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Satanische Polka-Botschaften

Gisela Feuz am Montag den 20. Oktober 2014

Die Innerschweiz muss am letzten Samstag leer gewesen sein, denn offenbar hatten sich ganz Nid- und Obwalden, Uri, Schwyz, Glarus und Luzern nach Bern aufgemacht, um im Du Nord den Engelberger Mannen von Jolly & The Flytrap zu lauschen. Da wurden stolz Bändel der Stanser Musiktage zur Schau gestellt (die ja nota bene im April stattgefunden haben) und ein kontaktknüpffreudiger Gast erkundigte sich bei der Schreiberin, ob sie denn am Vorabend auch in der Metzgere in Sarnen gewesen sei. Zufälligerweise grad nicht, obwohl sie ja normalerweise jeden zweiten Tag da ist.

Es darf mit ruhigem Gewissen als Institution im Schweizer Musikzirkus bezeichnet werden, das liebenswürde Rumpelorchester Jolly & The Flytrap. Seit fast 30 Jahren sind die Herren zusammen unterwegs, haben dabei aber keinesfalls an Spielfreude eingebüsst, wie am Samstagabend im Du Nord einmal mehr unter Beweis gestellt wurde. Voll und heiss wars und es wurde getrunken und getanzt, als würde es kein Morgen geben. Sie fahren ja aber auch gnadenlos in die Beine, die lüpfigen Polka-Ska-Nummern der Jollys, wobei Sänger Elritschi gerne wahlweise den heissblütigen Spanier, den temperamentvollen Italiener oder den galanten Franzosen gibt.

«Isch eifach huere schön hie, was wott me de!» verkündete besagter Elrischt denn auch gegen Ende des Konzertes freudestrahlend. Entzücken und Sympathie war auf beiden Seiten gross. Auf Seiten von Jolly & The Flytrap offenbar so gross, dass sie für ihre Fans sogar ein sonntägliches Katerprogramm auf Lager haben. Die Herren verkaufen nämlich eine wunderschöne handbetriebene Spieldose, auf der man sich mit gelochten Papierstreifen vier Songs von Jolly & The Flytrap vorkurbeln kann. Allerdings muss man die Löcher zuerst selber mit einer Zange in den Papierstreifen knipsen, damit «Jolly Mechanique», so der Name des reizenden Kleinods, überhaupt erklingt. Wie gesagt: eine ideale Sonntagnachmittag-Brummschädel-Sofa-Beschäftigung. Und wenn man den Streifen verkehrt herum einspannt, kann man sich erst noch satanische Polka-Botschaften anhören. Danke, liebe Jollys. Ich mag euch sehr.

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Jolly & The Flytrap Frontmann Elritschi war am 7. Oktober zu Gast in Berns Kulturradio RaBe. Im Interview gibt er Auskunft darüber, wie in der «Kolchose Jolly» Jahrespläne entworfen werden, wie das erste selber aufgenommene Kassettli die lokale Dorfbar leerfegte und bricht sich beim Hechtsprung quer durchs RaBe-Studio beinahe ein Bein. Das Interview kann hier nachgehört werden.

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