Logo

Progressive Punk mit Trail of Dead

Gisela Feuz am Mittwoch den 5. November 2014

Es gibt manchmal Kombinationen von Bands, bei denen man sich fragt, wie ums Himmels Willen die beiden denn zusammengefunden haben. Genau das fragte man sich gestern Abend auch im Dachstock als im Vorprogramm der Progressive-Rocker … And You Will Know us by the Trail of Dead eine kanadische Kombo namens Your Favourite Enemies die Bühne betrat. Zwar ist die sechsköpfige Truppe rund um Frontmann Alex Foster in ihrem Auftreten doch sehr sympathisch und die präsentierte Haarpracht durchaus beeindruckend, aber musikalisch wurde da eine Mischung fabriziert, die, mit Verlaub, unter aller Kanone ist. Irgendetwas zwischen Pop-Emo und 80er-Jahre-Rock (und zwar nicht der Teil der 80er-Jahre, den man heute noch gut finden darf) spielten die fünf Herren und die Dame am Keyboard. «Eine Prise Meat Loaf ist ja wohl nie verkehrt», konterte der Mann zur Linken zwar die Einwände der Schreiberin. Nun ja. Es half dann auch nicht, dass der Mischer, den die Band selber stellte, offenbar mit dem Dachstock-Mischpult seine liebe Mühe hatte, denn klingen tat es, gleich noch mal mit Verlaub, unter aller Sau.

Zum Glück übernahm in der Folge dann wieder der hauseigene Mischer die Regler. Die Band, auf die gestern Abend alle gewartet hatten, das grossartig Quartett Trail of Dead aus Texas, hat ja seit ihrer Gründung im Jahre 1994 alle Akte der grossen Rock-Oper durchlaufen: Ein vielversprechendes Debüt-Album, ein Zweitling, der den Erwartungen standhielt, ein schwindelerregender Karriere-Höhenpunkt, ein spektakulärer Fall, ein gescheiterter Versuch, musikalisch wieder Fuss zu fassen, eine Band-Grundsanierung und schlussendlich eine Rückkehr zur alten Form. Umso grösser war gestern Abend die Spannung, in welcher Verfassung sich Conrad Keely und Co. denn präsentieren würden.

trail

Die Trail of Dead-Akteure sind ja alles Multi-Instrumentalisten und so wurde da gestern auf der Dachstock-Bühne ganz oft Instrument und Platz gewechselt, was für vergnügliche Abwechslung sorgte und den Roadie ordentlich auf Trab hielt. Ansonsten aber war der Einstieg doch etwas lau und verhalten und der Gesang phasenweise dann doch ein bisschen arg falsch. Im Verlauf des Konzertes steigerten sich Trail of Dead aber merklich, spielten intensiver, wütender und tighter und tauten selbst bei den Ansagen auf, wobei sich Gitarrist Jamie Miller als Paul Klee-Fan outete. Den Trail of Dead-Sound in eine musikalische Schublade packen zu wollen, ist schwierig. «Progressive Punk» schlug ein Mann vom Fach als Bezeichnung vor und das trifft es doch eigentlich ganz gut. Jedenfalls donnerte, bretterte und gewitterte es gestern im Dachstock so richtig, bildlich von Bassist Autry Fulbright mit seinem Arm umgesetzt, den er wild wie eine Windmühle rotieren liess. Und zum Glück ging es denn auch gänzlich ohne die Prise Meat Loaf.

« Zur Übersicht

Ein Kommentar zu “Progressive Punk mit Trail of Dead”

  1. André sagt:

    Liebe Gisela, ich kann dir bezüglich des Mix der Bands an dem Abend nur Recht geben. Das ist sicherlich etwas ungewöhnlich gewesen. Darüber hinaus ist mir die, aus meiner Sicht, schlechte Soundqualität aufgefallen – auch bei Trail of Dead. Ich bin wirklich kein grosser Musiksuperduperspezialist, aber es ist schon selten, dass ich Lieder erst anhand des Gesangs erkenne und nicht an der Melodie. Das war ein grosser Brei aus Klängen und nicht sauber abgemischt. Für mich enttäuschend, weshalb ich auch verstehen kann, wenn das Publikum nicht mit geht….