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«I maches eifach wie dr Hitler»

Gisela Feuz am Freitag den 17. Oktober 2014

Die Schreiberin solle doch den Hari verreissen und ihn in den höchsten Tönen loben, riet gestern ein gut gelaunter Matto Kämpf in der Pause der eigenen Darbietung vor dem Kairo. Schliesslich sei er schon in der letzten Besprechung schlecht weggekommen wegen seinem eigenwilligen Rhythmusgefühl. Und übrigens habe er jetzt eine Lösung gefunden, wie besagte Rhythmusproblematik gelöst werden könne: «I maches eifach wie dr Hitler, huere viu Lärm u Krach u de merkt me d’Störig gar nümm.» Nun ja.

Lärm und Krach gab es denn tatsächlich zum Auftakt des Auftrittes von Trampeltier of Love, dem Trio, welches sich aus Schriftsteller Matto Hitler Kämpf, Musiker Simon Hari alias King Pepe und dem Luzerner Tubisten Marc Unternährer zusammensetzt. Kämpf und Hari sind ja schon seit einer Weile gemeinsam unterwegs, wenn auch die Aussage, man sei bereits in Jugendjahren an der Thuner Regionaltonwoche im Mokka als Duo Schüfeli & Bäseli zusammen aufgetreten, im Reich der Legenden zu verorten ist. Der Unternährer habe sich ihnen spontan angeschlossen, erklärt Kämpf. Das sei super, so ein Bläser. Der übertöne die Fehler.

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Tatsächlich liefert Unternährers Tuba einen beachtlichen Mehrwert bei den Darbietungen von Kämpf und King Pepe, aber nicht weil sie allfällige Fehler übertönen würde (zum Glück nicht!), sondern weil der Tuba-Klang dem ganzen Vortrag einen Boden und eine Gravität verleiht, die in vergnüglichem Kontrast steht zu dem, was die Herren Kämpf und Pepe besprechen bzw. besingen. Ersterem ist bekanntlich keine Sinnlosigkeit zu albern und kein Kalauer zu billig: Da spielt ein Larifari gerne mal Stradivari und der Koch ist ein Furz mit Schurz. Das kämpfsche Universum ist wunderbar skurril und abstrus, wobei der gebürtige Steffisburger ein genaues Auge für die Absurditäten und Abgründe des Alltags beweist und dabei mit einem pubertären Bubenhumor gesegnet ist, der einfach ansteckend wirkt.

Simon Hari steht in Punkto Unterhaltungswert dem Kämpf in nichts nach, sondern zeigt sich in seinen Liedern ebenfalls als Meister darin, die Langweile des Alltags humoristisch zu überspitzen und wünscht sich entsprechend schon mal einen Kühlschrank voller Kokain anstelle eines 9-5 Bürojobs. Hari kann aber auch anders und schlägt mit «Gebei» auch mal ruhige und nachdenkliche Töne an. Diese komplementieren einen Abend voller wunderbarem Unfug, in dem ein Holzross Lippgloss trägt, Kämpf sich als Vater von Hari outet, Kirchenglocken mit Pfannendeckel imitiert werden und sich im Sandkasten zwei dicke Kinder darum streiten, wer denn nun der Messi sei, wobei auf der Plache mit Kreide geschrieben steht: «Z’Läbe isch ä Pingu.»

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