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Vielseitig aber trocken

Gisela Feuz am Sonntag den 24. August 2014

Die gestrige Affiche beim Abschlussabend des 5. Berner Literaturfests wäre perfekt gewesen, um das verknöcherte und geriatrische Image, welches Literatur bei vielen vor allem jungen Menschen leider nach wie vor hat, zu verbessern. Wäre. Jawohl, Konjunktiv, denn richtig in Fahrt kommen wollte das rauschende Fest nicht.

Den durchaus vergnüglichen Einstieg machte gestern im Kornhausforum Michael Fehr, der zu Piano-Klängen von Avantgarde-Komponist Simon Ho in kurzen zum Teil dadaistisch anmutenden Geschichten die grossen Welt-Themen abhandelte. Dass der grossgewachsene Fehr dabei von Heiserkeit geplagt war, tat dem Vortrag keinen Abbruch, sondern verlieh dem Ganzen eine durchaus sympathisch raue und verruchte Note.

Was folgte, war ein Gespräch rund um Pedro Lenz’ Erfolgsgeschichte «Der Goalie bin ig» und dessen Übersetzungen, wobei der Autor selber, drei Übersetzer und eine Übersetzerin vor Ort waren: Donal McLaughlin (Schottisch), Nathalie Kehrli und Daniel Rothenbühler (Französisch) und Raphael Urweider (Hochdeutsch). Wie Lenz richtig bemerkte, sei übersetzten eben nicht einfach nur übersetzen, sondern eine Neuschöpfung und so war es denn auch spannend zu hören, welche Probleme sich bei der Findung für die Sprache des Goalies in den unterschiedlichen Zungen ergeben hatten. Eine lebendigere und dynamischere Moderation und ein anderes Setting hätten der Gesprächsrunde allerdings gut getan.

Foto Kopie

Urweider, Lenz, McLaughlin, Kehrli und Rothenbühler

Was zudem überaus schmerzlich vermisst wurde, war eine Bar, an der man sich in der Pause des doch langen Abends hätte gütlich tun können. Heilandzack, ein Abschlussabend einer Jubiläumsausgabe ohne Bar! Dort hätten doch genau der Austausch und die Begegnungen stattfinden können, welche Literatur zu etwas Lebendigem machen. So lauschte man dann halt nüchtern im nach wie vor äusserst nüchternen Setting den Vorträgen der Autören, die da sind: Lorenz Langenegger, Urs Mannhart und Christoph Simon, bevor das Spoken-Word-Kammermusik-Duo Fitzgerald & Rimini zum Abschluss neues Material vom kommenden Album «Grand Tour» präsentierte.

Vieles war gestern Abend gut. Zum Beispiel der Versuch die Bandbreite von literarischem Schaffen zu zeigen, indem nicht nur traditionell gelesen wurde, sondern auch Duos auftraten, die einen stark rhythmisierten musikalischen Gebrauch von Sprache ausloten. Schön wäre gewesen, wenn sich diese Experimentierfreude auch in der Präsentation, im Ablauf des Abends und in der Raumgestaltung manifestiert hätte. So war die ganze Angelegenheit dann doch eher auf der trockenen Seite. Und zwar nicht nur in den Kehlen.

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