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Die Dame auf der 50er-Note

Gisela Feuz am Dienstag den 23. September 2014

Haben Sie im 2010 zu denjenigen Kritikern gehört, welche den Baldachin, also die Stahl-Glaskonstruktion beim Berner Bahnhof, potthässlich fanden? Falls ja, machen Sie doch einmal einen Ausflug nach Aarau, dann wissen Sie: Es hätte auch übler kommen können. «Wie ein Blütenfächer spannt sich das transparente, im Zentrum offene Dach über den Platz», steht da im Projektbeschrieb. Der Klotz erschien der Schreiberin aber wenig blümlich, sondern vielmehr als Mischung aus Alpamare-Rutschbahn und klobigem Ufo. Architektur ist fürwahr Geschmacksache.

Der Eine oder die Andere würde dies nun natürlich auch von moderner Kunst behaupten. Solche wird zur Zeit im Aargauer Kunsthaus gezeigt, gibt es dort doch über 300 Exponate der Schweizer Künstlerin Sophie Taeuber-Arp (1889-1943) zu sehen. Die Dame, welche uns von jeder 50er-Note kritisch beäugt, war zeitlebens im Schatten ihres Gatten Hans Arp gestanden, seines Zeichens einer der bedeutendsten Vertreter des Surrealismus und Dadaismus in Literatur und Bildender Kunst. Umso schöner ist es, dass in der Ausstellung in Aarau nun endlich auch das Schaffen dieser aussergewöhnlichen Frau gewürdigt wird, denn diese war in ihrem Wirken äusserst vielfältig, beschäftigte sie sich doch mit Design, Malerei, Textilien, Zeichnungen, Plastiken, Architektur, Tanz und Szenografie.

taeuber-arp

Die Ausstellung «Sophie Taeuber-Arpt, Heute ist Morgen» bietet die Möglichkeit, die gattungsübergreifende Denk- und Vorgehensweise dieser Künstlerin zu erkunden. So finden sich im Aargauer Kunsthaus frühe textile Arbeiten, in denen sich die Vorlieben von Taueber-Arp für Abstraktion und Ornamentik zeigen, Ölgemälden mit reduzierten geometrischen Formen, Alltagsgegenstände wie Hutständer, bei denen der Gebrauchscharakter zusehends in den Hintergrund und der Kunstcharakter in den Vordergrund tritt, schlichte Möbeln, eine Vielzahl an Zeichnungen, Reliefs und und und. Vergnüglich fidel sind dabei vor allem die Marionetten-Figuren, welche Taueber-Arp für das Stück «König Hirsch» schuf, und damit auch Pionierarbeit leistete bei der Entstehung des Schweizerischen Marionetten-Theaters. Pionierarbeit leistete sie allerdings nicht nur in diesem Bereich, sondern Taueber-Arp gehörte auch zu denjenigen Personen, welche die künstlerische Bildsprache der Moderne nachhaltig prägte und dabei keine Berührungsängste zeigte vor Materialen jeglicher Natur. Was sie wohl zum Dach über dem Aargauer Bahnhofsplatz gesagt hätte?

Die Ausstellung «Sophie Taueber-Arp, Heute ist Morgen» ist noch bis am 16. November 2014 im Aargauer Kunsthaus zu sehen.

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3 Kommentare zu “Die Dame auf der 50er-Note”

  1. Christian Duerig sagt:

    Kleingeistige, kleinkarrierte, bunte Farbentupfer und noch mehr Kitsch.
    Das Leben in Australien ist szenenreich, herausfordernd und anstrengend. Die Kunst hier kennt keine Farbtüpfchen, Kitsch und Kleinkarriertes. Sie zeigt Rot, Rot und nochmals Rot. Wissen Sie weshalb ?
    Sophie Taeuber-Arpt mit dem Malerpinsel ist so verloren wie Sophie Bachmann mit der Schreibfeder. Kindisches Getue im Erwachsenenalter !

  2. Miko Hucko sagt:

    hm, also wenn ich “australian artists” google, kommt ziemlich viel Kitsch dabei heraus. Vielleicht ist eher die Kunstströmung entscheidend und nicht die Nationalität (oder das Geschlecht).

  3. Christian Zellweger sagt:

    Auch schön: Das Dach in Winterthur:

    oder Wädenswil

    und da hat sich mal jemand über Dächer ausgelassen:
    Rettet die Bahnhofplätze!

    Und Frau Taeuber-Arp? Ach, immer nur karmesinrote Felsen in der Wüste wären auch langweilig.