Logo

Kaputte Bahn und schottisches Gitarrenbrett

Gisela Feuz am Freitag den 18. Juli 2014

Worst Case. Die Gurten-Bahn sei kaputt, hiess es gestern Nachmittag plötzlich, nachdem bereits ordentlich viele Menschen ordentlich lange Zeit in der Warteschlange an der Gurtenbahn-Talstation verbracht hatten. Der Türschliesser der einen Kabine wollte offenbar nicht mehr und legte so die ganze Bahn lahm, welche normalerweise den grössten Teil der Konzertbesucher auf den Berner Hausberg ans Gurtenfestival bringt. Nein, dieses Teil habe er ausgerechnet nicht bei sich, weil das eigentlich nie kaputt gehe, stellte der schnellstmöglich bestellte Monteur fest, weswegen dafür zuerst nach Solothurn gebraust werden musste. Viele Besucher nahmen dann in der Gluthitze den 45-minütigen Fussmarsch bergauf auf sich, andere harrten und hofften weiter in der Warteschlange und tatsächlich fuhr denn die Bahn nach drei Stunden wieder, wenn anfänglich auch nur mit einer Kabine und im Schritttempo. (Polizisten jetzt bitte beim dritten Abschnitt weiterlesen.)

Eine DJane wurde gar, weil sie sonst ihr DJ-Set verpasst hätte, von einem galanten Ritter der Strasse auf seiner 60-jährigen Vespa in halsbrecherischer Fahrt auf den Hügel geleitet. «Dr Rücksitz hani leider vor äs paar Tag abmontiert.» Nein, blaue Flecken gabs trotzdem keine, weil die alten Vespas ja zum Glück gut gefedert sind.

Oben herrschte dann beste Stimmung und eitler Sonnenschein. Das Gurtenfestival war trotz Bähnli-Panne bereits gut besucht, die Jugend tanzte und quietschte vergnügt (die Mädchen), rüpelte teenagerig herum (die Buben) und allesamt schwenkten sie zu den Klängen der Glanton Gang einen Arm durch die Luft. Der Arm konnte im Anschluss gleich im Anschlag behalten werden, denn was auf der Hauptbühne folgte, waren die Altmeister von Cypress Hill, die Hip Hop-Combo aus Los Angeles, die sich in ihren Texten oft mit dem Thema Hanf auseinandersetzt und sich stark macht für dessen Legalisierung. Süssliche Duftschwaden aus allen Gurten-Ecken und Enden verrieten dabei, dass Cypress Hill mit ihrer Message offenbar auf einige Zustimmung bei der Zuhörerschaft stiessen.

biffy1

Biffy Clyro Frontmann Simon Neil

«Die fahre ja äs uhure Brätt füre Gurte», hielt  im Anschluss ein Besucher beim Konzert von Biffy Clyro erstaunt fest. Tatsächlich bretterten die Schotten, was das Zeugs hielt und tatsächlich war es für Gurten-Verhältnisse richtig schön laut. Auch wenn das Trio aus Ayrshire auf den letzten beiden Alben phasenweise ein bisschen poppiger daherkam, so vergessen die Herren doch nie ihre progressiven Wurzeln. Es ist dieser Mix aus Stadionrock-Versatzstücken, Bombast, epischen Hymnen und dynamischem Spiel, wilden avangardistischen und brettharten Gitarrenwänden, der den Sound von Biffy Clyro so betörend macht. Und dass sie dann auch noch sehr sympathisch auftreten und dieser ewig tänzelnde Gitarren-Adonis Simon Neil eine wahre Augenweide ist, liess gestern selbst gestandene Weiber wie die Schreiberin vor Freude quietschen.

Das ausverkaufte Gurtenfestival dauert noch bis am Sonntag auf dem Berner Hausberg, unter anderem mit Massive Attack, The Prodigy, Sportfreunde Stiller, Franz Ferdinand uva.

« Zur Übersicht

7 Kommentare zu “Kaputte Bahn und schottisches Gitarrenbrett”

  1. dudEn sagt:

    …und das quiEtschen hat wohl beim heftig auf- und abhüpfen sein E verloren…

  2. Frau Feuz sagt:

    Sie haben natürlich recht, werter Herr Duden. Danke für die Berichtigung.
    Ausgequietscht, Ihre FF

  3. Ritter der Strasse sagt:

    Heja Olive

    Das war ja mal richtig Äcktschen zum Auftakt des diesjährigen Gurten Festivals!
    Der werte Ritter zeigt sich erfreut das die Djane den Höllenritt unbeschadet überstanden hat und rechtzeitig am Set erscheinen konnte.

    Doch der Taten nicht genug hatte die alte Lady heute noch einen Einsatz als Tierambulanz bei welchem eine verletzte Taube mit gebrochenen Flügel vom Gurten in rasanter Fahrt unter Blaulicht und Stephanshorn zur Taubenplegestation im Dällhölzli transportiert wurde!

    Thats Güsche, thats Rock n’ Roll!

    Es grüsst der Ritter der Strasse

  4. Frau Feuz sagt:

    Der alten Lady und Ihnen, werter Ritter, gehört ein Orden verliehen für die Rettung alter Hühner. Oder so ähnlich.

  5. Ritter der Strasse sagt:

    Nun, dieses Wochenende waren es nur musizierende Burgfräulein und Brieftauben…
    Hühner haben wir keine getroffen.

  6. Frau Feuz sagt:

    … und einen dicken Zusatzorden für Galanterie kriegt er auch noch gleich auf die Rüstung gepappt, der Herr RItter.

  7. Frau Feuz sagt:

    Werter Ritter der Strasse, die Brieftaube hat leider Ihre Adresse nicht finden können, das dumme Vieh. Drum auf diesem Weg: herzlichst gedankt für Ihre Post!