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weisse Männer in schwarzer Kleidung

Miko Hucko am Freitag den 12. September 2014

Ja, diese Musiker, sie müssen nur auf die Bühne kommen und schon explodiert der Saal in Erwartungsapplaus. Ein Wunder sind wir nicht alle noch aufgestanden um unseren klangvollen Göttern rechtmässig zu huldigen.Vielleicht hat das andere Gründe, jaja. Jedenfalls war der Turbinensaal der Dampfzentrale zum ersten Mal seit langem bis auf den letzten Platz besetzt. Ist das Berner Publikum einfach festivalgeil? Biennale-Eröffnungsabend.

vienn

Nach einem für Vegetarier_innen recht unspannenden Apéro gab’s mehr oder weniger schwungvolle Reden, an denen der Abteilung Kulturelles abwechslungsweise gedankt und Vorwürfe gemacht wurden wegen (auch hier!) geplanter Fusion der Biennale mit dem Musikfestival.

Dann die Show: Everyday von Christian Marclay und Ensemble, eine «musikalisch-visuelle Performance» aus dem Jahr 2011. 5 Musiker improvisieren zu zusammengeschnittenen Videoclips aus den unterschiedlichsten Filmen. Die ersten zehn Minuten war ich gebannt, weil immer nur Türklingeln und Gucklöcher und klopfende Menschen zu sehen und die unterschiedlichsten Eröffnungsgeräusche in diese Richtung zu hören waren. Ein assoziatives Prinzip war zu spüren, das sich fortziehen sollte. Ich habe nichts gegen Assoziationen, aber mit der Zeit wurde es extrem repetitiv, anstrengend und unspannend. Inhaltliche Anforderungen fehlten, eine Dramaturgie war nicht zu erkennen.

Ich war (wirklich) kurz davor einzunicken, was auch an meinem ungünstigen Sitzplatz gleich unter der Lüftung gelegen haben mag – und dann kam ein Knaller: Marschmusik! Eine ganze Blasmusiktruppe dreht eine Runde durch den Turbinensaal. Was für ein Höhepunkt, was für ein Abschluss. Aber Show ging noch on und plämperte sanft aus, indem einige Bilder vom Anfang wiederholt wurden.

Der Abend war aber noch nicht vorbei, denn wie heisst es so schön: Nach dem Apero ist vor dem Apero. Im Kesselhaus öffnete die Kunst-Allmend ihre Tore / Türe. Erstaunlich, wie klein dieser Raum wirkt, wenn man ihn mit Arbeitsmaterial füllt. So richtig bin ich in die Allmend noch nicht reingekommen, aber das war ja auch ein Pre-Opening. Ich gehe die Damen und Herren am Samstag Nachmittag mal noch richtig besuchen, sie haben nämlich durchgehend geöffnet.

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7 Kommentare zu “weisse Männer in schwarzer Kleidung”

  1. besucher sagt:

    dann schreib doch lieber nichts.

  2. Die Krstic sagt:

    Nichts schreiben, nur weil uns etwas nicht gefallen hat? Wir sind nicht die Marketingabteilung der Kultur-Stadt Bern.

  3. Ernst Ehrlich sagt:

    “Inhaltliche Anforderungen fehlten, eine Dramaturgie war nicht zu erkennen.”
    Schade, dass sich hier soweit aus dem Fenster gelehnt wird, von jemandem, der ganz anscheinend das Stück nicht verstanden hat. Und wer bei einer Länge von 50 Min schon fast am Einschlafen ist, braucht anscheinend Effekthascherei um etwas “spannend” zu finden.
    Liebe Bundblogger, schickt doch bitte das nächste mal jemand hin, der es verdient bei Euch zu schreiben.

  4. Hanna Sonnenkalb sagt:

    Ich frage mich auch, und das wäre doch mal spannend weiterzudenken: Brauchen Pop und ein dadaistischer Samplestrudel Dramaturgie und Anspruch?

  5. Miko Hucko sagt:

    @Ehrlich: Das wird langsam ein alter Hut. Jedesmal, wenn mir etwas nicht gefällt, habe ich es nicht verstanden – und keine_r der Kommentierenden kann mir erklären, wo mir das Verständnis gefehlt hat.
    @Sonnenkalb: Nö. Bitte nicht! Aber dann so tun, als wäre es etwas unglaublich Intellektuelles, dort liegt für mich der Hund begraben.

  6. Christian Zellweger sagt:

    Nein, wir müssen nicht alle gleicher Meinung sein, aber versuchen Sie es doch lieber mit Gegenargumenten als Beleidigungen…

    Übrigens: Ich glaube nicht, dass du was nicht verstanden hast, Miko. Das Konzept selbst klingt aber auch nicht so unglaublich intellektuell:

    Everyday ist eine musikalisch-visuelle Performance, die auf einer Collage von kurzen Filmclips basiert. Fünf Musiker erhalten von den Clips visuelle Signale, welche Emotion, Energie, Rhythmus, Tonlage, Lautstärke und Dauer ihrer Improvisationen bestimmen. Aus dieser Wechselwirkung entwickelt sich die musikalische Reise der Performance.

    Da hab ich also schon schlimmeres Geschwurbel zu Banalerem gelesen, glaub ich.

    Ich seh schon, warum es dir nicht gefallen hat. Ich fand es aber ganz spannend, in der Reizüberflutung durch den pop-dadaistischen Samplestrudel (sehr schön, Frau Sonnenkalb) immer wieder kleine Dinge zu entdecken, das hat mich 50 Minuten gut unterhalten.

  7. Miko Hucko sagt:

    Ja, das stimmt, das Geschwurbel war auch schon schlimmer. Die Überhöhung hat für mich glaub weniger im Text stattgefunden als durch den frenetischen Applaus schon zu Anfang – mir schien, als wüssten alle, dass es grossartig wird, und darum fanden sie’s dann auch grossartig.