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«verfixt & zugedröhnt»

Gisela Feuz am Mittwoch den 26. November 2014

Einigermassen selbstironisch ist er, der Titel des Buches «verfixt & zugedröhnt», denn dabei handelt es sich nicht einfach um eine lustige Wortspielerei, sondern um den aktuellen oder ehemaligen Zustand der Autoren. Fünf Suchtkranke haben sich im A4-formatigen Buch Frust, Fragen, Überlegungen und Hoffnungen vom Leib geschrieben, wobei die Texte im Rahmen einer Schreibwerkstatt entstanden sind, welche die Journalistin Christina Burghagen in der betreuten Wohngemeinschaft Weierbühl in Köniz durchführte. Obwohl es zum Krankheitsbild gehört, Schwierigkeiten mit dem Einhalten von Terminen zu haben, sei die kleine Gruppe regelmässig zu den vereinbarten Schreibabenden erschienen, berichtet Burghagen im Nachwort von «verfixt & zugedröhnt».

verfixt

Während diesen Abenden verfassten Stefano, Pit, Patric und Jonas jeweils während 30 Minuten Texte zu vorgegebenen Themen. Die so entstandenen Schreiberzeugnisse wurden gesammelt und nun herausgegeben, wobei Franco, ein weiteres WG-Mitglied Fotos zur Illustration lieferte. Es sind zum Teil äusserst berührende Texte, die da verfasst wurden und die Einblick gewähren, in das verflixte Leben eines «Süchtlings». Anschaulich wird beschrieben, wie die Tagesstruktur von Terminen beim Koda (der kontrollierten Drogenabgabe) vorgegeben wird, wie alte Freundschaften zerbrechen, Berufswünsche von dominanten Vätern zerstört werden und wie fehlende Mutterliebe bis heute an den jungen Mannen nagt. Daneben finden sich aber auch rührende Liebesbekenntnisse ans fürsorgliche Grosi oder den Bruder, der mit harten Drogen nichts anzufangen weiss und Reflexionen über Alltagsbegegnungen, gesellschaftliche Dogmen und das andere Geschlecht.

Es sind die grossen Themen, die in diesen 40 kurzen Geschichten zwischen Traum und Traumata abgehandelt werden: Schicksal, Entwurzelung, Überforderung, Liebe oder das Fehlen derselbigen. Dabei darf aber auch der Humor nicht fehlen, wie der Titel selber oder Kapitel-Bezeichnungen wie «Sucht & Ordnung» beweisen.

Das Buch «verfixt & zugedröhnt» kann in der WG Weierbühl bezogen werden. Die Texte und Bilder werden noch bis morgen Abend im Offenen Haus «La Prairie» gezeigt. Die Finissage findet am 27. November um 19 Uhr statt, und zwar mit Lesung, Musik und Apéro.

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