiedlichen Austragungsorten und anverwandten Unternehmungen, wie etwa der kostenlosen Party unter der Eisenbahnbrücke, vergnügt haben.

Entsprechend war denn auch der Dachstock der Reitschule schon früh sehr gut gefüllt. Auf der Bühne bewiesen die Lokal-Helden Tomazobi einmal mehr, dass sie sich für keinen, aber wirklich keinen Seich zu schade sind, liessen zwischen Hip-Hop, Rock und Troubadour kein Genre aus, sangen auch mal eine Strophe rückwärts und brachten es zustande, dass selbst eingefleischte Rasta-Punks bei einem schwülstigen Italo-Canzoni lauthals mitsangen. Tomazobi sind mit ihrem vergnüglichen Buben-Humor, Sprachwitz und ihren Kalauern nachwievor ein Garant für beste Unterhaltung, wobei manchmal vergessen geht, dass sich da vier Herren auf der Bühne finden, die durchaus ihre Instrumente und Stimmbänder zu bedienen wissen.

los fastidios

Fäusterecken mit Los Fastidios

Die richtig wichtigen Dinge bei einer Sause erfährt man ja dann immer im Backstage. Hier outet sich ein Tomazobi-Mitglied schon mal als grosser Helene Fischer-Fan und der Frontmann der italienischen Los Fastidios erklärt, «Forza Italia» dürfe man nicht mehr sagen, das erinnere zu stark an Berlusconi. Besagte Los Fastidios bescherten dem jugendlichen Publikum im Anschluss mit ihren antifaschistischen Parolen und der lüpfigen Mischung aus Ska, Hardcore und Punkrock eine fröhliche Rumschups-Hüpf-Party. Einzig die Mutter aller Fussballsongs und Liverpool-Hymne «You Never Walk Alone» mit starkem italienischen Akzent vorgetragen hätte nun nicht sein müssen. Dafür ist das Original dann doch zu gewaltig. Wobei: Besser als Atemlos durch die Nacht war es alleweil.

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