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Rebellion Alltag

Christian Zellweger am Mittwoch den 26. November 2014

ksb

Ach, was haben wir uns alle schon abgearbeitet an unserem ehemals «amtlich bewilligten Störsender». 2001 war es, als Zürich West mit «Radio zum Glück» ein zynische Hommage an den damals noch DRS3 geheissenen Sender rausgaben. Natürlich, gebessert hat sich die Situation seit da nicht, «Sounds» zum Beispiel dauert nur noch zwei statt drei Stunden und immer noch dominieren die grössten Hits der 80er, 90er und die Megahits von heute.

Man ist ja schon länger in Gleichgültigkeit versunken, es zwingt einen niemand, diesen Sender einzuschalten. Man kann sich darum nur wundern, was denn jetzt Jürg Halter alias Kutti MC zu seinem «offenen Brief an Michael Schuler, Leiter der Fachredaktion Musik beim Schweizer Radio und Fernsehen» bewogen hat.

Sicher mit ein Grund ist sein Musikerdasein, wäre doch ein öffentlich-rechtlicher Popsender eine wahrlich willkommene Plattform um abseits des Quotendrucks für eine angemessene Präsenz Schweizer Popmusik zu sorgen. Auch wenn sich gerade Halter nicht über mangelnde SRF-Präsenz beklagen kann. Selbstloses Interesse, Einsatz für Musikerfreunde mögen Gründe sein, vielleicht auch nur das Bedürfnis nach ein wenig Zuspruch, denn das bringt so ein SRF-3-Bashing, auch wenn es etwas langweilig ist, immer: Mehr als 1500 Likes und über 400 Shares verzeichnet das empörte Pamphlet bis dato bereits. Rebellion Alltag.

Ja klar, es tut gut, ab und an mal mit einem Like und einem Kommentar seinen Unmut zu äussern. Vielleicht ist so ein Zwischenruf ab und zu nötig. Vielleicht geschieht nichts. Vielleicht ist die Diskussion der Anfang zu einer Richtungsänderung bei SRF3. Wohl eher nicht.

Es ist ja nicht so, dass Halter ganz unrecht hätte, schliesslich gehört zum ewigbeschworenen Servie public auch das «Abbilden der kulturellen Vielfalt». Das erfüllt SRF3 mit seinem Tagesprogramm wohl nur zu einem Teil.

Doch: «Ich bin nicht die Masse, aber ich bin auch nicht allein», schliesst Halter das Statement. Und hier liegt wohl das Problem. Zum einen: Auch Massenkultur ist natürlich Teil der kulturellen Vielfalt. Zum anderen und wohl gewichtiger: Nur vermeintlich läuft SRF3 ausser Konkurrenz zu den Privatsendern. Die Masse würde bei einem mutigeren Programm ganz schnell umschalten. Zum Vergleich: Das einzig wirkliche alternative-öffentlich-rechtliche Pop-Radio, Couleur 3, verzeichnet in der Romandie einen Marktanteil von gerade mal 6,8 Prozent. SRF 3 kommt in der Deutschen Schweiz immerhin auf 16,6 Prozent. Es wäre schon sehr interessant zu sehen, was da politisch in die Gänge käme, würde SRF 3 solche Zahlen präsentieren. Dann doch lieber ein harmloser Sender mit Slots für gute Musik als gar keiner. Oder?

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7 Kommentare zu “Rebellion Alltag”

  1. Einrico Voisin sagt:

    Ich höre Kanal K.

  2. sebastian tackmann sagt:

    lieber christian zellweger , diesen brief hat jürg halter mit (musiker)kutti mc unterschrieben, was meiner meinung nach ihre nicht allzu positive haltung gegenüber dieser Aktion für mich etwas verständlicher macht. was sie jedoch nicht zu bedenken scheinen ist, dass dieser brief von einem künstler, einer kulturschaffenden person, geschrieben sein könnte, welche sich vielleicht etwas mehr auch mit ganz subtilen veränderungen die die musik bei der berieselung des menschen (hauptsächlich wird ja meistens als zweitaktion also zur arbeit, zum autofahren etc. radio konsumiert) vielleicht sogar über längere zeiträume, beschäftigt. von diesem standpunkt aus gesehen darf die arbeit von jemand in der position eines michael schuler meiner meinung nach gerne einmal mehr kritisiert werden, daraus folgt ja ein stärkeres bewusstsein über ihre auswirkungen, bei allen beteiligten, was ich sehr befürworte. abgesehen davon höre ich Radio RABE und cds und downloads. danke.

  3. Bidu sagt:

    Schade, vom Bund hätte ich eher einen unterstützenden Artikel zu einem mehr als schlechten Radio erwartet. SRF3, heisst für mich Sounds! Und Rock Special, alles andere ist Beilage.

  4. Thomas sagt:

    Die Musik die im Radio läuft dient doch nur als Überbrückung zwischen den Staumeldungen und Prominews! Und sogar “die Musik dazwischen” dient nur als Wärbefläche der “Musikproduzenten” der grossen Tontragerfirmen! Denn diese Musikalischen-Werbeeinspielungen werden danach durch die Suisa an die Produzenten zurückentschädigt!
    Die Frage lautet doch: Wer bekommt “warum” durch die Suisa rückvergütete Spielzeit???

  5. Luc Hutter sagt:

    …”es zwingt einen niemand, diesen Sender einzuschalten”… Mich zwingt auch niemand in den MC Donalds oder nach Benidorm zu fahren oder Adiletten zu tragen… Aber dafür brauch’ ich auch keine horrenden Gebühren zu blechen!

  6. Herr Zellweger sagt:

    Nachdem sich die Gemüter etwas abgekühlt haben: Mich stört vor allem Kuttis Maximalforderung, SRF3 soll ein Sender für kleine Kellerbands mit grossem künstlerischem Anspruch sein, die wichtig sein mögen, aber nur von einer Minderheit gehört werden können.
    Dass SRF3 weniger Major-Musik spielen sollte und der unabhängigen (Schweizer) Radiopop-Szene mehr Aufmerksamkeit schenken sollte als das Private tun: einverstanden!

  7. Cornelia sagt:

    Man kann Kutti MC aus persönlicher Ablehnung heraus natürlich bewusst falsch und einseitig verstehen. Aber Herr Zellweger, haben Sie das wirklich nötig? Kutti hat (unter anderem) mehr Vielfalt gefordert, nicht eine Plattform für Hobbybands. – Seien Sie doch einfach dankbar, dass nach Jahren endlich mal wieder ein national relevanter Künstler es so auf den Punkt bringt, wie es eben nur ein Kutti MC kann.