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Sozi-Punk zum Nationalfeiertag

Gisela Feuz am Samstag den 2. August 2014

Auf der Schützenmatt wurde die letzen beiden Nächte der Schweizer Nationalfeiertag auf etwas andere Art und Weise gefeiert. Auf Berns Asphalt-Schandfleck wurden nicht etwa Laternen mit Schweizerkreuzen aufgestellt oder Tomaten-Mozzarella-Salat in selbiger Form gereicht, sondern das Kulturzentrum Reitschule lud zu «No Borders, No Nations» (keine Grenzen, keine Nationen), also zum grossen Fest, an welchem statt nationalem Patriotismus alternative Lebenskultur, Denkart und Menschlichkeit gefeiert werden soll. Geboten wurde eine breite Palette an Aktivitäten und Workshops in den verschiedenen Räumlichkeiten der Reitschule selber und eben auf der Schützi eine Vielzahl an Konzerten. Der Donnerstag stand dabei ganz im Zeichen von Sprechgesang und Elektro, gestern Abend wurden dann die lauten Stromgitarren eingestöpselt, wobei sich die Idee von grenzübergreifendem und solidarischem Denken als roter Faden durch den ganzen Abend zog.

Den Auftakt machte der US-Singer-Songwriter Brett Newski, ja genau der Brett Newski, der sein Debut-Album während einer ausgiebigen Reise durch Südostasien in billigen Absteigen in Thailand, Vietnam und Korea geschrieben und aufgenommen hat. Die Zürcher Hardcore-Punk-Band Überyou, die im Anschluss folgte, tourt momentan mit ihren brasilianischen Brüdern im Musikgeiste Under Bad Eyes und stellte diesen kurzfristig fast die Hälfte der eigenen Auftrittszeit inklusive Gerätschaft zur Verfügung.

anti-flag

Foto von Rössli Bar

Er habe vor Freude fast geheult, als er gehört habe, dass Anti-Flag auf die Schützenmatt spielen komme, wusste ein begeisterter Besucher zu berichten. Tatsächlich waren Glückseligkeit und Erwartungen bei vielen gross, denn wenn es eine Polit-Punk-Vorzeige-Band gibt, dann ja wohl das Quintett aus Pittsburgh, USA. Beinahe hätten es die Herren allerdings nicht rechtzeitig nach Bern geschafft, denn offenbar hatte in der Nacht zuvor der Tourbus irgendwo auf der Strecke zwischen Graz und Bern den Geist aufgegeben. Wer ihn schlussendlich repariert habe, wisse er leider auch nicht, denn er habe geschlafen, tat ein gut gelaunter Chris Barker – seines Zeichens Sänger bei Anti-Flag –  im Interview auf RaBe kund. Und nein, sie seien alles andere als müde, ihre anti-imperialistische und sozialkritische Haltung an den Mann und die Frau zu bringen, denn diese Themen seien in unserer Zeit von absoluter Dringlichkeit. Sind sie fürwahr. Und an einem Nationalfeiertag vielleicht sogar noch ein bisschen diskussionsnötiger als sonst.

Die Melodic-Punkrock-Hymnen, welche Anti-Flag dann in den Schützenmatt-Nachthimmel schmetterten, fanden grossen Anklang beim zahlreich aufmarschierten Publikum. So gab es wilden Ausdruckstanz, fröhliches Pogo-Gehopse und spartanische Slow-Motion-Posen (was macht eigentlich Schwäbi??) zu begutachten. Die fünf Amerikaner spielten routiniert und tight, betrieben die obligaten Publikumsspielchen und animierten dazu, dem Konzert-Nachbarn jetzt doch einmal die Hand zu schütteln, egal ob man diesen kenne oder nicht. Äusserst sympathische Sozi-Animation war das und eine der vergnüglichsten 1. August-Feiern seit langem in Bern. Mehr davon, bitteschön!

*Flüstermodus ein*
Bleibt alleine die Frage, warum eine Band, die sich Anti-Flag nennt, selber eine derart überdimensionierte Flagge über die Bühne spannt.
*Flüstermodus aus*

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12 Kommentare zu “Sozi-Punk zum Nationalfeiertag”

  1. Herr M sagt:

    Leider mit enttäuschend wenig Stage-Diving. Nicht wahr, Frau Feuz?

  2. Frau Feuz sagt:

    Mit überaus enttäuschend wenig Stage-Diving, werter Herr M, Sie Feigling Sie. Migros-Clubschule bietet sonst Kurse an.

  3. Y sagt:

    Übrigens: Schwäbbi das letzte Mal am Gurtenfestival bei Biffy Clyro in der vordersten Reihe gesichtet!

  4. Herr M sagt:

    Aber wohl nur die Migros-Clubschule Züri, oder? Im Zimmer gleich neben der Punk-Akrobatik.

  5. Frau Feuz sagt:

    Dieser Schwäbi-Mann hat Geschmack!
    Jawohl, werter Herr M. «Hardcore-Punk Gorilla-Moves» ist die genaue Kursbezeichnung.

  6. S. Schneider sagt:

    Ja, bitte unbedingt mehr davon! Es war genial! Und an alle Reitschule-Basher und Nörgler: Bern erlebte zwei vom “Schandfleck” bestens organisierte Tage, tausende Besucher, reibungsloser Ablauf, friedliche Stimmung ohne Zäune und Megasponsorenzelte! Schade, dass die Medien nicht ausführlich über diesen gelungenen Anlass berichten! Aber eben, es ist ja nur der Schandfleck…

  7. Beat Ziegler sagt:

    Wer braucht ein Stadtfest wenn es die Reithalle gibt!? Das wohl wunderschönste Fest in Bern seit langem! Danke Reitschule! Danke Reitschüler/innen!

  8. Christian Leu sagt:

    @Frau Feuz: Quartett nicht Quintett? :)

  9. Frau Feuz sagt:

    Hab ich eigentlich auch gemeint, werter Herr Leu, bis ich auf meine Foto fünf Mannen gezählt habe.

  10. Herr Ochsenbein sagt:

    Schwäbi-Sichtung ebenfalls erfolgt am Bejazz-Sommer (Donnerstag)!

  11. trochsler sagt:

    es ist auf alle seiten klar,kultur statt waffenexporte.Antifrostbern