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Bücherkiste: Kein Hass, sondern gerechter Zorn

Miko Hucko am Dienstag den 29. Juli 2014

Als ich der Krstic von diesem Roman geschwärmt habe, sie so: «Du hast ja nur Glück mit den Büchern im Moment!»
Ich kann dem nur zustimmen, bin jetzt schon wieder beim nächsten, Malina von Ingeborg Bachmann, das seinerzeit von Reich-Ranitzki zerrissen wurde – und es ist grossartig.

Um genau diesen Reich-Ranitzki beziehungsweise seinesgleichen und den ganzen Literaturzirkus geht es in Nachkommen. von Marlene Streeruwitz. Ihre Hauptfigur, die junge Nelia Fehn, Tochter einer toten aber erfolgreichen feministischen Autorin, schafft es auf (in?) die Shortlist des deutschen Buchpreises. Ständig wird sie mit ihrer Mutter verglichen, ständig von gesetzten Herren für ihre Jugend, ihre Weiblichkeit, ihr Aussehen in den Boden geputzt und nicht ernst genommen.

Es ist der Kampf einer Jungautorin um Anerkennung. Und man kann sich prima mit ihr identifizieren. Also mit man meine ich vor allem mich, die rezensierende WOZ-Redakteurin hat genau das Unidentifizierbare an diesem Roman zu beklagen gehabt. Aber vielleicht ist das auch eine Frage des Alters, des Anarchismus’, des Vegetarismus’ – der Radikalität. Dass die Streeruwitz ein meines Erachtens so genaues Abbild der Kämpfe meiner Generation geben kann. Trotz ihres Alters.

Das Buch habe ich als Leseempfehlung auf meine FB-Wand gepinnt erhalten, mit der angehängten Rezension im Freitag Die Männerhasserin. Das hat mir natürlich total Lust gemacht, obwohl ich jetzt sagen kann: Der Roman ist keine eiskalte oder verbitterte Abrechnung mit einer männlich dominierten Welt, sondern eine intelligente und sprachlich umwerfende (Sätze wie aus dem Maschinengewehr!) Erschaffung einer weiblichen Genealogie.

Eine kleine Kostprobe, der Inhalt bewusst gewählt:

dass nur ein Museum ein Museum war, wenn es keinen Eintritt kostete. dass nur in so einem Museum die Kunstwerke Kunst blieben. wenn man zahlen musste, dann musste die Kunst gleich wieder etwas leisten. dann wurden die alten Mechanismen wieder eingesetzt und Wunscherfüllungen eingekauft. Bezahlung. das gab den Dingen Sinn. denn falschen Sinn, aber Sinn. dann war die Sinnlosigkeit von Kunst verloren. die Freiheit war verloren. und nichts blieb.

Also wenn das nicht für den Buchpreis nominiert wird, dann weiss ich auch nicht mehr.

(Der Geniestreich dauert im übrigen an: Der Roman der Hauptfigur Nelia Fehn, getitelt «Reise einer jungen Anarchistin nach Griechenland», erscheint im Herbst, pünktlich zur Frankfurter Buchmesse. Zwei Bücher auf einen Streich, potz.)

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4 Kommentare zu “Bücherkiste: Kein Hass, sondern gerechter Zorn”

  1. Kretz sagt:

    Wird in die Ferienlekrüre-Shortlist aufgenommen! Obwohl Sie mir mit dieser Altersfrage ja ein bisschen Angst gemacht haben.

  2. Miko Hucko sagt:

    ach, ich neige zu Polemik, das wissen Sie doch. aber die WOZ-Rezensentin hat das halt auch so raushängen lassen, da konnte ich nicht dran vorbeischauen.

  3. Kretz sagt:

    Ich lese es zur Sicherheit in der ersten Hälfte des Urlaubs, weil in der Mitte werde ich dann sogar noch ein Jahr älter.

  4. Miko Hucko sagt:

    na, ratet mal, wer nominiert ist!
    http://www.deutscher-buchpreis.de/de/810636/