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Im Tram mit Bonaparte

Gisela Feuz am Donnerstag den 23. Oktober 2014

Es hätte einem gestern Abend angst und bange werden können, bei der Tramfahrt von der Wallgasse zum Guisanplatz und retour. Nicht etwa weil ein alkoholisierter Bernmobil-Chauffeur Amok gefahren wäre, oder weil man sich mit dem YB-Schal aus Versehen in ein Tram voller FCB-Hooligans gesetzt hätte, sondern weil in der Mitte des Trams eine Meute junger Leute hüpfte und tanzte, was das Zeugs hielt und das Fahrzeug entsprechend bebte, wankte und schwankte. Mittendrin im Getümmel: der gebürtige Berner Tobias Jundt, seines Zeichens Kopf der wilden Elektro-Trash-Punk-Truppe Bonaparte, der mit zwei musikalischen Mitstreitern auf Einladung des Fizzen ein Tram-Konzert veranstaltete.

vorher

Beim Soundcheck im leeren Tram habe es noch gebrettert wie Satan, erklärte einer der Fizzen-Organisatoren entschuldigend. Wenn man nämlich am falschen Ende des Trams eingestiegen war, sah man in erster Linie Rücken und vernahm höchstens dezent einen Beat aus der Tiefe des Tram-Bauches, da die ganze Menschenmeute den Klang einwandfrei abschirmte. Beim Guisanplatz wurde dann aber umgeschichtet, so dass diejenigen, die bis dahin vor allem Hinterköpfe gesehen hatten, auch in den Genuss von Bonapartes Einlage kamen.

nachher

Frontmann Jundt mit seinen knallgelben Haar war bei diesem Anlass offensichtlich in seinem Elemente. Mal hangelte er sich während des Konzertes an den Haltegriffen quer durchs Tram, betrieb Crowd-Surfing im Mittelgang, rekrutierte junge Damen als Mikrofonständer und sorgte mit seiner scherbelnden Gitarre für beste Unterhaltung. Die Soundqualität war, mit Verlaub, unter aller Kanone. Aber welche Rolle spielt das schon bei einem Tram-Konzert? Genau. Keine. Der Party-Meute gefiels, es wurde mitgesungen und gehopst, bis die Fenster beschlugen und die Tramräder quietschten. Nach 45 Minuten war der Zauber dann auch schon wieder vorbei und Frau Feuz machte sich beschwingt auf den Heimweg, wo sie dem Gott der Trambodenschweisser einen 15 cm langen Strahlnagel als Dankesopfer darbrachte.

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